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Caroline Bredlinger gelang bei ihrem zweiten Saisonauftritt über 800m ein deutlicher Fortschritt. Sie verbesserte mit einer persönlichen Bestzeit von 2:00,97 Minuten ihre Position im Qualifikationsranking für die Hallen-WM deutlich. Die Czech Indoor Gala, erste Europastation der diesjährigen World Athletics Indoor Tour Gold, überzeugte mit etlichen Topleistungen auf den Laufdistanzen. Vor allem europäische Läuferinnen und Läufer zeigten mit diversen Rekordleistungen auf.
Die sieben Hundertstelsekunden beeinflussten die Laune von Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) am gestrigen Nachmittag in Ostrava kaum. Nicht nur, weil sie in der Qualifikationsliste für die Hallen-WM in Polen vom 20. bis 22. März hervorragend liegt und weitere Gelegenheiten für die Erbringung des Limits in den kommenden Wochen kommen werden. Sie freute sich über eine neue persönliche Hallen-Bestleistung von 2:00,97 Minuten, aber vor allem darüber, dass die kurze Hallensaison nun für sie nach einer Erkrankung im Jänner noch rechtzeitig gut angelaufen ist. So erzählte sie dem österreichischen Laufsport-Journalisten Olaf Brockmann: „Ich bin sehr zufrieden mit diesem Rennen. Ich habe ich viel besser gefühlt als zuletzt und wieder Selbstvertrauen bekommen!“

Die 24-Jährige ist die erst zweite Österreicherin nach Stephanie Graf, die unter dem Hallendach eine Zeit von unter 2:01 Minuten gelaufen ist. Im B-Lauf von Ostrava musste sich die Österreicherin mit der Zeit von 2:00,97 Minuten hinter Ziva Remic aus Slowenien und Léna Kandissounon aus Frankreich einordnen, die mit Leistungen von 2:00,73 und 2:00,84 Minuten freilich unterhalb des Hallen-WM-Limits geblieben sind. Beachtlich ist dies vor allen Dingen für Remic. Die Slowenin ist erst 16 Jahre alt, hat im Sommer als 15-Jährige bei den U20-Europameisterschaften von Tampere die Silbermedaille im 800m-Lauf gewonnen und gilt spätestens seither als Riesentalent im europäischen Mittelstreckenlauf.
Trotz ihrer guten Entwicklung im letzten Jahr ist die Burgenländerin noch nicht so weit, um in einem A-Lauf bei einem World Indoor Tour Meeting der Stufe Gold einen Startplatz zu bekommen. Der 800m-Lauf bei der Czech Indoor Gala war auch hervorragend besetzt: die amtierende Hallen-Weltmeisterin Prudence Sekgodiso, die WM-Silbermedaillengewinnerin Nigist Getachew und EM-Silbermedaillengewinnerin Gabriela Gajanova führten das kleine, hochkarätige Starterfeld an, wobei der Slowakin nicht einmal eine eigene Bahn in der Startkurve vergönnt war – so hoch die Qualität an der Startlinie!
Eine Überraschung lieferte dann die südafrikanische Weltmeisterin, die bei ihrem Saisoneinstieg keine Chance hatte und ab der vorletzten Kurve förmlich durchgereicht wurde. Am Ende wurde Sekgodiso in 2:04,26 Minuten nur Siebte. Besser machte es die junge Äthiopierin Getachew, die das Geschehen von vorne kontrollierte und in einer Zeit von 1:59,98 Minuten den zwölf Jahre alten Meetingrekord der Britin Jennifer Meadows, mittlerweile Trainerin von Topstar Keely Hodgkinson, verbesserte. Gajanova verbesserte als Zweite in 2:00,45 Minuten ihren slowakischen Hallenrekord um über eine Sekunde, starke Dritte wurde Valentina Rosamilia. Auch die 23-Jährige verbesserte ihre Bestleistung um über eine Sekunde und ist nun Vierte in der ewigen Schweizer Bestenliste unter dem Hallendach.
