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Titelverteidigerin Nancy Kiprop wird von zwei schnellen Äthiopierinnen herausgefordert. Diese Konstellation verspricht trotz der erwartet hohen Temperaturen ein schnelles Rennen, in dem auch vier Österreicherinnen eine tragende Rolle spielen möchten. Im Elitefeld stecken viele spannende, persönliche Geschichten. Vorbildliches Schulprojekt…


Titelverteidigerin Nancy Kiprop wird von zwei schnellen Äthiopierinnen herausgefordert. Diese Konstellation verspricht trotz der erwartet hohen Temperaturen ein schnelles Rennen, in dem auch vier Österreicherinnen eine tragende Rolle spielen möchten. Im Elitefeld stecken viele spannende, persönliche Geschichten.
Nancy Kiprop hat beim 34. Vienna City Marathon vor exakt einem Jahr etwas Besonderes erreicht. Die Mutter von zwei eigenen und fünf adoptierten Kindern triumphierte im Alter von 37 Jahren bei der bedeutendsten Laufveranstaltung Österreichs. Noch bemerkenswerter ist ihr soziales Engagement. In ihrem Heimatdorf, nur wenige Kilometer außerhalb der kenianischen Läufer-Hochburg Iten, finanzierte sie den Bau einer Schule, in den der Großteil der Siegerprämie aus dem letzten Jahr floss.

Das Projekt ist gelungen. 50 Kinder besuchen die Schule, aufgeteilt auf vier Klassen und betreut von vier Lehrpersonen. Sollten die Kenianerin am Sonntag wieder ins Spitzenfeld des VCM laufen, wird ein Großteil dieser Prämie ebenfalls in ihr Schulprojekt fließen. Für die Zukunft sind nämlich weitere Investitionen dringlich.
Trotz dieser erfolgreichen Tätigkeiten abseits ihrer sportlichen Laufbahn ging es für den Routinier, der vor 22 (!) Jahren bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften im südafrikanischen Stellenbosch im Juniorinnen-Rennen ihren ersten internationalen Auftritt hatte, auch sportlich mit beachtlichen Erfolgen weiter. Ein halbes Jahr nach ihrem VCM-Triumph lief sie beim Halbmarathon im tschechischen Usti nad Labem eine persönliche Bestleistung von 67:22 Minuten. Anfang Dezember wurde sie auf dem schwierigen Kurs des Honolulu Marathon auf Hawaii Zweite und feierte beim Halbmarathon im holländischen Venlo vor gut einem Monat eine gelungene VCM-Generalprobe in 67:49 Minuten. Die Form Richtung Frühlings-Höhepunkt stimmt also. „Ich bin sehr froh, wieder hier zu sein – besonders nach diesem Riesenerlebnis im vergangenen Jahr.“ Trotz ihrer 38 Jahre spricht die Kenianerin übrigens lieber von ihrer sportlichen Zukunft als von der Vergangenheit.
Sportlich wird sich Nancy Kiprop am Sonntag vorwiegend mit zwei schnellen Äthiopierinnen auseinandersetzen, die eine schnellere Bestleistung als die Kenianerin aufweisen können. Kiprop gewann im Vorjahr in der zweitschnellsten VCM-Zeit überhaupt von 2:24:20 Stunden. Die erfahrenere der beiden Äthiopierinnen ist Fatuma Sado. Die 26-Jährige hat bereits sechs Marathons gewonnen, darunter zweimal in Xiamen, je einmal in Peking und Hamburg. Der letzte Triumph in Xiamen ist erst dreieinhalb Monate her, seither hat sie gut regeneriert und sich gewissenhaft auf den Wien Marathon vorbereitet.
Die schnellere der beiden Äthiopierin laut Vorleistungen ist Helen Tola, eine 23-jährige Siegerin des Barcelona Marathon 2017, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Eticha Tesfaye in der Schweiz lebt. Beim Berlin Marathon 2017 finishte sie als Vierte in einer Zeit von 2:22:51 Stunden, beim RAK Halbmarathon vor zwei Monaten legte sie eine bärenstarke Leistung von 67:47 Minuten nach. In die Favoritenrolle lässt sich die junge Äthiopierin aber nicht drängen: „Es sind viele starke Läuferinnen am Start, die gewinnen können.“ Da Tolas Ehemann die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, hofft sie, bald für die Schweiz an den Start gehen zu können – vielleicht schon bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Allerdings ist bekannt, dass die Kriterien für die Einbürgerung in der Schweiz deutlich höher sind als in anderen europäischen Ländern, auch bei Sportlern.
Für eine Überraschung aus internationaler Sicht könnte die Südafrikanerin Nolene Conrad sorgen. Trotz ihres Alters von 32 Jahren ist sie eine Newcomerin in der Marathon-Szene und bestreitet ihren dritten Marathon. Dass sie in Wien läuft, ist ihrer kurzfristigen Aussortierung vom südafrikanischen Marathon-Team für die Commonwealth Games letzte Woche in Gold Coast geschuldet. Ein toller Plan B, wie sie findet, den sie mit einer persönlichen Bestleistung küren möchte.
Dem Startschuss ihrer Laufkarriere liegt ein dramatischer wie schlussendlich glücklicher Vorfall zugrunde. Als Jugendliche wäre sie an einem besonders starken Asthma-Vorfall beinahe verstorben, die Rettungskräfte trafen gerade noch so rechtzeitig ein. Der ärztliche Rat lautete, Laufsport regelmäßig in ihren Alltag zu integrieren. Trotz einer harten ersten Phase blieb sie dem Uni-Team treu und entdeckte ihr Talent, dessen Qualität sie nun am Sonntag über die Marathon-Distanz unter Beweis stellen möchte. Managerin von Conrad ist übrigens die südafrikanische Lauflegende Elana Meyer, von der sie viel gelernt hat.

