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Zwei ganz unterschiedliche Storys dominierten den vergangenen Marathon-Sonntag. Bei der 41. Ausgabe des Florenz Marathon, ein Klassiker in der italienischen Laufszene, gelang die Seltenheit eines Heimsiegs. Diese Tatsache bestach nicht allein: Badr Jaafari, ein international unbekannter Läufer, lief bei seinem Marathon-Debüt eine Zeit unter 2:10 Stunden, was auf der schwierigen Strecke des Events in der toskanischen Regionalhauptstadt keine Selbstverständlichkeit ist. Beim International Shanghai Marathon, der zum 29. Mal stattfand, stürmte die ehemalige Weltrekordhalterin Brigid Kosgei zu einer Weltklassezeit.
Dass ein europäischer Sieger einer europäischen Traditionsveranstaltung im Marathon eine Vorstellung selbst im Kreis von Marathon-Insidern braucht, ist die Ausnahme. Doch Badr Jaafari – schon einmal gehört? So heißt der Sieger des Florenz Marathon in einer Zeit von 2:09:58 Stunden. Das ist auf dem teilweise extrem winkligen und mit viel Kopfsteinpflaster versehenen Marathon-Kurs in Florenz absolut beachtlich – nur 1:17 Minuten langsamer als der Streckenrekord.
Wenngleich Jaafari in italienischen Medienberichten im Vorfeld prominent genannt wurde und sein Sieg über die wenig prominente afrikanische Konkurrenz in einer optimistischen Perspektive vielleicht im Bereich des Möglichen schien, ist die Qualität der Leistung jedenfalls eine. Der 27-Jährige gewann 2024 den italienischen Meistertitel im Halbmarathon und repräsentierte Italiens Team bei der Straßenlauf-EM in Belgien im vergangenen Frühling. In seiner kurzen Karriere auf der Bahn schaffte er als 5.000m- und 10.000m-Läufer nicht den Durchbruch, am leistungsstärksten performte er im Jahr 2022. Der Sieg beim Florenz Marathon in einer auf dieser Strecke bemerkenswerten Zeit kündigte kaum eine Leistung aus seiner Vergangenheit an – sie ist auch laut Performance Score von World Athletics die mit Abstand beste bisher in seiner Karriere.

Auf sein Marathon-Debüt hat er sich vorbereitet mit einem Sieg bei StraLugano (10 km in 28:49), den italienischen Meisterschaften im Halbmarathon (Fünfter in 1:01:48, eine Bestleistung) und den italienischen Meisterschaften im 10km-Lauf vor vier Wochen (Zweiter in 29:02). Nun ist Jaafari der 21. Italiener mit einer Marathon-Bestleistung unter 2:10 Stunden.
Weit vorne in der Rangliste des Florenz Marathon platzierte sich auch ein Österreicher. Michael Bidmon (ÖBV Pro Team) war der beste Läufer im Feld ohne Elite-Startnummer. Mit einem negativen Split platzierte er sich auf Position acht, seine Zeit: 2:22:56 Stunden.
Bidmon ist 26 Jahre jung und hat laut der Datenbank „Marathon Austria“ bisher fünf Marathonläufe bestritten. Die Zeit von Florenz (2:22:50 netto) ist dabei die mit Abstand schnellste – eine Steigerung von fast vier Minuten gegenüber dem Berlin Marathon vor gut zwei Monaten.
„Es war eine wunderschöne Emotion im Ziel. Ich bin ein paar Minuten schneller gelaufen als ich eigentlich hätte sollen. Die Atmosphäre hier in Florenz war herausragend und das hat geholfen, Widerstand gegen die niedrigen Temperaturen zu zeigen“, jubelte Jaafari. „Ich hätte mir kein besseres Debüt wünschen können.
In den Enthusiasmus mit einstimmen konnte Fabio Burchi, Präsident des Florenz Marathon: „Wir sind überglücklich, einen italienischen Sieger zu feiern und noch viel glücklicher, eine Veranstaltung mit Teilnehmerrekord erlebt zu haben. Es war ein Tag voller Emotionen.“
Rund 15.000 Läufer*innen, davon rund 40% aus 39 ausländischen Nationen, hatten sich für die Veranstaltung, die neben dem Marathon auch einen 10km-Lauf sowie eine Staffel und einen Familienlauf am Vortag, vorsah, angemeldet. Etwas über 6.000 Laufbegeisterte finishten die Marathon-Distanz mit dem Zieleinlauf direkt vor dem weltberühmten Florentiner Dom.
