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Audrey Werros Glanzstück bei Weltklasse Zürich

Mit einem neuen Schweizer Fabelrekord im 800m-Lauf hat Audrey Werro beim Diamond-League-Finale das Publikum im Letzigrund von Zürich verzückt.
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In der zweiten August-Hälfte ging die Wanda Diamond League in ein hochkarätiges Finale mit vier Meetings. Beim Finale in Zürich wurden die Diamanten und lukrativen Preisgelder vergeben. Im 800m-Lauf der Frauen sorgte Audrey Werro für ein historisches Ereignis für die Schweizer Leichtathletik. RunUp.eu wirft einen Blick zurück auf die herausragenden Laufleistungen der letzten Woche – beginnend mit der jungen Schweizerin.

Audrey Werro – Zürich

1:55,91 Minuten – das ist der neue Schweizer Rekord im 800m-Lauf. Er führte Audrey Werro zu einem grandiosen Erfolg beim Diamond-League-Meeting in Zürich. Es war auch ein historischer, noch nie zuvor gewann eine Schweizer Leichtathletin oder ein Schweizer Leichtathlet die Gesamtwertung der Diamond League.

Fraglos profitierte Werro in Zürich von der Abwesenheit von Keely Hodgkinson, außerdem sind deren beide Hauptrivalinnen der letzten Jahre, Mary Moraa und Athing Mu-Nikolayev, gegenwärtig nicht in Topform. Dieser Umstand kann aber die Leistung der 21-Jährigen nicht schmälern. Der letzte Schweizer Sieg in einer Diamond League oder Golden League Wertung geht laut Informationen des Schweizer Leichtathletik-Verbandes (Swiss Athletics) auf André Bucher und das Jahr 2001 zurück. In jenem Jahr wurde Bucher in Edmonton Weltmeister im 800m-Lauf.

© Ed Hall for Diamond League AG

Dieser gigantische Erfolg in Zürich war die Folge einer enormen Entwicklung in diesem Jahr. Bereits Ende Mai lief Werro in Bydgoszcz einen Schweizer Rekord von 1:57,25 Minuten. Diese Leistung bestätigte sie als U23-Europameisterin von Bergen (1:57,42) und beim Diamond-League-Meeting in Lausanne, wo sich die Lokalmatadorin nur der zu einem Meetingrekord stürmenden Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (1:55,69) geschlagen geben musste (1:57,34). Das Rennen bei der Athletissima, wo schreckliche Wetterbedingungen herrschten (Österreichs Caroline Bredlinger wurde bei ihrem Diamond-League-Debüt Fünfte im B-Lauf und litt ebenfalls unter den starken Regenfällen) war ein Anzeichen, dass die Formkurve im Spätsommer steil nach oben zeigte.

Bei den Schweizer Meisterschaften eine Woche vor Zürich stürmte sie mit einem neuen nationalen Rekord von 1:56,29 Minuten im Alleingang zum Titel, womit sie in den Favoritenkreis für den Diamond-League-Gesamtsieg aufstieg. In Zürich übernahm sie sofort die Position hinter der Tempomacherin, was von Zutrauen und Selbstvertrauen zeugte. Unter dem tosenden Applaus des Schweizer Publikums hielt Werro die Position an der Sonne entlang der Zielgeraden und verbesserte den nationalen Rekord auf eine Zeit von 1:55,91 Minuten. „Unglaublich!“, fand die U23-Europameisterin. Und fügte Richtung Tokio an: „Nun ist Hoffen erlaubt.“

Wanda Diamond League 2025

Mit einer derartigen Vorleistung ist ein Medaillengewinn nicht außerhalb realistischer Vorstellungen. Die in Zürich um fünf Hundertstelsekunden besiegte Georgia Hunter Bell, für sie ebenfalls eine persönliche Bestleistung, kokettiert offensichtlicher mit einer WM-Medaille. Die drittplatzierte Französin Anais Bourgoin – satte Bestleistung von 1:56,97 – und die viertplatzierte Shafiqua Maloney – ein Landesrekord für St. Vincent und Grenadinen von 1:57,29 – blieben gegen das sich duellierende Duo trotz starker Leistungen chancenlos, Hallen-Weltmeisterin Prudence Sekgodiso musste sich mit Rang sechs zufrieden geben.

