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Caroline Bredlinger: ISTAF-Sieg und ÖM-Titel

Caroline Bredlingers Erfolgssommer hat in den letzten Wochen zwei weitere Kapitel geschrieben. Die 24-Jährige gewann den 800m-Lauf beim ISTAF in Berlin und bei der ÖM.
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Erstmals seit neun Jahren gab es beim traditionsreichen Internationalen Stadionfest in Berlin, in der globalen Leichtathletik unter ISTAF bekannt, einen österreichischen Sieg. Caroline Bredlinger dominierte den 800m-Lauf und schaffte ihre zweite Leistung unter 1:59 Minuten – EM-Limit für 2026 inklusive.

Einen österreichischen Sieg im erstmals seit 2016 (damals siegte Caster Semenya und im Diskuswurf, als bisher letzter Österreicher, Lukas Weißhaidinger) und insgesamt zum 33. Mal im Programm stehenden 800m-Lauf der Frauen gab es beim wichtigsten Leichtathletik-Meeting in Deutschland noch nie. Caroline Bredlinger ordnete sich mit ihrer grandiosen Performance am 27. Juli in eine beeindruckende Auflistung von ISTAF-Siegerinnen ein. Sie enthält u.a. US-Legende Mary Decker (1983), Weltrekordhalterin Jarmila Kratochvilova (1985), Kubas Topläuferin Ana Quirot (1987, 1989), Mosambiks Vorzeigeläuferin Maria Mutola (sechs Erfolge), die kenianischen Stars Janeth Jepkosgei (2007, 2011) und Pamela Jelimo (2008, 2012) sowie Tigst Assefa (2014), heute die zweitschnellste Marathonläuferin der Geschichte.

© Gladys Chai von der Laage

Zur weiteren historischen Einordnung: Noch nie hat eine österreichische Athletin beim ISTAF in einer Laufdisziplin einen Sieg gefeiert, der letzte österreichische „Lauf-Sieg“ beim Berliner Meeting stammt aus dem Jahr 1984. Damals gewann Robert Nemeth den 3.000m-Lauf. Seine Vorgänger waren Dietmar Millonig 1980 (5.000m), Wolfgang Konrad 1979 (3.000m-Hindernislauf) und Rudolf Klaban 1963 (800m). Einzige weibliche ISTAF-Siegerin aus Österreich war bisher Ilona Gusenbauer im Hochsprung (1969–1971).

Ergebnis 800m-Lauf, ISTAF 2025
1. Caroline Bredlinger (Österreich) 1:58,99 Minuten
2. Lorea Ibarzabal (Spanien) 1:59,70 Minuten
3. Majtie Kolberg (Deutschland) 2:00,44 Minuten
4. Jana Marie Becker (Deutschland) 2:00,76 Minuten (PB)
5. Aviwe Hoboloshe (Südafrika) 2:01,74 Minuten
6. Eveliina Määttänen (Finnland) 2:01,94 Minuten
7. Lucia Sturm (Deutschland) 2:02,09 Minuten
8. Noélie Yarigo (Benin) 2:04,54 Minuten

EM-Quali 2026 in der Tasche

Abgesehen von der historischen Dimension des Erfolgs hat auch die Leistung große Bedeutung für die Burgenländerin. Mit einer Zeit von 1:58,99 Minuten lief sie knapp an ihre persönliche Bestleistung heran, bestätigte damit die WM-Qualifikation 2025 und qualifizierte sich am ersten Tag des Qualifikationszeitraums für die Europameisterschaften im Sommer 2026 in Birmingham.

„Dadurch, dass ich für Tokio schon qualifiziert bin, konnte ich befreit und mutig anlaufen. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg bei diesem tollen Meeting mit einem vollen Stadion und lautstarkem Publikum“, sagte die 24-Jährige, die sich wenige Tage nach dem Heimmeeting in Eisenstadt (siehe RunUp.eu-Bericht) gut erholt zeigte. Auch der zeitliche Abstand von sieben Zehntelsekunden auf die Spanierin Lorea Ibarzabal sowie fast eineinhalb Sekunden zu Deutschlands Nummer eins im 800m-Lauf, Maitje Kolberg, auf den Positionen zwei und drei sprachen Bände.

