Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


Zweieinhalb Monate nach seiner Silbermedaille im WM-Marathon von Tokio hat Amanal Petros beim Valencia Marathon einen weiteren Höhepunkt erzielt. Wieder als Zweiter im Ziel, holte er sich seinen deutschen Rekord von Samuel Fitwi zurück und pulverisierte die bisherige nationale Bestleistung förmlich. Mit einer Leistung von 2:04:03 Stunden ist der 30-Jährige nun der drittschnellste europäische Marathonläufer aller Zeiten. Petros musste sich in Valencia lediglich dem kenianischen Star John Korir geschlagen geben. Für Andreas Vojta verlief der Marathon dagegen alles andere als nach Wunsch.
Einen schöneren Jahresabschluss hätte er sich auf der sportlichen Bühne nicht wünschen können, bekannte Amanal Petros nach seinem Husarenritt durch die Straßen Valencias: „Ich bin so glücklich, dass ich jetzt mein Ziel erreicht habe.“ Er wollte nicht weniger als den deutschen Rekord – und den deutschen Rekord hat er bekommen! 53 Sekunden schneller als Samuel Fitwi vor einem Jahr, 55 Sekunden schneller als er selbst beim Berlin Marathon 2024.
Die Art und Weise imponierte. In einer Zeit von 1:02:41 Stunden ging die Verfolgergruppe rund um Petros in die zweite Hälfte, doch etwas hinter dem Marschplan hinterher. Doch ab Kilometer 30 beschleunigte der 30-Jährige, der sich in der Höhe Kenias auf den Valencia Marathon vorbereitet hat, und stürmte zu einem deutlichen Negativ-Split mit beeindruckenden Kilometerzeiten von unter 2:55 und auf den letzten beiden Kilometern gar unter 2:50 Minuten pro Kilometer!

„Es ist manchmal nicht einfach zu sagen, dass ich stolz auf mich bin. Aber endlich kann ich das sagen: Ich bin stolz auf mich!“, jubelte Petros im Ziel, zitiert auf olympics.com. Der 30-Jährige, der vor fast eineinhalb Jahrzehnten aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet ist, hatte bereits im Frühling beim London Marathon den deutschen Rekord angegriffen, dort aber nach einer schnellen ersten Hälfte das Tempo nicht halten können. Das gelang in Valencia dieses Mal in der gegenteiligen Strategie: erste Rennhälfte mit Reserven und Vollgas auf der zweiten. Der WM-Silbermedaillengewinner hielt sich nach seinem Erfolg auch mit Ankündigungen einer Partynacht nicht zurück. „Jetzt werden wir feiern und das wird nicht enden“, prognostizierte er nach dem Rennen gegenüber der ARD.
Überhaupt war der gestrige Marathon in Valencia ein gelungener für die deutsche Laufszene. Neben dem neuen Rekord von Amanal Petros bestach Hendrik Pfeiffer als Elfter in einer Zeit von 2:06:45 Stunden. Damit verbesserte der 32-Jährige seine persönliche Bestleistung um eine halbe Minute auf die ersehnte Zeit unter 2:07 Stunden. Pfeiffer hat in diesem Herbst bereits den Berlin Marathon bestritten, wo er bei hohen Temperaturen – und damit weit herausfordernden Temperaturen als in Valencia – eine Zeit von 2:09:14 Stunden erreicht hat.
Gleich hinter Pfeiffer erreichte Samuel Fitwi in einer Zeit von 2:07:01 Stunden das Ziel. Der nun entthronte deutsche Rekordhalter ging das Tempo von Amanal Petros mit. Doch während sich dieser nach Kilometer 30 steigern konnte, musste der 29-Jährige seinen Schritt reduzieren. Simon Boch erzielte in 2:08:55 Stunden eine neue persönliche Bestzeit und liegt nun auf Rang elf der ewigen deutschen Bestenliste. Auch Erik Hille freute sich über eine neue persönliche Bestzeit von 2:12:09 Stunden, während Filimon Abraham und Sebastian Hendel den Marathon frühzeitig aufgeben mussten.
