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3.000m-Hindernislauf der Frauen, Vorschau: In Eintracht zur Revanche

Die Laufnation Kenia ist mit einer großen, offenen Rechnung nach Doha gereist. Der US-Doppelsieg von Emma Coburn und Courtney Frerichs vor zwei Jahren in London führte zum schlechtesten WM-Ergebnis seit 2007 – also seitdem sich die Kenianerinnen in der bei…

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Die Laufnation Kenia ist mit einer großen, offenen Rechnung nach Doha gereist. Der US-Doppelsieg von Emma Coburn und Courtney Frerichs vor zwei Jahren in London führte zum schlechtesten WM-Ergebnis seit 2007 – also seitdem sich die Kenianerinnen in der bei den Frauen noch jungen Disziplin etabliert haben und nach jenen Erfolgen streben, die ihre Landsleute in der kenianischen Spezialdisziplin schlechthin seit Jahren und Jahrzehnten feiern. Und ganz besonders Beatrice Chepkoech, die seit dem WM-Rennen in London nur zwei internationale Rennen nicht gewinnen konnte und in Monaco 2018 einen Fabel-Weltrekord von 8:44,32 Minuten aufgestellt hat, hat einen ordentlichen Schleim, wenn sie an die WM 2017 denkt. Damals lief sie als klare Favoritin am ersten Hindernis vorbei und riss sich eine Hypothek auf, die sie in diesem Rennen nicht mehr abbezahlen konnte. Als „blecherne“ Vierte verließ sie die britische Hauptstadt, zwei Jahre später ist endlich die Gelegenheit zur Revanche da. „Damals hatte ich noch kaum Erfahrung im 3.000m-Hindernislauf. Aber nun habe ich taktisch enorm dazugelernt und bin als Läuferin gewachsen. Die schmerzvollen Erinnerungen an damals sind Motivation für Doha“, sagte sie gegenüber dem kenianischen Radiosender Capital FM.
 
 
Bewerb: 3.000m-Hindernislauf der Frauen
Startzeit: Montag, 30. September um 21:50 Uhr Ortszeit (20:50 Uhr MEZ)
Olympiasiegerin 2016: Ruth Jebet (Bahrain) *
Titelverteidigerin: Emma Coburn (USA)
Rekord-Weltmeisterin: keine Mehrfachsiegerinnen
Erfolgreichste Nation: Russland und Kenia mit je zwei WM-Titeln
WM-Rekord: Emma Coburn (USA) in 9:02,58 Minuten (London 2017)
Weltjahresbestleistung: Beatrice Chepkoech (Kenia) in 8:55,58 Minuten (Stanford)
Favoritin: Beatrice Chepkoech (Kenia)
 
* aktuell wegen Doping gesperrt
 
 
Wie sehr Kenia nach WM-Gold im 3.000m-Hindernislauf strebt, demonstrierten die drei WM-Finalistinnen vor knapp drei Wochen bei den kenianischen Vorausscheidungen in Nairobi. Beatrice Chepkoech, Hyvin Kiyeng und Celliphine Chespol liefen Hand in Hand über die Ziellinie. Damit setzten sie eine eindeutige Botschaft ab und signalisierten Einheit in der Ambition, Revanche für 2017 zu geben. „Wir planen einen Sweep“, kündigte Hyvin Kiyeng, Weltmeisterin 2015 und Bronzemedaillengewinnerin vor zwei Jahren, nach den Vorläufen selbstbewusst an. Der Schlüssel dafür: „Teamwork!“ Noch deutlicher hatte es Top-Favoritin Chepkoech nach den Trials formuliert: „Wir wollen in Doha die restliche Welt zerstören.“ Nichts Geringeres erwarten die frenetischen Lauffans in ihrem Heimatland auch.
 
 
10.000m-Lauf der Frauen: Premieren-Gold: Hassan kontert Gidey
Marathon der Frauen: Favorisierte Ruth Chepngetich Marathon-Weltmeisterin
Vorschau 800m-Finale der Frauen: Lang ersehnte Chance für Wilson
Vorläufe: Alle Favoritinnen im Hindernislauf-Finale
 
 

Der skurrille Moment beim WM-Rennen in London. Beatrice Chepkoech läuft am Wassergraben vorbei. © Getty Images for IAAF
 

Chepkoech haushohe Favoritin

Alles andere als ein WM-Titel für Beatrice Chepkoech, die die Saison dominiert hat, wäre eine faustdicke Sensation. Läuft die 28-Jährige in die Nähe ihres Top-Leistungsniveaus, ist sie definitiv nicht schlagbar. Und daher stellt sich auch die Frage nach der Taktik. Wenn Chepkoech in der Diamond League, üblicherweise einen Kilometer lang von einer Tempomacherin unterstützt, von Beginn an höchstes Tempo läuft, kann die Konkurrenz ihr nie widerstehen. Und die Kenianerin ist fähig, trotz einer riskanten Taktik das Werk in einem vernünftigen Tempo in der Schlussphase zu vollenden. Bei einem Meisterschaftsrennen ist eine derartige Strategie allerdings riskanter, weil eben die Orientierung und der Windschatten der Tempomacherinnen von Beginn an fehlt. Keine Erkenntnisse hat die Hindernislauf-Welt, wie sich Chepkoech in einem typischen Meisterschaftsrennen mit einer entscheidenden, pfeilschnellen Schlussphase schlägt. Daher ist es auch nicht anzunehmen, dass die Kenianerin sich auf derartige Spielchen einlässt. Sie wird früh auf die Tube drücken. Wie sich dann ihre Landsfrauen Kiyeng, die sich in Topform ankündigt, und Chespol, die zu den Medaillenkandidatinnen gehören, verhalten, wird von ihrer physischen Verfassung abhängen. Mit Chepkoech mitzugehen, wenn diese 100% anschlägt, birgt ein hohes Risiko. „Wenn wir gut zusammenarbeiten, ist nichts unmöglich“, beschwichtigte Chepkoech, wohl auch einen Dreifachsieg mit ihr selbst an der Spitze im Hinterkopf.
 

