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Dubai Marathon an Tola und Dida

Ohne Zeiten im Weltklassebereich, die er vor der Pandemie regelmäßig geliefert hat, und ohne die großen Namen in der Siegerliste ist dem Dubai Marathon das Comeback nach einer über dreijährigen Veranstaltungspause gelungen. Die beiden äthiopischen Sieger Abdisa Tola und Dera Dida sind verschwägert, die verbindende Person eine Größe des Marathonsports.
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Nachdem die prominentesten Läufer im Elitefeld der Männer das Rennen geschlossen nicht beenden konnten, schnappten sich die jungen und unerfahrenen Läufer die besseren Plätze in der Endrangliste als einige erfahrene Läufer, die bisher nie den Durchbruch geschafft haben, aber Dubai mit einer persönlichen Bestleistung verließen. Allesamt in den Top-Ten der Männer schafften das.

Schrecksekunde in der entscheidenden Phase

Der Beste im Feld war der 22-jährige Abdisa Tola, jüngerer Bruder von Marathon-Weltmeister und Spitzenläufer Tamirat, der den Dubai Marathon 2017 für sich entscheiden konnte. Nachdem er bereits das gesamte Rennen bis dahin auf eine der Spitzenpositionen hinter den Tempomachern verbracht hatte, nahm er nach deren Aussteigen die Zügel in die Hand. Bei Kilometer 39 attackierte Tola aus der nun fünfköpfigen Spitzengruppe und setzte sich ab, verpasste laut der Presseaussendung des „Race News Service“ jedoch eine Kurve und lief etwa 20 Meter in die falsche Richtung, ehe er das Versehen bemerkte. Mittlerweile hatten ihn seine Verfolger überholt, doch der Äthiopier fand den Anschluss gleich wieder und attackierte neuerlich – diesmal mit endgültigem Erfolg.

Abdisa Tolas Halbmarathon-Splits: 1:02:32 / 1:03:06 Stunden
Abdisa Tolas 5km-Teilzeiten: 14:52 / 14:43 / 14:48 / 14:49 / 14:56 / 14:46 / 15:15 / 14:57 / 6:36 (2,195 km) Minuten

„Es war ein stark besetztes Rennen, aber ich war gut vorbereitet“, meinte der Marathon-Debütant, der in einer Zeit von 2:05:42 Stunden finishte. Das ist statistisch die zweitlangsamste Siegerzeit in Dubai in den vergangenen zwölf Jahren. Doch individuell eine beachtliche für einen jungen Läufer, von dem die Statistik des Leichtathletik-Weltverbandes gerade einmal drei Wettkämpfe davor kennt: einen Halbmarathon in 1:03:27 Stunden (Paris 2022), einen 25km-Lauf in 1:14:27 (Kalkutta vor acht Wochen) und den Sieg beim Halbmarathon Rom-Ostia im Oktober 2021 in 59:54 Minuten. Letztere ist die einzige dieser drei Leistungen, die einen Marathon unter 2:06 Stunden erwarten ließ. Der Dubai Marathon hat mit seinem Sieg eine kleine Serie gestartet: Zum dritten Mal in Serie gewann ein Debütant.

Konstante Steigerungen für Gelete

Auch seine Landsleute, die ebenfalls unter 2:06 Stunden blieben und ihn zur Siegerehrung begleiteten, gehören nicht zur ersten Garde des äthiopischen Marathonlaufs. Derese Gelete, Zweiter in 2:05:51 Stunden, hat viel Erfahrung und kann konstante Steigerungen in den letzten Jahren aufweisen. So lief er in Rom (2021) und Frankfurt (2022) als Dritter jeweils aufs Stockerl, in Dubai blieb er über eineinhalb Minuten unter seiner bisherigen Bestleistung, die er in Frankfurt gelaufen war. Haymanot Alew, Dritter in 2:05:57 Stunden, dagegen lief erst seinen zweiten Marathon und den ersten unter 2:10 Stunden, bis dato war ein Halbmarathon in Istanbul 2019 in 1:00:26 Stunden das aufregendste Ergebnis seiner Karriere.

Dagegen spielte Tsegaye Mekonnen, Sieger von 2014, keine wesentliche Rolle. Er verlor nach rund zwei Dritteln der Distanz den Anschluss an die Spitze, als mit Abera Kuma die Nummer zwei der Meldeliste längst ausgestiegen war. Auch Linz-Sieger Fikre Bekele, der sich ein bisschen länger an der Spitze halten konnte als Mekonnen, stieg nach etwas mehr als 30 Kilometer aus. Mekonnen lief weiter, sparte sich aber eine Zielankunft, nachdem er bereits über sechs Minuten Verspätung auf die Spitze aufwies.

Triumph für die Frau des Weltmeisters

Im Marathon der Frauen, der mit nur zwölf Eliteläuferinnen dünn bestückt war (u.a. fehlte Gelete Burka an der Startlinie), entwickelte sich ein ähnliches Ausscheidungsrennen auf ähnlichem Niveau. Die Spitzengruppe passierte die Zwischenzeit beim Halbmarathon in einer Zeit von 1:11:36 Stunden. Im Gegensatz zum Männerrennen wurde jenes der Frauen bei guten Marathon-Bedingungen nun schneller, mit Guteni Shone konnte eine der Favoritinnen nach rund 30 Kilometern nicht mehr mithalten.

