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Es mag sein, dass die nicht-olympische Distanz von 1.000m nicht oft auf dem Programm steht – und noch viel seltener einen internationalen Höhepunkt darstellt. Aber fast 27 Jahre lang war immer Noah Ngenys Zeit von 2:11,96 Minuten die Richtmarke, die seither nie überwunden wurde. Damals knackte der Kenianer beim Meeting in Rieti in den Bergen nahe Rom, das als traditionsreiches Meeting „Rieti GP“ längst Geschichte ist, aber unlängst die Bühne für die U18-Europameisterschaften 2026 gegeben hat, die Weltrekordmarke des heutigen Präsidenten von World Athletics, Sebastian Coe, aus dem Jahr 1981. Nun ist Ngenys Weltrekord Geschichte: Emmanuel Wanyonyis Zeit von 2:11,83 Minuten ist die erst zweite unter 2:12 Minuten überhaupt und die erst zweite unter Coes Leistung aus dem Sommer vor 45 Jahren.
„Es war das erste Mal, dass ich einen 1.000m-Wettkampf absolviert habe – und da direkt den Weltrekord zu brechen, das stimmt mich einfach so glücklich“, jubelte Emmanuel Wanyonyi nach seinem historischen Lauf im Stade Louis II von Monaco. Der 800m-Spezialist, Olympiasieger und Weltmeister, hatte nicht nur die ungewohnten Zusatz-200m in Griff, sondern auch die Konkurrenz und dominierte mit einem Fabelfinish – der Weltrekord in einer Zeit von 2:11,83 Minuten stellte die ultimative Belohnung dar.

Und der zweitplatzierte Jake Wightman, 2022 Weltmeister im 1.500m-Lauf, der selbst die zweitbeste britische 1.000m-Zeit der Geschichte markierte, applaudierte mit dem Respektabstand von fast einer Sekunde zum Sieger: „Ich hätte Wanyoni gerne überrascht und es war tatsächlich eine meiner stärksten Leistungen in diesem Jahr. Aber sein Endspurt war wahrscheinlich der Beste, den er je hatte.“ Der drittplatzierte Djamel Sedjati aus Algerien hatte im Ziel bereits über zwei Sekunden Verspätung auf den 22-jährigen Sieger – selbst in dieser Disziplin eine Welt!
An einem sommerlichen Septembertag 1999 hatte Noah Ngeny prächtige Unterstützung durch Tempomacher David Kiptoo, der auch einen vorangegangenen gescheiterten Weltrekordversuch auf dieser Distanz angelaufen hatte. Damals in Rieti prügelten die Kenianer ein unglaubliches Tempo auf die Bahn, die Durchgangszeit von 49,66 Minuten war damals um 1,29 Sekunden schneller als die Durchgangszeit von Patryk Sieradzki in Monaco 2026 nach 400m.
Vor 27 Jahren ging Ngeny in 1:44,62 Minuten bei der 800m-Durchgangszeit in die finale Kurve, Wanyonyi hatte im Franzosen Louey Ouerrat zu diesem Zeitpunkt noch einen zweiten Tempomacher, der die Uhr bei 1:45,11 Minuten stoppen ließ, Wanyonyi, erst knapp fünf Jahre nach Ngenys Weltrekordlauf überhaupt geboren, folgte direkt dahinter. In der Detail-Rennanalyse der Diamond League wird für die beiden eine Zwischenzeit von 1:44,8 bzw. 1:45,0 angegeben.
Egal welche der beiden Varianten präziser ist (ob die Zwischenzeitmessungen in den 90er Jahren so präzise waren?) – den Rest des virtuellen Rückstands holte Wanyonyi auf den letzten 200 Metern auf. Für den 21-Jährigen hat sich der Ausflug ins Fürstentum gelohnt: Wie die kenianische Tageszeitung „Daily Nation“ meldete, verdiente er umgerechnet über 50.000 Euro in 2:11,83 Minuten Wettkampfzeit.
Eine Woche nach dem Diamond-League-Meeting in Eugene passierte es noch einmal: Faith Kipyegon, vor Eugene über fünf Jahre auf der Mittelstrecke unbesiegt, lief beim 3.000m-Lauf in Monaco – nicht ihre absolute Spezialdistanz – „nur“ als Vierte über die Ziellinie. In einer Zeit von 8:24,21 Minuten hatte der kenianische Superstar im Kampf um den Sieg gegen Agnes Ngetich keine Chance, hatte aber auch im Kampf um Platz zwei gegen die jungen Äthiopierinnen Aleshign Baweke und Senayet Getachew knapp das Nachsehen.
