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Mit den leistungsstärksten Elitefeldern seit Jahren lockt der Chicago Marathon die Aufmerksamkeit der Lauf-Welt am Sonntag auf sich. Besonders das Frauen-Rennen besticht mit einer hohen Dichte an Weltklasse und einem starken Quartett US-amerikanischer Läuferinnen. Im Männerrennen könnte Vincent Ngetich seinen ersten Major gewinnen, Debütant Daniel Ebenyo sorgt für zusätzliche Spannung.
Der Chicago Marathon steht nicht nur für seine Größe, sondern für schnelle Zeiten. Er steht in direkter Konkurrenz zu den anderen schnellen Marathonstrecken der Welt in Berlin, London und seit wenigen Jahren auch Valencia um das Wetteifern der schnellsten Siegerzeiten. 2023 stürmte das Ausnahmetalent Kelvin Kiptum in Chicago zum Weltrekord von 2:00:35 Stunden. Aufgrund des tragischen Autounfalls im Februar 2024, bei dem er und Coach Gervais Hakizimana ums Leben gekommen sind, endeten Kiptums Karriere und Leben mit dieser sportlichen Ausnahmeleistung, die möglicherweise noch Jahre als schnellster Marathonlauf der Geschichte Bestand haben könnte.
Kelvin Kiptum hat beim Chicago Marathon 2023 mit einer unglaublichen zweiten Marathon-Hälfte einen neuen Weltrekord geschafft. Er finishte in einer Zeit von 2:00:35 Stunden und war um 34 Sekunden schneller als Eliud Kipchoge ein Jahr vorher beim Berlin Marathon. In Gedenken an den im Winter bei einem Autounfall verstorbenen Athleten führt der Chicago Marathon vor dem Start eine Schweigeminute durch.

„Er ist in unseren Gedanken immer noch präsent. Wir wollen sein Leben feiern“, erklärt Renndirektor Carey Pinkowski, der die Sternstunde des letzten Jahres nicht vergessen wird: „Ich war so beeindruckt von seiner Biomechanik und seiner Fähigkeit, sichtlich ohne Anstrengung so schnell zu laufen. Es war einzigartig!“
Auch wenn es heuer nicht um Welt- oder Streckenrekorde geht, verspricht der Chicago Marathon hochspannende und schnelle Eliterennen. Laut der Statistik der US-amerikanischen Plattform „Let’sRun.com“ waren die Eliterennen des Chicago Marathon noch nie so stark besetzt wie dieses Mal. Als Indikator galten hier die persönlichen Bestleistungen, denn nicht zu vergessen liefen 2014 die Lauflegenden Eliud Kipchoge und Kenenisa Bekele den Chicago Marathon.
Bei den Männern stehen gleich vier Läufer mit Bestleistungen unter 2:04 Stunden auf der Startliste, drei davon gehören zu den Top-15 der ewigen Weltbestenliste. Birhanu Legese, der über eine Bestleistung von 2:02:48 Stunden verfügt, war zwar Dritter beim Rotterdam Marathon im April, alle seine Weltklassezeiten ist er allerdings vor der Pandemie gelaufen, u.a. beim Sieg in Tokio 2020.
Besser performte in letzter Zeit der Weltranglisten-Achte Vincent Ngetich, der in seinen dritten Marathon geht. Bei seinen bisherigen wurde er Zweiter in Berlin 2023 (2:03:13) und Dritter in Tokio 2024, wodurch er Kandidat für einen Olympia-Start in Paris war. Seinen ersten Marathon seit einem Jahr läuft Amos Kipruto, Zweiter des Tokio Marathon und London-Sieger im Jahr 2022. Der vierte sub-2:04-Läufer im Feld ist Dawit Wolde aus Äthiopien.
Dazu komplettieren mit Amdework Walelegn und Jemal Yimer zwei Äthiopier das Top-Feld, die aufgrund starker Leistungen im Halbmarathon im Marathon noch Entwicklungspotenzial haben könnten.
