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Laut einer weltweit durchgeführten und vom Sportartikelhersteller ASICS in Auftrag gegebenen Studie hilft sportliche Bewegung, die kognitiven Funktionen, das Wohlgefühl und die Spielleistung bei Denksportler*innen zu steigern. Regelmäßige sportliche Bewegung kann die Gehirnleistung steigern.
Je mehr sich Denksportler*innen bewegen, desto besser sind die kognitiven Fähigkeiten, die Konzentrationsfähigkeit und die Leistung. Das ist das Ergebnis eines viermonatigen Experiments mit 77 Denksportler*innen aus verschiedensten Teilen der Welt mit Fokus auf die Denksportarten Schach und E-Sports.
E-Sports, was nichts anderes als den sportlichen Wettkampf mit Computerspielen beschreibt, ist eine große internationale Bewegung, die sich insbesondere in Ostasien, zunehmend aber auch in Europa und Nordamerika immer größerer Beliebtheit erfreut und von starken ökonomischen Kräften angetrieben wird. Das Marktvolumen marschiert laut Statista auf die zwei Milliarden Euro zu. In den letzten Jahren ist es zur Annäherung mit dem klassischen Sport gekommen. Ins Programm der Asienspiele ist E-Sports bereits inkludiert, der Vorstoß der Szene für eine Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele 2024 von Paris scheiterte, weil die Schnittmenge nicht groß genug war.
Tatsächlich erfüllt E-Sports trotz der Bewegungsarmut bei der Ausführung der Videospiele einige Kriterien aus dem Kriterienkatalog einer Sportart per Definition: etwa das Streben nach einem bestimmten Ziel, Koordination diverser Sinne, Durchhaltevermögen, Teamgeist, Fairness oder eine große Anhängerschaft – nicht nur live, sondern auch via Massenmedien. Dass E-Sports auch abseits der ökonomischen Ebene vom Sport profitieren könnte, zeigt nun die Conclusio der ASICS-Studie. Denn sportliche Bewegung hat einen enormen Mehrwert für die Leistung beim Gaming.
Alle Proband*innen, die das das Trainingsprogramm des britischen Physiotherapeuten und Wissenschaftler vom King’s College in London, Prof. Brendon Stubbs, absolviert haben, steigerten ihre internationalen Ranglistenplätze in diesem Zeitraum um beeindruckende 75%. Die kognitiven Funktionen verbesserten sich um durchschnittlich 10%, wobei die Optimierungsraten in den Teilbereichen Problemlösungsfähigkeit, Kurzzeitgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit auf ähnlichem Niveau ausfielen. Deutlich größer waren die Steigerungsraten aber beim Selbstvertrauen (+44%), bei der Konzentration (+33%) sowie bei der Anspannung (-43%). Dies führte zu einer Gesamtverbesserung des Wohlbefindens um durchschnittlich 31%.
Das Trainingsprogramm von 150 Minuten pro Woche, an dem Trainer Andrew Kastor, Ehemann der ehemaligen Spitzenläuferin Deena Kastor, mitgearbeitet hat, umfasste Kardio- und Krafttraining mit mittlerer Belastung und progressiver Ausrichtung. Studienleiter Stubbs erfasste die Fortschritte der Proband*innen durch die Analyse von Denkspielen, mit der Durchführung von kognitiven Tests und per Abfragen des Wohlbefindens. „Wir alle wissen, dass Bewegung gut für unsere mentale und körperliche Gesundheit ist. (…) Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die kognitiven Fähigkeiten bei wettkampforientierten Denksportler*innen, einschließlich der Konzentrationsfähigkeit und der Problemlösungskompetenz, deutlich verbessern“, hält der Wissenschaftler fest.
Mit diesen Forschungsergebnissen zeigt ASICS die starke Verbindung zwischen Körper und Geist auf und schließt an andere Forschungsergebnisse mit ähnlichen Erkenntnissen an. Dadurch wird deren Aussagekraft verstärkt. Dass sportliche Bewegung positive Auswirkungen auf die Lernfähigkeit hat, etwa bei Schüler*innen und Student*innen, ist aus früherer Forschung ebenso bereits bekannt wie der positive Einfluss von regelmäßiger sportlicher Bewegung auf die Konzentrationsleistung und die Kreativität.
Stubbs kennt den Grund dafür: „Sport regt das Zellwachstum im Gehirn an und erhöht rasch die Durchblutung des Hippocampus und die präfrontalen Kortex-Mechanismen, die es uns ermöglichen, Erinnerungen besser abzuspeichern, Informationen zu verarbeiten und Probleme schneller zu lösen.“ Die Studienerkenntnisse mit Denksportler*innen lassen darauf schließen, dass jeder einzelne von uns in wichtigen Situationen des Lebens von sportlicher Bewegung profitieren kann: z.B. bei Prüfungen, Bewerbungsgesprächen oder wichtigen beruflichen Aufgaben.
Wer von Gamern das Bild ungesund lebender, übergewichtiger, junger Menschen vor Augen hat, sitzt laut einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2019 einem Klischee auf. Sie kommt zum Ergebnis, dass der/die durchschnittliche E-Sportler*in gut gebildet und sportlich aktiv ist. Der überwiegende Großteil der E-Sportler*innen, eine nach wie vor männerdominierte Szene, geht regelmäßiger sportlicher Bewegung nach, auch wenn die Studie noch Luft nach oben sieht – insbesondere bei zielgerichtetem körperlichen Training zur Leistungsverbesserung beim Gaming. Einen ähnlichen Schluss lassen die Erkenntnisse einer Umfrage finnischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2016 zu. Deren Befragung unter 115 Elite-E-Sportler*innen zeigte, dass rund ein Fünftel ihrer Trainingszeit für klassische physische Aktivität draufging. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubte an einen positiven Effekt dieser Trainingszeit auf ihre Leistungsfähigkeit beim Gaming, fast die Hälfte betonte den Erhalt der Gesundheit.
Neben dem Benefit für die kognitiven Funktionen ist sportliche Bewegung für E-Sportler*innen und alle Menschen, die viel Bildschirmzeit anhäufen, auch aus körperlicher Sicht essentiel. Sie kann die negativen Auswirkungen der langen, gesundheitsschädlichen Sitzzeiten kompensieren.
Drei bis vier lockere oder intensivere Laufrunden pro Woche, dazu ein bis zwei kurze Einheiten Kräftigungsübungen entsprechen dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Bewegungsmaß als Teil eines gesunden Lebensstils.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: envato elements
Der Dokumentarfilm „Mind Games – The Experiment“ ist von dieser Studie inspiriert. Hier geht’s zum Trailer.