Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


1:53,70 Minuten – Audrey Werro hat beim letzten Diamond-League-Meeting der diesjährigen Qualifikationsphase in Zürich bewiesen, dass sie auch am Ende einer intensiven Saison noch riesige Energiereserven hat. In einem spannenden Wettkampf, in dem Femke Broeders-Bol auf den Sieg losging, konterte die Schweizerin mit einer starken zweiten Runde und blieb eine Zehntelsekunde unter ihrem bisherigen persönlichen Bestwert. Es ist die dritte Zeit für die 22-Jährige unter 1:54 Minuten und die drittschnellste Zeit der Geschichte.
„Ich bin sehr stolz auf diese Leistung. Ich werde besser und besser und bin immer noch hochmotiviert. Meine Ziele in dieser Saison hab ich bereits erreicht, es geht mir jetzt um den Spaß“, sagte Werro, die dann zugab, dass sie an den Wavelights bemerkt habe, wie nahe sie am Weltrekord war. „Ich hatte am Ende noch Energie zu beschleunigen, aber heute war nicht der richtige Tag dafür.“
Im Gegensatz zu den letzten Rennen gewann die Schweizerin den Spurt hin zur zweiten Kurve nicht und musste sich erst einmal hinter Femke Broeders-Bol einordnen, die ihrer Landsfrau und Tempomacherin Myrte van der Schoot folgte. Die Zwischenzeit für die holländische Herausforderin lag bei unfassbaren 26,4 Sekunden, jene nach 400 Meter bei 55,8. Werro zwängte sich im Duell mit Broeders-Bol erst anfangs der letzten Kurve vorbei, aber gerade noch rechtzeitig, um keine Zeit zu verlieren.
Im Schlussspurt war die Schweizerin dann überlegen und holte noch eine Sekunde Vorsprung heraus. Broeders-Bol gelang trotz Platz zwei der nächste große Schritt – sie verbesserte ihren erst wenige Tage alten, eigenen holländischen Rekord auf eine Zeit von 1:54,71 Minuten. Es war ihr dritter nationaler Rekord binnen weniger Tage. „Ich habe es genossen. Ich liebe es, gegen diese Topläuferinnen zu laufen. Ich bin glücklich und sammle Schritt für Schritt viel Selbstvertrauen“, so die 26-Jährige. Die dritte Topleistung bei recht hohen Temperaturen gelang Georgia Hunter-Bell in 1:55,03 Minuten.
Erfolgreich war der denkwürdige Leichtathletik-Abend im Zürcher Letzigrund mit gleich zwei Weltrekorden in Hürdendisziplinen auch für die US-amerikanischen Läufer. Parker Wolfe und Graham Blanks feierten im 3.000m-Lauf der Männer einen Doppelsieg und verbesserten dabei ihre persönlichen Bestleistungen deutlich. Der 23-jährige Wolfe, der seinen ersten zur Diamond-League-Wertung gehörenden Wettkampf gewann, gelang dabei ein historisches Ereignis.
Mit der Siegerzeit von 7:27,43 Minutenlöschte er den 40 Jahre alten Meetingrekord des Marokkaners Said Aouita aus. Sein Landsmann, bereits beim 5.000m-Lauf in Monaco Zweiter, folgte in 7:27,92 Minuten als Zweiter, der Sieg von Wolfe war jedoch klarer als es die Zeit aussagt. Knapp hinter dem zweiten Amerikaner überquerte Cameron Myers die Ziellinie, der auf der Gegengerade mit einem Vorstoß den ultimativen Kampf um den Sieg eröffnet hatte, auf der Zielgerade dem Konter Wolfes aber nichts entgegenzusetzen hatte. Der 20-Jährige verpasste seinen Ozeanienrekord nur um vier Zehntelsekunden. Von der Qualität des Rennens zeugt die Tatsache, dass gleich sieben Läufer unter 7:30 Minuten blieben.
Keine Chance hatte Dominic Lobalu, der vor heimischem Publikum weit zurückfiel und nur Platz 14 erreichte. Damit verpasste der Schweizer auch die Qualifikation für das Diamond-League-Finale in Brüssel am ersten September-Wochenende – ganz im Gegensatz zu Wolfe und Blanks, die als Favoriten in diesen Wettkampf gehen. Dann steht im Gegensatz zu Zürich aber ein 5.000m-Lauf auf dem Programm.

