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Athlos NYC: Athletinnen im Mittelpunkt

Das Athlos Meeting in New York City stand auch in seiner zweiten Auflage ganz im Zeichen der Athletinnen. Entsprechende Prämien lockten die großen Laufstars an.
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New York gehört zu den größten Metropolen der Welt ohne großes Leichtathletik-Meeting. Aber New York hat ein einzigartiges Leichtathletik-Meeting. Eines nur mit Frauen. Eines mit hohen Prämien und hohem Starfaktor. Weitsprungstar Tara Davis-Woodhall kam. Sprinter Brittany Brown auch. Die Olympiasiegerinnen Faith Kipyegon und Keely Hodgkinson flogen auch über den großen Teich waren am vergangenen Freitag zu Gast im Icahn Stadium. Tags zuvor war der Times Square legendäre Bühne für die Sprungbewerbe.

Die Superstars aus der Laufszene lieferten noch einmal zum Ende ihrer Saison. Faith Kipyegon lief die schnellste je auf US-Boden erzielte Meilenzeit: 4:17,78 Minuten, vor der Äthiopierin Gudaf Tsegay und Amerikas Nummer eins Nikki Hiltz. „Ich habe mit meinem Wirken bisher gut geschafft, junge Frauen dazu zu motivieren, sich mit harter Arbeit ihren Zielen zu widmen“, erklärte sie, warum ihr der Start beim Athlos NYC so wichtig ist, auch wenn dieser den Urlaubsstart verzögerte.

Auch Keely Hodgkinson war versöhnlich, als die die Trophäe von Tennislegende Serena Williams entgegen nahm. Im 800m-Lauf kam sie im Gegensatz zur WM in Tokio vor ihrer Trainingspartnerin Georgia Hunter Bell ins Ziel und siegte in 1:56,63 Minuten mit gleich eineinhalb Sekunden Vorsprung. „Verletzungsbedingt habe ich in dieser Saison wenig Wettkämpfe bestritten, daher wollte ich noch einmal top-performen“, sagte die 23-jährige WM-Bronzemedaillengewinnerin von Tokio. „Die Atmosphäre war verrückt. Es war ein Riesenspaß!“ Wie das britische Leichtathletik-Magazin „Athletics Weekly“ hervorhob, wurde vor 28 Jahren letztmals eine schnellere 800m-Zeit im Monat Oktober registriert.

Ein Meeting im Zeichen der Athletinnen

Das Athlos NYC definiert sich nicht als typisches Leichtathletik-Meeting, sondern als Event, welches den Sport mit einem vielseitigen Musikprogramm verbindet und sich von der Musik, Effekten und Inszenierung die Dramaturgie für den Eventabend vorgeben lässt. Die Gastronomie und Merchandising spielen auch eine große Rolle. Das Ziel: mehr Energie, ein lauteres Publikum, ein attraktiverer Abend.

Hohe Prämien als Zugpferd

Gründer der Athlos-Meetingserie, die im nächsten Jahr drei Meetings umfassen soll, ist der New Yorker Unternehmer Alexis Ohanian, der Ehemann von Tennis-Legende Serena Williams. Das New Yorker Meeting ging zum zweiten Mal über die Bühne. Mit an Bord waren neue Sponsoren, Ohanian kündigte an, dass die Serie nachhaltig wachsen will.

Möglicherweise könnte die Athlos-Meetingserie damit Konkurrenz zum Grand Slam Track von Michael Johnson werden. Es gibt viele Gemeinsamkeiten in den Ambitionen, aber auch Unterschiede. Ein großer Unterschied ist der Fokus auf weibliche Athletinnen, der auch zukünftig erhalten bleiben soll. Eine Gemeinsamkeit sind die hohen Prämien als Anreiz, die Stars anzulocken.

Im Falle des Meetings Athlos NYC sind es 60.000 US-Dollar (das entspricht rund 51.500 Euro) für einen Disziplinensieg, „nur“ gut die Hälfte der Prämien bei den Grand Slam Tracks, wobei dort zwei Wettkämpfe pro Prämientopf auf dem Programm standen. Für die Leichtathletik ist diese Größenordnung als Siegprämien vergleichsweise hoch, es gibt aber auch andere Dimensionen im Sport. Serena Williams wird beispielsweise davon erzählen können.

Grand Slam Track und die ausbleibenden Prämien

Prämien sind seit dem ungeplant vorzeitigen Ende der Grand Slam Track ein Reizwort in der US-Leichtathletikszene, ein Problem, von dem Athlos profitieren könnte. Denn der mit großen Versprechungen angetretene Michael Johnson konnte monatelang versprochene Prämien gar nicht auszahlen, eine erste Deadline verstrich. Die Premierensaison der Grand Slam Track hatte in einem wirtschaftlichen Fiasko mit einem riesigen Schuldenberg geendet, weil ein Investor kurzerhand aufgrund eigener Turbulenzen aus dem Projekt ausgestiegen ist. „Ich habe eine Woche lang nicht geschlafen“, gab Johnson der Öffentlichkeit bekannt, an die Versprechungen denkend, die er Fans und Athlet:innen gemacht hatte. Versprechungen, die Johnson zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht erfüllen konnte und die daher teilweise auf Hoffnungen gestützt waren, wie ein Medienbericht von „The Athletic“ aufdeckte.

Grant Fisher brachte das Problem in einem Video-Interview auf Youtube vor einigen Monaten aus Athletensicht auf den Punkt: „Wenn die Gelder nicht ausbezahlt werden, kommt kein Athlet mehr auf die Idee, neuen Ideen eine Chance zu geben. Daher ist es eine schlechte Entwicklung für den Sport – und wir können nur hoffen, dass alles gut wird.“ Mittlerweile wurde aufgrund einer genehmigten Notfinanzierung rund die Hälfte der Verbindlichkeiten an die erfolgreichen Athletinnen und Athleten ausbezahlt.

US-Initiativen vor Olympia 2028

Athlos ist der nächste Player, der das Potenzial in der US-Leichtathletikszene sieht, die abseits des Collegesystems nicht der Größe des erfolgreichsten Leichtathletik-Nationalverbandes entspricht. Finanzielle Schwierigkeiten rund um den US-Verband, von The Sports Examiner ausgiebig berichtet, schwächen die ohnehin schon dünne Meetingszene zusätzlich und öffnen damit Raum für investionsgetriebene Privatinitiativen, wie es eben auch Athlos ist. Der Zeitpunkt ist der richtige und wichtige: 2028 stehen Olympische Spiele in den USA auf dem Programm, die Leichtathletik ist die Olympische Kernsportart.

Athlos strebt nach einer in der globalen Szene viel verbreiteten Ambition, nämlich die Leichtathletik zuschauer- und medienattraktiver sowie empfänglicher für das junge Publikum zu machen. Mit der Fokussierung, ein reines Frauen-Event zu sein, hebt sich Athlos aber von anderen klar ab.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Christel Saneh for World Athletics. Faith Kipyegon im Moment des ihres WM-Titels vor wenigen Wochen in Tokio.

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