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Die neuen Weltrekorde der kenianischen Stars

Beatrice Chebet und Faith Kipyegon haben beim Prefontaine Classic Anfang Juli in Eugene binnen eineinhalb Stunden die Weltrekorde über 5.000m und 1.500m verbessert.
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Beatrice Chebet und Faith Kipyegon glänzten Anfang Juli beim Diamond-League-Meeting in Eugene mit neuen Weltrekorden im 5.000m-Lauf bzw. im 1.500m-Lauf. Beide neuen Bestmarken kamen nicht völlig überraschend daher. Die beiden Aushängeschilder des kenianischen Laufsports der Frauen im Stadion untermauerten zwei Monate vor den Weltmeisterschaften in Tokio ihren Nummer-eins-Status in ihrem jeweiligen Metier. Beachtlich: Beide imponierten mit ihren Schlussrunden, sowohl Chebet als auch Kipyegon absolvierten die letzten 200 Meter ihrer Rennen in einem Split von 28,8 Sekunden. Die beiden Weltrekorde der Kenianerinnen waren die absoluten Highlights eines unglaublichen Meetings mit grandiosen Laufentscheidungen.

sub-14

Der Meilenstein der ersten sub-14-Zeit im 5.000m-Lauf wäre beinahe bereits vor zwei Jahren gefallen, ebenfalls am Hayward Field. Damals sensationell und eher unerwartet, verbesserte Gudaf Tsegay den damaligen Weltrekord von Faith Kipyegon, gerade einmal drei Monate alt, um fünf Sekunden auf eine Zeit von 14:00,21 Minuten. Seinerzeit war Beatrice Chebet als aufstrebender Star in der Szene noch Zweite – fast sechs Sekunden hinter ihrer Kontrahentin aus Äthiopien.

Matthew Quine For Diamond League AG

Doch ab der Saison 2024 übernahm die zweifache Crosslauf-Weltmeisterin das Kommando im Langstreckenlauf der Frauen und gewann bei den Olympischen Spielen von Paris die Goldmedaille sowohl im 5.000m-Lauf als auch im 10.000m-Lauf. Wenige Wochen davor hatte sie den Weltrekord im 10.000m-Lauf pulverisiert und als erste Läuferin eine Zeit unter 30 Minuten auf die Bahn gezaubert. Am Hayward Field in Eugene. Als nächstes Ziel deklarierte sie den Weltrekord im 5.000m-Lauf verbunden mit der historischen Leistung der ersten Zeit unter 14 Minuten.

Prefontaine Classic 2025

Grandioses Finish

Dabei sah es kurze Zeit nicht mehr nach Weltrekord aus, denn das Tempo auf dem vierten Kilometer war nicht so überragend hoch wie davor, außerdem waren die Bedingungen mit den hohen Temperaturen gar nicht optimal und Chebet musste den Großteil des Rennens von vorne laufen. Doch die Kenianerin zeigte wie schon vor knapp einem Monat beim Diamond-League-Meeting in Rom ihre Stärke in den finalen Umläufen und beschleunigte auf beeindruckende Art und Weise. Bis zum Ende der vorletzten Runde konnten ihre Hauptkontrahentinnen folgen, danach gehörte die Bühne alleine dem Superstar. Die Diamond League sieht eine Preisgeld-Struktur von 10.000 US-Dollar für einen Wettkampfsieg plus 50.000 US-Dollar Weltrekordprämie vor (summiert entspricht das in etwa 51.000 Euro) – der Samstagnachmittag in Oregon hat sich für Chebet und Kipyegon auch finanziell gelohnt.

Die ewige Bestenliste im 5.000m-Lauf der Frauen

  • 13:58,06 Minuten – Beatrice Chebet (Kenia), Eugene 2025
  • 14:00,21 Minuten – Gudaf Tsegay (Äthiopien), Eugene 2023
  • 14:01,29 Minuten – Agnes Ngetich (Kenia), Eugene 2025
  • 14:05,20 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Paris 2023
  • 14:06,62 Minuten – Letesenbet Gidey (Äthiopien), Valencia 2020
  • 14:11,15 Minuten – Tirunesh Dibaba (Äthiopien), Oslo 2008
  • 14:12,59 Minuten – Almaz Ayana (Äthiopien), Rom 2016
  • 14:12,88 Minuten – Meseret Defar (Äthiopien), Stockholm 2008
  • 14:12,98 Minuten – Ejgayehu Taye (Äthiopien), Eugene 2022
  • 14:13,42 Minuten – Sifan Hassan (Niederlande), London 2023

