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Boston- und Berlin Sieger Elijah Lagat verstorben

Elijah Lagat, Champion in Berlin und Boston, ist zu Wochenbeginn im Alter von 59 Jahren verstorben. Seine Karriere verlief ungewöhnlich – und ist eine Erzählung Wert.
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Einer der erfolgreichsten Marathonläufer der letzten Jahre des vergangenen Jahrtausends ist am Montag in seiner kenianischen Heimat verstorben. Elijah Lagat betrat die Marathonbühne als Spätzünder und feierte große Erfolge beim Berlin Marathon, Prag Marathon und Boston Marathon. Es war eine kurze, aber außergewöhnliche Karriere an der Weltspitze im Marathon.

Wer den Boston Marathon 2000 gesehen hat, wird sich an Elijah Lagat erinnern. Denn der Zieleinlauf der 104. Auflage des Klassikers an der US-Ostküste war ein denkwürdiger für die Ewigkeit. Mittendrin der damals 33-jährige Kenianer. Im engsten Zieleinlauf der Veranstaltungsgeschichte setzte sich Elijah Lagat in einer Zeit von 2:09:47 Stunden hauchdünn vor Gezahegne Abera durch. Der drittplatzierte Moses Tanui, der den Boston Marathon in den Jahren 1996 und 1998 gewonnen hatte, hatte nur drei Sekunden Verspätung. Während der Äthiopier Abera ein knappes halbes Jahr später in Sydney im Olympischen Marathon triumphierte und 2001 auch Weltmeister im Marathon wurde, war der denkwürdige Triumph Lagats in Boston sein letzter in seiner Karriere.

Spätstarter auf Rezept

Abseits seiner größten Erfolge hatte Elijah Lagat eine illustre sportliche Karriere mit einigen Kuriositäten. So kam Lagat zum Laufen, weil er als junger Erwachsener den medizinischen Rat bekommen habe, mit Laufen sein Körpergewicht zu reduzieren. Da er auf Anhieb überraschend schnell lief und bei ersten Wettkämpfen hervorragend abschnitt, schaffte er binnen wenigen Jahren den Sprung vom Nicht-Läufer zu einer erfolgreichen Leistungssportkarriere.

In den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausends öffnete sich ein kurzes Fenster für etliche internationale Erfolge. 1997 als Sieger des Berlin Marathon in Karrierebestzeit von 2:07:41 Stunden, ein Jahr später beim Prag Marathon in damaliger Streckenrekordzeit von 2:08:52 Stunden, dann der zitierte Triumph in Boston 2000.

Olympia: ja, nein, doch!

An Kuriosität ist aus heutiger Sicht auch die Story rund um seine Olympia-Teilnahme von Sydney kaum zu überbieten. Mit dem Sieg in Boston hatte er sich die Nominierung durch den nationalen Verband verdient. Doch der Verband lud ihn und seine zwei weiteren nominierten Kollegen, darunter auch Moses Tanui, wieder aus und ersetzte das Trio durch drei andere kenianische Marathonläufer. Offenbar, weil die drei die Vorbereitung nicht ernst genug genommen hätten.

Lagat kritisierte den Verband scharf und rückte ins Olympia-Team nach, weil sein Landsmann Ondoro Osoro, in Boston Vierter, bei einem Raubüberfall schwer verletzt wurde. Es war eine wilde und dramatische Geschichte, wie Medienberichte von damals schildern: Osoro war mit seiner Familie im Auto unterwegs, als die Kriminellen den Wagen zum Anhalten brachten, seine schwangere Frau aus dem Auto stießen, ihm mit einem Schuss in den Nacken schwer verletzten, und das Auto inklusive seiner kleinen Tochter und seiner Schwägerin stahlen. Beide wurden später unverletzt freigelassen.

Keine Topform in Sydney

Osoro, ein Chicago-Marathon-Sieger, trug nachhaltige Schäden an seinem Nervensystem von diesem Vorfall davon, obwohl ihm nach Jahren ein Comeback im Marathon glückte. Für die Olympischen Spiele 2000 fiel er natürlich aus. Lagat versuchte in kurzer Zeit mit einer hochintensiven Vorbereitung seine Form zu erreichen, was ihm aber nicht gelang. Er stieg während des Olympischen Marathons in Sydney frustriert aus.

Es war der Anfang vom Ende seiner sportlichen Karriere. Lagat konzentrierte sich auf seine politische Laufbahn und war jahrelang ein laut Medienberichten beliebter Abgeordneter im kenianischen Parlament. Er verstarb am vergangenen Montag im Alter von 59 Jahren im Krankenhaus von Eldoret.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Pixabay (Symbolfoto)

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