Wunder von London wiederholbar?

Mit brillanten Leistungen feierten Emma Coburn und Courtney Frerichs vor zwei Jahren in London einen erstaunlichen und nicht nur in den USA viel umjubelten Doppelsieg. Dass ein ähnliches Szenario in Doha wiederholbar ist, ist aufgrund der Stärke von Chepkoech unwahrscheinlich. Doch beide haben in den letzten Wochen und auch im WM-Vorlauf gezeigt, dass sie in starker Verfassung zur WM gekommen sind und kräftig mitmischen wollen, wenn es um Gold, Silber und Bronze geht. Frerichs absolvierte in diesem Jahr vor dem WM-Vorlauf nur zwei wichtige Wettkämpfe auf US-Boden, darunter Rang zwei bei den US-Trials hinter Serienchampion Coburn. Die 26-Jährige, bei der es nach der erfolgreichen 2017er Saison nicht so gut lief, arbeitet seither intensiv mit einem Sportpsychologen zusammen, um angesichts der gestiegenen Erwartungshaltung und dem Druck wieder lockerer zu werden. Ihre 28-Jährige Landsfrau aus Colorado stellte sich deutlich öfters der internationalen Konkurrenz und schlug sich gut. Die Erfahrung aus dem Diamond-League-Finale in Zürich, als sie dem Tempodiktat Chepkoech Folge leistete und in den letzten beiden Runden einbrach, dürfte entscheidende Erkenntnisse für das WM-Rennen gebracht haben. Das Mehr an Kräftigungstraining, das Coburn gemeinsam mit ihrem Trainer und Ehemann Joe Bosshard in den letzten Jahren eingeführt hat, soll ihr die nötige Stabilität geben, um irgendwann auch einmal unter neun Minuten zu laufen. „Ich fühle definitiv, dass ich diese Schallmauer durchbrechen kann“, sagt sie. In direkten Duellen der beiden US-Girls liegt der Schützling von Jerry Schumacher trotz ihres US-Rekordes von 9:00,85 Minuten mit 1:9 gegen Coburn hinten – nur die letzten drei Saisonen inkludiert. Im Wettkampfjahr 2019 gewann Coburn beide direkten Aufeinandertreffen beim Diamond-League-Meeting in Stanford und bei den Trials in Des Moines.
 

Krause wieder nahe der Weltspitze

Vor vier Jahren schnupperte Gesa Felicitas Krause bei den Weltmeisterschaften in Peking erstmals an der Weltspitze und überraschte dank einer grandiosen Schlussrunde mit der Bronzemedaille. Nun ist die Deutsche in der Wettkampfsaison 2019 zurückgekehrt in die Position der erweiterten Weltklasse. Dank einer kräftigen Leistungssteigerung im Spätsommer stürmte sie zu einer Weltbestleistung über 2.000m mit Hindernissen in Berlin und wenige Tage zuvor beim Diamond-League-Finale in Zürich zu einem neuen deutschen Rekord von 9:07,51 Minuten. Eine Zeit von unter 9:10 Minuten war ihr erstes, großes Saisonziel. Das zweite, eine gute WM. Denn auch die zweifache Europameisterin hat mit der WM in London eine Rechnung offen, als sie unverschuldet zu Boden gerissen wurde und trotz dieses Sturzes noch Position neun erreichte. Für diese großen Ziele absolvierte sie in den letzten neun Monaten gleich fünf Höhentrainingslager, das letzte in Südafrika, und hatte laut eigenen Aussage keinen einzigen trainingsfreien Tag. „Im Sport gehört es dazu, ihm alles unterzuordnen“, sagt die 27-Jährige.
Nach dem Vorlauf zeigte sich Krause im Gespräch mit RunAustria-Redakteur René van Zee erschöpft, aber zufrieden. Ähnlich war ihre Reaktion nach dem EM-Vorlauf von Berlin 2018, als sie bis zum Finale deutlich zulegen konnte und souverän zu Gold gelaufen ist.
 

Fünf Kontinente im Finale vertreten

Krause ist eine von fünf Europäerinnen im 15-köpfigen Finalfeld und die voraussichtlich beste. Dazu kommen die Norwegerin Karoline Bjerkeli Grövdal, die dänische U23-Europameisterin Anna Emilie Möller, die im Vorlauf einen neuen Landesrekord von 9:18,92 Minuten aufgestellt hat, die Slowenin Marusa Mismas in ihrer mit Abstand besten Saison und die ehemalige Vize-Europameisterin Luiza Gega aus Albanien. Die Schweizerin Fabienne Schlumpf hat aufgrund einer Verletzung ihre Saison längst beendet. Zusätzlich zu den drei Kenianerinnen und beiden US-Amerikanerinnen komplettieren die blutjunge Äthiopierin Mekides Abebe, Peruth Chemutai aus Uganda, Asienmeisterin Winfred Yavi aus dem Bahrain, die Kanadierin Genevieve Lalonde und ihre Namensvetterin Gregson (ledig: Lacaze) aus Australien das bunte Finalfeld von Doha.
 
Redaktionelle Mitarbeit aus Doha: René van Zee
 
 
WM-Zeitplan
Leichtathletik-Weltverband
Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Doha 2019

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