Enter your email address below and subscribe to our newsletter

1.500m-Olympiasieger Ron Delany verstorben

Die irische Mittelstreckenlegende Ron Delany, Olympiasieger im 1.500m-Lauf von Melbourne 1956, ist am Mittwoch im Alter von 91 Jahren verstorben.
Weiterlesen

Share your love

1. Dezember 1956, der heute noch existierende Melbourne Cricket Ground, war bis zum letzten Platz gefüllt. Der 21-jährige Ronald Michael Delany, kurz Ron oder liebevoll Ronnie, war an diesem Tag wohl der Glücklichste im Stadion. Beide Arme einen Moment lang weit von sich gespreizt gestreckt, überquerte er jubelnd als deutlicher Sieger die Ziellinie des Olympischen Finals im 1.500m-Lauf: 3:41,2 Minuten, neuer Olympischer Rekord, fast Weltrekord.

    Mit einer Fabelschlussrunde hatte Ron Delany auch dafür gesorgt, dass das Stimmungsbarometer im Melbourne Cricket Ground sank. Denn das Publikum hätte nur allzu gerne seinen Lokalmatador John Landy vorne gesehen. Der in Melbourne aufgewachsene Athlet, Hauptkontrahent von Sir Roger Bannister auf der legendären Jagd zur ersten sub-4-Meile im Jahr 1954 und einer der beiden Hauptprotagonisten im „Jahrhundertrennen“ gegen Bannister bei den British Empire and Commonwealth Games in Vancouver 1954, wollte an diesem Nachmittag seine Karriere krönen. Der Australier führte tatsächlich lange Zeit, agierte aber in der Schlussrunde zögerlich und musste dem Iren Ron Delany und DDR-Athlet Klaus Richtzenhain den Vortritt lassen. Delany telegraphierte wenig später um die halbe Welt an seinen Trainer Jack Sweeney: „We did it Jack!“

    Eine irische Sportlegende

    Der Olympiasieg von Ron Delany ist ein historisch ausgesprochen prägendes Ereignis für den irischen Sport. Nie wieder hat seither eine irische Leichtathletin oder ein irischer Leichtathlet eine Olympische Goldmedaille gewonnen, selbst Sonia O’Sullivan gelang das nicht. 36 Jahre lang war Delany der letzte Olympiasieger aus Irland, ehe der Boxer Michael Carruth 1992 in Barcelona Olympisches Gold holte.

    Eine Paradeschlussrunde

    Eingangs der letzten Kurve hielt sich Delany noch im Mittelfeld an, doch auf der Außenbahn startete er ein eindrucksvolles Überholmanöver und kämpfte sich bis eingangs der Zielgerade ganz an die Spitze. Der verzweifelte Blick über die Schulter des bis 80 Meter vor Schluss führenden Briten Brian Hewson, am Ende Fünfter, sprach Bände. Es war der Moment der Vorentscheidung zugunsten des in einem grünen Shirt laufenden Außenseiters, der mit fast einer Sekunde Vorsprung gewann. Diese Sternstunde machte ihn zum Nationalheld in seiner Heimat, die damals in einer wirtschaftlich delikaten Ära steckte.

    Olaf Brockmann mit Ron Delany im Jahr 2019. © Cathal Dennehy

    Ein irischer Sportheld

    Delany, später auch Präsident des Irischen Olympischen Komitees, war 64 Jahre lang mit Joan Riordan verheiratet, das Paar bekam vier Kinder. Am 11. März verstarb die irische Sportlegende im Alter von 91 Jahren. „Ron ist ein Koloss der irischen Leichtathletik“, würdigt ihn Sebastian Coe, Präsident von World Athletics. „Er hat Generationen irischer Leichtathletinnen und Leichtathleten inspiriert.“ Der irische Sportminister Patrick O’Donovan adelte Delany in irischen Medien als „Role Model in seiner Heimat und im Ausland“.

    Autor: Thomas Kofler
    Bilder: © Olaf Brockmann, Cathal Dennehy

    Share your love