Faith Kipyegon – Chrozow

Wie ihre prominente Landsfrau Beatrice Chebet, Olympiasiegerin im 5.000m- und 10.000m-Lauf, hat sich auch 1.500m-Dominatorin Faith Kipyegon dafür entschieden, für die WM-Vorbereitung das Diamond-League-Finale in Zürich auszulassen. Da auch Gudaf Tsegay, die in Chorzow mit einem brillanten Sieg in einer Zeit von 3:50,62 Minuten in die Nähe des Weltrekords gelaufen ist, in Zürich fehlte, stürmte Kipyegons Landsfrau Nelly Chepchrichir überraschend zum Gesamtsieg in 3:56,99 Minuten. Überraschend deshalb, da die australische Olympia-Silbermedaillengewinnerin Jessica Hull höher eingeschätzt war und bis wenige Meter vor der Ziellinie führte, aber völlig einbrach. Sie wurde vor ihrer Landsfrau Linden Hall Zweite, eine Winzigkeit von 0,03 Sekunden fehlten auf den Sieg. Hätte Hull gewonnen, hätte das starke australische Mittelstreckenteam übrigens einen Wildcard-Platz für die WM in Tokio bekommen – vermutlich zum Leidwesen von Georgia Griffith.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

In Chorzow attackierte Faith Kipyegon den Weltrekord im 3.000m-Lauf und konnte auf die Tempomacher-Dienste von Jessica Hull zurückgreifen. Die Australierin hatte im Olympischen 1.500m-Finale von Paris die Silbermedaille hinter Kipyegon gewonnen, an diesem Abend Mitte August arbeiteten die beiden zusammen. Viel fehlte nicht – und es wäre eine absolute Erfolgsstory geworden. Kipyegon erreichte die mit Abstand schnellste 3.000m-Zeit der letzten zwei Jahrzehnte und stellte in 8:07,04 Minuten einen deutlichen neuen Afrikarekord auf. Nur den 1993 in der Blüte der chinesischen Wunderläuferinnen aufgestellten Weltrekord von Wang Jun Xia verpasste die 31-Jährige um nicht einmal eine Sekunde. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Ich war so erschöpft, dass ich im Ziel nicht einmal die Zeit gesehen habe. Diese Rekordversuche taugen mir voll, aber ab sofort gilt der komplette Fokus der WM in Tokio“, so Kipyegon nach dem Rennen. 27 Sekunden legte sie zwischen sich und der besten Verfolgerin.

Übrigens war auch Chebet in Chorzow und testete die Unterdistanz von 1.500m. Die Kenianerin bestach mit einer Zeit von 3:54,73 Minuten und ließ im Wettkampf als Zweite hinter Tsegay sogar Olympia-Medaillengewinnerin Georgia Hunter Bell hinter sich.

Die ewige Weltbestenliste im 3.000m-Lauf

  • 8:06,11 Minuten – Wang Jun Xia (China), Peking 1993
  • 8:07,04 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Chorzow 2025
  • 8:11,56 Minuten – Beatrice Chebet (Kenia), Rabat 2025
  • 8:12,18 Minuten – Qu Yun Xia (China), Peking 1993
  • 8:16,50 Minuten – Zhang Lin Li (China), Peking 1993
  • 8:16,60 Minuten – Genzebe Dibaba (Äthiopien), Stockholm 2014 (Halle)
  • 8:16,69 Minuten – Gudaf Tsegay (Äthiopien), Birmingham 2023 (Halle)
  • 8:18,49 Minuten – Sifan Hassan (Niederlande), Palo Alto 2019
  • 8:19,08 Minuten – Francine Niyonsaba (Burundi), Paris 2021
  • 8:19,52 Minuten – Ejgayehu Taye (Äthiopien), Paris 2021

Keely Hodgkinson – Chrozow

Lange Zeit in dieser Saison war sie eines der Sorgenkinder der europäischen Leichtathletik: Keely Hodgkinsons Rückkehr nach Verletzungssorgen verzögerte sich bedrohlich lange. Beim Diamond-League-Meeting in Schlesien am 16. August, dem Kamila Skolimowska Memorial, war es dann der Fall – und das Feuerwerk des Comebacks fiel gewaltiger aus als erwartet. In ihrem ersten Wettkampf seit fast einem Jahr zauberte die 23-Jährige eine Zeit von 1:54,74 Minuten auf die Bahn und pulverisierte den Meetingrekord von Weltmeisterin Mary Moraa um über zwei Sekunden. Nur haarscharf verpasste Europas Nummer eins ihren eigenen britischen Rekord und hält nun sieben der schnellsten acht 800m-Zeiten der britischen Leichtathletik-Geschichte.

