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Cordula Lassacher glänzt in Bergen mit Platz acht

Mit einem neuen ÖLV-U23-Rekord und Platz acht im 10.000m-Lauf hat Cordula Lassacher am Freitagabend ihrer hervorragenden Saison die sprichwörtliche Kirsche aufgesetzt.
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Cordula Lassacher hat bei ihrem Saisonhöhepunkt eine starke Leistung gezeigt und mit einem neuen österreichischen Rekord in der Altersklasse U23 eine gelungenen Saison gekrönt. In einem Rennen, das vom Duo Kira Weis und Anika Thompson vom Start weg bestimmt wurde, steigerte sich die Österreicherin mit einem negativen Split und machte im Vergleich zur Konkurrenz in der zweiten Hälfte viel Boden gut. Gold ging nach 25 interessanten Runden im Fana Stadion von Bergen an die Irin, die der Deutschen in der Schlussphase keine Chance ließ.

„Nach dem Rennen war ich fast in Schockstarre“, rekapitulierte Cordula Lassacher (Atus Knittelfeld) am Tag nach dem Wettkampf im Gespräch mit RunUp.eu. Aufgrund des durch die doch ziemlich unterschiedlichen Leistungsniveaus und durch die entsprechende Renngestaltung extrem langgezogenen Feldes war die Orientierung für die Protagonistinnen gar nicht so einfach. Lassacher hatte das Gefühl, irgendwo im Bereich von Platz zehn zu liegen, aber genau wusste sie es nicht. „Auf den letzten zehn Runden war ich überwiegend alleine unterwegs. Ich hab drauflegen können und habe mich richtig gut gefühlt. Ich habe mich darauf konzentriert, bis zur Ziellinie den Fokus auf mich zu behalten. Dass ich Achter geworden bin, ist erstaunlich“, erzählte sie. Die Ambition, besser ins Ziel zu kommen als in der Entry List gereiht zu sein, erreichte sie somit locker.

Österreichischer U23-Rekord

Die Zeit von 33:54,73 Minuten bedeutet einen neuen ÖLV-Rekord für die Altersklasse U23, fast eine halbe Minute schneller war die 21-Jährige als bei ihrem bisherigen Rekord, erzielt vor vier Monaten bei den Staatsmeisterschaften in Regensburg, wo der Premierentitel gelang. Trotz recht sommerlicher Bedingungen, trotz eines Rennens mit Meisterschaftscharakter – auch wenn es kein typisches Meisterschaftsrennen war.

U23-Europameisterschaften 2025 in Bergen

© Sona Maleterova

Zusatzmotivation von Diessls Gold

Die Emotionen aus dem gelungenen 10.000m-Rennen hielten noch stundenlang an, erst am Tag darauf schlug die Müdigkeit ein. „Es sind wirklich schöne Emotionen, wenn ein Rennen so aufgeht. Ich wusste aus den Trainingsleistungen schon, dass ich die Form für einen richtig guten Wettkampf habe. Gerade über 10.000m ist es sehr angenehm, wenn man das Feld von hinten aufrollen und in der zweiten Hälfte aufholen kann. So gesehen war es eigentlich ein optimaler Rennverlauf. Ich freue mich sehr, dass ich die Trainingsleistungen im Wettkampf umsetzen konnte“, freute sie sich. Gut eine Rennhälfte lang hielt sich die Österreicherin in der großen Verfolgergruppe auf, die ein gutes Tempo für ihre Ziele ansetzte. Als diese dann zerbröselte, war für Lassacher nach einer Durchgangszeit von 17:14,00 Minuten bei der Zwischenzeit bei 5.000m der Zeitpunkt gekommen, etwas zu beschleunigen und von Position 14 aus noch sechs Plätze gutzumachen.

Positive Auswirkungen auf ihre Emotionen hatte auch die Stimmung im Stadion – sowohl das internationale Publikum, als auch die große ÖLV-Delegation. Lassacher hatte vor ihrem Start noch mitbekommen, dass Enzo Diessl die Goldmedaille im Hürdensprint gewonnen hat. Dieser historische Erfolg war Hauptgrund dafür, dass ein Großteil der Teamkolleg*innen auch bei Lassachers Rennen im Stadion war. „Das ist schon toll, wenn man immer wieder seinen Namen zugerufen bekommt. Das motiviert!“, sagte die Athletin. Auch ihre Trainerin Karin Haußecker wirkte motivierend auf ihren Schützling ein.

© ÖLV / Sona Maleterova

Tolle Entwicklung

Mit dem Top-Ten-Platz bei den U23-Europameisterschaften und dem neuerlichen Altersklassenrekord hat Cordula Lassacher ihre eigenen Erwartungen leicht übertroffen. Es ist der Höhepunkt einer langen Saison, die in Wahrheit bereits mit der Vorbereitung auf die Crosslauf-EM im Dezember 2024 begonnen hat und danach kaum Pausen vorsah. Daher ist kein Wunder, dass die 21-Jährige am Tag nach dem wichtigsten Wettkampf des Jahres sagte: „Alles war geplant und ausgerichtet auf den gestrigen Tag. Es ist megacool, welch wichtiger Schritt in die Richtung mir in den letzten Monaten gelungen ist bis hin zu einer sub-34-Zeit – das klingt echt schnell! Diese Entwicklung motiviert mich für mehr. Aber jetzt brauche ich dringend eine Saisonpause, bevor ich im Herbst ein paar Straßenläufe machen möchte.“

