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Caroline Bredlinger hofft auf Halbfinale bei der Hallen-WM

Caroline Bredlinger kämpft am morgigen Auftakttag der Hallen-Weltmeisterschaften in Torun um einen Platz im Halbfinale. Dabei läuft sie gegen den Superstar.
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Von Freitag bis Sonntag sind die Scheinwerferlichter der internationalen Leichtathletik auf die Arena Torun gerichtet. Dort finden die 22. Hallen-Weltmeisterschaften der Leichtathletik statt, der krönende Höhepunkt der diesjährigen Hallensaison.

800m-Läuferin Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) ist nach der Absage von Raphael Pallitsch (Union St. Pölten), der nach gleich zwei Erkrankungen seine Hallensaison abgebrochen hat, die einzige Läuferin im vierköpfigen Aufgebot des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes. Aufgrund des enormen Niveaus in dieser Disziplin musste die 24-Jährige trotz einer Saisonbestleistung von 2:00,97 Minuten, nur um sieben Hundertstelsekunden am Direktlimit vorbei, um eine Qualifikation etwas zittern. Nach den endgültigen Einschreibungen durch die nationalen Verbände rückte die Österreicherin erwartungsgemäß von Position 32 doch deutlich in das 30-köpfige Starterfeld.

RunUp.eu-Tipp:
Die Hallen-Weltmeisterschaften werden in ORF Sport+ und/oder im Livestream auf ORF ON übertragen.

Hohes Niveau

Diese Tatsache alleine demonstriert jedoch, wie hoch das Niveau im 800m-Lauf in diesem Winter ist. Angeführt von Kelly Hodgkinson, die vor einem Monat in Liévin den Hallen-Weltrekord pulverisiert hat und folglich die haushohe Favoritin auf den Titel ist, sind gleich 15 Läuferinnen im Feld, die in diesem Kalenderjahr schon unter zwei Minuten gelaufen sind. Darunter auch die Schweizer Rekordhalterin Audrey Werro, die am Papier eine aussichtsreiche Medaillenkandidatin ist. Vor einem Jahr war sie Vierte.

Bredlinger will der Konkurrenz das Feld im Vorlauf trotz dieser Dichte nicht kampflos überlassen: „Als Ziel setzte ich mir das Halbfinale. Vorläufe sind oft sehr taktisch, daher wird man wahrscheinlich keine schnelle Zeit laufen müssen. Ich bin überzeugt, in mir steckt noch mehr als ich in diesem Winter zeigen konnte.“ Diese Aussage machte Österreichs WM-Teilnehmerin freilich, bevor sie die Auslosung für den Vorlauf kannte.

Der Zeitplan der Hallen-WM 2026

Die Burgenländerin hadert, dass sie bisher keine runde Saison erwischte. Immer wieder bremsten sie Erkältungen aus, im Training fehlte die letzte Energie für intensive Einheiten, die Wettkampfergebnisse nach Wunsch blieben aus. „Jetzt ist alles wieder in Ordnung und ich habe in den letzten Tagen in Kroatien sehr gute Trainings absolviert“, verrät sie. „Es zeigt mir, dass ich gut in Form bin und bei der WM einiges möglich sein sollte.“

© Christel Saneh for World Athletics

Im Vorlauf gegen Hodgkinson

Bredlinger erwischte keine schlechte Auslosung und wurde in den ersten von sechs Vorläufen mit Start am Freitagmittag um 12:38 Uhr gesetzt. Zwei Läuferinnen erreichen das Halbfinale über die Platzierung, sechs weitere aus sechs Läufen über die Zeit. Bredlingers Vorlauf wird von Hodgkinson dominiert werden. Sie fühle sich besser in Form als bei ihrer Weltrekorddemonstration, sagte die Engländerin heute bei der Pressekonferenz vor Ort. Dahinter sind die Schweizerin Valentina Rosamilia und die kaum bekannte Kenianerin Rosemary Longisa die Kontrahentinnen um Position zwei. Beide liegen in der Weltrangliste hinter der Österreicherin, haben aber die deutlich besseren Saisonbestleistungen.

Sollte Hodgkinson ihren Vorlauf von vorne in einem hohen Tempo ziehen, was durchaus realistischen Erwartungen entspricht, könnte das für die Dritt- und Viertplatzierte ein Vorteil für die Wildcardplätze über die Zeitregel sein. Die Halbfinalläufe sind für Samstagmittag, das Finale für Sonntagabend um kurz vor Acht angesetzt.

In der Heimatstadt eines historisch bedeutenden Astronoms

Torun ist eine Kleinstadt in der Region Kujawy Pomorze im Norden Polens und liegt an der Weichsel. Der bekannteste Sohn der Stadt ist Nikolaus Kopernikus, der mit der „kopernikanischen Wende“ im 16. Jahrhundert eine Zäsur in der Wissenschaft erreichte – er setzte das heliozentrische Weltbild durch.

Als Leichtathletik-Destination ist die Kleinstadt ebenfalls weltbekannt. Seit Jahren findet eines der wichtigsten Hallenmeetings in der 2014 eröffneten Multifunktionshalle statt, 2021 war Torun Gastgeber der aufgrund der Pandemie ohne Zuschauer:innen stattfindenden Hallen-Europameisterschaften. Bei Hallen-Weltmeisterschaften ist Polen nach Sopot im Jahr 2014 zum zweiten Mal Gastgeber bei nun 22 Ausgaben.

