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Julla Mayer hat beim Valencia Marathon am vergangenen Sonntag den österreichischen Marathonrekord auf eine Zeit von 2:26:08 Stunden verbessert. Damit platzierte sich die 32-Jährige in einem Feld mit einer beachtlichen Dichte auf dem starken 14. Platz. Im Duell zweier kenianischer Topläuferinnen gelang Joyciline Jepkosgei ihr wohl größter Erfolg.
Euphorie brach keine grenzenlose aus, die Freue über den neuen österreichischen Rekord war aber da. 2:26:08 Stunden nach dem Startsignal erreichte Julia Mayer (DSG Wien) das Ziel des Valencia Marathon 2025. Schneller, als je zuvor eine österreichische Läuferin die 42,195 Kilometer hinter sich gebracht hat. 35 Sekunden schneller als sie selbst an gleicher Stelle vor zwei Jahren. „Mir war vorher bewusst, dass ich so schnell laufen kann. Natürlich ist die Erleichterung da, den Rekord auch gebrochen zu haben und das auch deutlich. Grundsätzlich ist ein österreichischer Rekord immer etwas Schönes“, so Mayer.
Mit der Leistung beim Valencia Marathon endet auch ein doppelter Marathon-Zyklus, der Julia Mayer aus einer Talsohle heraus zurück in jene Position gebracht hat, in der sie schon war und in der sie sich auch selbst sieht. Nach den Spielen in Paris brauchte die Österreicherin ihre Zeit, neue Ziele zu akzeptieren und sich vertraut mit dem Weg dort hin zu machen. Denn das bedeutete den nächsten Schritt in der Intensität zu machen.
„Die Anpassung ist mir schwer gefallen. Vielleicht wollte ich nicht wahrhaben, was jetzt vor mir lag: nämlich die Notwendigkeit des nächsten Levels, um meine nächsten Ziele zu attackieren. Jetzt ist dieser mentale Schalter umgelegt und dieser Schritt ist die Basis für das, was ich jetzt im letzten halben Jahr ermöglicht habe: ein körperlich hartes, schnelles und intensives Training, das sich in Wettkampfergebnissen widerspiegelt.“
Mayer fühle sich jetzt genau da, wo sie sich im Sommer erwünscht hatte. Erst gelang eine gute Vorbereitung auf die WM in Tokio mit Platz 33. Fast direkt im Anschluss der Wiedereinstieg ins Training auf hohem Niveau mit der fast idealen Vorbereitung auf Valencia mit zwei leicht reduzierten Trainingswochen in der heißesten Phase aus gesundheitlichen Gründen. „Ich glaube, ich kann jetzt schon genießen, was mir diese Saison noch gelungen ist. Es war ein spezielles Jahr. Im Trainingslager in Südafrika zu Jahresbeginn fühlte ich die Hölle auf Erden. Nicht einmal ein Jahr später stehe ich gestärkt da, weil es seit Jahresmitte ständig bergauf gegangen ist“, blickt die Niederösterreicherin zurück.
An dieses Halbjahr wolle sie nun 2026 mit Fokus auf Marathon und den Europameisterschaften als erklärtes Ziel anknüpfen. Aber, erst nach einem zweiwöchigem Urlaub zur Erholung. „Ich bin Profi genug, dass ich jetzt weiß, dass ich eine Pause brauche. Auch wenn das Gefühl direkt nach dem Marathon gut war. Mir tut nichts weh. Aber mental waren diese beiden Marathon-Aufbaus hintereinander schon eine Herausforderung“, so Mayer.

Nur allzu gerne hätte die Niederösterreicherin eine Zeit unter 2:26 Stunden auf der Zeittafel gesehen, knapp hat es nicht gereicht. Es war ein kleiner schwarzer Patzer auf einem sonst von einem bunten Regenbogen übersäten Bild. Die Passage mit Windböen von vorne, so zwischen Kilometer 30 und 35, war laut Mayers Einschätzung ausschlaggebend dafür, dass es am Ende nicht zur 2:25er Zeit gereicht hat. Es ist ein Schönheitsfehler, der in Valencia vielleicht mehr zählt als anderswo. „Diese Strecke hier, dieser Event ist wie ein Scharfrichter. Hier zählt die Zeit, nicht die Platzierung! Hier fehlen dir die Ausreden, wenn es nicht klappt“, erklärt sie.
So schonungslos kann der Druck auf den Schultern von Athletinnen und Athleten in Valencia sein. Meistens steht nur die Perspektive der Idealstrecke und die Chance, das am Limit zu performen auf der Anzeigetafel zu sehen, im Vordergrund. Mayer kämpfte bis zum allerletzten Meter um jede Sekunde: „So schmerzhaft wie die letzten Minuten war ein Marathon von mir noch nie. Ich konnte das gar nicht genießen, besonders die letzten 800 Meter haben extrem weg getan. Ich wollte unbedingt jede einzelne Sekunde herausquetschen.“
Der Marathon in Valencia war einer entlang des aufsteigenden Asts für die 32-Jährige. Nachdem sie sich, freilich auf hohem Niveau, in den Marathon hineingetastet hatte, gelangen ihr zwischen Kilometer zehn und dem Halbmarathon die schnellsten Kilometer. So erreichte sie in dieser Phase auch eine von einem Tempomacher betreute Gruppe, die im Fortlauf des Rennens langsam kleiner wurde. Auch recht prominente Namen der Szene wie Genevieve Gregson aus Australien, die Amerikanerin Keira D’Amato oder die Ungarin Nora Szabo konnten das Tempo nicht so gut halten wie Mayer. Und so bot ihr der Tempomacher die Unterstützung für ihr individuelles Ziel an.