Ngetich glänzte, gepuscht von Star-Tempomacherin Jessica Hull, mit einem Meetingrekord von 8:08,95 Minuten als deutliche Siegerin und schob sich auf Rang drei der ewigen Weltbestenliste hinter Wang Jun Xia (1993) und Kipyegon (2025). Für Ngetich machte die Präsenz ihrer Landsfrau und Kontrahentin den Sieg logischerweise besonders. Zudem war es ihr Saisonauftakt, der späte Einstieg in die Bahnsaison resultierte aus der Crosslauf- und Straßenlaufsaison.

Sie wäre nach einer Verletzung noch nicht bei 100%, aber auf dem richtigen Weg zu einer starken zweiten Saisonhälfte, sagte Kipyegon bei der Pressekonferenz vor dem Herculis Meeting. Dementsprechend fiel ihr Fazit nach dem Rennen aus: „Ich bin glücklich, wieder mittendrin zu sein. Ich bin immer noch nicht vollständig gesund, daher kann ich diese Niederlage gut akzeptieren. Wenn man gewinnen will, muss man bei 100% sein.“
Dennoch hat ihr Abschneiden Seltenheitswert. Zweimal in Folge nicht auf Platz eins – das ist in der Vita von Faith Kipyegon fast irreal. Vorläufe bei nationalen und internationalen Meisterschaften ausgenommen, passierte ihr das zuletzt zu Saisonende der Olympischen Saison 2016, also direkt nach ihrem ersten Olymia-Gold bei den Diamond-League-Meetings in Paris und Zürich – vor fast zehn Jahren!
Für eine besondere Geschichte in diesem 3.000m-Lauf der Frauen sorgte Cassandre Beaugrand: Die Triathlon-Olympiasiegerin von Paris 2024 lief einen französischen Landesrekord von 8:32,86 Minuten!
Viele Expert:innen der internationalen Szene sehen das Potenzial, dass im Laufe dieser Saison auch noch der 800m-Weltrekord von David Rudisha fällt. Dieser liegt seit den Olympischen Spielen 2012 bei einer Zeit von 1:40,91 Minuten. In den vergangenen Jahren rückte die Weltspitze diesem Weltrekord immer näher, vor allem Optimierungen und Innovationen bei den Ernährungsstrategien und im Energiehaushalt begünstigten auf den Mittelstrecken diese Entwicklung.
Mit dem neuen 1.000m-Weltrekordhalter Emmanuel Wanyonyi und dem zuletzt immer stärker werdenden Marco Arop gibt es gleich zwei Kandidaten, die das Potenzial zu haben scheinen, die kenianische Legende zu entthronen. Mit Cooper Lutkenhaus hat der aufstrebende Shootingstar die Saison bereits beendet (siehe RunUp.eu-Bericht) – geht seine Entwicklung so weiter, ist ihm ein Angriff auf den 800m-Weltrekord möglicherweise in den nächsten Jahren zuzutrauen.
Wanyonyi hielt in Monaco vorerst den Ball diplomatisch flach: „Über den 800m-Weltrekord mag ich nicht reden. Ich will erst laufen und meine persönliche Bestleistung ins Auge fassen.“ Nur: Wanyonyis Bestwert liegt seit 2024 nur eine winzige Zehntelsekunde über Rudishas Weltrekord. Und – wohl in Richtung seines Hauptkontrahenten Marco Arop, der in der Öffentlichkeit offensiver mit dem Thema Weltrekord umgeht, gerichtet – fügte er an: „Lass mich ruhig bleiben, Handeln ist stärker als Worte.“
Im 5.000m-Lauf gelang Dominic Lobalu aus der Schweiz sein bereits dritter Diamond-League-Sieg – und damit ein toller Erfolg in einer bis dato mühsamen Saison. Der 27-Jährige setzte sich mit einer Zeit von 12:52,54 Minuten vor dem US-Amerikaner Graham Blanks und Birhanu Balew aus dem Bahrain durch.
Im 3.000m-Hindernislauf siegte Simon Koech in einer Zeit von 8:03,35 Minuten mit dem beachtenswerten Vorsprung von sieben Sekunden auf den Japaner Ryuji Miura sowie seinen kenianischen Landsmann Edmund Serem. Wie die US-Laufplattform „Let’sRun.com“ festhielt, war es der erste kenianische Hindernislauf-Sieg in der Diamond League seit fast zwei Jahren. Weltmeister Geordie Beamish aus Neuseeland musste sich mit Platz acht zufrieden geben, der Deutsche Niklas Buchholz wurde in 8:21,46 Minuten Elfter. Superstar Soufiane El Bakkali ließ das Rennen in Monaco aus, genauso wie Europarekordhalter Frederik Ruppert.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Chiara Montesano for Diamond League AG