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Advertorial
Sabrina Ruß war begeisterte Ultraläuferin. Eine Serie von Erkrankungen und niederschmetternder Diagnosen machen das Laufen für das Mitglied des Brooks Running Collective zur Herausforderung. Eine Herausforderung, die sie bewältigen will, wie sie im Kurz-Interview mit RunUp.eu betont.
RunUp.eu: Wie bist du zum Laufen gekommen?
Sabrina Ruß: „Sport ist schon immer ein Teil meines Lebens. Als Kind habe ich viele Sportarten ausprobiert, sowohl Teamsport als auch Einzelsportarten. Am Laufen habe ich tatsächlich erst Anfang 20 so richtig Freude gefunden. Bis heute ist es mehr als nur eine Leidenschaft geworden.“
Das Schicksal meint es nicht gut mit dir und deiner Gesundheit…
„Im Mai 2007 erfuhr ich, dass ich mein Herz im wahrsten Sinne des Wortes am rechten Fleck habe. Diese seltene angeborene Anomalie, bei der das Herz spiegelbildlich zur üblichen Position im Körper liegt, nennt man Situs inversus. Ihre Ursache ist eine bisher nicht ausreichend geklärte Störung der Embryogenese. Das verursacht immer wieder Atemprobleme, mit der Zeit lernt man dies jedoch zu kontrollieren.
Vor einigen Jahren wurde bei mir dann Endometriose festgestellt. Endlich, nach knapp sieben Jahren Leidensweg, hatte ich eine Diagnose. Inzwischen habe ich drei Operationen machen müssen, da die Endometriose immer wiederkommt. Sie verursacht große Schmerzen im Unterleib, Magen-Darm-Beschwerden mit starker Übelkeit, was das „richtige Essen“ oft erschwert. Dazu kommen Rücken- und Gelenkschmerzen sowie chronische Erschöpfung. Das Immunsystem leidet sehr darunter und leider habe ich seit Jahren mit Nährstoffmangel zu kämpfen: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Lebensmittelunverträglichkeiten, Reizblase.
Außerdem habe ich nach meiner Corona-Infektion eine Migräne entwickelt, die mit vielen Begleiterscheinungen einhergeht: Pulsierende, einseitige starke Schmerzen, oft sind Bewegungen und Aktivitäten nicht möglich. Starke Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Ich habe sensorische Störungen, Seh- und Sprachstörungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten.
Außerdem leide ich am Morbus Raynaud-Syndrom, was besonders bei Kälte und Nässe schmerzhaft ist. Die Blutgefäße in den Fingern und Zehen verengen sich anfallsartig, was zu Durchblutungsstörungen, Farbveränderungen und Taubheitsgefühlen führt. Seit kurzem werde ich aufgrund einer Autoimmunerkrankung namens Lupus behandelt, die Entzündungen und Ausschläge auf der Haut verursacht. Vor knapp vier Wochen kam noch die Diagnose Osteopenie, eine Vorstufe von Osteporose.“

Was bedeutet für dich persönlich das Laufen – sowohl körperlich als auch emotional?
„In erster Linie finde ich Laufen einfach wunderbar, weil man es überall machen kann. Laufen ist für mich eine Art Freiheit, Me-Time, Stressabbau, aber auch Herausforderung, Disziplin und Freude zugleich. Laufen macht mich glücklich. Natürlich raubt es mir auch oft Kraft, dennoch ist das Gefühl, mich lebendig zu fühlen, einfach so befriedigend.
Durch das Laufen fühle ich mich schon immer irgendwie stärker und kraftvoller. Ich durchlaufe eine ständige Achterbahnfahrt zwischen ,Ich möchte laufen, so seelisch frei und stark’ bis hin zu ,Ich zweifle, bin erschöpft und schaffe es nicht mehr’. Laufen ist inzwischen eine Art Therapie und hilft mir, körperlich sowie mental stabil zu bleiben. Die Dinge zu verarbeiten bedeutet, dass Laufen nicht nur diszipliniertes Training und persönliche Bestzeit bedeutet, sondern auch achtsam mit mir selbst zu sein.“
Welche Rolle spielt die medizinische Begleitung bzw. die Selbstbeobachtung in deinem Sportalltag?
„Eine sehr große Rolle. Das musste ich erstmal verstehen. Die medizinische Versorgung hat oberste Priorität. Denn ohne das Wissen, die Therapien und die Medikation würde ich wohl schon völlig ausgelaugt sein und nicht mehr laufen können. Außerdem bestärkt mich das ganze Ärzteteam darin, dass Sport sehr wichtig ist.
Bei all meinen Einschränkungen wird Sport empfohlen, bedacht und mit der nötigen Balance. Meine Ärzte kontrollieren derzeit in regelmäßigen Abständen mein Befinden. Aufgrund der derzeitigen Behandlungen habe ich einen angepassten Trainingsplan. Laut meiner Ärzte ist es möglich, in Zukunft wieder ins extremere Training zu gehen. Aber nur, wenn wir weiterhin gut zusammenarbeiten und ich meine ,Baustellen’ ernst nehme.“
Was ist dein größter Wunsch für alle, die mit Einschränkungen leben und dennoch einfach loslaufen wollen?
„Dass wir gute Ärzte finden, gut versorgt und aufgeklärt werden. Dass wir bestärkt und motiviert werden. Dass wir nicht immer auf die Krankheiten reduziert werden oder Dinge in Frage gestellt werden. Dass wir ernst genommen werden, aber ohne Mitleid. Jede Einschränkung ist individuell, es sollten keine Vergleiche aufgestellt werden. Lasst uns einfach genauso an Herausforderungen teilnehmen wie gesunde Menschen!“
Was würdest du der kleinen Version deiner selbst sagen – dem Mädchen, das vielleicht mal dachte: „Ich bin schwächer als die anderen“ oder „Ich kann das nicht“?
„Auch wenn es manchmal so scheint, als würde ich es nicht schaffen, weiß ich, dass ich es schaffen kann. Wenn ich mich in Geduld übe und Kraft schöpfe, werde ich meinen Weg finden. Mein Körper wird nicht immer mitmachen, was mich ganz sicher zweifeln lässt, aber genau das wird mich motivieren und lehren. Mit Höhen und Tiefen werde ich mein Ziel finden und stolz auf mich sein. Weil ich die Leidenschaft in mir habe und die Liebe zum Sport wird mir meinen Weg zeigen. Meinungen anderer interessieren mich nicht, denn ich kenne mich besser und weiß, was mir guttut.“
Interview: RunUp.eu
Bilder: Brooks Running