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Andreas Vojta plant in Valencia nächsten Schritt

Bisher kam Andreas Vojta im Wettkampfjahr 2025 nicht optimal in Tritt. Der Valencia Marathon am Sonntag soll es zufriedenstellend abrunden.
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Andreas Vojta erhofft sich vom Valencia Marathon am Sonntag einen Aufschwung für das kommende Wettkampfjahr. Einige Top-Europäer jagen nationale Rekorde, so ist fast die komplette deutsche Marathon-Spitze vor Ort. Der Kampf um den Sieg könnte sich im Duell zwischen Sisay Lemma und John Korir entscheiden.

Das Beste an der Wettkampfsaison 2025 für Andreas Vojta (team2012.at) mag sein, dass das Beste noch bevorsteht. Und damit die Aussagekraft eines schwierigen Jahres, das mit einem damals unerklärbaren Einbruch beim Valencia Marathon seinen Anfang nahm, in eine Richtung drehen könnte, dass sie lautet: Es geht bergauf. „Ich kann ohne Druck ins Rennen gehen. Ich muss nichts, aber es kann sich ergeben“, bremst der Niederösterreicher selbst hohe Erwartungen, die möglicherweise an ihn in den Raum gestellt werden könnten. Der 36-Jährige fühlt sich fit und wohl mit dem Marathon-Aufbau, der hinter ihm liegt. Er achtet seit Wochen penibel darauf, jedenfalls gesund zu bleiben.

Noch kein guter Wettkampf 2025

Der Routinier gibt zu, sich in einer Situation zu befinden, die er nicht kennt. Der Vienna City Marathon, sein Comebackrennen nach aus gesundheitlichen Gründen verkürzter Vorbereitungszeit, liegt bereits acht Monate zurück. „Seither habe ich keine relevanten Wettkampfleistungen als Vergleichswerte, nur die Daten aus dem Training.“

Bei den 10km-Meisterschaften in Amstetten erlebte er einen unerwarteten Einbruch wie in Valencia 2024, der ihn nur kurz besorgte – gesundheitlich war alles in Ordnung. Den Halbmarathon in Lissabon, den er in gut 1:06 Stunden finishte, bezeichnet er als Testlauf, „den ich mitgenommen habe“. Optimal vorbereitet auf die Herausforderungen vor Ort war Vojta damals im Oktober nicht. „Als Einordnung meines gegenwärtigen Potenzials ist diese Leistung daher nicht tauglich.“

RunUp.eu-Lesetipp: Vorschau auf den Valencia Marathon der Frauen

2:12 als Orientierung

Was er drauf hat, möchte er am Sonntag zeigen. Und wählt eine sehr realistische Herangehensweise, die jegliche Experimente ausschließt – und erstaunlich offen ist. „Mit diesen Vorzeichen ist es nicht der richtige Marathon, um den österreichischen Rekord anzugreifen. Wenn ich auf die Werte meiner Leistungsdiagnostik blicke – und das ist die objektive Einschätzung meiner Leistungsfähigkeiten, auf die ich mich gerade berufen muss, müsste eine Zeit um 2:12 Stunden eine realistische Orientierung sein, wenn ich auf Risikostrategien verzichte.“

Auch wenn der Valencia Marathon von der halben Marathon-Welt als der Idealort für aufregende Performance verehrt wird, markiert er für Vojta eine Art Durchgangsstation zu neuen Zielen 2026. Aber es ist ein wichtiger Schritt. Denn Ziele gibt es: Klare Verbesserung zum Frühjahrsmarathon, neue persönliche Bestzeit und eine gute Positionierung in der „Road to Birmingham“, der Qualifikationsliste für die Europameisterschaften (siehe RunUp.eu-Bericht).

