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Auch Raphael Pallitsch scheitert im EM-Vorlauf

Zwei Jahre nach seinem fantastischen sechsten Platz bei den Europameisterschaften in Rom konnte sich Raphael Pallitsch dieses Mal nicht für den Endlauf qualifizieren.
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In einem sehr von der Taktik geprägten 1.500m-Vorlauf kam Raphael Pallitsch in der Schlussrunde nicht in jene Position, die er für seinen Endspurt gebraucht hätte. Nach dem klaren Ausscheiden versteckte der Burgenländer seine Enttäuschung nicht. Damit sind alle drei österreichischen Läuferinnen und Läufer, die Vorrunden zu bestreiten hatten, gleich nach ihrem ersten Auftritt ausgeschieden.

„Ich habe meinen klassischen Zielspurt, meinen Turbo, heute zu spät gezündet“, stellte Raphael Pallitsch (Union St. Pölten) nach Rang neun in seinem Vorlauf in einer Zeit von 3:42,55 Minuten im Interview mit dem ORF geknickt fest. „Ich muss dieses Abschneiden erst verdauen. Ich hatte auf jeden Fall das Finale im Kopf und nehme mir jetzt den ganzen Tag Zeit, über einiges nachzudenken.“

Die schlechte Laune des ÖLV-Rekordhalters war verständlich, schließlich fühlte er sich nach gelungenen Trainingswochen in der finalen Vorbereitungsphase (siehe RunUp.eu-Bericht) bereit, zwei Jahre nach Rom neuerlich in das EM-Finale zu laufen. Doch dieses Mal war es nicht einmal der berühmte Ritt um die Hundertstelsekunden. Sechs Zehntelsekunden fehlten Pallitsch auf den sechsten Platz des Franzosen Romain Mornet, der sich auf der Zielgerade mühevoll im Spurt gerade noch so ins Finale kämpfte – das ist im 1.500m-Lauf alles andere als knapp. Sein taktisches Agieren sei nicht gut genug für ein EM-Finale gewesen, begründete er seine Enttäuschung.

© ÖLV / @amri.sports

Taktische Spielchen

Dabei verlief der zweite von zwei Vorläufen eigentlich ganz nach dem Geschmack von Raphael Pallitsch, trotz des ungeliebten Startplatzes ganz innen im dichten Feld. Der 36-Jährige suchte sich folgerichtig seine Position auf der Innenbahn und lief erst im Mittelfeld und später weiter hinten, wobei er Gerangel so gut es ging vermied. „Ich bin einer der kleineren Läufer und Körperlichkeit ist bei einem 1.500m-Lauf auf jeden Fall eine relevante Grüße. Normalerweise bin ich der ,zweite Sieger’ in Rangeleien.“ Das Rennen entwickelte sich nicht mit einem hohen Tempo, erst nach zwei Minuten und sieben Sekunden waren die ersten 800 Meter absolviert. Die Rutsche für Pallitschs gefürchtetem Schlussspurt war eigentlich gelegt, denn die Energiereserven im Finale waren noch hoch.

Verpokert

Das Schlussdrittel sollte also über die sechs Finalplätze entscheiden. Palltischs große Stärke, der Endspurt, kam zwar zum Tragen, doch der Österreicher befand sich davor, also im ersten Teil der Schlussrunde, deutlich zu weit hinten, weswegen die Aufholjagd auf den letzten 100 Metern letztlich zahnlos war. „Die Taktik war klar: sehr schonend durchkommen und den Turbo zünden, wenn ein Loch aufgeht. Auf der Gegengerade wollte ich Gas geben, denn da war das Rennen noch immer nicht wirklich intensiv. Aber da waren schon viel zu viele Positionskämpfe und ich hätte bis auf Bahn drei raus müssen. Daher musste ich leider abwarten und da innen keine Lücke aufgegangen ist, habe ich mich verpokert!“, fasste der 36-Jährige zusammen.

© ÖLV / @amri.sports

Lauf der Überraschungen

Freilich war der Österreicher im dichten europäischen Feld der 1.500m-Läufer in guter Gesellschaft, denn solch taktisch geprägte Vorläufe sind Nährboden für Überraschungen. In seinem Lauf verfehlten auch der ehemalige WM- und Olympia-Finalist im 800m-Lauf, Adrian Ben aus Spanien, und der Hallen-Europameister im 800m-Lauf, Samuel Chapple aus Holland, das Finale.

Der amtierende Hallen-Weltmeister Mariano Garcia hatte gleich überhaupt keine Chance und wurde nur 14. Beim Spanier, eigentlich als ehemaliger 800m-Spezialist auch endschnell, war dasselbe Phänomen zu beobachten wie bei Pallitsch. Trotz des eher langsamen Rennens konnte er sich in keine Position bringen, aus der eine Attacke im Finale noch wirksam gewesen wäre.

So waren es der Schotte Jake Wightman, der Deutsche Robert Farken, der Schwede Samuel Pihlström, der Ire Andrew Coscoran, der Italiener Pietro Arese und eben Mornet, die die sechs ersten Plätze belegten – darunter also einige, mit denen sich Pallitsch zurecht auf einem Niveau wähnt. Aber halt nicht an diesem Tag. Im deutlich schneller geführten ersten Lauf qualifizierten sich der Waliser Jake Heyward, der portugiesische Weltmeister Isaac Nader, der Franzose Azzedine Habz, der Holländer Stefan Nillessen, der Norweger Narve Gilje Nordas und der Brite Arlo Ludewick für das Finale, welches am Samstagabend stattfindet.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / @amri.sports

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