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Ein Crosslauf-Herrscher und ein australischer Coup

Jacob Kiplimo sicherte sich Tallahassee sein drittes Crosslauf-WM-Gold in Folge. Bei den Frauen dominierte Agnes Ngetich. Australien gelang ein historischer Erfolg.
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John Ngugi und Paul Tergat aus Kenia sowie Kenenisa Bekele aus Äthiopien. Diesen drei Legenden dieser Laufdisziplin gelangen drei Crosslauf-WM-Titel in Serie. Am Samstag ist ein vierter Star in diesen erlesenen Kreis dazugekommen. Es liegt am noch jungen Alter von 25 Jahren, dass Jacob Kiplimo sich den endgültigen Legendenstatus noch erarbeiten muss. Das aber ist sein Karriereziel. Und im Crosslauf ist der Ugander gegenwärtig die Dominanz in Person.

Drei Monate nach seinem Sieg beim Chicago Marathon zeigte Jacob Kiplimo auf dem WM-Kurs in Tallahassee im US-Bundesstaat Florida, dass er im Moment die Nummer eins im Laufsport ist. Denn genau mit diesem Marathon-Triumph demonstrierte er die Zugehörigkeit in der Weltklasse auch in dieser Disziplin, schließlich brachte er den Weltrekord ins Wanken. Den Weltrekord im Halbmarathon besitzt der 25-Jährige schon – in aller Deutlichkeit. Im Crosslauf gewann er Junioren-WM-Gold 2017, damals bei einem unvergessenen Volksfest in Kampala, der Hauptstadt seines Heimatlandes, WM-Silber 2019 im Alter von 19 Jahren hinter seinem Landsmann Joshua Cheptegei, und nun drei WM-Titel in Folge: 2023 in Bathurst, Australien, 2024 in Belgrad, 2026 in den USA.

© Sergio Mateo María for World Athletics

„Ich habe nichts anderes erwartet“, reagierte Kiplimo mit einer aufreizenden Selbstverständlichkeit auf den Sieg. „Aber natürlich stimmt es mich sehr glücklich, wieder als Erster über die Ziellinie zu laufen.“ Mit einer Endzeit von 28:18 Minuten, als Orientierung für die Streckenlänge gilt die Distanz von zehn Kilometern, erarbeitete sich der überlegene Sieger den größten Abstand zum Zweiten seit fast zwei Jahrzehnten. Wie „Let’sRun.com“ berichtete, könnte dies der letzte Crosslauf-WM-Auftritt Kiplimos gewesen sein. Die nächsten Crosslauf-Weltmeisterschaften finden aufgrund des Switches in ungerade Jahre erst 2029 statt.

Crosslauf-Weltmeisterschaften 2026

Der silberne Aregawi

Kurioserweise belegte Berihu Aregawi, der nach wie vor auf seinen ersten großen internationalen Erfolg warten muss, zum dritten Mal in Folge hinter Kiplimo den zweiten Platz. So chancenlos auf Gold wie dieses Mal war der 24-Jährige, der 2024 die Olympische Silbermedaille im 10.000m-Lauf gewonnen hat, noch nie. 18 Sekunden betrug der Rückstand auf den Sieger im Ziel. Der Attacke Kiplimos anfangs der fünften von fünf Runden hatte niemand auch nur ansatzweise etwas entgegenzusetzen, auch nicht der stärkste Konkurrent Kiplimos, der seine fünfte globale Silbermedaille einsackte.

© Sergio Mateo María for World Athletics

Bronze ging in einer Zeit von 28:45 Minuten an den besten Kenianer im Feld, Daniel Ebenyo. Dieser hatte im Vorfeld in kenianischen Medien die Goldmedaille in der Nationenwertung, wo die vier besten Resultate pro Nation durch Addition der Platzierungen gewertet wurden, angekündigt. Dieses Versprechen konnte sein Team nicht einlösen: Es gewann Silber hinter Äthiopien, das mit Tadese Worku (4.) und Biniam Mehary (6.) insgesamt drei Athleten in die Top-Sechs brachte, und vor Uganda. Alle drei der ostafrikanischen Top-Nationen verbuchten drei Top-Ten-Platzierungen.

Überlegener WM-Titel für Ngetich

In Abwesenheit der Lauf-Dominatorin der letzten beiden Jahren auf diversen Distanzen, Beatrice Chebet, die in der Mutterschaftspause ist, dominierte ihre Landsfrau Agnes Ngetich den Wettkampf der Frauen. Mit einer Zeit von 31:28 Minuten erarbeitete sie sich einen Vorsprung von 42 Sekunden auf Silbermedaillengewinnerin Joy Cheptoyek aus Uganda – das ist die erste Medaille seit 15 Jahren, die in diesem Bewerb nicht an Kenia oder Äthiopien geht – und drei weitere auf die ehemalige Junioren-Weltmeisterin Senayet Getachew aus Äthiopien, nachdem sie den kompletten Wettkampf nach Belieben kontrollierte. „Ich liebe es. Es ist schließlich mein allererster Titel“, jubelte die 24-Jährige.