Mit Daniel Ebenyo steigt eine hochspannende Persönlichkeit als Debütant erst in die Marathon-Szene ein. „Ich bin sehr aufgeregt und erwarte, dass es hart wird. Ich habe großen Respekt vor dem Marathon und der Distanz. Aber ich freu mich auf die Chance“, sagte der 28-Jährige gegenüber der kenianischen Plattform „Pulse Sports“. Ebenyo zählt zu den schnellsten 10km-Läufern der Welt und hat eine gute, wenn auch nicht überragende Halbmarathon-Bestleistung. Die Silbermedaillen bei den Weltmeisterschaften im 10.000m-Lauf (Budapest 2023) und im Halbmarathon (Riga 2023) zeugen auch von seiner Klasse.
Gleich vier schnelle Japaner steigen in den nationalen Konkurrenzkampf um die Startplätze beim nächstjährigen WM-Marathon in Tokio ein: Kyohei Hosoya, Toshiki Sadakata, Tatsuya Maruyama und Yuichi Yasui. Die Spitze des amerikanischen Aufgebots bildet Panamas Rekordhalter Jorge Castelblanco. Die US-Topläufer fehlen zwei Monate nach dem Olympischen Marathon dieses Mal, dennoch ist mit Zach Panning, Sechster bei den US-Trials 2024, Brian Schrader und CJ Albertson ein Trio am Start, welches schon unter 2:10 Stunden gelaufen ist.
Ein Jahr nach dem grandiosen Europarekord von Sifan Hassan, mittlerweile Olympiasiegerin im Marathon, gibt es bei den Frauen eine klare Favoritin. Ruth Chepngetich startet zum vierten Mal in Folge in Chicago: 2021 gewann sie bei windigen Bedingungen, 2022 erschreckte sie in einer Zeit von 2:14:18 Stunden den damaligen Weltrekord von Brigid Kosgei, aufgestellt 2019 in Chicago, und 2023 musste sie sich Hassan geschlagen geben, erzielte aber in 2:15:37 Stunden die zweitschnellste Marathonzeit ihrer Karriere.
Allerdings lieferte die 30-jährige Kenianerin im Frühling beim London Marathon mit Platz neun das schlechteste Marathon-Resultat ihrer Karriere auf, wodurch etliche Medienberichte die Weltjahresschnellstse, Sutume Kebede, in der Favoritenrolle sehen.

Sechs Läuferinnen an der Startlinie können Marathon-Bestleistungen unter 2:18 Stunden aufweisen, ein unheimliches Qualitätsmerkmal. Die zweite prominente Kenianerin am Start neben Chepngetich ist Joyciline Jepkosgei, die schon die World Marathon Majors in New York und London gewonnen hat. Ihre schnellsten beiden Marathons beendete die 30-Jährige zwar nicht als Siegerin, es waren aber ihre beiden jüngsten: 2023 in Chicago als Vierte in 2:17:23 Stunden und 2024 in London als Dritte in persönlicher Bestleistung von 2:16:24 Stunden.
Eine dritte prominente Kenianerin, Irine Cheptai, ist im Marathon noch recht unerfahren, hat aber enormes Potenzial. Bei ihrem Debüt stürmte sie im Frühling in 2:18:22 Stunden zum Sieg beim Hamburg Marathon, außerdem kann sie etliche schnelle Halbmarathons (Bestleistung 1:04:53), den Crosslauf-WM-Titel von 2017 und Top-Ten-Platzierungen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften auf den Langdistanzen im Stadion als hervorragende Referenzen vorweisen.
Über 50.000 Marathonläufer*innen verwandeln Chicago am kommenden Sonntag in eine Marathon-Metropole. Damit zählt der Event zu den traditionsreichsten und größten der Welt, die Strecke ist eine der schnellsten in der Marathonszene. Der 1977 gegründeten Chicago Marathon wurde vor wenigen Wochen mit der World Athletics Heritage Plaque der Kategorie Wettkämpfe ausgezeichnet, um die Tradition und Historie des Chicago Marathon zu betonen.
