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Olympiasieger Conseslus Kipruto hat dem US-amerikanischen „Sunnyboy“ Evan Jager bei den Weltmeisterschaften in London ordentlich die Show gestohlen. Während der Amerikaner, der auf das erste Gold für die USA seit Olympia 1952 gehofft hat, in der Schlussrunde nicht mehr zulegen…


Olympiasieger Conseslus Kipruto hat dem US-amerikanischen „Sunnyboy“ Evan Jager bei den Weltmeisterschaften in London ordentlich die Show gestohlen. Während der Amerikaner, der auf das erste Gold für die USA seit Olympia 1952 gehofft hat, in der Schlussrunde nicht mehr zulegen konnte, konterte der Kenianer und lief eindrucksvoll zum Sieg. Auf den letzten Metern animierte er das Londoner Publikum mit wilden Gesten zur Begeisterung, die er sich verdiente. Der 22-Jährige ist ein Genussmensch, für die richtige Kulisse hatte er auch bei den Olympischen Spielen in Rio entlang der Zielgerade eigenständig gesorgt. In einer Zeit von 8:14,12 Minuten verwies er den jungen Marokkaner Soufiane El Bakkali, der mit Freudentränen auf den Knien die Silbermedaille zelebrierte, auf den zweiten Platz. Jager musste sich mit der Bronzemedaille zufrieden geben und feierte dennoch einen historischen Erfolg. Es ist die erste WM-Medaille für die USA im 3.000m-Hindernislauf aller Zeiten, beide Geschlechter. Erstmals seit 1987 stand damit nur ein in Kenia geborener Läufer auf einem Hindernislauf-WM-Podest!

Er hatte einen Abschied mit einem Feuerwerk versprochen, es wurde ein leiser durch die Hintertür. Die Hindernislauf-Legende Ezekiel Kemboi wollte sich in London unbedingt die in Rio durch eine durchaus umstrittene Qualifikation verloren gegangene Medaille zurückholen. Doch er hatte seinen von den langen Jahren als Spitzensportler gezeichneten Körper nicht mehr in Topform bringen können. Zwar hielt sich der 35-Jährige lange an der Spitze, doch als sich ein Quartett absetzen konnte und Evan Jager auf das Tempo drückte, konnte er nicht mehr mithalten und fiel am Ende weit zurück. Als Elfter kam er gerade noch so vor seinem Landsmann Jairus Birech ins Ziel, womit eine fantastische Serie zu Ende ging. Seit den Weltmeisterschaften in Paris 2003 hat Kemboi dreimal Silber und viermal Gold jeweils in Serie geholt. Nur einmal trat er noch in Szene, als er gemeinsam mit Conseslus Kipruto jubelte. Und wer Kemboi kennt und sich an die Olympischen Spiele von Rio erinnert, weiß, dass diese Freude für den Kollegen echt ist. Übrigens: Das Stichwort Karriereende fiel in London nicht…
Der Staffelstab im kenianischen Team ist längst erfolgt. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften musste sich der 22-Jährige noch hinter seinem so erfolgreichen Landsmann anstellen, nun ist er als Olympiasieger und Weltmeister der gefeierte Star in seiner Heimat. Im Alter von 22 Jahren hat er alle wichtigen globalen Titel im Junioren- und Seniorenbereich in der Tasche. Auch wenn er aus kenianischer Sicht nur Schadensbegrenzung betrieben hat. Denn kenianische Medienberichte im Vorfeld des Rennens wiesen darauf hin, dass man in Kenia vor einem WM-Rennen über die Hindernisse nicht darüber diskutiert, ob einer der Landsleute Gold holt, sondern ob man einen Sweep schafft. Spätestens als Kipruto auf der Gegengerade der letzten Runde an Jager vorbei in Führung zog, waren die allerletzten Fragezeichen über seinen Fitnesszustand nach einer bei den kenianischen Meisterschaften zugezogenen Knöchelverletzungen durch ein Ausrufezeichen ersetzt. Soufiane El Bakkali hielt über den Wassergraben noch einmal dagegen, doch eine weitere Tempoverschärfung eingangs der Zielgerade sorgte früh für klare Verhältnisse. „Ich habe meinen Plan perfekt umgesetzt“, analysierte der Weltmeister, der den psychologischen Vorteil auf seiner Seite sah: „Ich sagte zu mir: ,Du bist der Olympiasieger, die anderen müssen dich besiegen und nicht umgekehrt‘. Die anderen sind zwar auch furchtbar stark, aber ich wusste, wenn es nicht zu schnell werden würde, habe ich die beste Schlussrunde. Auch den letzten 400 Metern bin ich nicht zu schlagen!“ Der junge Marokkaner, Shootingstar dieser Saison, fühlte sich übrigens vom nicht ganz feinen Jubelaufruf Kiprutos auf der Zielgerade nicht provoziert und fiel seinem Kontrahenten vor Freude gleich hinter der Ziellinie um den Hals. Gemeinsame Freude ist eben doppelte Freude!
Während die beiden Erstplatzierten emotional ihre Erfolge bejubelten, verzog Evan Jager keine Miene. Der US-Amerikaner war nach London gekommen, um mit einem Sieg die Vormachtstellung der Kenianer zu beenden und die Vorzeichen schienen gut. Doch als es darauf ankam, reichte die Leistung schlussendlich einfach nicht – eine Erkenntnis, die er nicht als einziger aus dem Team USA in den Tagen Londons ziehen muss. Als Kipruto auf der Gegengerade vorbeizog, reichte ein kurzer Blick in das Gesicht des 28-Jährigen, der in Oregon trainiert, um zu wissen, dass er keine Extra-Energie mehr für das Finale hat. Am Ende sicherte er sich die Bronzemedaille ab und wird mit einigem zeitlichen Abstand erkennen, dass seine erste WM-Medaille überhaupt auch ein tolles Resultat ist. Mit einigem Abstand kamen versöhnliche Töne: „Ich habe gedacht, dass dies der beste Weg zu Gold wäre. Ich wollte besser abschneiden als in Rio, wo ich Silber bekommen habe. Aber insgesamt bin ich glücklich, am Podium zu sein.“ Und lobte den Sieger: „Er ist unfassbar stark in der SChlussphase. Er könnte ein neue Ezekiel Kemboi werden, das ist schon frustrierend für uns alle.“ Dass Jager angesichts der jüngsten Veröffentlichungen der Hackergruppe Fancy Bears nicht Weltmeister wurde, wird nicht jeden unglücklich stimmen.