© Sergio Mateo María for World Athletics

Es ist die zehnte kenianische WM-Goldmedaille bei den Frauen in Folge. Einen größeren Abstand zwischen Siegerin und Zweitplatzierte gab es zuletzt 1980 beim Triumph der Norwegerin Grete Waitz, die insgesamt fünfmal Crosslauf-Weltmeisterin war. Team-Gold ging an Äthiopien, das sich mit vier Top-Sieben-Platzierungen klar vor Kenia und Uganda durchsetzte. Die Junioren-Titel gingen an Frankline Kibet aus Kenia und an die 17-jährige Marta Alemayo aus Äthiopien, die ihren Titel verteidigte.

Die Crosslauf-WM 2026

Die 46. Weltmeisterschaften im Crosslauf gingen auf einem flachen und mit künstlichen Hindernissen ausgestatteten Kurs am Stadtrand von Tallahassee, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Florida, über die Bühne. Viele Tausende Zuschauer:innen sorgten für eine besondere Atmosphäre. Wie 2023 in Australien war es dieses Mal aufgrund der geographischen Lage Floridas nicht winterlich, sondern für einen Crosslauf etwas untypisch fast sommerlich warm.

Historischer Erfolg für Australien

Zum fünften Mal stand eine Mixed-Staffel für Mittelstrecken-Spezialisten auf dem WM-Programm, zum ersten Mal kommt das siegreiche Quartett nicht aus Ostafrika. Oliver Hoare, Linden Hall, Jack Anstey und Schlussläuferin Jessica Hull sicherten sich den Titel für Australien. Zwei Jahre nach der Bronzemedaille daheim in Bathurst, als der Goldtraum noch verwehrt blieb, setzten sich die Australier in einer Zeit von 22:23 Minuten drei Sekunden vor Frankreich mit Schlussläuferin Agathe Guillemot und Äthiopien durch. Das kenianische Team blieb als Viertes erstmals ohne Edelmetall. Es ist erst die zweite australische Goldmedaille in der langen Historie von Crosslauf-Weltmeisterschaften nach dem Triumph von Benita Johnson im Jahr 2004 bei den Frauen.

© Sergio Mateo María for World Athletics

Die besten europäischen Resultate

Jimmy Gressier hatte im Vorfeld die Hoffnungen auf die erste französische Medaille bei Crosslauf-Weltmeisterschaften seit 24 Jahren öffentlich thematisiert – und zwar in der Nationenwertung der Männer. Das gelang nicht, Gressier selbst lieferte als 15. auch nicht die dafür notwendige Superleistung. „Ich bin zwar Weltmeister im 10.000m-Lauf und daher der Weltbeste am 14. September. Aber ich bin es nicht jeden Tag. WM-15. ist immer noch ein gutes Ergebnis, das ist mein aktuelles Niveau“, gab sich der Franzose gegenüber der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ geschlagen. Er musste sich hinter seinem elftplatzierten Landsmann Yann Schrub einordnen. Die Medaille hatte Frankreich bereits davor in der Mixed-Staffel gewonnen, die erste europäische in dieser Disziplin überhaupt.

© Sergio Mateo María for World Athletics

Für das europäische Top-Resultat sorgte Thierry Ndikumwenayo aus Spanien, amtierender Europameister in dieser Disziplin, als Achter im Männerrennen. Vor zwei Jahren war er Neunter, nun ist ihm das beste spanische Resultat seit 36 Jahren bei Crosslauf-Weltmeisterschaften gelungen. Ebenfalls glänzte der Belgier Willem Renders, amtierender Junioren-Europameister, im U20-Rennen der Burschen als Elfter. Das ist das beste europäische Resultat in dieser Disziplin seit über 30 Jahren – besser sogar als Jakob Ingebrigtsen 2019.

In Abwesenheit der italienischen Europameisterin Nadia Battocletti, die bei den Weltmeisterschaften von Tokio auf der Bahn zweimal vor Ngetich im Ziel war, war die Spanierin Maria Forero als 14. beste Europäerin bei den Frauen. Die USA schaffte es bei den Frauen mit Ednah Kurgat als Zehnte in die Top-Ten, die Männer belegten mit drei Top-20-Plätzen Rang vier in der Nationenwertung. Die einzige US-Medaille gelang in der Nationenwertung des Juniorenbewerbs.

Medaillenspiegel der Crosslauf-WM 2026

1. Kenia 🥇🥇🥇 🥈🥈🥈🥈 🥉🥉
2. Äthiopien 🥇🥇🥇 🥈🥈 🥉🥉
3. Uganda 🥇🥇 🥈🥈 🥉🥉🥉
4. Australien 🥇
5. Frankreich 🥈
6. Japan 🥉
6. USA 🥉

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Sergio Mateo María for World Athletics

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