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Die Lauf-Champions der Saison 2026

Das Finale der Wanda Diamond League und die World Athletics Ultimate Championships bildeten die globalen Höhepunkte der Leichtathletik-Saison 2026.
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Audrey Werro begann die Freiluftsaison als Nummer eins und sie hielt ihren Status über die lange Wettkampfsaison bis zum Finale mit zwei Siegen in Brüssel und Budapest. Auch Jakob Ingebrigtsen und Meilen-Weltrekordhalter Josh Kerr feierten bedeutende Erfolge. Wie die Schweizer 800m-Läuferin triumphierte auch Klaudia Kazimierska zweimal – ihr Doppelsieg beim Diamond-League-Finale und bei den neuen World Athletics Ultimate Championships war im Gegensatz zu Werro aber ein überraschender.

Spätestens nach ihren beiden September-Galas ist Klaudia Kazimierska die Aufsteigerin der Saison im Laufsport der Frauen. Am Saisonbeginn war die seit wenigen Tagen 25-jährige Studentin an der University of Oregon vorwiegend nur den polnischen Leichtathletik-Fans und den Kennern der US-Collegeszene ein Begriff, nun ist sie ein internationaler Star. Sowohl beim Diamond-League-Finale in Brüssel als auch bei den World Athletics Ultimate Championships bestach sie nicht nur mit überraschend starken Leistungen, sondern auch mit einem beeindruckenden Selbstverständnis im direkten Duell mit den Stars der Szene im Bemühen um die lukrativen Wettkampfsiege.

Finals in Paris und Tokio

Kazimierska kann wenig Erfolge in Nachwuchsklassen vorweisen, 2018 gewann sie die Bronzemedaille bei den U18-Europameisterschaften in Györ. Sechs Jahre später gelang ihr ein erster bemerkenswerter Entwicklungssprung in ihren Leistungen. Mit einer, damals, gewaltigen persönlichen Bestleistung von 4:01,89 Minuten beim Heimmeeting in Bydgoszcz qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele von Paris, bei denen sie mit einer neuerlichen deutlichen Bestleistung sensationell ins Finale vorstieß und dort mit einer weiteren Steigerung Platz zehn belegte. Im letzten Saisonrennen gelang bei der Diamond League in Chorzow wenig später ihr erster 1.500m-Lauf unter vier Minuten.

Klaudia Kazimierska beim Diamond-League-Finale 2026. © Marta Gorczynska for Diamond League AG

Der Trend führte sich 2025 fort. Bei einem Meeting an ihrem Studienort Eugene kratzte die vom bekannten US-Coach Jerry Schumacher trainierte Athletin im 800m-Lauf an der Zwei-Minuten-Marke, bei der WM in Tokio gelang neuerlich der Sprung ins 1.500m-Finale. Im WM-Endlauf nutzte die Polin das perfekte Umfeld des schnellen Rennens zu einer fulminanten persönlichen Bestleistung von 3:57,95 Minuten, mit der sie den starken siebten Platz belegte.

In der aktuellen Wettkampfsaison gelang Kazimierska der nächste bemerkenswerte Entwicklungssprung. Im 800m-Lauf steigerte sie sich zu Saisonbeginn auf 1:58,18 Minuten und später beim ISTAF um noch weitere sieben Hundertstelsekunden. Bei den Europameisterschaften von Birmingham holte sie auf überzeugende Art und Weise die Silbermedaille und glänzte beim Diamond-League-Meeting in Chorzow eine Woche später mit einem polnischen Rekord von 3:55,59 Minuten. Erstmals hatte Kazimierska die Fühler Richtung eines ganz großen Triumphs ausgestreckt.

Memorial van Damme 2026

Kazimierskas größte Erfolge

Dieser folgte am 5. September in Brüssel. Die Australierin Jessica Hull, Olympia- und WM-Medaillengewinnerin in dieser Disziplin, diktierte das Rennen. Doch Kazimierska drängte sich mit einer entschlossenen Tempoverschärfung vor der letzten Kurve an der 29-Jährigen vorbei an die Spitze des Wettkampfs. Aus der zweiten Reihe mussten die Kenianerin Dorcas Ewoi, in verletzungsbedingter Abwesenheit von Topstar Faith Kipyegon die stärkste Kenianerin in dieser Disziplin in diesem Jahr, und Europameisterin Georgia Hunter Bell mit ansehen, wie die Polin das Duell mit der Australierin für sich entschied. „Das Ergebnis überrascht mich, wie es jeden anderen auch überrascht. Ich habe in diesem Jahr noch nichts gewonnen und wollte endlich mal wieder ganz vorne sein“, jubelte die Siegerin.

