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Es war nicht die Hauptschlagzeile, aber eine tolle Zusatznotiz. Grace Sugut, Ehefrau von Marathonlegende Eliud Kipchoge, absolvierte am vergangenen Sonntag in Kapstadt ihren allerersten Marathon. Sie finishte nach 4:29:59 Stunden im ersten Drittel des Frauenfeldes, punktgenau ein sub-4:30-Debüt. Eliud Kipchoge empfing sie im Ziel mit einer Umarmung – so wie sie ihn am 12. Oktober 2019 nach seinem sub-2-Marathon in Wien im Ziel euphorisch empfangen hatte. „Mein Herz ist voller Stolz“, adelte er sie auf Social Media. Die Schlagzeilen der Weltpresse gehörten freilich dem zweifachen Olympiasieger selbst, der seinen ersten Marathon auf afrikanischem Boden absolvierte. Mit seinem sportlichen Ergebnis schaffte es der 41-Jährige jedoch nicht aufs Titelblatt.
Nach 2:13:29 Stunden stoppte Eliud Kipchoges Chip die Zeitnehmung, Platz 16 in der Gesamtwertung des Kapstadt Marathon. Der zweifache Olympiasieger war nicht gekommen, um zu gewinnen – diese Ansprüche gehören auf diesem Niveau der Vergangenheit an. Er war gekommen, um mit seiner Persönlichkeit dem Laufen in Südafrika und in ganz Afrika Rückenwind zu verleihen.
Die 41-jährige, lebende Marathonlegende war in seiner gesamten Karriere noch nie einen Marathon auf seinem Heimatkontinenten gelaufen. Diese Premiere war jedoch nicht das einzige Signal, das der Kenianer setzte. Mit seiner World Tour, die binnen zwei Jahren sieben Marathons auf sieben Kontinenten vereint, will er seine inspirierende Botschaft für das Verbindende des Laufsports weiter vertiefen – und zwar überall auf dem Erdball. „Es war ein besonderer Tag hier in Kapstadt. Ein Feiertag des Laufens auf einer wunderschönen Strecke und vor vielen Tausenden unglaublichen Fans, die gesungen und musiziert haben“, berichtete er.
Der Kapstadt Marathon befindet sich im Aufnahmebewerbungsprozess in die World Marathon Majors. Nach der wegen Unwettergefahr kurzfristig abgesagten Veranstaltung im vergangenen Jahr war die Präsenz der kenianischen Marathonlegende ein Segen für den Veranstalter. Denn dadurch blickte die Marathon-Welt in die südafrikanische Metropole.
Auch spitzensportlich ist der Kapstadt Marathon nun der schnellste Marathon Afrikas. Mohamed Esa pulverisierte den Streckenrekord um über drei Minuten und siegte in einer Zeit von 2:04:55 Stunden. Nie zuvor war eine Marathon-Siegerzeit bei einem afrikanischen Event hochwertiger.
Für den 25-jährigen Äthiopier, bereits Zweiter bei den World Marathon Majors in Tokio (2023) und Chicago (2024), war es sein dritter Marathonlauf unter 2:05 Stunden. Vor gut einem Monat musste er den Boston Marathon vorzeitig aufgeben. Yihunilign Adane aus Äthiopien (2:04:59) und Kalipus Lomwai aus Kenia (2:05:06) belegten in einem spannenden Kampf um den Sieg die weiteren Plätze und freuten sich jeweils über persönliche Bestzeiten. Elf Läufer blieben unter 2:09 Stunden, darunter der ehemalige WM-Medaillengewinner Maru Teferi aus Israel als Siebter in 2:06:46 Stunden.
Bei den Frauen erreichte Esas Landsfrau Dera Dida, Ehefrau von Marathon-Olympiasieger Tamirat Tola und in ihrer Karriere schon Zweite in Berlin und Paris, in 2:23:18 Stunden als Erste das Ziel, verpasste aber den Streckenrekord der Südafrikanerin Glenrose Xaba. Eine halbe Minute später folgten ihre Landsfrauen Mestawut Fikir und Waganesh Amare. Die 47-jährige Edna Kiplagat aus Kenia lief nach einer beachtlichen Zeit von 2:25:44 Stunden als Fünfte ins Ziel. Die beiden Sieger kassierten jeweils ein Preisgeld in Höhe von rund 30.000 Euro.
