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Im Alter von 74 Jahren ist am vergangenen Dienstag Fernando Mamede verstorben. Der Portugiese ist in seiner Heimat eine Lauflegende. Er war Teil der größten Epoche des portugiesischen Laufsports in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Weil ihm der große Coup nie gelang, ist er im globalen Gedächtnis nicht verankert – im Gegensatz zu seinem Landsmann und Weggefährten Carlos Lopes.
Es gibt zwei Varianten, um auf die Sportlerkarriere von Fernando Mamede zurückzublicken. Der glorreiche Ansatz beginnt mit dem 2. Juli 1984. Stockholm, Olympiastadion. Es war der glanzvolle Galaauftritt seiner Karriere. Fernando Mamede absolvierte den perfekten 10.000m-Lauf, in hohem Tempo, voller Kontrolle, wie ein Uhrwerk. Im Duell mit seinem berühmteren Landsmann Carlos Lopes überquerte er die Ziellinie in einer Zeit von 27:13,81 Minuten, Weltrekord – achteinhalb Sekunden schneller als der Kenianer Henry Rono sechs Jahre zuvor in Wien.
Fünf Jahre lang hielt sein Weltrekord, bis Arturo Barrios aus Mexiko in Berlin eine Zeit von 27:08,23 Minuten lief. Nie wieder sollte ein Europäer den Weltrekord im 10.000m-Lauf inne haben. Immer noch ist Mamede Zweiter der ewigen portugiesischen 10.000m-Bestenliste hinter Antonio Pinto.
Der weniger schmeichelhafte Ansatz beginnt mit dem 6. August, also gut einen Monat später. Olympiastadion, Los Angeles. Fernando Mamede, im vorigen Jahrzehnt als Mittelstreckenläufer zwar zweifacher Olympia-Teilnehmer, aber nie besser als Mittelmaß, war plötzlich der große Favorit im 10.000m-Lauf bei den Olympischen Spielen von Los Angeles. Drei Tage vor dem Finallauf hatte der Crosslauf-WM-Dritte von 1981 den Vorlauf als einer der Sieger locker überstanden. Doch im Finale scheiterte er nur wenige Wochen nach seinem Weltrekord an seiner nervlichen Komposition an diesem Tag und warf frühzeitig das Handtuch. Er war sichtlich an der Erwartungshaltung zerbrochen, dass alles außer der Goldmedaille an diesem Tag eine Enttäuschung gewesen wäre.
Diese Niederlage passte zu seinem Ruf, ein Läufer mit riesigem Talent zu sein, der bei großen Meisterschaften unter Druck nicht zur Top-Performance in der Lage war. Ein Jahr zuvor bei den Premieren-Weltmeisterschaften von Helsinki war dem Portugiesen ähnliches passiert. Im Vorlauf erzielte er die mit Abstand beste Zeit und wies den Italiener Alberto Cova in die Schranken. Zwei Tage später enttäuschte er als 14. maßlos, während der Italiener triumphierte.
Auf der Website der italienischen Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ gestaltete Giorgio Rondelli einen durchaus wertschätzenden Nachruf für Mamede. Rondelli war damals Trainer von Mamedes größten Kontrahenten, Alberto Cova, der sowohl 1983 Weltmeister als auch 1984 Olympiasieger im 10.000m-Lauf wurde. Er beschrieb Mamedes Angst vor Wettkämpfen, über die der portugiesische Athlet später auch selbst öffentlich sprach, anhand einer Anekdote von der WM 1983. Mamede soll vor dem Finale, als Cova ihm viel Glück wünschte, gesagt haben: „Ich habe keinen Kopf dafür!“
Fernando Mamede startete für den Sporting Club de Portugal aus Lissabon und trainierte unter dem legendären Coach Moniz Pereira. Pereira galt seinerzeit als Trainer, der die Sportwissenschaft stärker in seine Arbeit einfließen ließ als es damals üblich war. Seine größten Erfolge feierte der legendäre Coach mit Carlos Lopes (Olympiasieger im Marathon 1984 und Marathon-Weltrekordhalter), außerdem als portugiesischer Nationaltrainer mit Rosa Mota (Olympasiegerin im Marathno 1984) sowie Fernanda Ribeiro (Olympiasiegerin im 10.000m-Lauf 1996). Auch Mittelstreckenlegende und Olympia-Medaillengewinner Rui Silva, 2004 Dritter im 1.500m-Lauf, trainierte unter „dem Professor“.
27 portugiesische Rekorde und 20 nationale Meistertitel verbuchte Mamede zu seinen multiplen Olympia-Auftritten. Doch der große Erfolg fehlt in seiner sportlichen Vita. Daher steht er im Schatten seiner Weggefährten.
Die portugiesischen Titelblätter füllte in diesen Jahren Carlos Lopes. Während Mamede im großen Schaufenster versagte, triumphierte sein Kollege. Der Crosslauf-Weltmeister von 1976 und Olympia-Silbermedaillengewinner aus dem selben Jahr hinter der finnischen Legende Lasse Viren lief beim Olympischen Marathon 1984 von Los Angeles zum triumphalen Gold. 1985 wurde er vor heimischem Publikum in Lissabon als Titelverteidiger noch einmal Crosslauf-Weltmeister, beim Rotterdam Marathon stellte er in 2:07:12 Stunden einen neuen Weltrekord auf, der drei Jahre lang hielt.
Die goldene Ära des portugiesischen Laufsports komplettierten Rosa Mota als Marathon-Olympiasiegerin 1988 in Seoul und Fernanda Ribeiro als Weltmeisterin 1995 und Olympiasiegerin 1996 im 10.000m-Lauf.
Autor: Thomas Kofler
Bild: Pixabay