Kazimierskas Endspurt war überzeugend und endete hochklassig: In einer Zeit von 3:54,05 Minuten pulverisierte sie ihren eigenen polnischen Rekord um eineinhalb Sekunden, die Weltjahresbestleistung der Äthiopierin Tsige Duguma um eine Sekunde und den Meetingrekord von Kipyegon um 0,7 Sekunden. Im Interview mit der Diamond League verriet sie: „Ich war komplett darauf fokussiert, im Rennen einfach ich selbst zu sein. Ich ernte nun die Früchte meiner kontinuierlichen Arbeit und diese Erfolge kommen für mich jetzt zur perfekten Zeit.“ Ewoi überspurtete mit einer persönlichen Bestleistung von 3:54,72 Minuten Hull noch um eine Hundertstelsekunde, die ihrerseits den schnellsten Wettkampf ihrer Saison zu Ende brachte. Europameisterin Hunter Bell wurde in 3:56,40 Minuten vor Nikki Hiltz Vierte.

Klaudia Kazimierska beim Sieg bei den Ultimate Championships. © Maja Hitij / World Athletics via Getty Images

Aus Brüssel nahm Kazimierska enormes Selbstvertrauen mit nach Budapest, denn dort agierte sie auf vergleichbare Weise, auch wenn sich die Renncharakteristik durch die Abwesenheit einer Tempomacherin beim Meisterschaftsrennen veränderte. Dieses Mal war Hunter Bell, bei der EM in Birmingham noch klare Siegerin vor der Polin, ihre Hauptgegnerin eingangs der letzten Kurve. Die Engländerin wehrte sich und konterte, Schulter an Schulter ging es im Kampf um den Sieg auf Zielgerade. Kazimierska behielt im Schlussspurt die Nase vorne: 3:57,55 zu 3:57,72 Minuten. „Ich habe in diesem Jahr in den Wettkämpfen so viel gelernt. In meinem Kopf hat sich viel abgespielt. Ich denke, mit diesen Erfolgen habe ich mich auch mental irgendwie befreit“, sagte sie nach dem Sieg.

Mit den zweitschnellsten finalen 100 Metern sicherte sich die US-Amerikanerin Nikki Hiltz in 3:58,16 Minuten noch den dritten Platz vor den Ostafrikanerinnen Hailu und Ewoi, die dieses Mal chancenlose Hull musste sich mit Rang neun zufrieden geben.

Ende einer Traumsaison

Audrey Werros Saison gehört zu den beeindruckendsten einer Mittelstreckenläuferin in der Geschichte der Leichtathletik. Dreimal unterbot die junge Schweizerin im 800m-Lauf die Marke von 1:54 Minuten, was seit über vier Jahrzehnten niemand mehr gelungen ist. Sie gewann alle zwölf Wettkämpfe (Vorläufe ausgenommen) in dieser Saison, zehn davon auf ihrer Hauptdistanz, und war dabei nie langsamer als die Zeit von 1:57,21 Minuten, die zum Gewinn des Schweizer Meistertitels reichte. Und natürlich wurde sie auch Europameisterin.

Diese Erfolgsserie ereignete sich in einer Disziplin, in der Werro sich durchaus mit prominenter Konkurrenz auseinandersetzen musste. Sie hatte Olympiasiegerin Keely Hodgkinson aber genauso unter Kontrolle wie Neueinsteigerin Femke Broeders-Bol, die ihr zweimal gefährlich nahegekommen ist und sie beinahe besiegt hätte.

© Dan Vernon for Diamond League AG

So eben auch beim Diamond-League-Finale in Brüssel, wo Werro ihren Finalerfolg aus dem letzten Jahr wiederholen konnte. Die Holländerin, einst Spitzenläuferin im 400m-Hürdensprint, folgte ihr auf Schritt und Tritt und holte in den letzten Atemzügen des Rennens zum Überholmanöver aus. Es gelang nicht ganz, Werro sicherte sich in 1:54,75 Minuten den Sieg mit sechs Hundertstelsekunden Vorsprung auf Broeders-Bol, die mit einem Belgier verheiratet ist und damit die Gunst des Publikums auf ihrer Seite hatte. Die drittplatzierte Veronica Vancardo, eine Landsfrau Werros, hatte sage und schreibe vier Sekunden Rückstand auf die Siegerin.

