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Close-Up: Vom Hobbyläufer zum Profi

Laufen ist kein typischer Teamsport. Und dennoch zeichnet er sich vor allem durch das Gemeinsame aus. Der Austausch, das gemeinsame Training, Tipps geben und sich gegenseitig durch Trainingstiefs helfen.

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Wann hast du den Laufsport für dich entdeckt?
Da muss ich scharf nachdenken, ich hab’s nicht so mit den Zahlen. Ich glaub es war 2002, jedenfalls kann ich mich an die Umstände sehr gut zurückerinnern. Damals hatte ich noch etwas andere Hobbys. Ich spielte in einer Metal Band, rauchte und war dem Alkohol auch nicht abgeneigt, ein paar Kilo mehr auf den Rippen und mit Sport, außer Schuhplattln, nix am Hut.

Bei einem der sommerlichen Festivals habe ich es dann etwas übertrieben. Danach wusste ich, dass ich etwas an meinem Lebensstil ändern muss, wollte mein biologisches Alter wieder aus dem Bereich „Altersheim“ holen.

So beschloss ich von heute auf morgen mit dem Rauchen aufzuhören, und etwas mehr Sport in mein Leben zu lassen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich eigentlich eine Sucht mit einer anderen Sucht kompensierte.

Was reizt dich besonders am Laufen?
Der geringe Aufwand, man kann es überall und immer „laufen lassen“, sei es in der Mittagspause währen der Arbeit, im Schneesturm um Mitternacht, auf Geschäftsreisen oder im Urlaub!

Auch körperlich sind die Anforderungen auf 2 gesunde Beine beschränkt, so schafft man es auch als Grobmotoriker (bin das beste Beispiel dafür) Spaß am Laufen zu haben. Ich habe Triathlon gemacht, ohne davor je einen Meter gekrault zu sein, ich weiß also wovon ich spreche.

Meine Lieblingslaufstrecke führt mich über das Sonnenplateau zwischen Lans und Igls oberhalb von Innsbruck. Ich starte am Lansersee und laufe durch den Wald am See vorbei zum Seerosenweiher und weiter zur Vogelhütte, von dort über die Felder nach Igls und durch den Wald retour.

Die Strecke ist ein schöner Mix von auf und ab, Stock und Stein und Natur. Und manchmal hüpfe ich, wenn es die Zeit erlaubt, im Anschluss ins kühle Nass oder setze mich ans Ufer und lasse die Füße im Wasser baumeln.

Außergewöhnlich ist schwer zu sagen: Ein ganz besonderer Lauf ist der Silvrettarun 3000, der über das Kronenjoch mit knapp 3000m Seehöhe und zumeist Schneefelder führt.

Mein schönster und wohl mein größter Erfolg war mein 7. Platz bei der WM im Berglauf Langdistanz in Slowenien. Die Strecke ist wunderschön, das Wetter war traumhaft und auf mein Abschneiden bin ich schon ein bisschen stolz.

Klar gab es Rückschläge: Verletzungen (Knochenbrüche, Sehnenrisse etc.). Die Liebe zum Laufen hat mich nie vergessen lassen, wie wunderschön es ist, die Laufschuhe zu schnüren. Für eine rasche Genesung habe ich immer aus Überzeugung mein Bestes gegeben, war Aquajoggen, Therapie usw.

Ich werde Ende April in Hamburg Marathon laufen. Dort strebe ich eine Verbesserung meiner PB von 2:45:56 an. Vor allem aber möchte ich Freude haben – an jedem Schritt – und das Laufen genießen.

Ich glaube, man sollte immer wissen, warum einen das Laufen so fasziniert. Wenn man eine Verbesserung der eigenen Leistung anstrebt, sollte man sich ein klares Ziel setzen und fokussiert darauf hinarbeiten. Ein Trainingsplan kann helfen. Zudem versuche ich neben dem Laufen auch an meiner Körperstabilität zu arbeiten, Übungen mit dem eigenen Körpergewicht zu machen und genug zu dehnen. Ich mache gerne und viel Yoga, das ist gut für meine innere Ruhe und vereint für mich auch die eben beschriebenen Ziele.

Wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, richten mein Trainer und ich das Training entsprechend aus. Momentan befinde ich mich im Marathontraining: Lange Läufe, qualitätsvolle Kilometer und schnelle Einheiten sind im Wechsel das Um und Auf. Am Tag X versuche ich dann gut vorbereitet, ausgeruht und mit einem Lächeln an der Startlinie zu stehen.

Selten verzichte ich auf ein Stirnband oder Buff und wenn ich ein Rennen laufe, mache ich mir Zöpfchen und binde die Haare zusammen. Haare im Gesicht mag ich nämlich gar nicht.

Meine Laufschuhe müssen vor allem gut passen.

Ich laufe mit mindestens drei Paar Laufschuhen im Wechsel. Leichtere Schuhe für kurze schnelle Läufe, stabilere Schuhe für längere Läufe. Ich glaube, dass es für den Fuß wichtig ist, Abwechslung zu haben.

Je nach Jahreszeit eigentlich nicht. Ich trage z.B. keine wasserdichten Schuhe. Wenn es nass ist, regnet oder schneit  achte ich auf etwas mehr Profil, insbesondere wenn ich im Gelände unterwegs bin: Dann trage ich Trailrunningschuhe. Nasse Füße machen mir aber nichts, ich ziehe sie nach dem Laufen gleich aus und ein trockenes Paar an oder hüpfe, wenn der Lauf zuhause endet, direkt unter die Dusche.

Autor: Lukas Winter
Bilder: Bryan Reinhart | TVB Paznaun-Ischgl | ZVG

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