Eineinhalb Minuten Rückstand hatte der Äthiopier Begawo Asnake im Ziel knapp, der Kenianer Ishmael Chelanga folgte elf Sekunden später. Siegerin bei den Frauen war die Äthiopierin Tsega Desta in einer Zeit von 2:30:37 Stunden. Sie setzte sich mit fast drei Minuten Vorsprung vor Betty Chepkwony aus Kenia durch. Die zweitbeste Kenianerin, Sofia Jebiwott, lag noch bis kurz vor Schluss gleich auf mit der Zweitplatzierten, ehe sie zwei weitere Minuten einbüßte.

Die noch größere Schlagzeile des Marathon-Sonntags schrieb der Shanghai Marathon: 2:16:36 Stunden – exakt vier Minuten blieb Brigid Kosgei unter dem bisherigen Streckenrekord einer der großen Marathon-Veranstaltungen Chinas neben den Marathons in Peking und Xiamen. Es ist die drittschnellste Marathonleistung in der langen Karriere der 31-Jährigen, die 2019 in Chicago den drei Jahre gültigen, ehemaligen Weltrekord von 2:14:04 Stunden aufgestellt und 2021 bei den Olympischen Spielen in Japan die Silbermedaille gewonnen hat. Der neue Shanghai-Streckenrekord der Kenianerin ist mit Abstand die schnellste je auf chinesischem Boden erzielte Marathonzeit. In Asien haben nur mehr der Tokio Marathon und der Dubai Marathon einen schnelleren Streckenrekord als der Shanghai Marathon.
Der Wettkampf der Frauen in der chinesischen Hafenmetropole entwickelte sich früh als kenianisches Duell mit Irine Cheptai. Das Duo überquerte die Zeitnehmungsmatte beim Halbmarathon begleitet von Tempomachern in unter 1:09 Stunden. Damit lag die Spitze exakt auf Kurs der schnellsten je in China erzielten Marathonzeit von 2:18:09 Stunden, aufgestellt von Ruti Aga in Dongying 2023. Nach rund 30 Kilometern konnte Cheptai, Siegerin des Hamburg Marathon 2024, in ihrem vierten Marathon das Tempo ihrer routinierten Landsfrau nicht mehr mitgehen.
Kosgei hielt ihr Tempo konstant hoch und finishte mit einem deutlichen Negativsplit in 2:16:36 Stunden. Cheptai, 2017 Weltmeisterin im Crosslauf, beendete den Marathon nach 2:18:51 Stunden auf Platz zwei, die Äthiopierin Tiruye Mesfin in 2:20:38 Stunden auf Platz drei. Ein ungewohnter Fakt in der jüngeren Geschichte des Shanghai Marathon, der überwiegend von äthiopischen Läuferinnen gewonnen wurde. Den letzten kenianischen Sieg in Shanghai bei den Frauen gab es 2015, es war der bisher einzige in der Veranstaltungsgeschichte.
Vorjahressiegerin Bekelech Gudeta aus Äthiopien und Chinas aktuell stärkste Marathonläuferin Zhang Des Hun, bei den Weltmeisterschaften in Tokio 30. und zuletzt Siegerin bei den Nationalspielen, waren auch Teil des Elitefelds.
Der Shanghai International Marathon, eine mit dem Platin-Label von World Athletics ausgezeichnete Veranstaltung, war bereits der dritte im Saisonverlauf für Brigid Kosgei. Beim Hamburg Marathon im Frühling und beim Sydney Marathon Ende August belegte sie den zweiten Platz, der Sieg in Shanghai ist ihr erster in einem Marathon seit knapp zwei Jahren.
Einen hochspannenden Wettkampf gab es bei den Männern. Der ehemalige Berlin-Sieger Milkesa Mengesha setzte sich in einer Zeit von 2:06:26 Stunden mit nur zwei Sekunden Vorsprung auf Dawit Wolde durch. Topfavorit Deresa Geleta komplettierte in 2:06:36 Stunden den äthiopischen Dreifachsieg.
Noch bei Kilometer 30 bestimmte eine neunköpfige Spitzengruppe rund um Vorjahressieger und Streckenrekordhalter Philimon Kipchumba aus Kenia das Geschehen. Auch Chinas Bester, Feng Pei You, gestaltete den Wettkampf mit. Auf den letzten Kilometern formierte sich das äthiopische Trio, welches die ersten drei Plätze unter sich ausmachte. Die endgültige Entscheidung fiel dabei erst auf der Zielgerade – zugunsten des 25-jährigen Mengesha, der seinen dritten Sieg im sechsten Marathon feierte.