Schnellste 10.000m-Zeiten der ÖLV-Geschichte, U23 Frauen
  • 33:54,73 Minuten – Cordula Lassacher, U23-EM 2025 in Bergen
  • 34:23,53 Minuten – Cordula Lassacher, Regensburg 2025
  • 34:44,58 Minuten – Lisa Redlinger, Regensburg 2024
  • 34:48,03 Minuten – Isabelle Hoznang, Austin 1984
  • 34:48,52 Minuten – Anita Baierl, Salzburg 2010
  • 34:57,60 Minuten – Cordula Lassacher, Regensburg 2023
  • 35:06,72 Minuten – Lisa Redlinger, Azusa 2023
  • 35:17,41 Minuten – Cordula Lassacher, Regensburg 2022

Ein Duell um Gold

Wie auch Lassacher im Vorfeld erwartet hatte, hielten sich die Besten im Feld nicht lange mit taktischen Spielchen auf. Kira Weis und Carolina Schäfer bildeten nach wenigen Schritten ein Tandem, das sich sofort vom Rest des Feldes absetzte. Anika Thompson aus Irland nutzte die Chance und schloss auf, dahinter öffnete sich eine Lücke die früh sehr groß wurde. Kein Wunder, dass die Siegerin Thompson zum Schluss bis auf die Top-Sieben alle im Feld mindestens einmal überrundete. Die ersten Überrundungen gingen noch vor Halbzeit des Rennens über die Bühne.

Zu Rennmitte verlor Schäfer den Anschluss und konzentrierte sich auf das sichere Heimlaufen der Bronzemedaille, das mit einer Zeit von 33:04,43 Minuten, eine persönliche Bestzeit, gelang. „Die Medaille ist ein Traum“, sagte die 20-Jährige, die von leichten Magenproblemen zu Rennmitte berichtete. 23 Sekunden hatte sie Vorsprung auf die viertplatzierte Nele Heymann, die den Schlussspurt gegen Merve Karakaya aus der Türkei gewann. Davor hatte die am Ende siebtplatzierte Lettin Agathe Caune vergeblich versucht, die Verfolgergruppe näher an Schäfer heranzubringen.

Ergebnis 10.000m-Lauf der Frauen, U23-EM 2025
Gold: Anika Thompson (Irland) 32:31,47 Minuten (irischer U23-Rekord)
Silber: Kira Weis (Deutschland) 32:36,52 Minuten (PB)
Bronze: Carolina Schäfer (Deutschland) 33:04,43 Minuten (PB)

 
4. Nele Heymann (Deutschland) 33:27,48 Minuten (PB)
5. Merve Karakaya (Türkei) 33:28,64 Minuten (PB)
6. Greta Settino (Italien) 33:42,36 Minuten (PB)
7. Agate Caune (Lettland) 33:47,08 Minuten
8. Cordula Lassacher (Österreich) 33:54,73 Minuten (österreichischer U23-Rekord)
9. Ana Marinho (Portugal) 34:02,20 Minuten
10. Madalina-Elena Siribu (Rumänien) 34:10,62 Minuten

Erfolg in Gedanken an den Großvater

Vorne entledigte sich Thompson vor der entscheidenden Phase ihrer Kappe. 90% des Rennens verbrachte sie im Windschatten der „Lokomotive“ Kira Weis, die sich keine Überlegenheit in diesem Duell herauslaufen konnte. Die Irin übernahm das Kommando auf dem letzten Kilometer, auf den finalen 200 Metern hatte ihre Kontrahentin keine Chance mehr. Die Zeit von 32:31,47 Minuten ist ein neuer irischer U23-Rekord und der zweite irische U23-EM-Titel in dieser Disziplin nach der irischen Lauflegende Sonia O’Sullivan.

Die 22-jährige Thompson ist nicht in Irland, der Heimat ihrer Großeltern, geboren und kennt das europäische Land nur von jährlichen Urlaubsreisen. Sie meinte in Bergen aber, stolz zu sein, für Irland zu starten. Thompson ist in Oregon aufgewachsen und studiert an der University of Oregon. „Dieser Sieg ist eine große Ehre. Ich war fest entschlossen, das Rennen heute zu gewinnen“, sagte die Goldmedaillengewinnerin, die vor zwei Jahren Elfte war. Den Sieg widmete sie ihrem aus Irland stammenden Großvater, der kurz vor den U23-Europameisterschaften verstorben ist.

Zweite Silberne für Weis

Weis folgte in einer persönlichen Bestleistung von 32:36,52 Minuten als Silbermedaillengewinnerin. „Ich habe alles gegeben, daher bin ich zufrieden. Gott sei Dank war ich heute schmerzfrei, vielen Dank an die Physios und Ärzte“, sagte die Studentin der Universität in Ansbach. Für sie habe diese Silbermedaille aufgrund der suboptimalen Vorbereitung mit etlichen Beschwerden eine deutlich höhere Wertigkeit als jene im 5.000m-Lauf vor zwei Jahren bei der U20-EM in Jerusalem. Die 21-Jährige kündigte, nachdem sie sich für den 5.000m-Lauf nicht qualifizieren konnte, daher eine große Party im Hotel an.

Alle Informationen zu den U23-Europameisterschaften 2025 in Bergen

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sona Maleterova

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