„Das war das letzte große Ziel dieser Saison für mich: meinen Diamond-League-Titel zu verteidigen“, jubelte Werro nach dem Sieg in Brüssel, wo sie den 18 Jahre alten Meetingrekord der Kenianerin Pamela Jelimo verbesserte. „Ich habe den Druck von Femke während des ganzen Rennens gespürt. Sie hat mich gepuscht, auf keinen Fall locker zu lassen. Ihr Dasein ist eine enorme Quelle der Motivation für mich, im Hinblick auf die nächste Saison einen weiteren Schritt zu machen.“

Schweizer Macht über 800m

Dass Werro der Angriff auf den Uralt-Weltrekord von Jarmila Kratochvilova (1:53,28) in dieser Saison noch nicht gelungen ist, ist maximal ein kleiner Schönheitsfehler dieses traumhaften Sommers. Auch wenn ihr Statement nach dem Diamond-League-Finale nach Saisonende klang, war die Schweizerin eine Woche später auch bei den Ultimate Championships in Budapest am Start. Dort gesellte sich Keely Hodgkinson zu Femke Broeders-Bol und bildete mit ihr ein Top-Duo in der Rolle der Herausforderer. Doch Werro lief auch in Budapest, dieses Mal ohne Tempomacherin, wie gewohnt von vorne und ließ ihren Rivalinnen in einer Zeit von 1:55,88 Minuten keine Chance. „Auf der einen Seite ist es verrückt, auf der anderen Seite das, worauf ich seit Jahren hingearbeitet habe“, meinte Werro zu ihrer blütenweißen Weste in der Wettkampf-Freiluftsaison 2026.

Werro hielt Hodgkinson in Budapest deutlich hinter sich. © Maja Hitij / World Athletics via Getty Images

Hodgkinson wirkte nie in der Lage, die Schweizerin wirklich fordern zu können, schnappte sich auf der Zielgerade immerhin noch Broeders-Bol und wurde in 1:56,26 Minuten Zweite. Hinter der Holländerin war die US-Amerikanerin Addison Wiley in Saisonbestleistung von 1:57,54 Minuten „Best of the Rest“ vor Valentina Rosamilia. Dass mit ihr und ihrer Landsfrau Vancardo, die letztendlich nicht antrat, drei Schweizerinnen Startplätze in Budapest hatten, verleiht der Schweizer Stärke im 800m-Lauf ein großes Ausrufezeichen. Das Trio hatte bereits geschlossen das EM-Finale von Birmingham erreicht.

Sedjatis größter Erfolg

Es lief nicht alles glatt in der Saison von Emmanuel Wanyonyi, die erste Saison, die der 22-Jährige als Vater bestritt. Der Kenianer, Olympiasieger und amtierender Weltmeister, benötigte vier Diamond-League-Rennen in dieser Saison, bis vor drei Wochen in Lausanne endlich ein Erfolg gelang. Rechtzeitig zum Finale der Saison schien Wanyonyi einen Lauf aufzunehmen, er dominierte auch in Zürich und beim Diamond-League-Finale in Brüssel, wo er von vorne zu einer Zeit von 1:41,80 Minuten stürmte. Nur ein Hauch fehlte auf seine eigene Weltjahresbestleistung, dafür fiel der fast drei Jahrzehnte alte Meetingrekord der kenianisch-dänischen Mittelstreckenlegende Wilson Kipketer.

© Dan Vernon for Diamond League AG

Doch der Lauf endete in Budapest, wo Wanyonyi sich in einer Zeit von 1:42,44 Minuten mit Platz drei zufrieden geben musste. Der bekannt endschnelle Djamel Sedjati, der in Brüssel sich mit dem zweitschnellsten Endspurt hinter Wanyonyi noch Platz zwei sicherte (1:42,71), feierte bei den Ultimate Championships den größten Erfolg seiner Karriere. In 1:41,91 Minuten, seiner persönlich sechsten Leistung unter 1:42 Minuten, sicherte sich der zweifache WM-Silbermedaillengewinner und Olympia-Dritte von Paris den Sieg vor Marco Arop, der in Brüssel noch etwas kraftlos wirkte. Bemerkenswert war dabei die Endstärke des 27-jährigen Algeriers, der dem bis ausgangs der Kurve führenden Kanadier auf den letzten 100 Metern über eine Sekunde abnahm.

© Mattia Ozbot / World Athletics via Getty Images

Nur ein Kontrahent hatte ein ähnlich phänomenales Finish wie Sedjati. Francesco Pernici pulverisierte in 1:42,67 Minuten seinen eigenen italienischen 800m-Rekord um fast eine Sekunde (!) und belegte hinter US-Shootingstar Brandon Miller den fünften Platz. Bemerkenswert für ein Meisterschaftsrennen: Zwei weitere Läufer freuten sich über persönliche Bestleistungen, nämlich der irische Europameister Mark English und der Franzose Yanis Meziane, beide zeitgleich in 1:42,78 Minuten.

