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Mit seinem zweiten Sieg am Brandenburger Tor hat Guye Adola am gestrigen Sonntag im Alter von 35 Jahren den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Der Routinier führte eine Phalanx von neun Äthiopiern an, in die sich nur Gabriel Geay aus Tansania mischen konnte.
„Ich bin sehr glücklich, das war ein starkes Rennen“, sagte Guye Adola in aller Kürze nach seinem bisher schnellsten Marathon. Es war sein zehnter, ein schönes Jubiläum, gekrönt mit dem größten Sieg. Im Alter von 35 Jahren gelang dem Äthiopier zudem eine beachtliche Steigerung seiner persönlichen Bestleistung um fast eine Minute auf eine Zeit von 2:02:50 Stunden. Damit ist Adola nun die Nummer 13 der ewigen Weltbestenliste. Seinen bisher schnellsten Marathon ist er ebenfalls in Berlin gelaufen – bei seinem spektakulären Debüt vor neun Jahren.
Berlin ist der Marathon-Ort auf der Welt, an dem Guye Adola seine besten Leistungen im Marathon gebracht hat. 2017 debütierte der Halbmarathon-WM-Medaillengewinner von 2014 und setzte sich in der entscheidenden Phase damals sogar vom Olympiasieger Eliud Kipchoge ab. Der hochfavorisierte Kenianer konnte das Blatt zwar noch einmal wenden und den Berlin Marathon gewinnen, aber Adola war der heimliche Star des damaligen Rennens – mit dem damals schnellsten Marathon-Debüt der Geschichte.

Vier Jahre später kam Adola zum Berlin Marathon zurück, als Kenenisa Bekele den Weltrekord attackieren wollte. Keiner aus der Spitzengruppe konnte das viel zu schnelle Tempo der ersten Rennhälfte halten. Adola konnte seine Restenergie am besten mobilisieren und feierte seinen bis gestern einzigen Sieg bei den World Marathon Majors. Nach Stockerlplätzen in Paris und Frankfurt 2023 kehrte der Äthiopier 2025 zum Berlin Marathon und wurde im von Sabastian Sawe gewonnen Hitzerennen guter Vierter.
Nach dem Achtungserfolg beim Rotterdam Marathon im Frühjahr, als er zum zweiten Mal in seiner Karriere unter 2:04 Stunden blieb, folgte nun Triumph Nummer zwei in Berlin. Dieser gelang vor den Augen der äthiopischen Lauflegende Haile Gebrselassie und Marathon-Weltrekordhalter Sabastian Sawe, die beide auf Einladung des Veranstalters in Berlin weilten und auch Auftritte im deutschen Fernsehen genossen. Sawe hätte eigentlich seinen eigenen Weltrekord brechen sollen, musste aber aufgrund einer Stressfraktur im Schienbein seinen Start streichen.
Ohne den aufgrund einer Achillessehnenverletzung, die er sich bei einer seiner letzten Trainingseinheiten zugezogen hat, fehlenden Kenenisa Bekele startete das Elitefeld der Männer flott in den Berlin Marathon 2026. Nach 1:01:01 Stunden überquerte eine neunköpfige Spitzengruppe plus Tempomacher-Begleitung die Zwischenzeit beim Halbmarathon. Nach rund 30 Kilometern fiel Gabriel Geay, der Läufer mit der schnellsten Vorleistung, etwas zurück und gleichzeitig setzte sich ein äthiopisches Trio leicht von den Verfolgern ab.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Vor der Zwischenzeit bei Kilometer 35 löste sich Adola von Diriba und Barega und startete seinen kontrollierten Alleingang bis zur Ziellinie, auch wenn er noch etwas an Zeit zu seiner vorherigen Gangart einbüßte. „Ich war sehr zuversichtlich, dann ich hatte gut trainiert und auch mein Trainer war optimistisch“, sagte Adola.
Sein Trainer ist Gemedu Dedefo, der beim Berlin Marathon mit seinen Schützlingen einen Doppelsieg feierte – auch Frauen-Siegerin Tigst Assefa gehört zur berühmten und leistungsstarken Trainingsgruppe des Coaches in und um Addis Abeba.
Für den 27-jährigen Gemechu Dida war der zweiten Platz ebenfalls ein großer Erfolg, es war schließlich erst sein zweiter Marathon. Mit einer Zeit von 2:03:19 Stunden gelang eine Steigerung um dreieinhalb Minuten zum Valencia Marathon 2025. Im Kampf um Platz drei verlor Barega, für viele der Favorit auf den Sieg, auf den letzten Kilometern noch deutlich an Boden und wurde nur Fünfter. Der Olympiasieger im 10.000m-Lauf von Tokio verbesserte in 2:04:58 Stunden seine persönliche Bestleistung um zwei Sekunden.
Rund 56.000 Teilnehmer:innen aus 162 Nationen bildeten das Feld der 52. Auflage des BMW Berlin Marathon. Darunter befanden sich knapp 300 angemeldete österreichische Läuferinnen und Läufer. Mit Lars Demuth (SVG Hohe Wand), Marcel Rüdisser (TS Hohenems) und Martin Mistelbauer (team2012.at) schafften es drei heimische Akteure in die Top-200. Stark performten auch Lukas Gärtner (team2012.at) als 14. der Altersklasse M45 und Arno Ritter (Sparkasse SG Götzis) als Vierter in der Altersklasse M60. Der Vorarlberger lief nach einer Nettozeit von 2:51:07 Stunden über die Ziellinie hinter dem Brandenburger Tor.
Rang drei ging an Geay in seiner zweitschnellsten Marathonzeit von 2:03:59 Stunden, Vierter wurde Getaneh Mollah drei Sekunden vor Barega. Geay ist der Landesrekordhalter von Tansania und hat in den letzten Jahren in der Höhenlage seiner Heimat viel Geld investiert, um den Bau eines Trainingscamps mit entsprechender Infrastruktur inklusive eines Leichtathletik-Stadions in den Madunga Hills zu finanzieren.
Sein Traum: Der nächsten Generation von Läuferinnen und Läufern aus Tansania gute Möglichkeiten zu bieten, um besser gegen Altersgenossen aus Kenia oder Äthiopien konkurrieren zu können. Es sei kein persönliches Projekt, betonte der Athlet gegenüber der kenianischen Plattform „Pulse Sports“, sondern eine nationale Mission.
Tansania ist nicht nur die Heimat von Gabriel Geay, der schon fünf Marathons in unter 2:05 Stunden geschafft hat, sondern auch des amtierenden Weltmeisters Alphone Felix Simbu, heuer bereits Zweiter beim Boston Marathon und Vierter beim Sydney Marathon Ende August. In der vorigen Generation war Gidamis Shahanga der Marathon-Star des südlichen Nachbarlandes von Kenia. Shahanga hat 1990 den Vienna City Marathon gewonnen.