Dafür braucht der Österreicher erstens eine gute Europaranglisten-Position. Er würde sich gerne bei beiden der relevanten Leistungsparametern deutlich verbessern. Zweitens das ÖLV-interne Limit von 2:14:30 Stunden, das aber durchaus als Minimalziel für Sonntag anzusehen ist. Dennoch sagt Vojta genau wegen der „Road to Birmingham“: „Prinzipiell ist alles, was schneller ist als der Wien Marathon, ein Mehrwert für mich. Aber natürlich hab ich den Anspruch an mich, nicht mit diesen zwei Leistungen (VCM 2025 & EM-Halbmarathon 2024, Anm. d. Red.) im Ranking zu stehen, sondern mit zwei meinen Fähigkeiten entsprechenden. Mit den beiden jetzigen brauch ich mich international nicht blicken lassen!“

RunUp.eu-TV-Tipp: Der Valencia Marathon wird am Sonntag ab 8 Uhr (Start: 8:15 Uhr) live auf Eurosport 2 übertragen.

Die Motivation der Sonne

Nach etlichen Trainingstagen im Nebel über Wien üben auch die versprochenen Sonnenstrahlen über Valencia Motivation und Vorfreude auf Vojta aus, der heute nach Spanien reist und eine Unterkunft fußläufig zum Start am Sonntag gebucht hat. Auch das ist ein Mehrwert, der sich positiv auf die Anspannung vor dem Start auswirken soll.

Während die meisten Athleten mit Nachnamen geführt werden, läuft Vojta mit dem Aufdruck „Laufheld“ auf der Startnummer – ein Update zu „Candy Andy“ im Vorjahr (siehe Titelbild). Und vielleicht rückblickend ein doch ganz gutes Motto.

Kein Marathon für Hirczy

Ein zweiter österreichischer Topläufer hat kurzfristig entschieden, den Valencia Marathon nicht zu bestreiten. Eine Erkrankung im November warf den davor in Trainingstopform befindlichen Dominik Hirczy (Lauftreff Nussdorf) weit zurück. Der Testwettkampf vor zehn Tagen in Mailand bei einem Halbmarathon bekräftigte den Salzburger zum Entschluss, nicht in Valencia zu laufen. „Ich bin in Mailand schon mit der Idee ins Rennen gegangen, etwas zu riskieren. Aber ich konnte das hohe Tempo schon nach wenigen Kilometern nicht mehr gehen“, schilderte Hirczy, der nach 1:08:24 Stunden ins Ziel gelaufen ist. Diese Erkenntnis war ein Indiz dafür, dass die Zeit, um nach der Erkrankung wieder in Schwung zu kommen, bis zum Valencia Marathon und dem Ziel, dort in Richtung 2:15 Stunden zu laufen, nicht reichen würde.

Im Gespräch mit RunUp.eu hat der 26-Jährige bereits Frieden mit der Entscheidung getroffen, die aus gesundheitlicher Perspektive die richtige sei. Schließlich hatte der Herbst mit der zu diesem Zeitpunkt für ihn überraschenden Halbmarathon-Bestzeit von 1:04:30 Stunden im Rahmen des Sparkasse 3-Länder-Marathon immerhin ein Highlight. Außerdem warten die nächsten spannenden Ziele am Horizont: „Meinen Angriff auf eine deutliche Marathon-Bestzeit hole ich beim Vienna City Marathon nach. Ich freue mich jetzt schon auf den Frühling!“ Zur Vorbereitung darauf hat Hirczy auch schon ein Trainingslager im Süden geplant.

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

Im vergangenen Jahr stand die Austragung des Valencia Marathon auch im Zeichen der verheerenden und vielfach fatalen Unwetter mit Überflutungen wenige Wochen zuvor. Im Rahmen des Valencia Marathon wurde rund eine Million Euro der Unterstützung zugunsten Betroffener generiert. Das gab der Valencia Marathon an Heilig Abend 2024 bekannt.

