Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


Es ist bei weitem nicht der erste Anlauf in der Kommunikation und in den Bemühungen. Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics), ist ein persönlicher Fan des Crosslaufs als Disziplin. Seitdem er 2015 ins Amt gelangte, äußerste er sich mehrfach positiv über eine Integration des Crosslaufs ins Olympische Programm, wo er vor über 100 Jahren schon einmal gewesen ist. Der Wunsch hat laut Informationen der Plattform „Inside The Games“ durch die Gespräche mit der neuen IOC-Präsidentin Kirsty Coventry ein Revival erlebt.
Sebastian Coe sieht eine „gute Chance“, dem Crosslauf zu einem Olympia-Comeback als eigenständige Disziplin zu verhelfen. Das sind Eindrücke aus einem Treffen mit Kirsty Coventry, ehemals Coes Bewerbungskontrahentin und nun als Nachfolgerin von Thomas Bach Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). So zitierte ihn die amerikanische Presseagentur Associated Press (AP) am Rande des New York City Marathon. Mit der Idee, mit dem Comeback bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 exakt 100 Jahre nach seiner letzten Olympischen Präsenz ein sporthistorisches Ereignis zu gestalten, war der Brite noch bei Bach abgeblitzt.
Der Crosslauf ist eine Traditionsdisziplin im Laufsport und hat bis zu 200 Jahre alte Wurzeln in Großbritannien. Crossläufe finden auf offenem Gelände oder im Wald, jedenfalls auf nicht befestigtem, wechselndem Untergrund statt – und in der Regel auf Rundkursen, die häufig mit künstlichen Hindernissen versehen sind. Seit vielen Jahrzehnten geht die Crosslauf-Saison in den Herbst- und Wintermonaten über die Bühne.
Das war Anfangs des 20. Jahrhunderts noch anders. 1912 feierte der Crosslauf als Team-Event seine Premiere im Olympischen Programm und blieb dort bis inklusive der Spiele 1924 in Paris. Die Hitzeschlacht in der französischen Hauptstadt ging in die Sportgeschichte ein. Triumphale Gewinner des Rennens waren die damals überlegenen finnischen Läufer, die „Fliegenden Finnen“ rund um Topstar Paavo Nurmi, heute noch eine Sportlegende.
Weil etliche Teilnehmer in der sengenden Sonne über Paris angesichts der herausfordernden Strecke kollabierten, strich das Internationale Olympische Komitee den Crosslauf aus dem Wettkampfprogramm. Heute ist der Crosslauf als Teil des modernen Fünfkampf bei den Olympischen Sommerspiele mit an Board.
Das IOC sei unter der Führung von Coventry interessiert an Innovation, daher sei die Gesprächsbasis eine bessere als unter ihrem Vorgänger. Es sei offen darüber gesprochen worden, wie man sich gemeinsam verbessern könne. „Sie hat der Organisation neues Leben eingehaucht“, lobte der Brite die aus Simbadwe stammende, höchste Sportfunktionärin der Welt. Das Lob kommt nicht von ungefähr, schließlich sitzt Coe selbst in einer Arbeitsgruppe, die sich Gedanken über die zukünftige Gestaltung von Olympischen Spielen macht.
World Athletics hoffe auf eine Aufnahme in das Olympische Programm der Spiele 2030 in den französischen Alpen, alternativ in jenes 2034 in Salt Lake City. Auch, weil man damit spektakuliert, einen nachhaltigen Beitrag dafür leisten zu können, den Winterspielen in ihrer Reichweite und Popularität einen kleinen Impuls zu geben. Ähnliche Überlegungen macht sich auch der Radsport-Weltverband mit seinen Cross Country Rennen. Coe sieht die Chance, eine gemeinsame Wettkampfstrecke und -bühne zu nutzen.
❄️ Der Crosslauf hat im Winter Saison. Die Olympischen Spiele wären der natürliche Höhepunkt zu oder gegen Saisonende – wie in klassischen Wintersportarten.
🌍 Das IOC würde die teilnehmenden Nationen bei Olympischen Winterspielen erhöhen (aktuell weniger als die Hälfte als bei Sommerspielen) und damit auch die globale Fangemeinde stärken. Durch den Laufsport kämen voraussichtlich Nationen in den Medaillenspiegel, die aus geografischen Gründen keine Schnee- und Eissporttradition haben: z.B: afrikanische Länder. Noch nie hat eine afrikanische Athletin oder ein afrikanischer Athlet eine Medaille bei Winterspielen gewonnen. Damit könnte man eine große Anzahl neuer Fans der Olympischen Winterspiele gewinnen.
☀️ Die Klimaveränderungen werden das Gesicht von Olympischen Winterspielen in Zukunft verändern. Studien prognostizieren, dass es in wenigen Jahrzehnten kaum mehr Agglomerationszentren mit Schneesicherheit selbst im Winter geben wird. Das favorisiert die Durchführung von (Winter-)Sportarten wie zum Beispiel Crosslauf, die nicht auf eine Schnee- oder Eisgrundlage angewiesen sind, was heute laut IOC-Regeln gar nicht möglich ist. Sebastian Coe äußerte vor einigen Monaten, als er noch Kandidat für das Amt des IOC-Präsidenten war, die Idee, selbst klassische Hallensportarten wie Handball, Basketball oder Volleyball potenziell vom Programm der Sommer- in jenes der Winterspiele zu transferieren.