Mit einer Durchgangszeit von 2:51,81 Minuten begann das Finale mit kenianischen und äthiopischen Athleten an der Spitze mit einem für Meisterschaftsrennen entsprechenden Tempo. Im Mitteldrittel des Rennens gab es die ersten vorentscheidenden Zwischenfälle. Erst stürzte der ehemalige Europameister Yohan Kowal über das Hindernis am Wassergraben, dann verlor Jacob Araptany seinen Schuh und musste kurz abstoppen, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Richtig Unruhe brachte aber ein Strauchler eines Äthiopiers an einem Balken, der einen wahren Stau verursachte. Dadurch wurde das Feld geteilt in eine Vierergruppe mit Jager an der Spitze, Kipruto, Kemboi und El Bakkali im Windschatten und dem Rest des Feldes. Der zweite US-Amerikaner Stanley Kebenei, am Ende Fünfter, versuchte vergeblich, die Lücke zu schließen. Damit war auch dem Franzosen Mahiedine Mekhissi, der sich von Beginn an viel zu weit hinten aufhielt, eine Medaillenchance verwehrt. Mit einem wilden Spurt und der wohl mit Abstand schnellsten Schlussrunde aller kam er als Vierter vermeintlich Jager noch nahe, doch die Verhältnisse waren deutlicher als die nackten Zahlen es darstellen können. Wie in Rio versuchte der französische Verband ein Upgrade Mekhissis am grünen Tisch und klagte an. In der Tat hatte Jager beim Überspringen des zweiten Wassergrabens zweimal die Linie betreten, was die Jury der IAAF auch bestätigte. Allerdings disqualifizierte das Wettkampfgericht den US-Amerikaner nicht, weil sie keinen Vorteil für Jager in beiden Situationen sah und traf damit die konträte Entscheidung zu einem vergleichbaren Vorfall bei den Olympischen Spielen, als Ezekiel Kemboi disqualifiziert wurde und Mekhissi Bronze erbte. Damals war anscheinend kein kenianischer Verbandsfunktionär anwesend, um die Verteidigung Kembois zu übernehmen und die teils harsch kritisierte Entscheidung des Wettkampfgerichts zu verhindern. Das ist dem US-amerikanischen Verband sicherlich nicht passiert. Was aber die Entscheidung zu unterschiedlichen Urteilen für praktisch dasselbe Vergehen von Seiten des Wettkampfgerichts betrifft, blieben viele Fragen offen. Denn wer Regeln aufstellt, sollte sie auch so definieren, dass Urteile nachvollziehbar sind…
Ein hervorhebenswertes Resultat erzielte auch der Kanadier Matt Hughes mit Rang sechs. Der 28-Jährige erwies sich erneut als guter Meisterschaftsläufer und lief zum dritten Mal bei Weltmeisterschaften unter die Top-8, zum zweiten Mal auf Rang sechs. Besser war aus kanadischer Sicht einzig Graeme Fell bei der Premieren-WM 1987 auf Position fünf.
Gold: Conseslus Kipruto (Kenia) 8:14,12 Minuten
Silber: Soufiane El Bakkali (Marokko) 8:14,49 Minuten
Bronze: Evan Jager (USA) 8:15,53 Minuten
4. Mahiedine Mekhissi (Frankreich) 8:15,80 Minuten
5. Stanley Kebenei (USA) 8:21,09 Minuten
6. Matthew Hughes (Kanada) 8:21,84 Minuten
7. Tesfaye Deriba (Äthiopien) 8:22,12 Minuten
8. Tafese Seboka (Äthiopien) 8:23,02 Minuten
9. Getnet Wale (Äthiopien) 8:25,28 Minuten
10. Albert Chemutai (Uganda) 8:25,94 Minuten
11. Ezekiel Kemboi (Kenia) 8:29,38 Minuten
12. Jairus Birech (Kenia) 8:32,90 Minuten
13. Yoann Kowal (Frankreich) 8:34,53 Minuten
14. Jacob Araptany (Uganda) 8:49,18 Minuten
… Bilal Tabti (Algerien) disqualifiziert
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