Korir fordert Lemma

Angeführt wird das internationale Spitzenfeld von Sisay Lemma, Sieger von 2023 und seither Halter des Streckenrekords. Der Äthiopier hinkt seiner damals erzielten Zeit von 2:01:48 Stunden allerdings hinterher, gebremst hat ihn eine Verletzung ausgerechnet vor den Olympischen Spielen von Paris, wo er – dank der überzeugenden Siege in Valencia und später beim Boston Marathon 2024 – als Topfavorit auf die Goldmedaille hingereist wäre. Seither trat der 34-Jährige, in jungen Karrierejahren einst Sieger beim Vienna City Marathon, nur bei einem Marathon an: Boston 2025 – und dort musste er aufgeben.

So könnte John Korir der Favorit sein. Der Kenianer hat im letzten Jahr den Chicago Marathon gewonnen und 2025 den Boston Marathon. Beim diesjährigen Chicago Marathon übernahm er sich bei der Weltrekordjagd an der Seite des späteren Siegers Jacob Kiplimo und musste den Marathon anfangs der zweiten Hälfte verlassen. Der Valencia Marathon bietet ihm nun eine Bühne, um seinem Marathon-Herbst ein erfolgreiches Ende zu bieten. Der Äthiopier Hailemariam Kiros, der den Sydney Marathon 2025 gewonnen hat, ist dagegen nicht mehr auf der Liste.

Deutsches Duell

Mindestens genauso spannend wie die Frage nach dem Sieger ist die Frage nach dem Abschneiden der besten europäischen Läufer im Feld. Die beiden schnellsten deutschen Marathonläufer aller Zeiten duellieren sich auch im direkten Vergleich: Samuel Fitwi, Ende August beim Sydney Marathon dabei, und Amanal Petros, zweieinhalb Monate nach der dramatischen WM-Entscheidung, die ihm im Duell mit Alphonce Simbu aus Tansania im letzten Atemzug Silber anstatt Gold brachte. Beide sind bereits unter 2:05 Stunden gelaufen, Fitwi um zwei Sekunden schneller als Petros – und zwar beim Valencia Marathon 2024!

Nicht nur Fitwi und Petros vertreten die deutsche Lauf-Community im Elitefeld des Valencia Marathon. Es ist mit Ausnahme von Richard Ringer, der seine Valencia-Ambitionen aufgrund einer Familientragödie abgesagt hat, die komplette nationale Elite bei den Männern am Start: Hendrik Pfeiffer, Sebastian Hendel, Filimon Abraham und Simon Boch. Es geht um viel: Um Zuteilungen in Fördertöpfen, um die EM-Qualifikation. Das internationale Limit für den EM-Marathon liegt bei einer Zeit von 2:09:30 Stunden, im Gegensatz zu Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sind jedoch bis zu sechs Startplätze pro Nation möglich.

Chancen auf nationale Rekorde

Der italienische Halbmarathon-Europameister von Rom, Yemaneberhan Crippa, bestreitet seinen fünften Marathon. Nach seiner Aufgabe bei den Weltmeisterschaften strebt der 29-Jährige nach seinem ersten Marathon-Finish seit den Olympischen Spielen. Zur Disposition steht auch der italienische Rekord, den Yohanes Chiappinelli ausgerechnet auf dieser Strecke vor einem Jahr aufgestellt – und ihn damit Crippa weggenommen hat. Landesrekorde stehen beim Valencia Marathon hoch im Kurs und werden auch in der Zusammenstellung der Elitefelder bewusst gefördert – Chancen gibt es bei den Männern für Deutschland und Italien, aber vielleicht auch für Japan mit dem zweifachen Olympia-Teilnehmer im Marathon, Suguru Osako, und Australien mit Andy Buchanan, der vor einem Jahr in Valencia seinen aktuellen australischen Rekord aufgestellt hat. Ein zweiter japanischer Topläufer, Yohei Ikeda, hat kurzfristig abgesagt.

