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Die großen Erfolge der deutschen Bahnläuferinnen und -läufer bei Weltmeisterschaften liegen mit der Ausnahme von Gesa Felicitas Krause, die in Doha 2019 genauso wie in Peking 2015 eine Medaille holte, schon etwas zurück. Von den 13 Lauf-Entscheidungen (bei den Frauen…



Im Gegensatz zu Sifan Hassan spricht die 22-Jährige noch mit Medien und angesichts des Kontextes sind unangenehme Fragen unvermeidlich. Schließlich hat sich die Deutsche im Winter dazu entschieden, zum Nike Oregon Project nach Portland zu ziehen und dort unter Pete Julian, Assistent des nun wegen Vergehen gegen den Anti-Doping-Code suspendierten Alberto Salazar, zu trainieren. Die deutsche Medienlandschaft begegnet diesem Schritt nun zuweilen sehr kritisch. Klosterhalfen ist das jüngste Mitglied des Teams, die ermittelten Verfehlungen beziehen sich auf die Zeit davor. Eine Stimmungsjagd auf die NOP-Athleten ist insofern unberechtigt, weil es keine Belege gibt, dass sie jemals unerlaubte Substanzen konsumiert haben. Schon gar nicht im Fall von Klosterhalfen. „Wir konzentrieren uns hier in Doha darauf, unsere Leistung zu bringen und damit zu zeigen, wie hart wir trainieren. Die Vorwürfe gegen Salazar beschäftigen mich nicht, da das aus unserem Team niemanden betrifft“, sagte sie gegenüber der FAZ bestimmt.
Als die Deutsche in die USA gewechselt ist, wusste, worauf sie sich einließ. Sie wusste aber auch, dass in Oregon so wissenschaftlich fundiert und effizient gearbeitet wird wie sonst kaum auf der Welt. Die Deutsche erzählte vor der WM von einer großen Herausforderung, tollen Stimmung und hervorragenden Zusammenarbeit mit Julian. Tatsächlich sind die Leistungssprünge extrem: persönliche Bestleistung auf der Meile um drei Sekunden. Persönliche Bestleistung und deutscher Rekord über 3.000m um fast zehn Sekunden. Persönliche Bestleistung und deutscher Rekord über 5.000m um fast 25 Sekunden. Letztere Glanzleistung lieferte sie übrigens als Solistin bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin ab und brachte das halbvolle Olympiastadion zum Staunen. Auch im Vergleich zur internationalen Elite bestach sie wie noch nie: Zweite in Stanford (3.000m) und Dritte beim Diamond-League-Finale in Brüssel, das waren die beiden großen Auftritte über 5.000m. „Es geht in die richtige Richtung“, sagte sie bei den Deutschen Meisterschaften bescheiden. Es ist daher sehr anzunehmen, dass ihr taktische Fehler wie bei ihrem WM-Debüt in London im Semifinale über 1.500m nun nicht mehr passieren.
Klosterhalfen ist in Doha die Herausforderin von Titelverteidigerin Hellen Obiri, die aufgrund ihrer Weltjahresbestleistung in London in der Favoritenrolle streckt. Ganz glücklich war die 29-Jährige in letzter Zeit allerdings nicht. Der vierte Platz über 10.000m trug nicht zu einer Stimmungsaufhellung bei. Danach klagte die Kenianerin über Müdigkeit am Ende einer langen Saison und stellte ihren 5.000m-Start in Frage. Nachdem allerdings zahlreiche der Top-Läuferinnen in dieser Saison gar nicht am Start sind, wäre eine Absage eine Verschwendung einer großen Medaillenchance gewesen.
Dennoch braucht die Titelverteidigerin im Duell mit Konstanze Klosterhalfen eine Idee. Denn wenn es zu einer Entscheidung in der Schlussphase kommt, sowie beim Diamond-League-Meeting in Stanford (zwei Meilen), beim Diamond-League-Finale in Brüssel oder beim WM-Rennen über 10.000m, kann Obiri keinen Gang mehr hochschalten. Ihr Kick in der Schlussrunde ist deutlich schwächer als jener von Klosterhalfen, was im Umkehrschluss heißt, dass sie frühzeitig riskieren und das Tempo verschärfen muss. Bleibt noch die Frage, ob Klosterhalfen sich wie im Vorlauf zurückhält, oder von Beginn an an die Spitze geht und für ein hohes Tempo sorgt.
Obiri und Klosterhalfen sind die Favoritinnen, dahinter könnte es um die dritte Medaille einen offenen Kampf geben. Kenia hat mit Margaret Kipkemboi und Lilian Rengeruk zwei weitere Medaillenkandidatinnen im Rennen, Äthiopiens einzige Medaillenkandidatin ist die 20-jährige Hawi Feysa. Auch die Britinnen Eilish McColgan und Laura Weightman könnten an einem guten Tag ihre Chance haben. Im Vorlauf überzeugte die US-Amerikanerin Karissa Schweizer, auch erst 23 Jahre alt, mit einer persönlichen Bestleistung von 14:52,41 Minuten, die sie in die erweiterte Kandidatenliste auf Edelmetall spülte. Besonders illuster: alle fünf Kontinente sind im 15-köpfigen Finale vertreten, weil die Neuseeländerin Camille Buscomb und die Japanerin Nozomi Tanaka in den Vorläufen „Hausrekorde“ erzielten.
WM-Zeitplan
Leichtathletik-Weltverband
Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha