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Drei wichtige Fragen vor der Crosslauf-WM in Tallahassee

Am Samstag gehen im sommerlichen Florida die Crosslauf-Weltmeisterschaften über die Bühne – ohne Superstar Beatrice Chebet und den Großteil der äthiopischen Junioren.
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Früh im Jahr 2026 findet der erste große Lauf-Höhepunkt des Jahres statt. Der Großteil der europäischen Laufszene, darunter große Verbände wie Deutschland oder Italien, zeigen Desinteresse an den Crosslauf-Weltmeisterschaften in Tallahassee im US-Bundesstaat Florida. Auch die Schweiz und Österreich schicken keine Athletinnen und Athleten. Traditionell dominieren die afrikanischen Nationen diese Titelkämpfe, die Dominanz von Beatrice Chebet wird von ihrer Schwangerschaft unterbrochen. In der Altersklasse U20 bremste die US-Botschaft in Addis Abeba die äthiopischen Erfolgshoffnungen präventiv ziemlich ein.

Wer tritt das Erbe der Unbesiegbaren an?

Das letzte Mal, dass Beatrice Chebet einen Wettkampf nicht gewonnen hat, der mehr als zwei Kilometer lang war – Vorläufe bei internationalen Großereignissen und kenianische Ausscheidungen ausgenommen, liegt 27 Monate zurück. Seither erschimmert eine Erfolgsserie in vollem Glanz: zwei Olympische Goldmedaillen, zwei WM-Goldmedaillen, der zweite Crosslauf-WM-Titel nach 2023 und drei Weltrekorde. Kurzum: Die 25-jährige Kenianerin ist im 5.000m-Lauf, im 10.000m-Lauf und im Crosslauf unbesiegbar.

Bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften 2026 ist Beatrice Chebet jedoch nicht am Start – aus einem für sie erfreulichen Grund: Die Kenianerin und ihr Ehemann Peter Bii, der auch ihr Trainer ist, erwarten eine Tochter – das gaben die beiden in einem Instagram-Live-Video über die Feiertage bekannt. Die Athletin sagte: „Die letzten beiden Jahre waren unglaublich für uns. Jedes Ziel, jeder Traum wurde Realität. Ich habe enorm viel investiert und freue mich nun auf ein Jahr Pause, in der ich Mutter werde.“ Sie könne das nächste Kapitel ihres Lebens kaum erwarten und freue sich bereits auf ein Comeback im Laufsport im Jahr 2027.

Die Konkurrenz dürfte sich darüber auch freuen, mitunter aus Eigennutz. Denn 2026 gibt es demnach auf globaler Ebene Chancen auf Siege, unter anderem eben am Samstag. Aus dem kenianischen Team ist Agnes Ngetich die Prominenteste. Die 24-Jährige hält den Weltrekord im 10km-Straßenlauf und den kenianischen Rekord im Halbmarathon, bei globalen Meisterschaften jedoch gelang der große Wurf noch nicht. Am besten sind noch die Resultate bei Crosslauf-Weltmeisterschaften: Bronze 2023, Platz vier 2024.

Das Wettkampfprogramm (mitteleuropäische Zeit)

  • Samstag, 10. Jänner um 15:45 Uhr: Mixed-Staffel
  • Samstag, 10. Jänner um 16:20 Uhr: Wettkampf der Juniorinnen
  • Samstag, 10. Jänner um 16:55 Uhr: Wettkampf der Junioren
  • Samstag, 10. Jänner um 17:35 Uhr: Wettkampf der Frauen
  • Samstag, 10. Jänner um 18:20 Uhr: Wettkampf der Männer

Ignoriert der europäische Laufsport die Crosslauf-WM?

Traditionell schenkt der Großteil der europäischen Leichtathletik-Nationalverbände den Crosslauf-Weltmeisterschaften kaum Beachtung, schon einmal gar nicht, wenn durch Überseereisen höhere Kosten entstehen. So ist das Feld der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das insgesamt 485 Sportlerinnen und Sportler aus 52 nationalen Verbänden umfasst, afrikanisch und amerikanisch dominiert. Am ärgsten ist der europäische Aderlass im Rennen der Juniorinnen mit nur drei beteiligten europäischen Nationen: neben der schwedischen Einzelkämpferin Fanny Szalkai stellen Spanien und Großbritannien immerhin das Maximum von sechs Athletinnen. Im Männerrennen sind sechs europäische Nationen, im Frauen- und Juniorenrennen je fünf vertreten.

Die traditionsreichen Crosslauf-Nationen Spanien (außer Mixed-Staffel) und Großbritannien sind in allen Bewerben am Start. Die wenigen Europäerinnen und Europäer, die die Reise angetreten sind, sind allerdings mit die Besten ihres Fachs. Das spanische Quartett bei den Männern wird angeführt vom frisch gebackenen Europameister Thierry Ndikumwenayo, das starke französische Quintett hat mit Vize-Europameister Jimmy Gressier und dem ehemaligen Europameister Yann Schrub zwei Leader. In der „L’Équipe“ nahm sich Gressier sogar vor, dem französischen Team zur ersten Medaille seit 24 Jahren verhelfen zu wollen. Die stärksten Europäerinnen in der Allgemeinen Klasse sind die britische EM-Silbermedaillengewinnerin Megan Keith, U23-Europameisterin Maria Forero aus Spanien und die Schwedin Sarah Lahti.