Weit sensationeller als Petros’ Verbesserung des deutschen Rekords war definitiv der neue norwegische Rekord von Awet Nftalem Kibrab, der sich mit einer Leistung von 2:04:24 Stunden auf Rang sechs der ewigen europäischen Bestenliste verbesserte. Zwar ist der 30-Jährige kein gänzlich unbeschriebenes Blatt und kann auf gute Leistungen im 5.000m-Lauf, im 10km-Lauf (27:45) und im Halbmarathon (1:00:46) verweisen. Aber keine diese Vorleistungen hat eine Qualität, die eine sub-2:05-Zeit im Marathon ankündigen würde. Einen Marathon mit einem Kilometerschnitt von 2:57 Minuten! Bei seinem Debüt.
Kibrab absolvierte fast den gesamten Marathon an der Seite von Amanal Petros, erst auf den letzten Kilometern ging eine Lücke zwischen den beiden auf. Der 30-Jährige stammt wie der Deutsche aus Eritrea und startet seit zweieinhalb Jahren für das skandinavische Land, in dem er seit vielen Jahren lebt. Seine bisher größten Erfolge feierte er bei Straßenlauf-Titelkämpfen: als Achter der WM über 5 Kilometer 2023 und als Silbermedaillengewinner bei der EM 2025 im Halbmarathon hinter dem Franzosen Jimmy Gressier. Bei den Weltmeisterschaften von Tokio lief Kibrab im 10.000m-Lauf auf Platz 17. Den bisherigen norwegischen Marathonrekord hielt seit acht Jahren Sondre Nordstad Moen, damals ein Europarekord von 2:05:48 Stunden.
Den dritten großen Landesrekord bei den Männern verbesserte Suguro Osako in einem echten Herzschlagfinale. Der 34-Jährige, Olympia-Sechster 2021 und Olympia-13. 2024, blieb in einer neuen persönlichen Bestleistung um 34 Sekunden in einer Zeit von 2:04:55 Stunden eine Sekunde unter dem fast fünf Jahre alten japanischen Rekord von Kengo Suzuki und ist damit der zweite japanische Läufer, der die Marke von 2:05 Stunden unterboten hat. Osako schien den Rekord bereits zu verpassen, aber wie viele andere im Feld auch konnte er sehr schnelle letzte zwei Kilometer seiner Leistung hinzufügen und sprang damit noch unter Suzukis Vergleichszeit. Es war der bereits dritte Landesrekord im Marathon von Osako.

In die überwiegend positive Stimmung im Zielraum in Valencia nicht eingliedern konnte sich Andreas Vojta (team2012.at). Nach einem neuerlichen Marathon unter seinem Wert, den er in einer Zeit von 2:17:16 Stunden zu Ende gebracht hat. Seine Ratlosigkeit wurde im Telefonat mit RunUp.eu deutlich: „Es ist schon ernüchternd, dass ein Marathon selbst bei einer so konservativen Herangehensweise so früh schon so zäh geworden ist. Es war körperlich schwierig, aber auch mental eine Herausforderung.“ Obwohl er noch zurückhaltender anlief, als angekündigt, konnte er nach 25 Kilometern seinen Schritt nicht mehr halten und verlor selbst die Hoffnung auf das ÖLV-interne EM-Limit von 2:14:30 Stunden aus den Augen.
Der Routinier will sich nach der neuerlichen Marathon-Enttäuschung grundlegende Gedanken über das nächste Jahr machen, welches mit einem Trainingslager in Kenia beginnen wird. Das steht soweit fest. Es geht mehr um das inhaltliche Wie, nachdem auch die sechste Marathon-Vorbereitung ihn nicht in die Situation gebracht hat, eine Wettkampf-Performance in jenen Regionen abzuliefern, in denen er sich selbst sieht. „Ich werde sicherlich gezielt hinschauen, was andere machen, mit denen ich mich prinzipiell vergleichen kann. Wenn ich mir zum Beispiel die Dichte bei den Deutschen anschaue. Diejenigen, die dort in der zweiten Reihe auch deutlich unter 2:10 Stunden laufen, von denen fühle ich mich nicht weit weg. Vielleicht zahlt es sich aus, einen Ansatz auszuprobieren, der anderen Erfolg gebracht hat.“
Unter den enttäuschten Europäern war Vojta nicht ganz alleine. So misslang auch der Marathon von Yemane Crippa in einer Zeit von 2:10:59 Stunden, nachdem der italienische Halbmarathon-Europameister von 2024 zur Hälfte noch in der Petros-Gruppe lief und hinten raus, nicht zum ersten Mal im Marathon, komplett einbrach. Immerhin ist der 29-Jährige erstmals beim dritten Marathon in diesem Jahr ins Ziel gekommen. Wesentlich besser lief das Marathon-Debüt seines Landsmanns Fernando Carro, der das Ziel nach 2:09:07 Stunden erreichte.