Wichtige Zwischenzeiten auswendig zur Orientierung einstudiert, hatte Mayer ihre Uhr am Handgelenk ständig im Blick. „Der Rennverlauf hat mich extrem beflügelt“, meint sie. Bis Kilometer 30 fühlte sie sich auf Kurs einer Zeit unter 2:26 Stunden. Doch auf den folgenden Kilometern musste sie viel investieren und die entscheidenden Sekunden gingen verloren, obwohl ihr ein beeindruckendes Finale glückte. Retrospektiv mag es eine Randnotiz bleiben – für Julia Mayer steht das Resultat als brauchbares Sprungbrett in das nächste Wettkampfjahr da. Zumal das EM-Limit von 2:27:00 Stunden nun in trockenen Tüchern ist. Und der österreichische Laufsport hat eine neue Bestmarke notiert.
Der Wettkampf der Frauen begann mit einem sportlichen Feuerwerk. Abgesehen von den ersten fünf Kilometern zog die gepacte Spitzengruppe mit einem enormen Tempo zur Halbmarathon-Zwischenzeit von 1:06:33 Stunden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Streckenrekordhalterin Amane Beriso und ihre äthiopische Landsfrau Fikrte Wereta bereits deutlich zurückgefallen. Beide konnten das Rennen nicht beenden.
Vorne lieferten sich Peres Jepchirchir, Siegerin von 2020, und ihre Landsfrau Joyciline Jepkosgei ein Duell auf höchstem Niveau. Erst ab Kilometer 30 reduzierten die beiden das Tempo auf über 16 Minuten pro fünf Kilometer. Doch sowohl die Verbesserung des Streckenrekords (2:14:58) als auch die Verbesserung der Weltjahresbestleistung von Chicago-Siegerin Hawi Feysa (2:14:57) gelang: Jepkosgei finishte in 2:14:00 Stunden und katapultierte sich mit einer Verbesserung ihrer persönlichen Bestleistung um fast zweieinhalb Minuten auf Platz vier der ewigen Weltbestenliste. „Ich bin sehr aufgeregt. Unglaublich, dass ich gewonnen habe. Definitiv ist Valencia ein Glücksort für mich. Hier habe ich vor einigen Jahren den Halbmarathon-Weltrekord verbessert und nun eine tolle Marathon-Bestzeit aufgestellt“, jubelte sie. Es ist der dritte große Marathon-Triumph für die 31-Jährige nach ihren Siegen in New York (2019) und London (2021).
Auch der amtierenden Weltmeisterin Peres Jepchirchir, die drei Kilometer vor dem Ziel dem Tempo ihrer Landsfrau nicht mehr folgen konnte, gelang eine deutliche Verbesserung ihres „Hausrekords“. Die 32-Jährige ist nun in 2:14:43 Stunden neue Sechste in der ewigen Bestenliste.

Hinter den beiden Kenianerinnen, die die Nächstbesten um über sechs Minuten distanzierten, regnete es Landesrekorde – ganz im Sinne des Veranstalters, der gezielt auf nationale Rekorde abzielt. Den eindrucksvollsten lief Chloé Herbiet, amtierende Straßenlauf-Europameisterin im Halbmarathon aus Belgien. Sie verbesserte ihre Marathon-Bestleistung um über vier Minuten und steigerte den 23 Jahre alten belgischen Rekord der mehrfachen Paris-Siegerin Marleen Renders um zweieinhalb Minuten auf eine Zeit von 2:20:38 Stunden.
Zehn Sekunden später stand der neue finnische Rekord von Alisa Vainio fest. Die 29-Jährige absolvierte bereits ihren dritten Marathon binnen zweieinhalb Monaten: Platz fünf bei den Weltmeisterschaften war ein finnischer Rekord in 2:23:05 Stunden bei den finnischen Meisterschaften Anfang Oktober gefolgt. Nun gelang in Valencia ein um 2:18 Minuten schneller Marathon, womit Vainio nun sechs der schnellsten acht finnischen Marathons hält.
Neue australische Rekordhalterin ist Jessica Stenson mit einer Zeit von 2:21:24 Stunden. Die 38-Jährige verbesserte sich in Valencia um eineinhalb Minuten gegenüber dem Tokio Marathon im Frühjahr und blieb zehn Sekunden unter dem bisherigen australischen Rekord von Sinead Diver, die diesen vor drei Jahren ebenfalls in Valencia aufgestellt hatte. Die Südafrikanerin Glenrose Xaba verpasste ihren eigenen Landesrekord um exakt eine Minute und wurde Wettkampf-Sechste.
Julia Mayers neuer Rekord war das österreichische Highlight am Valencia Marathon 2025. Insgesamt finishten 53 Marathonläuferinnen und 125 Marathonläufer aus Österreich den gestrigen Valencia Marathon. Neben Mayer blieben auch noch Lisa Reisch (DSG Wien, 2:43:41) und Katharina Loidl (TRI RUN KUCHL, 2:59:18) unter drei Stunden. Bei den Männern liefen neben Andreas Vojta noch Markus Hartinger (LTV Köflach, 2:28:02) und Marcel Rüdisser (TS Hohenems, 2:28:05) unter 2:30 Stunden.
Mit viel Vorfreude ging Gesa Felicitas Krause in ihren ersten Marathon – ein Erfolgserlebnis kam für die zweifache WM-Medaillengewinnerin im 3.000m-Hindernislauf nicht heraus. Die 33-Jährige lag lange Zeit auf Kurs einer Zeit rund um 2:27 Stunden, gab aber nach zwei Dritteln auf. „Ich wünschte, ich hätte eine Erklärung, warum mein Körper ab Kilometer 26 plötzlich gestreikt hat“, schrieb sie auf Instagram.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SIP / Johannes Langer, © Valencia Marathon