Im Juniorenrennen ist der Belgier Willem Renders dabei. Der 18-Jährige hinterließ bei den Crosslauf-Europameisterschaften im Dezember in Portugal einen glänzenden Eindruck und gewann den Titel im U20-Rennen souverän.

Die WM in Tallahassee

Zum dritten Mal nach 1984 (East Rutherford) und 1992 (Boston) ist die USA Gastgeberin der Crosslauf-Weltmeisterschaften, die ihre 46. Austragung erfahren – übrigens so früh in einem Kalenderjahr wie noch nie. Wenngleich mit knapp 200.000 Einwohner:innen bei weitem nicht die größte Stadt, ist Tallahassee die Hauptstadt des US-Bundesstaats Florida und liegt ganz im Norden des südöstlichsten Bundesstaats der Vereinigten Staaten. Tallahassee ist eine bekannte Student:innenstadt und beheimatet u.a. die Florida State University.

Austragungsort der Wettkämpfe ist der Apalachee Regional Park am östlichen Stadtrand. Die Crosslauf-Strecke bietet einen abwechslungsreichen Mix an Untergrund, aber voraussichtlich trocken und gut befestigt. Highlights sind die Streckenpassagen „Rollercoaster“ und „Alligator Alley“. In das Wettkampfprogramm der Weltmeisterschaften ist der Florida Run Fun über 2km oder 4km integriert. Die Wetterprognose ist alles andere als winterlich – vorhergesagt ist schönes Wetter bei Temperaturen von weit über 20°C.

Entscheidet die US-Einreisepolitik die Titelkämpfe mit?

Gleich 14 äthiopische Läuferinnen und Läufer können laut Informationen vom „Let’sRun.com“ unter Berufung auf den äthiopischen Verband die Reise zur Crosslauf-WM nicht auf sich nehmen, da sie keine Einreisegenehmigung in die USA erhalten haben. Darunter befinden sich gleich fünf der sechs nominierten Athleten für das Juniorenrennen. Unter den drei der sechs teilnehmenden Juniorinnen aus Äthiopien befindet sich jedoch Titelverteidigerin Marta Alemayo. Auch bei den Erwachsenen gab es zurückgewiesene Anträge, hier konnte der Verband teilweise kurzfristig Ersatz nominieren, entweder durch in den USA lebende Sportlerinnen und Sportler oder jene, die noch ein gültiges Visum aufweisen konnten.

Der Bericht zitierte einerseits einen Sprecher der äthiopischen Verbandes, der sagte, die US-Botschaft in Addis Abeba habe keine Begründung für die Nicht-Ausstellungen der Visa mitgeteilt. Auch das „Canadian Running Magazine“ berichtet über die fehlende Begründung. Gänzlich ausgeschlossen ist aus politischen Gründen das Team aus Eritrea, da eine Reisesperre für eritreische Staatsbürger:innen in die USA aufrecht ist.

Andererseits zitierte er eine Aussage von Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics), von vor einigen Wochen in einer internationalen Medienrunde. „Wir sind uns der schwierigen Einreisebedingungen in die USA bewusst. Mit Unterstützung des USOPC werden wir einen Weg finden, schließlich ist es für die Titelkämpfe von großer Wichtigkeit, dass Äthiopien dabei sein kann.“ „Let’sRun.com“ verwies auf Visa-Zurückweisungen auch bei den Weltmeisterschaften 2022 in Eugene, wo im kommenden Sommer die Junioren-Weltmeisterschaften der Leichtathletik stattfinden, sowie bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften 2023 in Australien.

Die zurückgewiesenen Visa dürften erhebliche Auswirkungen auf die Resultate haben, schließlich war Äthiopien in den letzten Jahren und Jahrzehnten besonders bei den U20-Bewerben der Crosslauf-WM sehr erfolgreich. Seit 1982 gelang bei den Junioren stets eine Team-Medaille, die letzten fünf Team-Goldmedaillen bei den Juniorinnen gingen an Äthiopien – beide Serien werden nun enden, da vier Athletinnen und Athleten pro Nation in die Wertung fallen.

Die Topstars der Äthiopier im Männerrennen sind von Visaproblemen nicht betroffen. Berihu Aregawi musste sich bei den letzten beiden Austragungen in Bathurst (2023) und Belgrad (2024) lediglich Jacob Kiplimo geschlagen geben und ist auch dieses Mal wieder der größte Herausforderer des Titelverteidigers. Neben dem von Daniel Ebenyo angeführten kenianischen Team will auch der erst 19-jährige Äthiopier Biniam Mehary um Edelmetall kämpfen. Nicht so prominent ist das äthiopische Frauenteam besetzt, aber talentiert: Vier der sechs Teilnehmerinnen ist 20 Jahre jung oder jünger.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Adam Nurkiewicz for World Athletics (Der Start zum Rennen der Juniorinnen bei der WM 2024)

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