Viel Beachtung bekam im Vorfeld Eva Wutti (SU Tri Styria). Die Triathletin startet erstmals in einem reinen Marathon und hat sich hohe Ziele gesteckt. „Meine Wunschzeit ist eine Zeit von unter 2:37 Stunden, das ist die EM-Qualifikation für Berlin. Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber ich werde mein Bestes versuchen. Ob ich dann wirklich in Berlin am Start stehen werden, entscheidet sich im Laufe des Jahres und hängt auch davon ab, ob ich die Quali für die Triathon-WM auf Hawaii schaffe“, erklärte die gebürtige Kärntnerin, die in den letzten Monaten und Jahren zwischen Österreich, Spanien, Jordanien und – zu Urlaubszwecken – Thailand hin- und herreiste.
Die Idee, einmal den Vienna City Marathon zu bestreiten, hat sie schon länger im Kopf – insbesondere aufgrund der herausragenden Stimmung. Konkret wurde sie, nachdem der Wiedereinstieg in den Triathlon nach der Geburt ihrer Tochter im Sommer 2016 besonders beim Radfahren nicht nach Wunsch klappte. Wie gut sie in der Schlussphase des Marathons am Sonntag zurecht kommt und wie sehr ihre Muskulatur unter der Belastung ermüdet, ist für Wutti selbst noch ein kleines Fragezeichen. Denn ihr Training ist auf Triathlon ausgerichtet. Und brachte dank der vielen Ortswechsel in letzter Zeit einige Herausforderungen mit sich.
Das dieses Mal bemerkenswerte Spitzenfeld der heimischen Läuferinnen bei Österreichs Vorzeige-Laufevent wird ergänzt von der 41-jährigen, amtierenden Staatsmeisterin Sandra Urach (im Wald läuft’s), die über eine persönliche Bestleistung von 2:45:24 Stunden verfügt und dem Beruf einer Rezeptionistin nachgeht, und Victoria Schenk (Union Waidhofen / Ybbs), Vize-Staatsmeisterin im Halbmarathon 2016. Sie arbeitet als Lehrerin an der NMS Euratsfeld und weist eine Bestzeit von 2:47:45 Stunden auf.
Athleten-Koordinator Mark Milde versprüht großen Optimismus: „Mit der Zusammensetzung des Frauen-Feldes bin ich sehr zufrieden. Dank der guten Dichte an der Spitze ist die Möglichkeit, an den Streckenrekord heranzulaufen, vielleicht größer als bei den Männern.“ Ein bestimmender Faktor sind sicherlich die prognostizierten, für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen an diesem Wochenende. „Es wird warm“, hält Organisationsleiter Gerhard Wehr fest. „Das ist eine Herausforderung, aber man sollte das nicht dramatisieren. Für die Zuschauer ist es ein Traum. Für die Läuferinnen und Läufer, vor allem im Freizeitbereich, ist bei einer realistisch angelegten Zielsetzung und einer zuversichtlichen Herangehensweise unter diesen Bedingungen ein sehr schöner Marathon möglich.“
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Vienna City Marathon