Eine der Stars des Marathon-Tages in Valencia war freilich Alex Yee. Der britische Olympiasieger im Triathlon finishte auf Basis eindrucksvoller Trainingsleistungen in der letzten Wochen einen fantastischen Wettkampf in einer Zeit von 2:06:38 Stunden, womit er den Olympia-Vierten Emile Cairess in der ewigen britischen Bestenliste auf Rang drei verwies. „Es ist unglaublich. Ich habe von meinem Marathon-Debüt in London so viel gelernt und mit dieser Erfahrung den Valencia Marathon optimal vorbereiten können. Die Zeit übertrifft alle meine Erwartungen!“, wird der 27-jährige im britischen Leichtathletik-Magazin „Athletics Weekly“ zitiert. In London hatte Yee noch eine Zeit unter 2:10 Stunden verpasst.
Der lustige Aspekt: Cairess stand seinen Trainingspartnern Alex Yee und Phil Sesemann (2:07:11) als persönlicher Tempomacher zur Verfügung und half entscheidend mit zu den beiden starken Leistungen seiner Landsleute. Ab sofort will sich Yee allerdings wieder dem Triathlon widmen, wo er in Los Angeles 2028 seine zweite Olympische Goldmedaille anstrebt.
Großer Sieger des Valencia Marathon 2025 war wenig überraschend John Korir. Der Kenianer, der bei der Weltrekordjagd von Chicago aufgeben musste, siegte in einer standesgemäßen Topzeit von 2:02:24 Stunden, einer neuen persönlichen Bestleistung für den 29-Jährigen. Nach den Erfolgen in Chicago 2024 und Boston 2025 ist es der dritte große Erfolg für den Kenianer.
Im prognostizierten Duell mit Sisay Lemma überquerte eine kleine Spitzengruppe die Halbmarathon-Zwischenzeit in einer Zeit von 1:01:46 Stunden, wodurch der Streckenrekord bereits außer Reichweite war. Während der Äthiopier bald die Gruppe ziehen lassen musste und bis auf Platz 25 durchgereicht wurde, startete Korir in eine beeindruckende zweite Marathon-Hälfte und beendete den Wettkampf mit einem deutlichen negativen Split. „Ich überglücklich über den Sieg und die persönliche Bestleistung“, jubelte der Sieger. „Nach meinem Aus beim Chicago Marathon hab ich alles in die Vorbereitung von Valencia hineingelegt.“

🇯🇵 Wenige Stunden vor dem Valencia Marathon fand in Fukuoka einer der großen Marathon-Klassiker statt. Der Sieg bei diesem reinen Elitelauf für Männer ging an den 25-jährigen Äthiopier Bayelign Teshager, der in einer Zeit von 2:07:51 Stunden eine neue persönliche Bestzeit erzielte. Fünf Sekunden hinter ihm folgte der Japaner Yusuke Nishiyama. Dessen Landsmann Kyohei Hosoya komplettierte das Stockerl.
🇨🇭 Der designierte Favorit auf den Crosslauf-EM-Titel nächstes Wochenende in Portugal, Jimmy Gressier, hat bei der Course de l’Escalade in Genf Selbstvertrauen getankt. Der Weltmeister im 10.000m-Lauf ließ Boniface Kibiwott und Mike Foppen aus Kenia bzw. Holland auf der 7,323 Kilometer langen Strecke in einer Zeit von 20:35 Minuten deutlich hinter sich. Jonas Raess war als Sechster bester Schweizer, Marathonläufer Matthias Kyburz folgte knapp dahinter als starker Achter, Dominic Lobalu wurde Zehnter. Bei den Frauen siegte Winnie Jeptarus aus Kenia vor der Holländerin Diane Van Es. Beste Schweizerin war Berglauf-WM-Medaillengewinnerin Oria Liaci als Achte. 59.712 Laufbegeisterte haben sich für die 47. Auflage des größten Volkslaufs in der Schweiz angemeldet.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SIP / Johannes Langer, © Valencia Marathon / Alexis Sanchez