Um ins Starterfeld von Chicago hineinzukommen, benötigen Hobbyläufer*innen Qualifikationsleistungen ähnlich wie in Boston. Die sind in jeder Altersklasse recht anspruchsvoll und sichern somit dem Starterfeld eine hohe Qualität – Richtung 2025 sollen sie noch einmal deutlich verschärft werden.
Ob und wie schnell bei der 46. Auflage des Chicago Marathon gelaufen wird, hängt öfters als anderswo von den Wetterbedingungen ab. Am Sonntag macht der Spitznamen „Windy City“ der Stadt möglicherweise wieder alle Ehre.
Das starke äthiopische Quartett bilden Sutume Kebede, Degitu Azimeraw, Ashete Bekere und Hiwot Gebrekidan. Kebede hat nach einem enttäuschenden Chicago Marathon 2023 (15.) drei Rennen in Serie gewonnen und zwar allesamt mit neuem Streckenrekord: den 25km-Straßenlauf von Kolkata, den Houston Halbmarathon und den Tokio Marathon in klarer persönlicher Bestzeit von 2:15:55 Stunden. Somit hat die 29-Jährige mit dem Chicago Marathon noch eine Rechnung offen. Außerdem würde sie allzu gerne für Kelvin Kiptum gewinnen, der in derselben Trainingsgruppe gelaufen ist wie sie, wie World Athletics berichtet.
Kann Kebede die Form des Tokio Marathon 2024 abrufen, wird sie selbst für die kenianischen Stars Chepngetich und Jepkosgei schwer zu schlagen sein. Azimeraw hat 2019 den Amsterdam Marathon gewonnen, 2021 belegte sie in London Rang zwei. Seither hat sie aufgrund einer Mutterschaftspause allerdings nur einen Marathon gefinisht: als Siegerin des Barcelona Marathon 2024. Bekere ist die Siegerin des Rotterdam Marathon 2024, vor fünf Jahren lief sie in Berlin, vor sechs Jahren in Valencia als Erste über die Ziellinie. Gebrekidan war Dritte in Valencia 2023.

Das Line-up des Chicago Marathon vereint sechs der 26 schnellsten Marathonläuferinnen der Geschichte, Chepngetich (4.) und Kebede (8.) liegen in den Top-Ten. Auch die Weltrangliste verdeutlicht, wie stark das Feld ist: Fünf Chicago-Läuferinnen liegen in den Top-21, darunter auch die beste US-Amerikanerin. Das ist Betsy Saina, die im März in Tokio als Fünfte in die Nähe des US-Rekords gelaufen ist, nachdem sie bei den Trials ausgestiegen war. Allerdings sagte die gebürtige Kenianerin unlängst in einem Interview mit Ali Feller, eine Knieverletzung in Folge eines Sturzes im Juli hätte ihre Vorbereitung massiv beeinträchtigt.
Mit Keira D’Amato, Sara Hall, WM-Fünfte von 2022, und Emma Bates, WM-Siebte von 2022, sind drei weitere sehr schnelle amerikanische Läuferinnen im Rennen. D’Amato hat einen prominenten Tempomacher als persönliche Unterstützung gewonnen: Matt Centrowitz, 1.500m-Olympiasieger von 2016 in Rio. Er sei fit, freue sich auf die Herausforderung und könne das Tempo recht lange gehen, meinte die 39-Jährige gegenüber der amerikanischen Plattform „Runner’sWorld“, die über den prominenten Tempomacher berichtete. Die 39-jährige D’Amato und die 41-jährige Hall entgleiten langsam dem idealen Marathon-Alter, um ihre eigenen Bestleistungen und den US-Rekord angreifen zu können.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Bank of America Chicago Marathon / Kevin Morris (alle vom Chicago Marathon 2023)