Dass sich der Shanghai International Marathon gegenwärtig – wie der Kapstadt Marathon auch – in der Bewerbungsperiode für die Aufnahme in den erlesenen Kreis der World Marathon Majors befindet, merkte man nicht nur in der Veranstaltungsgröße. Rund 23.000 bestritten die 42,195 Kilometer durch die chinesische Metropole – übrigens bei besten äußeren Bedingungen und blauem Himmel über der Stadt. Davon kamen rund 2.000 aus dem Ausland, wie die chinesische Plattform City News Service berichtet. Auch die spitzensportliche Besetzung war entsprechend, nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Männern.
Mengesha überraschte 2024 in Berlin mit seinem Sieg in persönlicher Bestzeit von 2:03:17 Stunden. Wolde hat Anfang Jänner den Xiamen Marathon gewonnen und strebte nach seinem persönlichen China-Doppel, nur der Endspurt verhinderte es. Und Geleta war nach seinem Sieg beim Sevilla Marathon 2024 sogar Teil des äthiopischen Teams im Olympischen Marathon von Paris 2024, wo er als Fünfter nicht enttäuschte. Der 29-Jährige ist bereits dreimal in seiner Karriere unter 2:05 Stunden gelaufen, zuletzt beim Valencia Marathon 2024 (2:02:38) und beim Tokio Marathon 2025, wo er jeweils Zweiter wurde. 2023 hatte Geleta mit seinem Sieg beim Peking Marathon bereits einmal einen tollen Erfolg in China gefeiert, dieses Mal gelang der ganz große Wurf nicht. Außerdem waren mit dem Äthiopier Berhanu Legese und dem Kenianer Titus Kipruto zwei weitere sub-2:05-Läufer auf der Startliste.
Mit der WMM-Aufnahme des Shanghai Marathon könnte die chinesische Marathonszene einen neuen Aufschwung generieren, mit höherer internationaler Beteiligung. So ist es zumindest in Australien rund um den Major-Neuzugang Sydney Marathon zu spüren.
Überhaupt läuft es gerade gut für die chinesische Leichtathletik, zumindest für das, was im internationalen Schaufenster steht. Der Chinesische Leichtathletik-Verband (CAA) erhielt vor wenigen Tagen den offiziellen Member Award vom Leichtathletik-Weltverband aufgrund Entwicklungen bei institutioneller Innovation, Durchführung von Events, Entwicklungsprogrammen im Nachwuchs, Gendergleichheit und wirtschaftlicher Zusammenarbeit. So steht es in einer Presseaussendung des Weltverbandes. Im März hat China die Hallen-WM in Nanjing ausgerichtet, bereits 2027 ist man mit der Hauptstadt Gastgeber der Freiluft-Weltmeisterschaften. Dazu bleibt China ein wichtiger Asien-Anker in der Diamond League und mit weiteren Meetings in der World Athletics Continental Tour.
🇪🇸 Marathon-Europameisterin Fatima Ouhaddou aus Spanien hat am Sonntag den Halbmarathon in Cordoba in ihrer Heimat gewonnen. Als schnellste Läuferin der insgesamt rund 7.700 Gemeldeten, ein neuer Veranstaltungsrekord, erreichte die 32-Jährige das Ziel bei Dauerregen in einer Zeit von 1:11:34 Stunden. Es ist laut der spanischen Sportzeitung „As“ die zweitschnellste Zeit, die je bei dieser Veranstaltung erzielt wurde.
🇰🇷 Bereits letztes Wochenende hat die für Rumänien startende Kenianerin Joan Chelimo den Incheon Marathon in Südkorea gewonnen. In ihrem ersten Wettkampf seit dem Olympischen Marathon von Paris, den sie aufgab, setzte sie sich gegen die Äthiopierinen Enatnesh Tirusew und Yeshi Chekole durch. Die 35-Jährige sprang auf Rang drei der europäischen Jahresbestenliste. 100% ihrer beiden Marathonsiege hat sie auf südkoreanischem Boden erzielt – den ersten beim Seoul Marathon 2022.
🇷🇸 Elzan Bibic hat im Rahmen des Belgrad Halbmarathon am 23. November einen neuen serbischen Rekord aufgestellt. Der 26-Jährige, seit Jahren der bekannteste Läufer seines Landes, verbesserte als Wettkampfsieger in einer Zeit von 1:01:47 Stunden den 27 Jahre alten Rekord von Janko Bensa. Nur eine Woche zuvor hatte Bibic in 28:45 Minuten auch den serbischen 10km-Rekord verbessert.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © SIP / Johannes Langer