Jagd auf die Diamanten

Am ersten September-Wochenende ging im König Balduin Stadion von Brüssel beim traditionsreichen Memorial van Damme der Höhepunkt der diesjährigen Diamond-League-Saison über die Bühne. In 14 Qualifikationsmeetings hatten die Athletinnen und Athleten Punkte gesammelt, um sich für das Finale in Belgiens Hauptstadt zu qualifizieren. Im ultimativen Wettkampf der Diamond-League-Saison konnten die Siegerinnen und Sieger zwischen 30.000 und 60.000 US-Dollar (das entspricht 26.000 bzw. 52.000 Euro) verdienen und wurden mit der Diamond Trophy ausgezeichnet.

Die Wanda Diamond League ist die wichtigste und prestigeträchtigste Meetingserie der Welt. Sie umspannt den Spätfühling und Sommer und richtet Meetings an 15 Schauplätzen auf vier verschiedenen Kontinenten aus, die traditionsreichsten Leichtathletik-Meetings der Welt inklusive. Es war die bereits 17. Saison der Diamond League, die 2010 die ehemalige Golden-League-Serie ablöste.

Kerr und Ingebrigtsen auf der Siegerstraße

Erstmals seit den Commonwealth Games Anfang August betrat Josh Kerr in Budapest wieder die Wettkampfbühne. Der Schotte, der vor zwei Monaten in London den Meilen-Weltrekord verbesserte, lauerte im 1.500m-Lauf im Hinterfeld, als erst der Deutsche Robert Farken und dann der Amerikaner Yared Nuguse das Tempo bestimmten. Dann, als die Glocke zur letzten Runde ertönte, beschleunigte er und dominierte die Schlussphase. In einer Zeit von 3:29,35 Minuten feierte Kerr einen überlegenen Sieg vor Cameron Myers aus Australien und Hobbs Kessler aus den USA. Olympiasieger Cole Hocker hatte das ganze Rennen über keine Chance auf den Sieg, sein bekannt schneller Endspurt zog ihn immerhin noch zu einer Saisonbestleistung in 3:30,74 Minuten auf Platz vier.

© Mattia Ozbot / World Athletics via Getty Images

In Abwesenheit von Kerr hatte eine Woche zuvor Cameron Myers seinen größten Erfolg gefeiert. Der 20-jährige Australier gewann das hochspannende Diamond-League-Finale in einer Zeit von 3:30,14 Minuten hauchdünn im Duell gegen den Kenianer Phanuel Koech. „Großartig: Erstes Diamond-Leageue-Finale, erster Sieg! Es fühlt sich surreal an, überrascht bin ich trotzdem nicht“, jubelte der Youngster. Im ebenfalls engen Kampf um Platz drei hatte Ethan Strand aus den USA die Nase gegen Jakob Ingebrigtsen und Yared Nuguse vorne. Der Norweger hatte den Wettkampf lange Zeit angeführt und einen weiteren Schritt auf seinem Comeback-Weg gemacht, nämlich eine Saisonbestleistung von 3:30,52 Minuten.

© Dan Vernon for Diamond League AG

Ingebrigtsens Glanzstück der Saison war das Comebackrennen: Bei den Europameisterschaften von Birmingham stürmte er über 5.000m mit fast keiner Wettkampferfahrung seit zwei Jahren zum Titel. In Budapest legte er ein weiteres Glanzstück nach. In einem Wettkampf nach seinem Geschmack spielte der Norweger im 5.000m-Lauf seine Endschnelligkeit aus und siegte in einer Zeit von 12:59,24 Minuten deutlich vor dem amtierenden Weltmeister Cole Hocker und dessen amerikanischen Landsmann Parker Wolffe. „Ich hatte wirklich keine großartige Saison und vor einigen Wochen stand sie sogar auf der Kippe. Nun habe ich viel erreicht in den letzten Rennen und bin extrem happy über diesen Sieg hier und dankbar für die Gesamtentwicklung“, freute sich der Norweger, der erst zum zweiten Mal in seiner Karriere im 5.000m-Lauf unter 13 Minuten geblieben ist.

© Maja Hitij / World Athletics via Getty Images

Beim Diamond-League-Finale in Brüssel hatte noch Birhanu Balew mit einem neuen Asienrekord von 12:45,70 Minuten geglänzt und den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere gefeiert.

