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Boston Marathon mit beiden Vorjahressiegern

Sisay Lemma und Hellen Obiri treten beim Boston Marathon am „Patriot’s Day“ als Titelverteidiger an, werden aber von namhaften Kontrahenten gefordert.
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Es ist ein spannender Dreikampf, der sich am Ostermontag im Männerrennen des Boston Marathon abzeichnet: jener von Vorjahressieger Sisay Lemma sowie den beiden Kenianern Evans Chebet, der die beiden Jahre davor triumphierte, und Chicago-Sieger John Korir. Bei den Frauen versucht Hellen Obiri Historisches zu erreichen.

Es ist ruhig geworden rund um Sisay Lemma. Sein Streckenrekord beim Valencia Marathon 2023 in einer Zeit von 2:01:48 Stunden, der ihn auf Rang vier der ewigen Bestenliste im Marathon katapultiert hatte – ganz nahe an den äthiopischen Rekord von Kenenisa Bekele heran – sowie der überzeugende Sieg beim Boston Marathon 2024 haben ihn zum erklärten Favoriten bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 gemacht. Doch eine Verletzung im Vorfeld verhinderte seinen Start. Landsmann Tamirat Tola wurde nachnominiert und stürmte zu Gold. Für den nun 34-jährigen Lemma, vor zehn Jahren Sieger beim Vienna City Marathon, blieb die Erkenntnis übrig: Paris 2024 wäre seine große Chance gewesen.

RunUp.eu-Lesetipp: Hellen Obiri vor dem Boston Marathon 2025

John Korir im Konzert der Großen

Beim Valencia Marathon 2024 wirkte Lemma weit weg von seiner Topform. Er lief zwar eine Zeit von 2:04:59 Stunden, seine siebtschnellste in einer langen Karriere, aber Platz zehn fällt bei der Dichte in Valencia kaum auf. Und so hat Lemma, gefühlt, den Status als Überläufer wieder abgelegt und gilt vor dem Boston Marathon als ein realistisch zu schlagender Kontrahent.

Zum Beispiel aus Sicht von John Korir, der im Herbst mit einer gewaltigen Leistung den Chicago Marathon in 2:02:44 Stunden gewonnen hat. Es war der Durchbruch für den 28-Jährigen, mit dem er endgültig aus dem Schatten seines älteren Bruders Wesley Korir getreten ist. Der hatte 2012 den Boston Marathon gewonnen und stieg danach bald in die kenianische Politik ein. Viele warfen dem kenianischen Verband vor, genau aus diesem Grund ihm einst den dritten Olympia-Startplatz für Rio 2016 gegeben zu haben. John hat jetzt bereits deutlich schnellere Marathonzeiten erzielt als Wesley, in der Erfolgsbilanz ähneln sich die beiden zur Zeit (noch).

Chebet hofft auf dritten Boston-Sieg

Oder aus der Sicht von Evans Chebet. Der 36-Jährige ist unglücklich mit dem kenianischen Verband, der ihn für die Olympischen Spiele 2024 nicht einmal ansatzweise berücksichtigte. Und das, obwohl er nach Siegen beim Boston Marathon 2022, beim New York City Marathon 2022 und beim Boston Marathon 2023 in jener Zeit zu den Allerbesten seines Fachs zählte. Dann bremste ihn eine Verletzung im Herbst 2023 aus, beim Boston Marathon 2024 wurde er Dritter.

Seine Siegesserie war beendet, er konnte sie auch in New York im November als Zweiter hinter Überraschungssieger Abdi Nageeye nicht wieder aufnehmen. Wie Lemma und Korir hat auch Chebet in diesem Jahr noch keinen einzigen Wettkampf absolviert. Gewänne er am Ostermontag in Boston, würde er in einen erlesenen Kreis der Dreifachsieger beim traditionsreichsten, jährlich ausgetragenen Marathon aufsteigen.

Das Elitefeld der Männer

  • Sisay Lemma (ETH) – 2:01:48 Stunden (Valencia 2023)
  • John Korir (KEN) – 2:02:44 Stunden (Chicago 2024)
  • Evans Chebet (KEN) – 2:03:00 Stunden (Valencia 2020)
  • CyBrian Kotut (KEN) – 2:03:22 Stunden (Berlin 2024)
  • Alex Haymanot (ETH) – 2:03:31 Stunden (Berlin 2024)
  • Daniel Mateiko (KEN) – 2:04:24 Stunden (Valencia 2024)
  • Alphone Felix Simbu (TAN) – 2:04:38 Stunden (Valencia 2024)
  • Lelisa Desisa (ETH) – 2:04:45 Stunden (Dubai 2013)
  • Victor Kiplangat (UGA) 2:05:09 Stunden (Hamburg 2022)
  • Asefa Boki (ETH) 2:05:40 Stunden (Amsterdam 2024)
  • Tebello Ramakongoana (LES) – 2:06:18 Stunden (Xiamen 2025)
  • Abel Kipchumba (KEN) – 2:06:49 Stunden (Berlin 2022)
  • Tsegay Weldilibanos (ERI) 2:07:35 Stunden (Sacramento 2024)
  • Patrick Tiernan (AUS) – 2:07:45 Stunden (Houston 2024)
  • Conner Mantz (USA) – 2:07:47 Stunden (Chicago 2023)
  • Clayton Young (USA) – 2:08:00 Stunden (Chicago 2023)
  • Rory Linkletter (CAN) – 2:08:01 Stunden (Sevilla 2024)

