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Normalerweise werden die ganz schnellen Halbmarathons in Valencia gelaufen. Maximal noch in Lissabon, wo Jacob Kiplimo einmal Weltrekord auf den Asphalt gezaubert hat. Oder gerade noch in Barcelona, wo Kiplimo 2025 für Aufsehen gesorgt hat. Doch der neue Weltrekord im Halbmarathon wurde am vergangenen Wochenende nicht in Europa aufgestellt, sondern in Buenos Aires. Erstmals seit 75 Jahren ereignete sich wieder ein Leichtathletik-Weltrekord auf dem südamerikanischen Kontinenten.
Der Held des Tages war einer, der den Straßenlauf wohl künftig federführend mitgestalten wird: Yomif Kejelcha, der einzige Läufer, der noch nie einen Marathon über zwei Stunden gelaufen ist. Und der erste, der – bei Ratifizierung durch den Leichtathletik-Weltverband, die noch ausständig ist – eine offizielle Halbmarathonzeit unter 57 Sekunden stehen hat. Jener Kejelcha, dem viele in vier Monaten einen Angriff auf den Marathon-Weltrekord zutrauen – der Äthiopier hat seine Startzusage für den Valencia Marathon bereits offiziell gegeben.
Mit einem neuen Weltrekord von 56:51 Minuten hat Yomif Kejelcha den Buenos Aires Halbmarathon dominiert und mit großem Vorsprung vor seinen Landsleuten Tadese Worku (59:20) und Bereket Batebo (1:00:20) gewonnen.
Auffallend war die Art und Weise: Die Zwischenzeiten bei Kilometer fünf (13:45) und zehn (27:19) deuteten noch nicht auf einen Weltrekord hin. Doch ab Beginn der zweiten Rennhälfte schaltete der Star in den Turbogang und überholte Kiplimos Lissabon-Leistung im virtuellen Vergleich mit einem fantastischen Finish. Auf dem zweiten Zehn-Kilometer-Abschnitt hätte Kejelcha beinahe den 10km-Straßenlauf-Weltrekord erreicht, für den Abschnitt von Kilometer 20 ins Ziel benötigte er lediglich zwei Minuten und 32 Sekunden!
„Ich bin überglücklich!“, meinte Kejelcha nach seiner Gewaltleistung. Um 39 Sekunden hat er seinen eigenen äthiopischen Rekord verbessert, der auch schon einmal Weltrekord war. Um 29 Sekunden den offiziellen Weltrekord. „Ich fühle mich im Moment überhaupt nicht müde. Die Reise aus Äthiopien war sehr lang und ich hab den Jetlag gespürt. Aber heute war ich voller Energie.“
Neben seinem Laufabenteuer freute sich Kejelcha auch auf ein originales argentinisches Steak und den Besuch eines Fußballspiels von River Plate im legendären Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti später am Tag.
Auf der Südhalbkugel herrscht Winter. Frische 6°C an der Startlinie des Halbmarathons in Buenos Aires trieben das Elitefeld rund um den Starläufer Yomif Kejelcha zu Höchstleistungen. Seit dem London Marathon Ende April, wo der 29-Jährige ein glänzendes Marathon-Debüt gegeben hatte, das mit einer Endzeit von 1:59:41 Stunden nur im Schatten des noch um elf Sekunden schnelleren Sabastian Sawe stand, hat er keinen Wettkampf absolviert.
Noch im Vorfeld hatte Kejelcha angekündigt, einen Kilometerschnitt von 2:45 Minuten anzustreben. In der Realität lief er aber deutlich schneller: unter 2:42 Minuten pro Kilometer oder umgerechnet 22,27 km/h im Schnitt. Geschafft hat er das übrigens mit dem Adidas Adios Pro Evo 3 an seinen Füßen.
Der neue Weltrekord von Yomif Kejelcha ist der offizielle Weltrekord, sobald die Ratifikation durch den Leichtathletik-Weltverband erfolgt. Seine Zeit von 56:51 Minuten ist freilich nicht die schnellste, die jemals bei einem Halbmarathon gelaufen wurde. Jacob Kiplimo war beim Barcelona Halbmarathon 2025 sogar noch neun Sekunden schneller. World Athletics verweigerte dieser Zeit allerdings die Anerkennung, weil der Ugander damals laut Beurteilung des Weltverbandes zu viel Zeit zu nahe am Führungsfahrzeug verbracht hat, was World Athletics als unerlaubten Vorteil auslegte. Den Vorgänger-Weltrekord von Kiplimo, aufgestellt im März in Lissabon in einer Zeit von 57:20 Minuten, hat World Athletics übrigens auch noch keine offizielle Ratifizierung ausgestellt.
Angesichts der historischen Leistung Yomif Kejelchas wäre die Siegerzeit bei den Frauen fast ein bisschen untergegangen. Doch auch die war historisch schnell. Fotyen Tesfay, die im März beim Barcelona Marathon mit der zweitschnellsten Marathonzeit der Geschichte (2:10:51) alle verblüffte, siegte in einer Zeit von 1:03:57 Stunden – das ist die drittschnellste Halbmarathonzeit ihrer Karriere, die achtschnellste überhaupt und die schnellste, die je auf südamerikanischen Boden erzielt worden ist.
„Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, aber ich wollte noch etwas schneller laufen, was wegen Beschwerden im Bein nicht ging“, sagte die 28-jährige Äthiopierin nach dem Rennen. Klar distanziert freuten sich Nelvin Jepkemoi (1:05:06) und Catherine Reline (1:05:11) über persönliche Bestleistungen. Über 31.500 Laufbegeisterte hatten sich laut Medienberichten für die diesjährige Ausgabe des Buenos Aires Halbmarathon angemeldet.
🇬🇧 Am vergangenen Wochenende gab es neben dem Halbmarathon in Buenos Aires einen zweiten sehr schnellen Halbmarathon – und zwar den Antrim Coast Halbmarathon im nordirischen Larne. Isaia Lasoi aus Kenia setzte sich in einer Zeit von 58:26 Minuten mit drei Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann Daniel Mateiko durch. Platz drei ging an Vincent Kipkorir, ebenfalls aus Kenia. US-Routinier Galen Rupp kam nach 1:01:30 Stunden auf Platz zehn ins Ziel und war damit eine halbe Minute schneller als der beste Europäer, Hiko Tonosa aus Irland auf Platz elf.
Siegerin bei den Frauen war Girmawit Gebrzihair aus Äthiopien in einer Zeit von 1:06:13 Stunden vor Winnie Kimutai aus Kenia (1:07:03) und Wede Kefale aus Äthiopien (1:07:03). Die US-Amerikanerin Dakotah Popehn kam in 1:08:47 Stunden auf Rang fünf ins Ziel. Beide Siegerleistungen sind neue Streckenrekorde.
🇵🇪 Beim Lima Halbmarathon hat Ferdinand Cereceda einen neuen peruanischen Rekord im Halbmarathon aufgestellt. Der 31-Jährige beendete den Wettkampf in einer Zeit von 1:01:50 Stunden 40 Sekunden hinter dem kenianischen Sieger Benard Kibet auf Platz zwei und blieb 16 Sekunden unter der drei Jahre alten nationalen Bestmarke von Rene Champi. Eine Besonderheit gab es bei den Frauen: Luz Mery Rojas, Zarita Suarez und Jazmin Matos feierten einen peruanischen Dreifachsieg: alle mit derselben Zeit von 1:11:38 Stunden.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © Gerd Altmann / Pixabay – Symbolbild