Chancen auf drei europäische Titel bei den Frauen

Je drei Laufentscheidungen stehen auf dem Programm, über 800m, 1.500m und 3.000m. Keely Hodgkinson, mittlerweile einer DER Stars in der internationalen Leichtathletik, hat hier in dieser Halle im Alter von zarten 19 ihren ersten großen Erfolg gefeiert, als sie 2021 Hallen-Europameisterin wurde.

Ihre Trainingspartnerin Georgia Hunter Bell ist nach den bisherigen Saisonleistungen die Favoritin im 1.500m-Lauf, wobei die Weltranglisten-Erste Jessica Hull (Dass Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Weltrekordhalterin Faith Kipyegon nur Weltranglisten-Dritte ist, liegt daran, dass sie in der vergangenen Saison kaum Rennen gelaufen ist, Anm.) und die US-Amerikanerin Nikki Hiltz ernstzunehmende Kontrahentinnen sind – noch vor den Äthiopierinnen. Die französische Rekordhalterin und amtierende Hallen-Europameisterin Agathe Guillemot beteuert hohes Selbstvertrauen und könnte auch eine gute Rolle spielen. „Mich sollte man nicht unterschätzen“, sagte sie, nachdem sie in dieser Halle beim Meeting vor einem Monat einen Sieg gefeiert hat.

Im 3.000m-Lauf mischt die Italienerin Nadia Battocletti bei ihrer ersten Hallen-WM-Teilnahme bei der Medaillenvergabe mit. Die stärksten Kontrahentinnen im Kampf um mögliches Gold sind die Äthiopierinnen Freweyni Hailu und Aleshign Baweke sowie die Australierinnen Linden Hall und Jessica Hull, die für beide längeren Strecken gemeldet ist.

Keely Hodgkinson. © Christel Saneh for World Athletics
Isaac Nader. © Christel Saneh for World Athletics

3.000m-Lauf der Männer als Highlight

Bei den Männern fehlt der zweifache Titelverteidiger Jakob Ingebrigtsen, der sich von einer Operation an der Achillessehne erholt. Im 1.500m-Lauf liegt die Favoritenrolle klar auf den Schultern des Überraschungsweltmeisters von Tokio, Isaac Nader. Denn neben dem Norweger fehlen auch die Top-Amerikaner, Josh Kerr sowie die Jungstars Niels Laros und Cam Myers. Sensationen auf den Medaillenplätzen sind daher durchaus möglich.

Die 1.500m-Heroes Cole Hocker (Olympiasieger) und Josh Kerr (Olympia-Silbermedaillengewinner) liefern sich einen spannenden Ritt um WM-Gold im 3.00m-Lauf. Der US-Amerikaner ist Freiluft-Weltmeister im 5.000m-Lauf, der Schotte hat diesen Titel vor zwei Jahren beim Heimspiel in Glasgow gewonnen. Im starken Feld laufen auch noch die beiden Franzosen Yann Schrub und Azzedine Habz sowie der nie zu unterschätzende Neuseeländer Geordie Beamish, der vor zwei Jahren schon einmal Hallen-Weltmeister über die halbe Distanz war.

Polnische Hoffnungen auf 800m-Medaille

Spannung verspricht auch der 800m-Lauf, obwohl die globalen Dominatoren Emmanuel Wanyonyi und Marco Arop fehlen. Der bekannt in der Halle stark laufende Eliott Crestan aus Belgien führt die Meldeliste an. Der 27-Jährige, der drei der sieben schnellsten Zeiten in dieser Saison hält, hat im vergangenen Jahr hinter dem dieses Mal abwesenden Amerikaner Josh Hoey die Silbermedaille gewonnen und ist in dieser Hallensaison noch ungeschlagen. Das würde er auch gerne beibehalten, aber: „Die WM ist extrem kompetitiv!“

Auch der junge Amerikaner Cooper Lutkenhaus und der Pole Maciej Wyderka, der die Hoffnungen seiner Landsleute mit im Gepäck hat, sind in diesem Winter stark gelaufen. Zu Saisonbeginn hat der 23-Jährige den polnischen Hallenrekord auf eine Zeit von 1:44,07 Stunden verbessert. Der Australier Peter Bol hat sich mit einem starken Freiluft-Saisonauftakt in Australien für die Hallen-WM qualifiziert.

Indien und Kasachstan zukünftige Gastgeber

647 Athletinnen und Athleten aus 118 Nationen haben für die Hallen-Weltmeisterschaften 2026 genannt. 27 Medaillenentscheidungen stehen auf dem Programm, zwölf Weltmeisterinnen und Weltmeister von vor einem Jahr in Nanjing sind auch heuer am Start.

Die nächsten beiden Hallen-Weltmeisterschaften finden wieder in Asien statt, wie World Athletics bekanntgab. 2028 ist die Indien mit der Region Odisha an der Reihe, 2030 Astana in Kasachstan.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sona Maleterova, © Christel Saneh for World Athletics

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