Dritte Pionierleistung

Dass die 25-Jährige die Pionierleistung sub-14 drauf haben würde, kündigte bereits ihr Weltrekord im 5km-Straßenlauf zu Silvester in Barcelona an, als sie eine Zeit von 13:54 Minuten erzielte. In Eugene stürmte sie zu einer Zeit von 13:58,06 Minuten, zwei Sekunden unter dem bisherigen Weltrekord. Den hätte beinahe auch ihre Landsfrau Agnes Ngetich geknackt. Die 24-Jährige wurde in einer Zeit von 14:01,29 Minuten Wettkampfzweite. Auch die ehemalige Weltrekordhalterin war im Spitzenfeld des Rennens: Gudaf Tsegay wurde in 14:04,41 Minuten Dritte. Das Spitzentrio erarbeitete sich einen Vorsprung von rund einer halben Minute auf den Rest des Feldes, das hauptsächlich aus kenianischen und äthiopischen Läuferinnen bestand. Die Ausnahmen bildeten die US-Amerikanerin Weini Kelati (Zehnte) und Konstanze Klosterhalfen aus Deutschland (21., 15:14,22).

„Ich bin überglücklich. Seit meinem letzten Wettkampf in Rom habe ich mich auf den Weltrekord vorbereitet“, sagte Chebet. 83 Jahre nach Gunder Hägg aus Schweden bei den Männern geht sie nun als jene Läuferin in die Geschichte ein, die erstmals einen 5.000m-Lauf unter 14 Minuten absolviert hat. Für Chebet, die mit ihren 25 Jahren noch eher am Beginn ihrer Laufbahn steht, ist es bereits die dritte bedeutende Schallmauer, die sie unterbietet: nach den 10.000m und dem 5km-Straßenlauf.

Prefontaine Classic

Das Diamond-League-Meeting in Eugene feierte in diesem Jahr seine 50. Auflage. Das mit Abstand wichtigste und prestigeträchtigste Leichtathletik-Meeting in Nordamerika trägt seinen Namen Prefontaine Classic (PreClassic) in Erinnerung an den 1975 bei einem Autounfall verstorbenen Steve Prefontaine, hoffnungsvolles Talent der University of Oregon. In seiner Geschichte wurden nun neun Weltrekorde erzielt, „Let’sRun.com“ bezeichnete die eineinhalb Stunden zwischen den beiden Weltrekorden am 5. Juli als das Highlight in fünf Jahrzehnten PreClassic.

Weltrekordtriple für Kipyegon

Eineinhalb Stunden lagen zwischen den beiden Weltrekordläufen von Eugene. Faith Kipyegon steigerte jenen über 1.500m-Lauf um 0,36 Sekunden auf eine Zeit von 3:48,68 Minuten, es war ihr bereits dritter Weltrekordlauf über ihre Lieblingsdistanz, die sie seit einem Jahrzehnt fast ununterbrochen dominiert. „In Vorbereitung auf das Ziel, eine Meile unter vier Minuten zu laufen, habe ich mich voll gepuscht. Ich wusste, dass daher eine Zeit unter 3:49 Minuten möglich sein würde. Ich bin sehr dankbar, dass ich den Weltrekord gebrochen habe“, sagte die 31-Jährige nach dem Rennen.

Drei Weltrekorde hintereinander gelangen zuletzt laut „Let’sRun.com“ Gulnara Samitova-Galkina in der damals noch jungen Disziplin 3.000m-Hindernislauf vor knapp 20 Jahren und Haile Gebrselassie Ende der 90er Jahre. Im 1.500m-Lauf glückte dieses Kunststück zuletzt Steve Ovett vor über 40 Jahren.

Ergebnis 1.500m-Lauf der Frauen, PreClassic 2025
1. Faith Kipyegon (Kenia) 3:48,68 Minuten (Weltrekord)
2. Diribe Welteji (Äthiopien) 3:51,44 Minuten (persönliche Bestleistung)
3. Jessica Hull (Australien) 3:52,67 Minuten
4. Georgia Hunter Bell (Großbritannien) 3:54,76 Minuten
5. Nikki Hiltz (USA) 3:55,96 Minuten
6. Sinclaire Johnson (USA) 3:56,93 Minuten
7. Sarah Healy (Irland) 3:57,20 Minuten
8. Saron Berhe (Äthiopien) 3:57,72 Minuten
9. Freweyni Hailu (Äthiopien) 3:57,74 Minuten
10. Emily Mackay (USA) 3:57,91 Minuten