Für den Crosslauf wären Olympische Entscheidungen voraussichtlich ein Bedeutungsboost. Die jährlich durchgeführten Europameisterschaften zählen zu den sportlichen Jahreshighlights des europäischen Laufsports, auch von der sportlichen Besetzung. Die zweijährlichen Weltmeisterschaften schöpfen dagegen das Potenzial oft nicht aus, weil viele europäische, asiatische und amerikanische Top-Athletinnen und -athleten aufgrund der flächendeckenden afrikanischen Dominanz alternative Saisonplanungen und Saisonziele jagen. Das wäre im Falle von Olympischen Entscheidungen als Bedeutungshöhepunkt freilich voraussichtlich anders.
🇦🇹 Gleich vier Landesmeisterschaften im Crosslauf standen am vergangenen Wochenende auf dem Programm. Bei den Wiener Meisterschaften gewann Marathon-Spezialist Mario Bauernfeind (ÖBV Pro Team) sowohl die Kurz- als auch Langstrecke. Bei den niederösterreichischen Meisterschaften setzte sich U23-EM-Teilnehmerin (5.000m) Nicole Bauer (ULC Riverside Mödling) durch, bei den Salzburger Meisterschaften in Nussdorf feierten Agata Strausa (Union Salzburg LA) und Dominik Hirczy (Lauftreff Nussdorf, Langstrecke) die Titel.
🇪🇸 In der Peripherie der andalusischen Großstadt Sevilla ging am vergangenen Wochenende eines der Highlights der internationalen Crosslauf-Saison über die Bühne. Beim Cross Internacional de Italica in einem archäologischen Park von Santiponce machten rund 2.500 Teilnehmer:innen, großteils Hobbyläufer:innen, den Crosslauf-Tag im Rahmen der 43. Auflage des Traditionsevents zum Crosslauf-Happening – mit deutlichem Anmelderekord.
Die Siege bei warmen Temperaturen von fast 20°C. holten sich der in Spanien lebende Crosslauf-Spezialist Rodrigue Kwizera aus Burundi, der die 9.229 Meter lange Strecke in 26:10 Minuten bewältigte, und 3.000m-Hindernislauf-Olympiasiegerin Winfred Yavi, die nach 28:58 Minuten als klare Siegerin vor Daisy Jepkemei aus Kasachstan und der in Spanien lebenden Äthiopierin Likina Amebaw ins Ziel lief. Der 25-jährige Kwizera hatte den Event bereits 2021 gewonnen, dazwischen dreimal auf dem Stockerl gestanden. Zuletzt glänzte er beim Halbmarathon in Valencia mit einer Fabelzeit von 58:39 Minuten.
Der Cross de Italica gehört traditionell zu den international bestbesetzten Crossläufen der Welt. Die spanischen Topergebnisse erzielten Vorjahressieger Thierry Ndikumwenayo und die ehemalige Junioren-Europameisterin in dieser Disziplin, Maria Forero, jeweils mit Platz fünf. Beide befinden sich laut spanischen Medienberichten in Vorbereitung der in fünf Wochen anstehenden Europameisterschaften in Portugal. Weitere spanische Topläuferinnen und Topläufer beteiligten sich am Cross de Italica, darunter auch Spaniens 800m-Rekordhalter Mohamed Attaoui.
🇬🇧 Mit der Cardiff Cross Challange ging einen Tag zuvor ein zweiter Event der World Cross County Tour Gold, der wichtigsten internationalen Crosslauf-Serie des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics), über die Bühne. Die Kenianer Mathew Kipsang (28:19, 9.600m) und Cynthia Chepkirui (20:11, 6.400m), erst 17 Jahre alt, feierten die Siege. Bei den Frauen lief die mehrfache Nachwuchs-Europameisterin im Crosslauf, Megan Keith, auf dem starken vierten Platz ins Ziel, obwohl sie gegen Rennmitte kurz abstoppen musste, um einen Ast aus ihren Spikes zu entfernen, wie das britische Leichtathletik-Magazin „Athletics Weekly“ schreibt. Die junge Dänin Sofia Thögersen platzierte sich als Sechste ebenfalls im Spitzenfeld.
Einen blendenden Eindruck hinterließ die amtierende Crosslauf-Europameisterin Innes FitzGerald im U20-Rennen über die Distanz von 4.400 Metern). Bei unüblich hohen Temperaturen für die Jahreszeit dominierte die Favoritin bei den kommenden Europameisterschaften (U20) den Wettkampf in der walisischen Hauptstadt nach Belieben.
🇩🇰 Der Norweger Andreas Fjeld Halvorsen hat die Nordischen Crosslauf-Meisterschaften in Tarnby (7,5 km) in Dänemark für sich entschieden. Der U23-Europameister im 10.000m-Lauf, Lokalmatador Joel Ibler Lillesö, musste sich mit Platz sechs zufrieden geben. Das weibliche Pendant des amtierenden Junioren-Weltmeisters im 3.000m-Lauf war die Schwedin Evalina Henrikson als Siegerin bei den Frauen. Der ehemalige Crosslauf-Europameister Filip Ingebrigtsen war für den Event angekündigt, fehlte jedoch an der Startlinie. In den Nachwuchsrennen (4,5 km) siegten die Norwegerin Andrea Nygard Vie und der Schwede Karl Ottfalk, zwei Athleten, die in der vergangenen Saison bei den U20-Europameisterschaften Medaillen gewannen.
Mit dabei war auch die mittlerweile 28-jährige Anna Emilie Möller, die auf Rang acht ins Ziel lief. Die mehrfache U23-Europameisterin, auf der Bahn und im Crosslauf, galt vor der Pandemie als eines der größten europäischen Lauftalente. 2025 kehrte die Dänin aus einer dreijährigen Wettkampfpause aufgrund langwieriger Beschwerden im Hüftbereich zurück, wie dänische Medienberichte andeuten. Ihr Niveau von früher hat sie bisher noch nicht wieder erreicht.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © Alexander Schwarz