World Athletics Ultimate Championships 2026

El Bakkali geschlagen

Der Ultimate Championship Titel im 5.000m-Lauf der Frauen ging an die Äthiopierin Likina Amebaw, die sich in einer Zeit von 14:30,36 Minuten deutlich vor der Australierin Jessica Hull, die eine persönliche Bestleistung von 14:32,39 Minuten schaffte, und ihrer Landsfrau Fantaye Belayneh durchsetzte. Beim Diamond-League-Finale eine Woche davor hatte Amebaw noch das Nachsehen gegen ihre endschnelle Landsfrau Freweyni Hailu, die eine Zeit von 14:35,20 Minuten lief.

© Dan Vernon for Diamond League AG

Die 3.000m-Hindernisläufe standen in Budapest nicht auf dem Programm, lieferten dafür aber spannende Entscheidungen auf der Jagd nach dem Diamanten. Bei den Frauen übertrumpfte Faith Cherotich mit einem Meetingrekord von 8:51,61 Minuten Olympiasiegerin Winfred Yavi, die bis zum letzten Wassergraben geführt hatte. Auch Cherotichs Landsfrau Doris Lemngole spurtete auf den letzten Metern noch an Yavi vorbei und erreichte eine persönliche Bestleistung von 8:52,86 Minuten.

Bei den Männern erlitt Soufiane El Bakkali seine zweite Saisonniederlage – das ist bei seiner Dominanz seit Jahren durchaus eine Seltenheit. Mehr Niederlagen im 3.000m-Hindernislauf innerhalb einer Wettkampfsaison gab es für den 30-Jährigen 2019. Der Marokkaner hatte in jener Arena, in der er 2023 souverän Weltmeisterin wurde, keine Antwort auf die Attacke des äthiopischen Aufsteigers der Saison, Gemechu Godana, der in einer Zeit von 8:08,67 Minuten seinen ersten Diamond-League-Finalsieg sicherte. Bester Europäer war Ruben Querinjean aus Luxemburg als Vierter hinter dem Kenianer Simon Koech.

Der neue Höhepunkt

Die World Athletics Ultimate Championships sind das neueste Wettkampfformat, das der Leichtathletik-Weltverband eingeführt und mit viel Kraft beworben hat. Nach der Premiere am vergangenen Wochenende in Budapest soll es zweijährlich als Saisonfinale über die Bühne gehen und die besten Athletinnen und Athleten im direkten Wettbewerb gegeneinander um den Sieg kämpfen lassen. WA-Präsident Sebastian Coe, ein erklärter Fan des neuen Formats, äußerte sich nach dem Wochenende begeistert: „Es war ein unglaubliches Wochenende. Das Feedback der wichtigsten Stakeholder ist durchwegs positiv. Das hilft uns, den Event in Zukunft noch größer zu machen.“

Im Unterschied zu den klassischen globalen Höhepunkten wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zählt World Athletics auf ein kompakteres, showorientiertes und zuschauerfreundlicheres Format als bei einer klassischen WM. Ein weiteres kräftiges Argument für die Weltbesten: ein Preisgeld von 10 Millionen US-Dollar insgesamt. Jede Siegerin und jeder Sieger verdiente in Budapest 150.000 US-Dollar (das entspricht rund 130.000 Euro) – und damit deutlich mehr als in der Wanda Diamond League. Medaillen wurden keine vergeben, dafür erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein personalisiertes Armband. Jenes der Siegerinnen und Sieger komplettierte ihre Trophäen.

Die WM-Arena von 2023 in der ungarischen Hauptstadt war an allen drei Wettkampftagen ausverkauft. Die Zuschauer:innen erlebten ein spektakuläres Format mit innovativen Inszenierungen und hochklassigem Sport. Startberechtigt waren neben den Olympiasiegern von Paris, den Weltmeistern von Tokio und den frisch gebackenen Diamond-League-Siegern die Bestplatzierten in der Weltrangliste. Die drei Wild Cards erhielten Josh Kerr, Jakob Ingebrigtsen und Gianmarco Tamberi. Aufgrund des engen Zeitplans standen in Budapest nicht alle Disziplinen auf dem Programm, was in der Szene Kritik hervorrief. Unter anderem fehlten die 3.000m-Hindernisläufe, etliche Wurfdisziplinen und der Dreisprung der Männer.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Maja Hitij / World Athletics via Getty Images, © Mattia Ozbot / World Athletics via Getty Images, © Marta Gorczynska for Diamond League AG, © Dan Vernon for Diamond League AG

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