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Caroline Bredlinger besticht mit fantastischer 1.500m-Zeit

Im beliebten italienischen Badeort Lignano an der oberen Adriaküste verpasste 800m-Spezialistin Caroline Bredlinger gestern Abend nur knapp den ÖLV-Rekord über 1.500m.
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4:04,63 Minuten – mit diesen Zahlen überraschte Caroline Bredlinger am gestrigen Abend in Lignano Sabbiadoro die heimische Leichtathletik. In ihrem ersten seriösen 1.500m-Lauf der Karriere lief die 25-Jährige beeindruckend gut mit der Spitze des Rennens mit und verpasste beim letztlich klaren Sieg der Australierin Claudia Hollingsworth den 30 Jahre alten und seither unangetasteten ÖLV-Rekord von Theresia Kiesl nur um gut eineinhalb Sekunden. Die Oberösterreicherin holte damals im schnellsten Rennen ihrer Karriere sensationell die Olympische Bronzemedaille in Atlanta hinter den damaligen Topstars Swetlana Masterkova aus Russland und Gabriela Szabo aus Rumänien.

28 Jahre ist es her, dass zuletzt eine österreichische Läuferin einen 1.500m-Lauf unter 4:10 Minuten gelaufen ist. Diese Serie endete gestern mit einem Paukenschlag: Dass Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) unter 4:10 Minuten bleiben könnte, war ihr schon bewusst – ihre Trainerin und Mutter Ursula hatte ihr 4:07 als Orientierung mit auf dem Weg ins Ungewisse gegeben, erzählte sie. Die Endzeit von 4:04,63 Minuten überraschte die Athletin dann selbst – und mit ihr staunten viele darüber, wie nahe sie an den ÖLV-Rekord gekommen ist. „Megacool!“

Ergebnis des 1.500m-Lauf in Lignano Sabbiadoro
1. Claudia Hollingsworth (Australien) 4:00,70 Minuten
2. Annika Reiss (USA) 4:03,54 Minuten
3. Caroline Bredlinger (Österreich) 4:04,63 Minuten
4. Bérénice Cleyet-Merle (Frankreich) 4:04,70 Minuten
5. Maudie Skyring (Australien) 4:05,14 Minuten
6. Jodie McCann (Irland) 4:06,81 Minuten
7. Verity Ockenden (Großbritannien) 4:11,13 Minuten
8. Sintayehu Vissa (Italien) 4:11,45 Minuten

Neue Erfahrung

Es war Bredlingers dritter Wettkampf über diese Distanz, der erste, in dem es richtig schnell zur Sache ging. Sie wusste nicht, was sie erwartet und sei daher einfach drauflosgelaufen. „Ganz nach dem Motto: Schauen wir, was passiert!“

Ihr Gefühl schilderte ihr, dass sie das hohe Wettkampftempo bis zum Schluss durchziehen konnte – die Wavelights an der Innenbahn belegten es. Anschließend sprudelten Freude und Stolz nach diesem gelungenen Wettkampf aus ihr heraus. Und so war das Meeting im Stadio Communale Guido Teghil des nordostitalienischen Ferienorts ein besonderes für den österreichischen Laufsport.

Die 20 besten Freiluftzeiten der heimischen 1.500m-Geschichte hat Kiesl, die nach Beendigung ihrer Karriere im Zusammenhang mit ihrem Mann in negative Dopingschlagzeilen geraten war, aber nie sanktioniert wurde, bis gestern gehalten. Bredlinger hat das Potenzial, diese Bestenliste aufzufrischen.

ÖLV-Bestenliste im 1.500m-Lauf der Frauen

  • 4:03,02 Minuten – Theresia Kiesl (Atlanta 1996)
  • 4:04,63 Minuten – Caroline Bredlinger (Lignano Sabbadorio)
  • 4:11,07 Minuten – Jennifer Wenth (Gent 2011)
  • 4:12,19 Minuten – Erika König-Zenz (Bratislava 1993)
  • 4:12,94 Minuten – Doris Weilharter (Budapest 1981)

Erfolg für Hollingsworth

Schneller als die Österreicherin waren gestern Abend nur die favorisierte australische Meister Claudia Hollingsworth in einer Zeit von 4:00,70 Minuten und die Amerikanerin Annika Reiss, die eine Sekunde vor Bredlinger über die Ziellinie gehuscht ist. Die 21-jährige Australierin ist ein spannendes Mittelstreckentalent in der internationalen Szene. 2024 gewann sie die Silbermedaille bei den Junioren-Weltmeisterschaften im 800m-Lauf. Mittlerweile hält sie bei persönlichen Bestleistungen von 1:57,67 Minuten im 800m-Lauf (kurz sogar australischer Rekord) und 3:58,09 Minuten im 1.500m-Lauf.

