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Caroline Bredlinger: „Bei der EM geht viel mehr als zuletzt!“

Österreichs Nummer eins im 800m-Lauf setzt sich bei den Europameisterschaften das Ziel, erstmals bei einem Großereignis ins Halbfinale aufzusteigen.
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Caroline Bredlinger hat sich in den letzten beiden Jahren stark entwickelt und verbessert. Nachweislich. Mehrfach ist die sechsfache Staatsmeisterin unter zwei Minuten gelaufen. Doch Entwicklungen in ähnlichen Dimensionen gelangen seit den letzten Europameisterschaften etlichen europäischen Läuferinnen, so dass die Ausgangsposition für die Burgenländerin trotz ihrer eindrucksvollen Entwicklung die gleich herausfordernde ist wie bei den letzten Großereignissen. Um die Dichte im europäischen 800m-Lauf zu betonen, wagt sie folgende Aussage: „Mit meinem Leistungsniveau von heute wäre ich in Rom 2024 fix im Semifinale und vielleicht sogar im Finale gewesen. Nun ist die realistische Devise: Schauen wir mal, ob es reicht, den Vorlauf zu überstehen.“ Das ist – angesichts ihrer Entwicklung auch selbsterklärend – ihr großes Ziel für Birmingham 2026.

Am 11. August in Topform zu sein – diese Ambition, verbunden mit diesem Datum, war dank der frühzeitig erlangten Fix-Qualifikation seit einem Jahr der Ausgangsgedanke für jegliche Planung im Wettkampfjahr 2026. Denn dann steht Caroline Bredlingers 800m-Vorlauf bei den Europameisterschaften auf dem Programm. Und im Gegensatz zu den letzten vier Großereignissen musste sie diesmal nicht mit gezielter Frühform im Frühsommer um Ergebnisse, Bonuspunkte und Weltranglistenpositionen rittern. Eine vermeintlich komfortable Ausgangsposition.

Hochkarätige Startmöglichkeiten

Mit dem Wissen der gesicherten EM-Qualifikation in die Wettkampfsaison starten zu können, passten sie und ihrer Trainerin, Mutter Ursula, den Plan an. Schnelle Wettkämpfe im Frühsommer und eine schnelle Zeit bei den Staatsmeisterschaften für die Weltrangliste hatten dieses Mal geringere Priorität, dafür ein Saisonaufbau mit klarem Ziel, den Peak beim Saisonhöhepunkt im August zu erreichen, die absolute.

Auf der Wettkampfbühne genoss Bredlinger gleich mehrere Starts bei Meetings mit Tradition und Qualität, höherrangig als in den letzten Jahren, was auch Zeugen ihrer Entwicklung sind. Sie lief in Ostrava und Zagreb in der World Athletics Continental Tour Gold, in Luzern bei einem der prestigeträchtigsten Silbermeetings – darüber stehen nur noch die bis dato unerreichbaren Felder bei der Diamond League.

Caroline Bredlinger bei der Hallen-WM 2025 in Nanjing. © ÖLV / Sona Maléterova

„Ich gehöre zu den Besten“

In Summe sind mehr Wettkämpfe zusammengekommen als ursprünglich gedacht, sagt die 25-Jährige. Diese Wettkämpfe bringen jedoch wichtige Erfahrung, nicht nur aufgrund des Settings und des Niveaus der Starterfelder. Sie schildert es am Beispiel Ostrava: „Perfekte Rahmenbedingungen! Die Arena, die Organisation, das ist einfach eine ganz andere Wettkampfqualität. Man fühlt sich als Athletin viel besser, vor so vielen Zuschauer:innen zu laufen als vor ,Tribünchen’, wo überwiegend die anderen Sportler:innen sitzen.“

Solche Erlebnisse sind Wertschätzung und ein Boost für das Selbstbewusstsein. „Gerade für eine zurückhaltende Persönlichkeit wie mich, die oft dazu tendiert, mich kleiner zu machen als ich bin, sind solche Erlebnisse, wie wenn Noah Lyles auf derselben Bahn aufwärmt wie ich, eine wichtige Erinnerung, dass ich wirklich zu den Besten gehöre“, schildert sie.