Deutsche Top-Leistungen beim ISTAF

Auch für den deutschen Laufsport lieferte das ISTAF zwei Höhepunkte. Robert Farken verbesserte seinen eigenen deutschen Meilenrekord auf eine Zeit von 3:48,83 Minuten. In einem richtig schnellen Rennen lief der 27-Jährige als Dritter über die Ziellinie. Schneller waren nur Sieger Narve Gilje Nordas aus Norwegen mit einer persönlichen Bestleistung von 3:47,68 Minuten und Federico Riva, der einen italienischen Meilenrekord von 3:48,11 Minuten markierte. Zweitbester Deutscher im Wettkampf war Mohamed Abdilaahi in 3:49,32 Minuten auf Platz fünf. Im U20-Rennen lief der junge Österreicher Julian Mesi (Sportunion IGLA long life) eine Zeit von 4:16,62 Minuten.

Eine neue Weltjahresbestleistung auf der im Erwachsenenbereich selten gelaufenen Distanz von 2.000m mit Hindernissen schaffte Lea Meyer mit einer glänzenden Zeit von 5:57,76 Minuten. Die Olympia-Zehnte distanzierte ihre Landsfrau Jolanda Kallabis um sieben Sekunden und schob sich auf Rang acht der ewigen Weltbestenliste in dieser Disziplin. Olivia Gürth wurde Vierte hinter der Belgierin Eline Dalemans.

Fünfter Outdoor-Staatsmeistertitel

Eine Woche nach dem ISTAF-Erfolg startete Caroline Bredlinger vor heimischem Publikum in Eisenstadt als glasklare Favoritin bei den ÖLV-Staatsmeisterschaften. Sie absolvierte bei regnerischen Bedingungen und unter Flutlicht einen Start-Ziel-Sieg und beendete das Rennen in lockeren 2:03,91 Minuten, für sie eine angemessene Leistung angesichts einer Erkältung in den Tagen davor. U23-EM-Starterin Nicole Prauchner (TGW Zehnkampf Union) sicherte sich in einer Zeit von 2:09,08 Minuten die Silbermedaille vor Katharina Pesendorfer (SVS Leichtathletik, 2:11,79), die sich auf den längeren Distanzen wohler fühlt.

© ÖLV / Alfred Nevsimal

Es war Bredlingers fünfter Outdoor-Titel in Serie – und da bei nationalen Meisterschaftsrennen aufgrund der Charakteristik selten sehr schnell gelaufen wird, auch ein standesgemäßer. Denn eine so schnelle 800m-Siegerzeit bei Staatsmeisterschaften gab es zuletzt im Jahr 1998, obwohl Bredlinger fast fünf Sekunden über ihrer persönlichen Bestleistung blieb. Bei den heurigen Hallen-Meisterschaften glänzte Bredlinger bei einer Limit-Jagd mit einer Siegerzeit von 2:02,11 Minuten.

Im 1.500m-Lauf am gestrigen Sonntag, der zweiten Laufentscheidung im Programm, ging der Titel zum vierten Mal an Lotte Seiler (KSV Alutechnik). Die 24-jährige Steirerin, das Wochenende davor Sechste bei den Balkanmeisterschaften, setzte sich mit einer Zeit von 4:22,20 Minuten klar vor Marie-Theres Gruber (Union Salzburg LA), die künftig in den USA studieren wird, und Sandra Schauer (Union St. Pölten) durch und feierte ihren insgesamt bereits zehnten Staatsmeistertitel. Pesendorfer musste sich, wie Gruber tags zuvor auf der kürzeren Mittelstrecke, mit Rang vier zufrieden geben.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Gladys Chai von der Laage, © ÖLV / Alfred Nevsimal

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