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Die Renaissance der Meile auf der Straße

Die Straßenmeile strebt nach neuer Beliebtheit. Die WM-Premiere ebnete den Weg. In Wien fand am vergangenen Wochenende die adidas Runners Vienna Night Mile zum zweiten Mal statt.
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Die Meile soll als Laufdistanz wieder in werden – nicht auf der Bahn, sondern auf der Straße. Seit kurzem ist die Straßenmeile eine WM-Disziplin. In der Bundeshauptstadt ging am vergangenen Wochenende die zweite Auflage der adidas Runners Vienna Night Mile über die Bühne. Düsseldorf ist seit kurzem jene Stadt, in der Meilen-Weltrekord gelaufen wurde.

Vergangenen Samstagabend waren Laufschuhe und Laufkleidung die beliebtesten Modeerscheinungen entlang der Mariahilferstraße. Denn die weltbekannte Shoppingmeile war bei der zweiten Auflage der adidas Runners Vienna Night Mile für einen Abend eine Laufstrecke. Der Laufbewerb war eingebettet in Party-Stimmung der hereinbrechenden Samstagnacht. „Die besondere Strecke, die nächtliche Atmosphäre, der Zeitpunkt am Ende des Sommers: Die adidas Runners Vienna Night Mile hat ihr großartiges Konzept und bot eine hervorragende Möglichkeit, die begeisternde Stimmung eines Bewerbs gemeinsam in der Community kennenzulernen“, so Dominik Konrad, Geschäftsführer der VCM Group.

Eine Distanz, die motiviert

„Wir wollen mit Events wie diesem ganzjährig zum Laufen motivieren und besonders Neueinsteigerinnen und Beginner ansprechen“, fügte er an. Paul Scheucher beendete das vom Veranstalterteam des Vienna City Marathon gemeinsam mit adidas durchgeführte Rennen mit gut 400 Teilnehmer*innen in einer Zeit von 4:31,9 Minuten als Schnellster. Erste Läuferin im Ziel vor dem Museumsquartier war Teresa Tscharre in einer Zeit von 5:12,6 Minuten. Spitzenläufer*innen wie Vorjahressieger Andreas Vojta waren in diesem Jahr nicht am Start.

Eine Distanz mit Tradition

Die Meile auf der Laufbahn (1609,344 Meter) hat in der Leichtathletik eine große Tradition. Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts faszinierte die Jagd auf die erste Meile unter vier Minuten (sub-4-Mile) die Laufwelt insbesondere im angelsächsischen Raum und in Skandinavien. Am 6. Mai 1954 unterbot der Engländer Roger Bannister, damals trainiert von der österreichischen Trainerlegende Franz Stampfl, bei einem Rennen in Oxford als erster diese Sehnsuchtsmarke und setzte einen der bis heute wichtigsten Meilensteine der Laufgeschichte.

In vielen Teilen der Welt setzte sich die „metrische Meile“, der 1.500m-Lauf, eine Olympische Disziplin, durch. Kein Wunder, schließlich sind Großbritannien und die USA die einzigen beiden Länder, die nach wie vor an der Meile als Standardmaß festhalten, während viele andere Länder aus dem ehemaligen Commonwealth zur metrischen Einheit gewechselt haben. Die großen Meilen-Legenden früherer Tage wie Bannister oder der Australier John Landy sind nicht mehr am Leben.

Doch die Meile verteidigte ihr Ansehen. Gerade in den USA, Großbritannien, Australien und in Skandinavien wird sie heute nicht nur gerne gelaufen, sondern hat als Distanz hohe Bedeutung. Keine Bedeutung mehr hat die sub-4-Meile in der Neuzeit, der Weltrekord liegt mittlerweile bei einer Zeit von 3:43,13 Minuten und wird seit 26 Jahren von Hicham El Guerrouj gehalten. Bei den Frauen ist Faith Kipyegon seit dem vergangenen Jahr in 4:07,64 Minuten die Schnellste der Geschichte.

Die Meile

Laut historischen Aufzeichnungen wurde in England bereits im 18. Jahrhundert über die Meile gelaufen und erlangte im 19. Jahrhundert so große Beliebtheit, dass sie auch der Metrifizierung der Leichtathletik standhielt – im Programm der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen stand der 1.500m-Lauf.

Die Meile ist die einzige nicht in metrischer Einheit erfasste Distanz, über die der Leichtathletik-Weltverband noch offizielle (Welt-)Rekorde führt. Zu den bekanntesten Meilenrennen gehören die Fifth Avenue Mile sowie die Bahnrennen Wanamaker Mile (New York, Halle), Bowerman Mile (Eugene) und Dream Mile (Oslo). 2019 organisierte Sebastian Coe, Präsident des Weltverbandes, in Monaco die World Athletics Heritage Mile Night und brachte elf ehemalige und aktuelle Meilen-Weltrekordläufer zusammen.

