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Nibret Melak führte beim Dubai Marathon eine Tradition fort: Zum sechsten Mal in Folge lief ein Marathon-Debütant als Erster über die Ziellinie. Zum 13. Mal in Serie gab es bei den Männern einen äthiopischen Sieg. Der diesjährige hatte eine beachtliche Qualität: Melak lief eine Zeit von 2:04:00 Stunden und erreichte damit die zweitschnellste Siegerzeit der Veranstaltungsgeschichte, sekundengleich mit Mosinet Geremew bei dessen Sieg im Jahr 2018. Auch bei den Frauen gab es mit Anchinalu Dessie eine äthiopische Siegerin in einer starken Zeit von 2:18:31 Stunden.
Zehn Kilometer vor dem Ziel lancierte Nibret Melak die entscheidende Attacke, die seinen Sieg in einem Negativsplit auf den Weg brachte. „Ich war sehr gut vorbereitet und es war immer mein Ziel, mein Marathon-Debüt zu gewinnen“, kommentierte der 26-Jährige und spuckte dann die ganz großen Töne: „Mein großes Ziel in der weiteren Zukunft ist es, den Marathon-Weltrekord zu brechen.“
Nibret Melak trainiert in Addis Abeba unter dem berühmten Trainer Gemedu Dedefo, der sich vor internationalen Erfolgen im Marathon mit seiner Trainergruppe seit Jahren kaum mehr erwehren kann. Unter anderem gehören auch Tamirat Tola, 2017 Dubai-Sieger und 2024 Olympiasieger von Paris, sowie die ehemalige Weltrekordhalterin Tigst Assefa zur Gruppe.

Bisher ist der 26-Jährige nicht als Superstar aufgefallen. 2024 gewann er sowohl bei den Afrikaspielen als auch bei den Afrikameisterschaften die Goldmedaille im 10.000m-Lauf, aber besonders in Olympischen Jahren sind diese Kontinentalhöhepunkte von den Top-Laufnationen nicht mit der ersten Garde besetzt. 2023 belegte er beim Halbmarathon im Rahmen der Straßenlauf-Weltmeisterschaften 2023 in Riga den siebten Platz, seine Halbmarathon-Bestzeit liegt bei einer Zeit von 59:06 Minuten. Auf der Bahn waren davor trotz einiger schneller Rennen große Erfolge ausgeblieben, wobei sich Melak früh bereits Richtung Straße orientierte.
Der Dubai Marathon ging zum 25. Mal über die Bühne. Zum Jubiläum registrierte der Veranstalter rund 20.000 Anmeldungen. Ein Fünftel davon hat sich für den Marathon angemeldet, womit der Dubai Marathon der größte und wichtigste in der Region ist. Die beiden Siegerleistungen sind neue Weltjahresbestleistungen im noch jungen Marathonjahr 2026.
Melak dominierte die Schlussphase des Dubai Marathon 2026 und erarbeitete sich einen Vorsprung von zwei Minuten auf Yasin Haji. Der 30-Jährige blieb knapp zwei Minuten unter seiner bisherigen Bestleistung vom Frankfurt Marathon 2025 und war zwölf Sekunden vor John Hakizimana im Ziel. Der 29-Jährige verbesserte seine Bestleistung um zwei Minuten und blieb damit um 50 Sekunden unter dem bisherigen Landesrekord von Ruanda von Felicien Muhitira.
Gleich 18 Läufer erzielten beim Dubai Marathon 2026 eine schnellere Zeit als 2:10 Stunden, das Elitefeld war, wenn auch nicht durchgehend prominent, riesig: 26 Äthiopier platzierten sich auf den ersten 31 Positionen.

Die 23-jährige Anchinalu Dessie, die ebenfalls unter Dedefo trainert, bestritt in Dubai ihren dritten Marathon, zum dritten Mal überquerte sie die Ziellinie als Siegerin. Bisher hat die Äthiopierin den Sevilla Marathon und Peking Marathon 2025 gewonnen, ihre Bestleistung aus Sevilla unterbot sie am gestrigen Sonntag um fast vier Minuten. „Das war mein schönster Sieg, aber auch mein härtester. Schließlich war meine Freundin und Trainingspartnerin bis zwei Kilometer vor dem Ende noch an mir dran“, sagte die Siegerin nach dem Rennen. Mit einer Zeit von 2:18:31 Stunden gehört sie nun zur erweiterten Weltklasse. Als Siegesprämie schüttet der Dubai Marathon ein Preisgeld von 80.000 US-Dollar (das entspricht rund 67.500 Euro) aus. Zwischen dem Marathon in Peking und jenem in Dubai lagen nur genau drei Monate.
Auf den ersten zehn Plätzen platzierten sich zehn Äthiopierinnen. Muliye Dekebo kam in 2:18:43 Stunden als Zweite ins Ziel. Der 27-Jährigen gelang eine überragende Bestzeit von fast sieben Minuten! Damit war die Siegerin des Dhaka Marathon 2022 und Lima Marathon 2023 die Überraschung des Rennens. Platz drei ging an die 26-jährige Fantu Worku, die in ihrem zweiten Marathon die Leistung von Berlin 2025 um fast drei Minuten auf eine Zeit von 2:19:08 Stunden verbesserte. Das Trio profitierte wie alle anderen von sehr guten Marathon-Bedingungen mit Temperaturen von 14°C beim Elitestart um 5:45 Uhr Ortszeit und vom superflachen Kurs in Dubai.
Stella Chesang hat eine Woche zuvor den Osaka Women’s Marathon gewonnen. Die Uganderin, bei den Weltmeisterschaften in Tokio 2025 Marathon-Zwölfte, siegte in einer Zeit von 2:19:31 Stunden vor den beiden Äthiopierinnen Bedatu Hirpa und der favorisierten Vorjahressiegerin Workenesh Edesa, die beide in einem intensiven Kampf um den zweiten Platz noch unter 2:20 Stunden blieb. Prominente Tempomacherin war die Kenianerin Loice Chemnung, die im April den Boston Marathon laufen wird. Laut Informationen von World Athletics hat noch nie eine Athletin aus Uganda einen Marathon mit dem Platin-Label gewonnen.
Den meisten Applaus vom Streckenrand erhielt Mikuni Yada. Die 26-jährige Japanerin, bisher nur innerhalb ihrer Landesgrenzen als 10.000m-Läuferin bekannt, lief in ihrem ersten Marathon eine Fabelzeit von 2:19:57 Stunden als Vierte und knackte als sechste japanische Marathonläuferin in der Geschichte die Schallmauer von 2:20 Stunden. Nie zuvor war einer Japanerin ein schnelleres Marathon-Debüt gelungen.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Dubai Marathon