Caroline Bredlingers EM-Fahrplan
Dienstag, 11. August ab 13:05 Uhr (MEZ) – 800m-Vorläufe
Donnerstag, 13. August ab 13:10 Uhr (MEZ) – 800m-Halbfinale (bei Qualifikation)
Freitag, 14. August um 22:46 Uhr (MEZ) – 800m-Finale (bei Qualifikation)

Birmingham: Der Tag, der zählt

Nicht nur aufgrund des Plus an Wettkampfauftritten findet sie, dass der Plan des behutsamen und trainingsfokussierten Aufbaus Richtung EM in der Realität nicht 100%ig gelungen ist. Zuletzt bremsten sie Atemprobleme vor den Staatsmeisterschaften aus, die ein oder andere wichtige und harte Trainingseinheit musste sie folglich vorzeitig abbrechen. In diesen Tagen waltet Vorsicht bei der Belastung, dann sollen noch einige wichtige Trainingseinheiten vor der Abreise nach England folgen. „Insgesamt fühle ich mich gut“, schätzt die 25-Jährige. „Jetzt gehts primär um den Formerhalt bis zur EM.“

Spitzenzeiten und Spitzenplatzierungen gelangen bei ihren internationalen Wettkämpfen in dieser Saison keine und am Papier mag es so wirken, als hätte Bredlinger auch heuer ihren Formhöhepunkt schon im Juni gehabt. Das täuscht, versichert sie. Die Wetterbedingungen gestalteten sich als Herausforderung: erst die Hitze in der kroatischen Hauptstadt, dann ein kräftiges Gewitter über der Mittelschweizer Stadt, das das Meetingprogramm verzögerte. Nach kühlendem Regen im nicht überdachten Call Room frischte der das nächste Gewitter bringende Wind rechtzeitig vor Bredlingers Wettkampfstart kräftig auf, so dass in Luzern nicht an eine schnelle Zeit zu denken war. „Ich bin überzeugt: In Birmingham geht viel mehr als bei den letzten Wettkämpfen!“

Starke Konkurrenz

Nach gleich vier Großereignissen in Serie binnen zwölf Monaten – von den Hallen-Europameisterschaften im März 2025 über die Hallen-Weltmeisterschaften, die Freiluft-Weltmeisterschaften von Tokio bis hin zu den diesjährigen Hallen-Weltmeisterschaften in Torun – ist Caroline Bredlinger nun keine unerfahrene Läuferin mehr. Vielmehr würde ein erstmaliges Aufsteigen in die nächste Runde keine Überraschung mehr sein, sondern ein natürlicher Entwicklungsschritt.

© ÖLV / @amri.sports

Das sieht die Burgenländerin grundsätzlich genauso, führt aber die Dichte im Feld als Gegengewicht in die Argumentation ein. „Am Ende des letzten Jahres hätte ich gesagt: EM-Halbfinale, das ist absolut realistisch. Aber es ist Wahnsinn, wie viele in Europa nun Zeiten um 1:58 Minuten laufen können!“ Binnen ein bis zwei Jahren habe eine kollektive Entwicklung eingesetzt, die ihre eigenen Optimierungsprozess neutralisiere.

Woran diese Entwicklung liegen mag? Bredlinger listet auf: „Neue sportwissenschaftliche Erkenntnisse und neue Ernährungsmethoden wie das Bi-Carb-Gel. Außerdem ist auffallend, dass mehr auf Geschwindigkeit gesetzt wird – viele in der Szene können starke 400m-Zeiten aufweisen. Und vielleicht forcieren digitale Plattformen und soziale Medien, dass neue Konzepte sich schneller vervielfältigen.“ In einer ehrlichen Auseinandersetzung mit sich selbst könne sie nicht garantieren, dass ihr Leistungsniveau in Kombination mit einer guten Tagesform für den Aufstieg vom Vorlauf ins Halbfinale reichen wird. Dennoch ist das das klare Ziel!