Eine andere Art des Quälens

Bredlinger hatte den 1.500m-Wettkampf in Lignano Sabbiadoro längerfristig geplant. Er passte gut in ihre Überlegungen der Saisongestaltung. Nächste Woche kehrt sie in Luzern auf ihre Paradestrecke zurück und setzt einen wichtigen Schritt in der Vorbereitung des 800m-Wettkampfs bei den Europameisterschaften.

Das Meeting in Italien zählte zur World Athletics Continental Tour Bronze, jenes in der Schweiz rangiert als Silber-Meeting eine Kategorie höher. „Dieser 1.500m-Wettkampf war ein Trainingsreiz, der mir sicherlich hinblicklich der EM-Vorbereitung viel gebracht hat“, betont die Athletin, die sich generell auf einem guten Weg Richtung Saisonhöhepunkt fühlt.

Ein Wettkampf über die längere der beiden Mittelstrecken sei ein anderes Quälen. „Über 800m rennt man masochistisch an, bis man den Hammer spürt – und der kommt sofort und brutal. Hier über 1.500m war es eher ein schleichendes Quälen“, erzählte Bredlinger. „Natürlich wurde der Wettkampf irgendwann zäh, das hab ich vor der letzten Runde schon gespürt. Ich habe gehofft, nicht so einzubrechen, wie das bei einem 800m-Lauf in der letzten Runde der Fall wäre – und das ist gelungen: Ich bin gut durchgekommen bis zur Ziellinie.“

Ein Ausblick in die Zukunft?

Abgesehen davon erhielt die Burgenländerin noch eine zweite Erkenntnis. Der Wettkampf sollte auch eine Antwort darauf liefern, ob sie den 1.500m-Lauf zukünftig verstärkt als zweite Disziplin in ihr Repertoire aufnehmen würde. Angesichts der Zeit müsse sie das ja jetzt fast, schmunzelte sie – Richtung der nächste Jahre blickend.

Kurzfristig ist der Doppelstart bei den Staatsmeisterschaften zu Monatsende in Innsbruck möglich, wo Bredlinger dann aber den 1.500m-Lauf wohl nicht voll laufen wird, da tags darauf noch ihre Spezialdistanz auf dem Programm stehen wird. Bei den Europameisterschaften in Birmingham ist die Burgenländerin für den 800m-Lauf fix qualifiziert – eine Qualifikation ist trotz der starken gestrigen Leistung im 1.500m-Lauf nicht möglich, da das Direktlimit bei einer Zeit von 4:03,50 Minuten liegt und Bredlinger für die „Road to Birmingham“ zu wenige Wettkämpfe über diese Distanz nachweisen kann.

Die weiteren Laufentscheidungen

Schnell ging es in Lignano Sabbiadoro auch im 800m-Lauf zur Sache: McKenna Keegan aus den USA gewann in 1:58,54 Minuten mit über einer Sekunde Vorsprung auf Léna Kandissounon aus Frankreich und Eveliina Määtänen aus Finnland – zwei Europäerinnen, die in Birmingham Konkurrentinnen von Bredlinger sein werden.

Bei den Männern hielt der Marokkaner Moad Zahafi in 1:44,95 Minuten den dreifachen spanischen WM- und Olympia-Finalisten in dieser Disziplin, Adrian Ben, sowie den Italiener Catalin Tecuceanu im Zaum. Der Neuseeländer Samuel Tanner gewann den 1.500m-Lauf im Fotofinish gegen Flavien Szot aus Frankreich, beide wurden in 3:34,75 Minuten gewertet.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Meeting Lignano

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