Die sub-4-Mile von Roger Bannister am 6. Mai 1954 in Oxford gilt bis heute als eine der besonderen Meilensteine im Laufsport. RunUp-Chefredakteur Andreas Maier hat 2013 eine Biografie über seinen hierzulande in Vergessenheit geratenen österreichischen Trainer Franz Stampfl und dessen Wirken veröffentlicht.

WM-Premiere als Zugpferd

Um die Meile wieder attraktiver zu machen, hat der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) diese Distanz bei seiner Neugestaltung ins Programm der Straßenlauf-Weltmeisterschaften aufgenommen. Die Entscheidung ist, genau so wie die Aufnahme des 5km-Straßenlaufs, wohl auch eine Antwort auf die Tendenz, dass kürzere Laufdistanzen in der Laufszene immer beliebter werden.

Der US-Amerikaner Hobbs Kessler und die Äthiopierin Diribe Welteji krönten sich am 1. Oktober 2023 in Riga zu den ersten Weltmeistern in dieser Disziplin. Mit dem WM-Rennen als Vorbildfunktion soll die Straßenmeile ihre Attraktivität auch auf ein breiteres Freizeitpublikum ausstrahlen – so wie es die adidas Runners Vienna Night Mile in der Bundeshauptstadt versucht.

Kö Meile mit frischem Weltrekord

In Österreich gibt es wenige Straßenmeilen, die Attnanger Spitz Meile in Oberösterreich kann mit 35 Auflagen auf eine reichhaltige Tradition zurückblicken. Zu den bekanntesten Straßenmeilen im deutschen Sprachraum gehört die New Balance Kö Meile in Düsseldorf. Sie fand einen Tag nach der adidas Runners Vienna Night Mile statt und lieferte einen spitzensportlichen Höhepunkt. Der Brite Elliot Giles verbesserte in einer Zeit von 3:51,3 Minuten den Weltrekord und schlug im Zweikampf um den Sieg den US-Amerikaner Yared Nuguse um sechs Zehntelsekunden. Dieser hatte bei den Olympischen Spielen von Paris auf der „metrischen Meile“ die Bronzemedaille gewonnen und hält den nordamerikanischen Kontinentalrekord sowohl auf der Bahnmeile und als auch nun auf der Straßenmeile. Er stammt aus einem der wenigen Länder der Welt, in deren Gesellschaft die Meile als Standardmaß auch an Land verwendet wird.

Giles war in Paris noch im Halbfinale des 800m-Laufs gescheitert und hatte danach frustriert angekündigt, endgültig auf die längere Mittelstrecke zu wechseln. Bisher hatte der Kenianer Emmanuel Wanyonyi, Olympiasieger im 800m-Lauf, den Weltrekord gehalten. Bei einer Elite-Meile am Firmengelände von adidas im Frühjahr 2024 war er eine Zeit von 3:54,6 Minuten gelaufen.

Aktiver Athlet setzte auf Meile

Die Meile entlang der Königsallee, eine der wichtigsten Luxuseinkaufsstraßen Europas und breiteste Straße Deutschlands, ersetzte 2022 den ehemaligen Kö-Lauf (10km). Ganz nach dem Vorbild der Fifth Avenue Mile in New York, dem wohl berühmtesten Straßenmeilenrennen der Welt, das am kommenden Sonntag in seiner 43. Auflage auf dem Programm steht.

Maximilian Thorwirth, aktiver deutscher Spitzenläufer, ist überzeugt vom Konzept und Potenzial der Straßenmeile und entschied sich, dem Traditionsevent in Düsseldorf, wo der Laufsport in den letzten Jahren einen schweren Stand hatte, ganz nach dem Vorbild der Fifth Avenue Mile ein zweites Leben mit dem Ziel, Elite- und Breitensport greifbar näher zueinander zu bringen, zu schenken. Die Fifth Avenue Mile ist die wohl berühmteste Straßenmeile der Welt und geht am kommenden Wochenende in ihre 43. Auflage.

Der Weltrekordlauf von Giles sorgte bei der dritten Auflage, an der rund 2.300 Läufer*innen auf diversen Distanzen teilnahmen, erstmals auch für internationale Schlagzeilen. „Einfach fantastisch! Ich glaube, viele Zuschauer*innen werden diesen Weltrekord lange in Erinnerung behalten. Der gesamte Tag war ein Traum“, jubelte Thorwirth.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © adidas / Claudia Huber

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