Caroline Bredlinger

Verein: LT Bgld Eisenstadt
Trainerin: Ursula Bredlinger
Disziplin: 800m
EM-Debüt
„Road to Birmingham“: Position 17/32
PB: 1:58,95 Minuten (Maribor 2025)
SB: 1:59,36 Minuten (Ostrava)
Staatsmeistertitel 800m (outdoor): 6

© ÖLV / @amri.sports

Ihre Wettkämpfe 2026:
Sieg – Liese Prokop Memorial in St. Pölten, 2:01,41 Minuten
Platz 7 – Ostrava Golden Spike, 1:59,36 Minuten
Sieg – Track Night Vienna, 1:59,64 Minuten
Platz 5 – Boris Hanzekovic Memorial in Zagreb, 2:00,45 Minuten
Platz 3 – Meeting Lignano, 4:04,63 Minuten (1.500m)
Platz 7 – Spitzenleichtathletik Luzern, 2:02,55 Minuten
Staatsmeistertitel in Innsbruck – 800m & 1.500m

Die Taktik als Schlüssel

Angesichts Bredlingers Leistungen in den letzten Jahren mag es im ersten Moment erstaunen, dass sie noch nie bei einer EM war: 2024 reichte es nicht für die Qualifikation für Rom über die Weltranglistenpunkte. Gleichzeitig hat sich die Burgenländerin erstmals per Direktlimit für ein Großereignis qualifiziert. Gelungen ist ihr das bereits vor fast exakt einem Jahr, beim ISTAF in Berlin mit einer persönlichen Bestleistung von 1:58,99 Minuten – acht Zehntelsekunden unter der erforderlichen Marke, die übrigens 36 europäische Läuferinnen binnen des letzten Jahres unterboten haben – da nur drei Athletinnen pro Nation antreten dürfen plus die Titelverteidigerin, gingen 28 der 32 vorgesehenen Startplätze über das Direktlimit weg. Bredlinger ist im Laufe der Saison auf Position 19 abgerutscht – und damit virtuell hinter einer Position der Top-16, die das Halbfinale erreichen werden. Durch zwei Absagen rangiert sie aktuell auf Position 17 der „Road to Birmingham“.

Das belegt die enorme Qualität und Dichte im EM-Starterfeld. Die Schlussfolgerung: In Birmingham werden Nuancen entscheiden, wer sich für das Halbfinale qualifiziert. „Das schaffen die, die taktisch sehr gut laufen, am besten auf die Rennentwicklung reagieren können und die einen starken Endspurt haben“, erklärt sie. Ausgenommen sind die Superstars rund um Audrey Werro, Keely Hodgkinson oder Femke Broeders-Bol, die in einer Überlegenheit von vorne weg oft spielerisch in Vorläufen dominieren können. Bei allen anderen ist die Taktik der Schlüssel.

Der Wunsch der Außenbahn

Gerade das Thema Endspurt ist für die Österreicherin ein brennendes. Oft fehle ihr da die Spritzigkeit, ein potenzieller Nachteil im engen Kampf um die besten Plätze im Vorlauf. Doch auch der Start ist ein entscheidendes Kriterium, abhängig von der Setzung. Oft habe sie bei internationalen Auftritten den Nachteil der Innenbahn gehabt, klagt Bredlinger. Die Folge: „Vom Startsignal weg geben alle Vollgas, denn die Positionierung ist extrem wichtig. Auf der Innenbahn hat man durch den engeren Radius nicht die Möglichkeit, bei gleichem Energieaufwand gleich schnell wegzustarten wie auf einer Außenbahn. Wenn dann alle von der Seite reindrängen, wird man ständig dazu gezwungen, den eigenen Rhythmus anzupassen und verliert dabei viel Energie schon in der ersten Runde.“

Die direkten Gegnerinnen sowie die Setzung wird Caroline Bredlinger erst kurzfristig vor Ort erfahren. Das wird die Ausgangsposition für die endgültige Rennstrategie – mit dem Wunsch, im Alexander Stadium mindestens zweimal zu laufen.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / @amri.sports, © ÖLV / Sona Maléterova

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