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26:01 – Kwizera historisch schnell, aber kein Weltrekord

26:01 Minuten! So schnell war noch nie ein Läufer über 10 Kilometer. Ein abschüssiger und fast kerzengerader Kurs in Madrid half Rodrigue Kwizera, die Zeit bleibt somit eine inoffizielle.
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Er wollte sein Limit austesten und hat genau das getan. Beim Madrid Vintage Run über zehn Kilometer blieb Rodrigue Kwizera deutlich unter dem bisherigen Weltrekord. Doch weil die fast in einer Linie verlaufende Strecke abschüssig ist, erkennt der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) diese Zeit nicht als offiziellen Weltrekord an und versieht die Leistung im Statistikportal mit einem Sternchen. Am gestrigen Sonntag ging es einzig und allein darum zu zeigen, wie schnell ein Läufer eine zehn Kilometer lange Strecke zurücklegen kann. 26:01 Minuten lautet die vorläufige Antwort!

Ob bergab oder nicht: Eine Zeit von 26:01 Minuten auf zehn Kilometer ist verdammt schnell. 2:36 Minuten pro Kilometer und das zehnmal in Folge. Aber in der Vergleichbarkeit mit Leistungen anderer Athleten liefert der Madrid Vintage Run begrenzte Voraussetzungen. Denn auf der fast kurvenarmen Strecke, vom Norden durch das Zentrum in den Süden der spanischen Hauptstadt, verlieren die Teilnehmer:innen 161 Höhenmeter. Die Strecke widerspricht also nicht nur aufgrund des Gefälles dem Regelwerk von World Athletics, sondern auch aufgrund der zu großen Distanz zwischen Start- und Ziellinie.

Schneller denn je

Auch wenn es letztlich unwichtig ist, zum Vergleich: Der offizielle Weltrekord im 10km-Lauf liegt bei einer Zeit von 26:31 Minuten und wird gehalten vom Marathon-Wunder-Debütant Yomif Kejelcha, also eine halbe Minute hinter Kwizeras Siegerleistung vom Sonntag. Der Kenianer Rhonex Kipruto war einmal etwas schneller, sein Weltrekord wurde ihm aber gestrichen, weil unerlaubte Substanzen ihm einen unfairen Vorteil gegeben hatten – seine Dopingsperre hält weiterhin an.

Die Zeit unter dem Weltrekord kam mit Ansage. Bereits im Vorfeld schwärmte der Veranstalter laut spanischen Medienberichten von der Verpflichtung Kwizeras: „Wir träumen schon seit Jahren von einem Athleten, der dieses Rennen in unbekanntes Terrain führen kann. Rodrigue ist einer der wenigen weltweit, der uns helfen kann, herauszufinden, wo die Grenze wirklich liegt.“ Veranstaltet wird der Madrid Vintage Run von niemand anderes als der Sportorganisation MAPOMA, die viele bedeutende Laufveranstaltungen in der spanischen Hauptstadt durchführt, darunter den Madrid Marathon und den Madrid Halbmarathon.

Neo-Spanier

Kwizeras Leistung ist also, wenngleich nicht Bestenlisten tauglich, eine beachtliche – der Weltrekord im 10.000m-Lauf auf der Bahn liegt bei einer Zeit von 26:11,00 Minuten (Joshua Cheptegei). Da erstaunt es, dass internationale Medien kaum darüber berichten. Ganz anders in Spanien, schließlich lebt der in Burundi lebende Athlet seit vielen Jahren in Castellon.

Dort schreiben die Sportzeitungen über Kwizeras Leistung, vielleicht auch deshalb so prominent, weil der 26-Jährige kürzlich die spanische Staatsbürgerschaft erhalten hat. WM-Siebter im 10.000m-Lauf war er schon einmal, für Burundi, dazu zweimal in den Top-Ten bei Crosslauf-Weltmeisterschaften. Kwizera ist Weltranglisten-Dritter im Crosslauf und -Fünfter im Straßenlauf. Im laufenden Kalenderjahr begeisterte er mit einem Halbmarathonsieg in Prag in 58:16 Minuten. Zuletzt gewann er zwei 10km-Läufe in Indien und Norwegen – in beiden Fällen war er rund eineinhalb Minuten länger auf der Strecke als gestern in Madrid.

Grenzen verschoben

Einen offiziellen Weltrekord zu erzielen, war übrigens nie das Ziel des Veranstalters. Es ging rein um die Inszenierung, allerdings schon im Rahmen eines Laufevents, das für 10.000 Läufer:innen Startplätze vorsah. Konzipiert wurde jedoch eine möglichst dem Ideal entsprechende Laufstrecke für Vollgas. Auf der Website wird der Kurs als die (wahrscheinlich) schnellste 10km-Strecke der Welt bezeichnet. Sie hat ein Vermessungszertifikat des spanischen Leichtathletik-Verbandes RFEA.

Ein spezielles Pacemakerteam unterstützte Kwizera auf seinem Weg, doch die Höchstleistung erreichte der Athlet auf der zweiten, etwas schnelleren Streckenhälfte, als er bereits alleine an der Spitze agierte. Diese zweite Halbzeit absolvierte er in unglaublichen 12:47 Minuten – das ist schneller als Berihu Aregawis Weltrekord im 5km-Straßenlauf. „Wir sind stolz darauf, dass dieser historische Moment hier stattgefunden hat. Madrid hat gezeigt, dass Grenzen keine festen Linien sind, sondern sich verschieben lassen“, wird Pedro Rumbao, CEO von MAPOMA, auf der spanischen Website von Runner’s World zitiert.

Barega gewinnt Great Manchester Run

Gänzlich Bestenlisten tauglich ist die Strecke des Great Manchester Run – und auch dieser Event hatte gestern einen Topstar am Start. Selemon Barega, Olympiasieger im 10.000m-Lauf von Tokio 2021, siegte in einer Zeit von 27:37 Minuten. Er setzte sich knapp gegen Santiago Catrofe aus Uruguay und Oscar Chelimo aus Uganda durch. Bei den Frauen siegte Europarekordhalterin Klara Lukan aus Slowenien in 30:58 Minuten vor der US-Amerikanerin Weini Kelati und Amy-Eloise Neale, die sich den britischen Meistertitel sicherte. Konstanze Klosterhalfen aus Deutschland lief mit Lukan mit, übernahm sich und brach ein: 32:36 Minuten und Platz sechs.

Baregas Siegerzeit ist eine der besseren in der Veranstaltungshistorie. Der Äthiopier reiht sich ein in eine Siegerliste, die sich liest, wie das Who is Who im Langstreckenlauf: Paul Tergat gewann den Premierenevent, Haile Gebselassie und Tirunesh Dibaba jeweils gleich fünfmal, Kenenisa Bekele zweimal, Mo Farah, Jacob Kiplimo, Sonia O’Sullivan, Lornah Kiplagat und Dreifachsiegerin Hellen Obiri. Ein Name sticht in Rot-Weiß-Rot hervor: Günther Weidlinger triumphierte 2008 – in immer noch gültigem ÖLV-Rekord von 28:10 Minuten.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Unsplash

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