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Brigid Kosgei plant Olympia 2028 – als Türkin

Die ehemalige Marathon-Weltrekordhalterin wechselt ihren Pass und will für das türkische Nationalteam in Los Angeles 2028 im Marathon an den Start gehen.
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Brigid Kosgei war vier Jahre lang Weltrekordhalterin im Marathon. Sie gewann fünf Marathon Majors. 2021 lief sie in kenianischen Nationalfarben zur Olympischen Silbermedaille auf dem Marathonkurs in Sapporo. Jahrelang war die 31-Jährige ein Aushängeschild des kenianischen Sports. Aber ihre Liebe zur Heimat hat anscheinend Grenzen. Sie wird Türkin. Und ist nur der Top-Transfer auf einer elf Athletinnen und Athleten umfassenden Liste, die sich die türkische Leichtathletik offenbar einverleibt.

In den letzten Jahren waren die Erfolge der türkischen Leichtathletik ein Schatten früherer Jahre. Damit sind nicht unbedingt jene Erfolge rund um die Olympischen Spiele 2012 in London gemeint, die nachträglich erwiesenermaßen erschwindelt waren. Es sind jene gemeint, die schon aus kenianischen Genen gefüttert wurden: Kaan Kigen Özbilen, Ali Kaya, Yasemin Can – sie alle heißen mit bürgerlichem Namen anders. Doch die Generation ist in die Jahre gekommen und der türkische Verband hat sich der alten Strategie besonnen: Leichtathletik-Erfolge ins Land zu transferieren. Der kolportierte Bonus laut kenianischen Medienberichten: rund 425.000 Euro pro Unterschrift plus weitere monatliche Förderungen.

Persönliche Entscheidung

Der Marathonstar hat ihren Nationenwechsel laut kenianischen Medien, die sich auf die französische Nachrichtenagentur AFP berufen, mittlerweile bestätigt. „Es war meine Entscheidung und ich freue mich bereits darauf, 2028 in Los Angeles unter der türkischen Flagge den Marathon zu laufen.“ Die Spiele von Paris hatte sie verletzungsbedingt verpasst, davor war sie in einer polarisierenden Entscheidung für das Team nominiert worden, obwohl andere Landsfrauen die stärkeren Leistungen im Vorfeld der Spiele vorweisen konnten.

Lange Tradition

Nationentransfers in der Leichtathletik sind wahrlich nichts Neues. Dieses Spiel beherrschte der türkische Verband immer schon, auch einige Verbände im Nahen Osten (Hindernislauf-Olympiasiegerin Winfred Yavi stammt etwa aus Kenia, läuft aber für die Bahrain) oder Kasachstan mit der kenianisch-stämmigen Hindernislauf-Ex-Weltmeisterin Norah Jeruto. Um diese Praxis einzubremsen, bestimmte der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) vor einigen Jahren ein dreijähriges Startverbot bei internationalen Großereignissen für wechselwillige Athletinnen und Athleten und etablierte eine Altersbeschränkung, um Jugendliche vor Lockangeboten zu schützen. Damit ist der schnell eingekaufte Erfolg bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zumindest teilweise verhindert worden.

Auch wenn die Spiele nur mehr zweieinhalb Jahre entfernt sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Nationentransfers so abgewickelt wurden, dass ein rechtzeitiges Startrecht absehbar ist. Die offizielle Bestätigung fehle ihr noch, sagte Kosgei gegenüber der „Daily Nation“. Bis dahin läuft Kosgei bei ihren Marathons schon für die türkische Nation. Insgesamt elf neue Athletinnen und Athleten sollen in den türkischen Kader kommen. Weitere Namen auf der Liste, die fünf Kenianerinnen und Kenianer umfasst, sind Ronald Kwemoi, der 2024 bei den OlympischenSpielen von Paris überraschend die Silbermedaille im 5.000m-Lauf gewonnen hat, und Catherine Amanang’ole, Siegerin des Abu Dhabi Marathon 2025 und Medaillengewinnerin bei der Straßenlauf-WM 2023.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © SIP / Johannes Langer – Brigid Kosgei beim Olympischen Marathon 2021.

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