© Dan Vernon for Diamond League AG

Hinter Hodgkinson gingen weitere sensationelle Ergebnisse in die Wertung. Die Kenianerin Lilian Odira erzielte eine persönliche Bestleistung von 1:56,52 Minuten, Oratile Nowe verbesserte den Landesrekord für Botswana auf 1:56,76 Minuten und die fünftplatzierte Claudia Hollingsworth steigerte den Ozeanienrekord auf eine Zeit von 1:57,67 Minuten.

Emmanuel Wanyonyi – Zürich

Die Nummer eins der Welt im 800m-Lauf ist erst 21 Jahre alt und hat nun schon dreimal die Gesamtwertung der Diamond League gewonnen. Olympiasieger Emmanuel Wanyonyi aus Kenia dominierte die Saison und fährt als Topfavorit zur WM in die japanische Hauptstadt, der einzige wichtige Titel, der dem jungen Läufer noch fehlt.

© Ed Hall for Diamond League AG

In Zürich ließ der Kenianer mit einer Siegerzeit von 1:42,37 Minuten den britischen Youngster Max Burgin und den kanadischen Weltmeister Marco Arop hinter sich, wobei die Abstände ziemlich eng waren. Keine Chance hatten die US-Amerikaner Bryce Hoppel und Hallen-Weltmeister Josh Hoey auf den Rängen sieben und acht. Für Hoey wäre ein Triumph in Zürich die letzte Möglichkeit gewesen, über die Wildcard doch noch einen Startplatz für Tokio zu ergattern.

Vier Laufsiege für Europa – Zürich

Europas Laufszene war der große Gewinner beim Diamond-League-Finale in Zürich. Neben Audrey Werros Erfolg gingen auch ohne den weiterhin im Training befindlichen Jakob Ingebrigtsen gleich drei der vier Laufdistanzen bei den Männern an europäische Sieger, wenngleich etwas erleichtert durch prominente Abwesende. Niels Laros sorgte für Aufsehen als Sieger des 1.500m-Laufs: Das holländische Talent ließ mit einem neuen holländischen Landesrekord von 3:29,20 Minuten die Kenianer Reynold Cheruiyot, Phanuel Koech und Timothy Cheruiyot sowie den bisher in dieser Saison stark laufenden Azzedine Habz aus Frankreich deutlich hinter sich. Der Deutsche Robert Farken belegte Platz neun. Und im statt des 5.000m-Laufs ausgetragenen 3.000m-Rennen nutzte der Franzose Jimmy Gressier die Abwesenheit einiger afrikanischer Stars zum Sieg in 7:36,78 Minuten – immerhin vor Hallen-Weltrekordhalter Grant Fisher aus den USA und dem schwedischen Europarekordhalter Andreas Almgren. Der Deutsche Mohamed Abdilaahi überzeugte mit einer persönlichen Bestleistung von 7:37,31 Minuten als Vierter.

© Ed Hall for Diamond League AG

Doch es wurde noch besser für den deutschen Laufsport: Frederik Ruppert gewann den 3.000m-Hindernislauf in Abwesenheit des Olympiasiegers Soufiane El Bakkali in einer Zeit von 8:09,02 Minuten und ließ dabei den hochtalentierten Kenianer Edmund Serem um eine Sekunde hinter sich. Für den 28-Jährigen war das der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere. Fast noch beeindruckender war übrigens der Sieg von Ruben Querinjean beim Diamond-League-Meeting von Brüssel wenige Tage zuvor. Der 23-Jährige stellte in einer Zeit von 8:09,74 Minuten einen neuen Landesrekord für Luxemburg auf.

Pallitsch mit ÖLV-Rekord

Abseits der Diamond League gab es in den vergangenen Wochen ein bedeutendes Ergebnis für den österreichischen Laufsport. Raphael Pallitsch (Union St. Pölten) verbesserte bei einem Meeting am 1. September in Cernusco sul Naviglio nahe Mailand den ÖLV-Rekord im 1.000m-Lauf auf eine Zeit von 2:17,89 Minuten. Der 35-Jährige blieb bei Regenschauer 0,17 Sekunden unter der bisherigen Bestmarke von Andreas Vojta (team2012.at).

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Ed Hall for Diamond League AG, © Marta Gorczynska for Diamond League AG, © Dan Vernon for Diamond League AG

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