Eliud Kipchoge bliebt auch nach seiner Karriere mit spitzensportlichen Anspruch seiner Mission treu, das Laufen auf der ganzen Welt zu bewerben und immer mehr Menschen für den Marathon zu begeistern. Zwei Wochen vor dem Kapstadt Marathon begleitete er den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron medienwirksam auf einer Laufrunde durch die kenianische Hauptstadt Nairobi.
Er werde Schritt eins seiner World Tour nie vergessen, beteuerte Kipchoge: „Es war der perfekte Start, hier in Afrika.“ Nächster Stopp ist der Porto Alegre Marathon am 12. Juli in Brasilien, Südamerika. Im Herbst läuft Kipchoge dann den Melbourne Marathon in Australien, die weiteren Stationen, darunter die drei auf der nördlichen Hemisphäre, sind noch nicht definiert.
Die Masterswertung beim Kapstadt Marathon hat Kipchoge übrigens nicht gewonnen. Der ebenfalls 41-jährige, ehemalige südafrikanische Topläufer Stephen Mokoka war um knapp drei Minuten schneller.
Abeba Aregawi hat eine bewegte sportliche Karriere hinter sich. Die Äthiopierin trat bereits in jungen Jahren unter durchaus umstrittenen Umständen für Schweden, der Heimat ihres damaligen Ehemanns an, und wurde 2013 Weltmeisterin im 1.500m-Lauf, im Jahr darauf Hallen-Weltmeisterin. Doch 2016 wurde sie positiv auf die damals neu verbotene Substanz Meldonium getestet und suspendiert, später rehabilitiert. Dennoch war dieser Dopingfall ein Dämpfer für sie. Das schwedische Olympische Komitee verzichtete auf eine Nominierung Aregawis für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Kurioserweise profitierte Aregawi gleichzeitig rückwirkend von Dopingsperren anderer und rückte im 1.500m-Lauf bei den Olympischen Spielen 2012 durch Disqualifikationen von drei Kontrahentinnen auf den silbernen Platz vor.
Der schwedische Verband erklärte 2018 die Karriere der Athletin de facto für beendet. Sie war von der Bildfläche verschwunden. Seit wenigen Jahren ist Aregawi, nun wieder in Äthiopien daheim, aber immer noch unter schwedischer Fahne laufend, wieder auf der Laufbühne aktiv. Am Sonntag absolvierte sie beim Ottawa Marathon ihr Marathon-Debüt und lief auf Anhieb als Siegerin ins Ziel. Bei deutlich besseren Bedingungen als befürchtet, mit nur leichten Regenschauern, Wind und kühlen Temperaturen, erreichte die 35-Jährige in der kanadischen Hauptstadt eine Zeit von 2:23:12 Stunden. Damit war sie um über zwei Minuten schneller als Tahir Kuftu aus Äthiopien und Betty Chepkorir aus Kenia. Eingehüllt in die schwedische Flagge feierte Aregawi die Verbesserung des 15 Jahre alten schwedischen Marathonrekords von Isabellah Andersson.
Bei den Männern verpasste Rory Linkletter als Dritter in 2:09:43 Stunden den erträumten Heimsieg. Elvis Cheboi aus Kenia (2:09:22) und Gizealew Ayana aus Äthiopien (2:09:26) erreichten das Ziel vor ihm. Top-Favorit Shura Kitata aus Äthiopien belegte in 2:11:12 Stunden nur den siebten Platz. Über 40.000 Läufer:innen beteiligten sich am Laufwochenende in Ottawa. Der Marathon in der kanadischen Hauptstadt feierte seine 50. Austragung – ein historisches Jubiläum!
Autor: Thomas Kofler
Bild: © SIP / Johannes Langer