Mit Clayton Young, in Paris Olympia-Zehnter, ist auch ein US-Topläufer am Start. Ihm könnte eine deutliche Verbesserung seines Hausrekordes von 2:08:00 Stunden gelingen. (UPDATE: Young hat seinen Start aufgrund einer leichten Verletzung abgesagt, Anm.) Weitere europäische Topläufer sind der Franzose Nico Navarro und der stärkste des großen spanischen Aufgebots, Tariku Novales. Der 27-Jährige hat vor zwei Jahren auf der Strecke des Valencia Marathon den noch gültigen spanischen Marathonrekord von 2:05:48 Stunden aufgestellt.

36(!) Läufer mit einer Bestleistung unter 2:10 Stunden stehen auf der aktuellen Entry List. Noch nicht dazu gehört Triathlon-Olympiasieger Alex Yee, dessen in sozialen Medien publizierten Trainingsleistungen eine kräftige Verbesserung ankündigen.

Elitefeld der Männer (Auszug) mit PB

  • Sisay Lemma (Äthiopien) 2:01:48 Stunden
  • John Korir (Kenia) 2:02:44 Stunden
  • Tesfaye Deriba (Äthiopien) 2:04:13 Stunden
  • Hillary Kipkoech (Kenia) 2:04:45 Stunden
  • Stephen Kissa (Uganda) 2:04:48 Stunden
  • Samuel Fitwi (Deutschland) 2:04:56 Stunden
  • Amanal Petros (Deutschland) 2:04:58 Stunden
  • Suguru Osako (Japan) 2:05:29 Stunden
  • Tariku Novales (Spanien) 2:05:48 Stunden
  • Nico Navarro (Frankreich) 2:05:57 Stunden
  • Yemane Crippa (Italien) 2:06:06 Stunden
  • Hendrik Pfeiffer (Deutschland) 2:07:14 Stunden
  • Sebastian Hendel (Deutschland) 2:07:33 Stunden
  • Filimon Abraham (Deutschland) 2:08:11 Stunden
  • Simon Boch (Deutschland) 2:09:25 Stunden
  • Alex Yee (Großbritannien) 2:11:08 Stunden
  • Andreas Vojta (Österreich) 2:13:43 Stunden
  • Gemechu Dida (Äthiopien) – Marathon-Debüt
  • Bastien Augusto (Frankreich) – Marathon-Debüt
  • Fernando Carro (Spanien) – Marathon-Debüt

Carro beginnt bei Null

Neben Novales lenkt die spanische Laufszene die Scheinwerfer auf ein Marathon-Debüt und zwar von Fernando Carro. Der 33-Jährige feiert seine Premiere über die 42,195 Kilometer, die er eigentlich schon beim Sevilla Marathon im Februar geplant hätte, aber aufgrund eines Infekts im Winter verschoben hat. Dazwischen schob er, wie er in einem langen Interview mit der spanischen Plattform von „Runner’sWorld.com“ erzählte, sein erstes Höhentrainingslager seiner Karriere ein – und zwar in Font Romeu in den französischen Pyrenäen.

Der aus Madrid stammende Carro ist spanischer Rekordhalter im 3.000m-Hindernislauf, also in jener Disziplin, die er bis 2024 hauptsächlich betrieben hat. Das Verpassen der Olympischen Spiele, wie bereits drei Jahre zuvor, hat das Kapitel Hindernislauf beendet. Seinen größten Erfolg hat er als Silbermedaillengewinner bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin gefeiert. „Es ist aufregend, nach einer so erfolgreichen Sportkarriere wieder bei Null anzufangen“, sagte Carro gegenüber „Runner’s World“. Für sein Marathon-Debüt hat er seinen Laufstil vom Hindernislauf umgestellt und das Trainingsvolumen auf rund 190 Kilometer pro Woche gesteigert. Bei seinem Debüt habe er das EM-Limit von 2:09:30 Stunden im Kopf, bevorzuge aber eine konservative Herangehensweise: „Bis Kilometer 32 weiß ich, was mich erwartet. Danach kommt die Unbekannte.“

Autor: Thomas Kofler
Bild: © SIP / Johannes Langer – Andreas Vojta beim Valencia Marathon 2024.

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