Im Finale kristallisierte sich, just in der mit Abstand schnellsten Rennphase, ein Dreikampf um den Sieg heraus. Kurz vor der Zwischenzeit bei Kilometer 40 attackierte Dera Dida vorentscheidend und finalisierte ihr Werk mit beachtlichen Kilometersplits während der letzten Rennminuten in einer Zeit von 2:21:11 Stunden, womit sie sich eine Siegesprämie von 80.000 US-Dollar (das entspricht rund 75.000 Euro) sichern konnte. „Es war ein wundervolles Rennen und natürlich ein sehr emotionaler Moment als ich realisierte, dass Abdisa auch gewonnen hatte“, kommentierte die Siegerin, die mit Marathon-Weltmeister Tamirat Tola verheiratet und daher die Schwägerin von Abdisa Tola ist (vgl. „Race News Service“).

Dera Didas Halbmarathon-Splits: 1:11:36 / 1:09:35 Stunden
Dera Didas 5km-Teilzeiten: 17:07 / 16:51 / 17:00 / 16:49 / 17:02 / 16:36 / 16:40 / 16:00 / 7:09 (2,195 km) Minuten

Erster Marathonsieg

Didas herausragende Leistung bisher war die WM-Silbermedaille bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften von Aarhus 2019, 2016 war sie als 19-Jährige Medaillengewinnerin bei den Afrikameisterschaften im 5.000m-Lauf. Nachdem sie in der Pandemie bedingten Pause Mutter wurde, kehrte sie mit diesem Erfolg in ihrem vierten Marathon auf eindrucksvolle Art und Weise zurück. Zum dritten Mal lief sie dabei in Dubai, nach den Rängen sieben (2018) und fünf (2020) gelang nun der große Wurf mit einer Verbesserung ihrer persönlichen Bestleistung um 34 Sekunden.

Damit besiegte die 26-Jährige auch die klar favorisierte Ruti Aga, die in einer Zeit von 2:21:24 Stunden ins Ziel kam – es war die sechstschnellste Marathonzeit ihrer Karriere. Der 29-Jährigen gelang es in den letzten Monaten nicht, an die eigenen teils sehr starken Leistungen von vor der Pandemie anzuschließen, als sie zweimal Zweite beim Berlin Marathon und Siegerin des Tokio Marathon 2019 war. Dennoch liest sich Agas Visitenkarte prächtig: Zum achten Mal stieg sie auf das Siegespodest eines bedeutenden internationalen Marathons, dazu gehört auch der zweite Platz beim Vienna Ciuty Marathon 2016, als sie am Anfang ihrer Marathon-Karriere gestanden war.

Erste „Niederlage“ für Yirga

Platz drei sicherte sich in Dubai die erst 22 Jahre alte Siranesh Yirga in einer Zeit von 2:21:59 Stunden. Es ist ihre zweitschnellste Marathonzeit hinter ihrer Siegesleistung beim Ljubliana Marathon 2022. Überhaupt ist die junge Äthiopierin sehr erfolgreich, sie gewann drei ihrer vier bisherigen Marathons – was im Umkehrschluss bedeutet, dass sie in Dubai ihre Unbesiegbarkeit ablegen musste.

Ergebnisse Dubai Marathon 2023

Männer

  1. Abdisa Tola (ETH) 2:05:42 Stunden * / **
  2. Deresa Gelete (ETH) 2:05:51 Stunden ***
  3. Haymanot Alew (ETH) 2:05:57 Stunden ***
  4. Gebretsadik Abraha (ETH) 2:06:08 Stunden ***
  5. Abraraw Misgenaw (ETH) 2:06:39 Stunden ***
  6. Kemal Husen (ETH) 2:08:09 Stunden ***
  7. Dechasa Alemu (ETH) 2:08:48 Stunden
  8. Alene Mekonen (ETH) 2:09:19 Stunden **
  9. Abdu Assen (ETH) 2:09:46 Stunden **
  10. Teressa Nyakora (ETH) 2:10:01 Stunden ***

Frauen

  1. Dera Dida (ETH) 2:21:11 Stunden ***
  2. Ruti Aga (ETH) 2:21:24 Stunden
  3. Siranesh Yirga (ETH) 2:21:59 Stunden
  4. Fikrte Wereta (ETH) 2:22:50 Stunden ***
  5. Tigist Getnet (ETH) 2:23:17 Stunden **
  6. Meseret Tolwak (ETH) 2:23:53 Stunden ***
  7. Bedatu Hirpa (ETH) 2:24:48 Stunden
  8. Bekelech Gudeta (ETH) 2:24:56 Stunden
  9. Amente Sorome Negash (ETH) 2:26:40 Stunden ***
  10. Wagenesh Mekasha (ETH) 2:27:25 Stunden

* neue Weltjahresbestleistung
** Marathon-Debüt
*** neue persönliche Bestleistung

Dubai Marathon

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