Der Wettkampf lief sehr gut: Sage Hurta-Klecker, amerikanische Top-800m-Läuferin, führte Kipyegon zu einer Zwischenzeit von 2:03,17 Minuten nach 800 Metern. Damit war die Kenianerin doch recht deutlich „langsamer“ als beim missglückten „Breaking-4-Versuch“ eine gute Woche zuvor. Das gab ihr Luft, das Tempo auch in der zweiten Rennhälfte zu halten und den Wettkampf, wie im Vorfeld recht deutlich angekündigt, mit einem neuen Weltrekord zu beenden. Wie Chebet konnte sie im Vergleich zu den auf Weltrekord-Pace eingestellten Wavelights auf der Innenkante der Innenbahn auf der Zielgerade sogar noch beschleunigen. Die letzte Runde bewältige Kipyegon in deutlich unter einer Minute.

© Logan Hannigan-Downs for Diamond League AG

Stark waren auch die restlichen Leistungen: Diribe Welteji wurde in persönlicher Bestleistung von 3:51,44 Minuten Zweite, eine gute Sekunde fehlte zum äthiopischen Rekord von Genzebe Dibaba. Jessica Hull lief in 3:52,67 Minuten die drittschnellste Zeit ihrer Karriere, die viertplatzierte Britin Georgia Hunter Bell in 3:54,76 Minuten ihre zweitschnellste. Hinter dem starken US-Duo Nikki Hiltz und Sinclaire Johnson gelang der Irin Sarah Healy in 3:57,20 Minuten eine persönliche Bestleistung. Zehn Läuferinnen blieben unter 3:58 Minuten.

Die schnellsten 1.500m-Zeiten der Geschichte

  • 3:48,68 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Eugene 2025
  • 3:49,04 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Paris 2024
  • 3:49,11 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Florenz 2023
  • 3:50,07 Minuten – Genzebe Dibaba (Äthiopien), Monaco 2015
  • 3:50,30 Minuten – Gudaf Tsegay (Äthiopien), Xiamen 2024
  • 3:50,37 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Monaco 2022
  • 3:50,46 Minuten – Qu Yun Xia (China), Peking 1993
  • 3:50,72 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Eugene 2023
  • 3:50,83 Minuten – Jessica Hull (Australien), Paris 2024
  • 3:50,98 Minuten – Bo Jiang (China), Shanghai 1997

Wiedergutmachung

Für Kipyegon war der Erfolgslauf von Eugene wohl auch aus mentaler Sicht ein wichtiges Ereignis, schließlich verpasste sie Ende Juni bei einem eigens inszenierten Event in Paris die historische sub-4-Meile deutlich (siehe RunUp.eu-Bericht). Das „Breaking-4“-Projekt, in das ihr Hauptsponsor Nike eine erhebliche finanzielle Summe investiert hat, war trotz der extrem hohen Zielsetzung pompös angekündigt worden, selbst der Superstar konnte sportlich jedoch nicht über sich hinauswachsen. Die britische Tageszeitung „The Telegraph“ kam angesichts des „Scheiterns“ Kipyegons sogar zum Schluss, dass möglicherweise nie eine Frau eine Meile unter vier Minute laufen werde können. Der erfahrene Laufsport-Insider Toni Reavis betonte in seinem Blog, Mutter Natur sei auch mit modernsten technologischen Hilfestellen nicht zu überlisten.

Fachleuten fiel es angesichts des enorm hohen Wunschtraums schwer, Kipyegon nach dem Abend in Paris zu kritisieren, schließlich hat die Kenianerin mit einer unvergleichlichen Dominanz in den letzten Jahren im Mittelstreckenlauf eine fundierte Ausnahmestellung, die sie immer wieder mit außergewöhnlichen Leistungen füttert: Sie hält die Weltrekorde in 1.500m-Lauf und Meile, hat fünf der historisch schnellsten acht 1.500m-Zeiten erzielt, ist dreifache Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin. Einige Beobachter*innen fanden nachher aber, Kipyegon sei an diesem Abend nicht locker genug gelaufen und vermuteten eine hohe mentale Beanspruchung. Recht gab ihr 800m-Superstar Keely Hodgkinson, die vor Ort war und auf der kenianischen Plattform „PulseSports“ so zitiert wurde: „Die Leute können nicht nachempfinden, welcher Druck auf uns herrscht, wenn wir an der Startlinie stehen. Überhaupt wenn es darum geht, präzise Splits zu erfüllen.“