Der 1.500m-Lauf war eigentlich als Weltrekordversuch angeteasert worden, doch dem Veranstalter gelang es nicht, Meilen-Weltrekordläufer Josh Kerr nach Zürich zu lotsen. Dennoch bot der Wettkampf Raum für große Geschichten: Jakob Ingebrigtsen sagte seinen Start zu und traf auf Olympiasieger Cole Hocker, dessen Landsmann Yared Nuguse und den kenianischen Youngster Phanuel Koech. Da der Norweger aber nach seinem langen Ausfall noch nicht stark genug ist für seine gefürchteten Frontruns und die endschnellen Amerikaner naturgemäß kein Interesse daran hatten, entwickelte sich kein superschnelles Rennen, welches seinen Spannungsbogen im Finale hatte.
Yared Nuguse versuchte eine Dreiviertel Runde lang vergeblich, außen an Phanuel Koech vorbei zukommen. Der Kenianer orientierte sich eingangs der Zielgerade im Duell mit dem Amerikaner leicht nach außen. Das nutzte Cole Hocker, der auf der Innenbahn durch die Lücke beschleunigte und den Spurt in einer Zeit von 3:31,71 Minuten gewann. Es ist sein erster Sieg in der Diamond League überhaupt. Der Kenianer behielt im Kampf um Rang zwei die Nase um eine Hundertstelsekunde vor Nuguse, Ingebrigtsen wurde in 3:32,16 Minuten Fünfter. Chorzow-Überraschungssieger Ethan Strand musste sich dieses Mal mit Rang zehn zufrieden geben, Europameister Stefan Nillessen wurde 12., EM-Silbermedaillengewinner Samuel Pihlström gar nur 16.

Eine Tempojagd dreier pfeilschneller Afrikanerinnen brachte der 3.000m-Hindernislauf der Frauen, dennoch fielen weder die zugegebenermaßen Weltklasse-Jahresweltbestzeit von Peruth Chemutai noch der Meetingrekord von Ruth Jebet aus dem Jahr 2017. Weltmeisterin Faith Cherotich, die in dieser Saison erst ein Diamond-League-Rennen gewinnen konnte, diktierte das Rennen von vorne und sicherte sich auch dank ihrer herausragenden Technik über die Hindernisse den Sieg in einer Zeit von 8:55,82 Minuten mit nur 0,12 Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Doris Lemngole, die ihr mit einem flotten Finish noch ziemlich nahe gekommen ist.
Die 24-jährige in den USA lebende Kenianerin ist eine der Aufsteigerinnen der Saison. Zwar hat sie bereits im vergangenen Jahr erstmals die Neun-Minuten-Marke unterboten und mit Platz fünf bei den Weltmeisterschaften aufgezeigt, doch die diesjährige Wettkampfsaison hat eine neue Qualität. Mit einer Zeit von 8:55,94 Minuten unterbot sie ihre erst in Eugene aufgestellte persönliche Bestzeit um zwei Sekunden und erreichte ihren ersten Top-Drei-Rang in der Diamond League. Gegen die beiden Kenianerinnen keine Chance hatte Peruth Chemutai aus Uganda, die in 8:58,28 Minuten Dritte wurde.
Best of the Rest war die lange Zeit alleine laufende Amerikanerin Lexy Halladay in 9:11,10 Minuten am Ende nur knapp vor der besten Europäerin Elise Thorner (9:11,41). Hinter der Britin folgten mit Gesa Krause, Lea Meyer und Olivia Gürth drei Deutsche, wobei Letztere ihre persönliche Bestleistung um ein paar Hundertstelsekunden auf eine Zeit von 9:15,07 Minuten verbessern konnte. Enttäuschend verlief das Rennen für Alice Finot, bei der EM noch zwischen Krause und Gürth auf dem Stockerl. Sie wurde 13., nur Ex-Weltmeisterin Emma Coburn war in ihrem herausfordernden Comebackjahr noch hinter ihr.
Für den 800m-Lauf der Männer gab es in Zürich keine Diamond-League-Punkte, die Bühne war als Wildcard-Rennen die bestmögliche für die beiden Schweizer Ramon Wipfli und Ivan Pellizza im Vergleich mit der globalen Elite. Die polnischen Pacemaker liefen auf Weltrekordtempo an, Emmanuel Wanyonyi nahm dieses Tempo nicht ganz an und kam als Führender aus der letzten Kurve. Djamel Sedjati hatte in der Kurve aber den Abstand verringert, es kam zum hochspannenden Spurt, an dessen Ende der Kenianer einen halben Schritt vorne blieb. In einer Zeit von 1:41,76 Minuten markierte der 22-Jährige eine neue Weltjahresbestzeit, Sedjati folgte 0,07 Sekunden später. Sein algerischer Landsmann Slimane Moula komplettierte das Stockerl in 1:43,52 Minuten.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Chiara Montesano, © Isaac Shaw