Mit CyBrian Kotut, der bereits die Marathons in Paris und Hamburg gewonnen hat, und Alex Haymanot sind zwei weitere Läufer mit Bestleistungen unter 2:04 Stunden im Rennen – ein grandioses Qualitätsmerkmal für den Boston Marathon 2025. Ergänzt wird das Spitzenfeld durch Daniel Mateiko, der mit Superzeiten aus dem Halbmarathon in den Marathon eingestiegen ist. Platz drei in Valencia im Dezember deutete seine Klasse an. Dazu kommt noch Weltmeister Victor Kiplangat. Ein gern gesehener Gast in Boston ist stets auch Lelisa Desisa, der hier schon zweimal gewonnen hat. Das Niveau von früher hat der 35-jährige aber nicht mehr.

Leise Hoffnungen auf US-Sieg

Für Spannung könnten auch die besten Amerikaner sorgten. Conner Mantz lief in Houston und in New York zwei gewaltige Halbmarathons in 59:17 bzw. 59:15 Minuten, die den 28-Jährigen trotz der hochkarätigen internationalen Konkurrenz zu einem seriösen Kandidaten auf einen Spitzenplatz beim Boston Marathon 2025 machen. Gegenüber dem Citius Mag sagte der Amerikaner, seine Vorbereitung sei gut verlaufen und er hätte eine Chance auf den ersten amerikanischen Sieg in Boston seit Meb Keflezighi im Jahr 2014. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist sein Trainingspartner Clayton Young. Beide performten bei den Olympischen Spielen von Paris mit Top-Ten-Plätzen stark.

Schnelle Äthiopierinnen und Lokedi fordern Obiri

Bei den Frauen strebt Hellen Obiri nach dem dritten Boston-Sieg in Folge, es wäre ein historisches Ereignis (siehe separaten RunUp.eu-Vorbericht). Die Kenianerin muss sich aber mit starker Konkurrenz auseinandersetzen. Ihre Landsfrau Sharon Lokedi, die sowohl beim Boston Marathon 2024 als auch bei den Olympischen Spielen nur wenige Sekunden hinter Obiri ins Ziel gelaufen ist, hat sich mit einem überzeugenden Sieg in persönlicher Bestleistung vom New York City Halbmarathon vor gut einem Monat kräftiges Selbstvertrauen für den Boston Marathon geholt. „Um Hellen in Boston zu besiegen, muss ich auf den letzten Kilometern noch besser sein“, sagte die 31-Jährige vor einigen Wochen gegenüber dem kenianischen Medium „Pulse Sports“.

Wie Lokedi hat freilich auch Amane Beriso noch nie ein direktes Duell gegen Obiri gewonnen: 2023 in Boston und 2024 in Paris bei den Spielen. Dort war sie Fünfte, das heißt das drei der Top-Fünf-Athletinnen beim wichtigsten Marathon der letzten vier Jahre in Boston am Start stehen. Die 33-jährige Äthiopierin ist dank ihres Siegs beim Valencia Marathon 2022 in einer Zeit von 2:14:58 Stunden laut Vorleistung die mit Abstand schnellste Läuferin im Feld. Doch auf der schwierigen, weil hügeligen Punkt-zu-Punkt-Strecke von Hopkington nach Boston und in einem Wettkampf ohne Tempomacherinnen ist die Vorleistung nicht das relevanteste Kriterium im Streben nach dem Sieg.

Das könnte auch zum Nachteil von Yalemzerf Yehualaw ausfallen, die nach grandiosen Leistungen im 10km-Lauf und im Halbmarathon 2022 mit Siegen in Hamburg und London in den Marathon eingestiegen ist. Nach drei sieglosen Marathons kehrte sie im Herbst mit einer prächtigen Leistung von 2:16:52 Stunden als Siegerin des Amsterdam Marathon zurück ins Rampenlicht. Als einzige aus diesem Kreis der Favoritinnen hat die 25-Jährige noch keine Boston-Erfahrung.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Pixabay

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