© Matthew Quine For Diamond League AG

Die weiteren Laufhighlights in Eugene

Beinahe hätte das Meeting am Hayward Field noch einen dritten Weltrekord gesehen. Winfred Yavi erzielte im 3.000m-Hindernislauf mit einer phänomenalen Siegerzeit von 8:45,25 Minuten die drittschnellste Zeit der Geschichte, knapp eine Sekunde hinter dem Weltrekord von Beatrice Chepkoech und ihrem nur 0,07 Sekunden „schlechteren“ Asienrekord. Fast noch bedeutender war die Tatsache, dass die Olympiasiegerin die Siegesserie der jungen Kenianerin Faith Cherotich beenden konnte, gegen die sie in dieser Saison bisher immer das Nachsehen hatte. Die talentierte Kenianerin erzielte eine persönliche Bestleistung von 8:48,71 Minuten, Dritte wurde Peruth Chemutai, die Olympiasiegerin von Tokio 2021. Norah Jeruto lief in jenem Stadion, in dem sie 2022 Weltmeisterin wurde, erstmals seit ihrer aufgehobenen Dopingsperre wieder unter neun Minuten. Gesa Krause gab auf, bei einer weiteren Untersuchung wurde festgestellt, dass sie bei ihrem Sturz in Oslo eine Rippenfraktur erlitten hat, wie sie in sozialen Netzwerken mitteilte.

Groß waren die Hoffnungen auf den ersten US-Sieg bei der Bowerman Mile seit fast zwei Jahrzehnten, zumal Seriensieger Jakob Ingebrigtsen noch nicht fit genug für Wettkampfstarts ist. Dieses Mal versalzte ein anderes europäisches Lauftalent den Lokalmatadoren die Suppe. Niels Laros, um den es zuletzt ruhig war, sorgte mit einer grandiosen Leistung für eine Sternstunde und gewann den Wettkampf mit einer Zeit von 3:45,94 Minuten. Damit verbesserte der 20-Jährige nicht nur den holländischen Rekord, sondern auch den U23-Europarekord von Ingebrigtsen. Laros, nun Nummer drei der ewigen europäischen Bestenliste hinter Ingebrigtsen und Kerr, fing mit den letzten Atemzügen noch Yared Nuguse ab, der mit einer Hundertstelsekunde Rückstand Zweiter wurde. Noch auf der Gegengerade war der Europäer deutlich hinter dem Amerikaner gelegen. Es war der bisher größte Sieg des mehrfachen Nachwuchseuropameisters und sein Premierenerfolg in der Diamond League. Seine gegenwärtige Topform bestätigte Azzedine Habz mit einem französischen Meilenrekord von 3:46,64 Minuten noch vor 1.500m-Olympiasieger Cole Hocker, der nur Vierter wurde. Angesichts des Weltrekordversuchs von Faith Kipyegon war die Bowerman Mile ausnahmsweise nicht der letzte Programmpunkt der Prefontaine Classic.

Im 800m-Lauf der Frauen feierte Athing Mu, Olympiasiegerin von Tokio und Weltmeisterin von Oregon 2022, ihre Rückkehr auf ihre Spezialdistanz. Der US-amerikanische Star, seit ihrer Hochzeit mit Doppelnamen Mu-Nikolayev genannt, enttäuschte auf kompletter Linie und belegte mit einer Zeit von 2:03,44 Minuten nur den zehnten Platz. Den Wettkampf dominierten Tsige Duguma aus Äthiopien und Prudence Sekgodiso, die Zeiten von 1:57,10 Minuten und 1:57,16 Minuten erreichten. Das Duo bildet aktuell die Weltspitze in Abwesenheit der großen Drei der letzten Jahre. Mu-Nikolaev hatte in den letzten Jahren mit ihrer Motivation zu kämpfen, zudem warf sie im Frühjahr eine Verletzung zurück. Mary Moraa, Weltmeisterin von 2023, ist in diesem Wettkampfjahr noch weit weg von ihrer Topform und kam auch in Eugene nicht über Rang neun hinaus. Olympiasiegerin Keely Hodgkinson hat ihren Saisoneinstieg aus Verletzungsgründen auf das Meeting in London am 19. Juli verschoben.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Logan Hannigan-Downs for Diamond League AG / © Matthew Quine For Diamond League AG

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