Ein pfeilschnelles Rennen entwickelte sich auch bei den Männern über die 800m. Eliott Crestan aus Belgien, seit Jahren erwiesenermaßen ein echter Hallen-Spezialist, pulverisierte seinen eigenen Meetingrekord aus dem Vorjahr und markierte mit einem neuen belgischen Hallenrekord von 1:43,83 Minuten die fünftschnellste 800m-Indoor-Zeit der Geschichte. Der 26-Jährige blieb nur 1,3 Sekunden über dem neuen Weltrekord, den der Amerikaner Josh Hoey vor zehn Tagen in Boston aufgestellt hat (siehe RunUp.eu-Bericht).
Bärenstark lief auch Maciej Wyderka, der bis zur letzten Gegengerade das Feld vor Crestan noch anführte. Als Zweitplatzierter in einer Zeit von 1:44,07 Minuten schob er sich auf Position fünf der ewigen Hallen-Weltbestenliste, dabei verbesserte er den nationalen Hallenrekord der polnischen Mittelstreckenlegende Adam Kszczot gleich um eine halbe Sekunde. Auf Position drei steigerte Mark English in 1:44,23 Minuten seinen erst wenige Wochen alten irischen Hallenrekord um über vier Zehntelsekunden. Der fünftplatzierte Marino Bloudek optimierte den kroatischen Hallenrekord auf 1:45,27 Minuten.
Als zweifache Medaillengewinnerin bei den Hallen-Europameisterschaften 2025 erlebte Salomé Afonso vor einem Jahr ihre bisher größten Erfolge. Nun ist die 28-jährige Portugiesin mit einem Paukenschlag in die neue Saison gestartet. Mit einer Zeit von 4:01,98 Minuten im 1.500m-Lauf der Frauen steigerte sie ihre bisherige Hallen-Bestleistung um über drei, den bisherigen portugiesischen Hallenrekord von Carla Sacramento um über zwei Sekunden.
Im Wettkampf, in dem Afonso erst mit dem letzten Schritt den dritten Platz verlor, musste sie dem äthiopischen Trio Birke Haylom (4:00,62), Saron Berhe und Haregeweyn Kalayu den Vortritt lassen. Eine beachtliche Leistung gelang Jocelin Wind, die als erste der Verfolgerinnengruppe ins Ziel kam. Als Sechste verbuchte sie eine Zeit von 4:06,55 Minuten, womit die 25-Jährige den Schweizer Hallenrekord von Sandra Gasser um eineinhalb Sekunden verbesserte. Die Deutsche Nele Wessel wurde in persönlicher Bestzeit von 4:07,15 Minuten Siebte, Winds Landsfrau Delia Sclabas kam abgeschlagen ins Ziel.
Wenige Minuten später betrat Afonsos Lebenspartner die Arena in Ostrava. Isaac Nader, Überraschungsweltmeister im 1.500m-Lauf von Tokio 2025, wurde seiner Favoritenrolle im 3.000m-Lauf gerecht und siegte in einer Zeit von 7:38,05 Minuten. Der 26-Jährige verbesserte mit dieser Leistung den portugiesischen Rekord von Rui Silva um 1,4 Sekunden und setzte sich im Wettkampf haarscharf gegen Tshepo Tshite durch, nun in einer Zeit von 7:38,17 Minuten südafrikanischer Hallenrekordhalter. Für das Traumpaar des portugiesischen Laufsports hat sich die Reise nach Tschechien also wirklich gelohnt.
Die Czech Indoor Gala ist einer der internationalen Höhepunkte für die österreichische Hallensaison. Durch die regionale Nähe zu diesem Meeting der ersten Liga waren einige heimische Topathlet*innen am Start. Enzo Diessl im Hürdensprint und Susanne Gogl-Walli über 400 Meter konnten am meisten überzeugen.
Leider nicht nach Ostrava reisen konnte Raphael Pallitsch (Union St. Pölten), der gerne den österreichischen Rekord im 3.000m-Lauf angegriffen hätte. Ein Magen-Darm-Infekt nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in Südafrika machte einen Start aber unmöglich.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © James Rhodes