24 (!) Läufer schafften im Männerrennen eine Zeit unter 2:10 Stunden. Als bestem Japaner gelang Yuhei Urano der Sprung in die Top-Ten, die Hoffnung auf einen neuen japanischen Rekord erfüllte sich jedoch bei weitem nicht.
Ein ganz seltenes und im aktuellen Jahrhundert wahrscheinlich einzigartiges Bild für Berlin: Kein einziger kenianischer Läufer landete unter den Top-20. Auch wenn kaum kenianische Eliteläufer in Berlin waren, hat ein solches Abschneiden in der Laufhochburg nationale Tragweite, so dass Athletics Kenya an die Öffentlichkeit ging: „Wir verstehen die Enttäuschung, wir alle wollen Kenia auf dem Podest sehen. Aber vergessen wir nicht die Jahre, in denen wir dominiert haben. Kenia wird wieder vorne sein“, schrieb Barnaba Korir, der das Nachwuchsprogramm im Verband leitet, laut kenianischen Medien in sozialen Netzwerken.
Keine entscheidende Rolle spielten beim diesjährigen Berlin Marathon die deutschen Topläufer. Zwar schafften drei von ihnen den Sprung unter 2:10 Stunden, der Ausreißer nach oben blieb aber aus. Bester der Lokalmatadoren war am Ende Haftom Welday in einer Zeit von 2:08:25 Stunden. „Ich bin froh und dankbar, dass ich heute so ein Ergebnis erreicht habe“, sagte der 36-Jährige nach einer suboptimalen Vorbereitung in Äthiopien.

Der gebürtige Eritreer, der seit 2022 für Deutschland startberechtigt ist, setzte sich rund zehn Kilometer vor Schluss von seinem Landsmann Aaron Bienenfeld ab, der nach 2:09:18 Stunden im Ziel war und eine erhoffte Steigerung zu seinem starken Marathon-Debüt im April in Hamburg verpasste. Sebastian Hendel, der dem Marathon Team Berlin angehört, brauchte für die 42,195 Kilometer durch die deutsche Hauptstadt 2:09:50 Stunden.
Para-Leichtathlet Tien-Fung Yap lief in der Klasse T12 der Sehbeeinträchtigten einen neuen deutschen Rekord in einer Zeit von 2:38:37 Stunden.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SSC Events / Petko Beier, Marvin Ibo Güngör, SIP / Johannes Langer