Enter your email address below and subscribe to our newsletter

,

EM 2024: Das ÖLV-Lauftrio im Stadio Olimpico

1.500m-Läufer Raphael Pallitsch sowie Tobias Rattinger und Lena Millonig im 3.000m-Hindernislauf vertreten Österreich bei den EM-Laufbewerben.
Weiterlesen

Share your love

Morgen beginnen die Europameisterschaften in Rom. Drei rot-weiß-rote Athlet*innen, Raphael Pallitsch, Tobias Rattinger und Lena Millonig, und viele internationale Stars sind bei den Laufbewerben im Stadio Olimpico am Start und versprechen etliche spannende Wettkämpfe. Eine gesonderte Vorschau auf die Halbmarathonläufe folgt morgen.

Das rot-weiß-rote Trio geht mit unterschiedlichen Ausgangspositionen und Erwartungshaltungen an die Herausforderung Rom 2024 heran. Aussichtsreich im Rennen ist Mittelstreckenläufer Raphael Pallitsch (SVS Leichtathletik). Mit seinem neuen österreichischen Rekord von 3:33,59 Minuten ist der 34-Jährige in der Reihung der „Road to Rome“ die Nummer 15 von 30 Startplätzen, die in Realität 33 sein werden, weil so viele Athleten (maximal drei pro Nation) das Limit erbracht haben. In der Reihung nach Saisonbestleistungen ist der Österreicher gar die Nummer neun – hinter dem norwegischen Superstar Jakob Ingebrigtsen, Azzedine Habz aus Frankreich, Isaac Nader aus Portugal, Pietro Arese aus Italien, Andrew Coscoran aus Irland, Adel Mechaal aus Spanien und Federico Riva aus Italien, der beim Rekordlauf in Ostrava knapp vor Pallitsch über die Ziellinie lief.

Wenngleich Leute wie WM-Medaillengewinner Narve Gilje Nordas oder Mario Garcia in dieser Liste hinter Pallitsch liegen, ein höheres Niveau aber nachgewiesen haben, ist die Zielsetzung Pallitschs klar: „Finale!“ Dafür muss er sich am Montag ab 11:20 Uhr durch die Vorläufe kämpfen und dort wird taktisches Geschick gefragt sein, aber auch Endschnelligkeit. Und die bringt der Burgenländer mit, nicht nur wegen seiner Vergangenheit im 800m-Lauf. „Ich freue mich auf die EM-Atmosphäre, auf die Fachsimpeleien mit den Teamkollegen beim Frühstück, auf das Treffen mit internationalen Kollegen. Aber ich bin sehr stark auf das Wesentliche fokussiert, das Sportliche. Die EM-Atmosphäre in der Stadt kann ich erst im Nachhinein inhalieren, einen genüsslichen Espresso oder ein bisschen Sightseeing“, sagt er. Im Idealfall erst nach der EM, denn der Finallauf im 1.500m-Lauf ist am Schlusstag der Titelkämpfe angesetzt.

RunAustria-Lesetipp: Kurzinterview mit Raphael Pallitsch

Zweite Karriere steht vor Höhepunkt Paris 2024

Nach chronischen Fußbeschwerden, die sich auch durch die operative Entfernung des Sesambeines nicht lösten, hat Raphael Pallitsch 2015 seine Karriere beendet. Vorerst, denn vier Jahre später reifte in ihm bei einer Lateinamerika-Reise mit einem Freud der Gedanke, es noch einmal zu versuchen. Denn die gesundheitlichen Rahmenbedingungen als Grundvoraussetzung dafür waren gegeben. „Ich habe schnell gemerkt, dass das Feuer brennt und die Leidenschaft da war, mich zu quälen. So habe ich das Training sowohl in der Quantität und Qualität Schritt für Schritt gesteigert“, blickt er zurück. Langsam reiften Ziele, die Olympischen Spiele 2024 in Paris strahlten einen gewaltigen Reiz aus. „Es braucht die Leidenschaft, im Training die Opferbereitschaft aufbringen zu können, diszipliniert zu leben und enorm viel zu investieren. Jeden Tag. Um dann die Leidenschaft im Outcome zu spüren, die natürlich umso größer ist, je besser die Ergebnisse. Es ist eine Erfüllung, das Gefühl von Lebensglück, also der Reiz, den Spitzensport auf mich ausstrahlt. Diese Emotionen habe ich in meiner ersten Karriere gespürt und die wollte ich wieder spüren.“

Autodidaktisch zum Erfolg

Schritt für Schritt steigerte sich Pallitsch und qualifizierte sich für die WM in Budapest, ein erster Höhepunkt in der zweiten Karriere. Nach den Titelkämpfen erörterte er, was für eine Olympia-Qualifikation 2024 notwendig sein, wie er im Interview mit RunUp.eu verriet. Sein Manager Alfons Juck organisiert die notwendigen Startplätze bei bedeutenden Meetings wie zuletzt in Ostrava. Für das Sportliche ist der 34-Jährige selbst verantwortlich: „Ich informiere mich akribisch, lese Studien, habe auch durch meine Ausbildungen die entsprechende Schulung Erkenntnisse richtig zu interpretieren, und führte überdies viele Gespräche mit Leuten, die in ihren Bereichen exzellente Arbeit leisten. Leistungsphysiologisch basiert die gesamte Arbeit auf einem von mir entworfenen Konzept.“

Das Selbstvertrauen ist nach den Rekordläufen in Rehlingen und Ostrava entsprechend hoch, die Erwartungshaltung ebenfalls, Richtung Olympia-Teilnahme stehen die Zeichen gegenwärtig gut. Es ist der Ertrag des Risikos, das Pallitsch gegangen ist. „Einerseits habe ich mein Ausdauerlevel drastisch erhöht, mehr Umfang und optimale Inhalte trainiert, und die Effektivität erhöht. Alles in einem längeren Zeitraum in voller Konsequenz. Das hat die Grundlagenausdauer und Schwellenfähigkeit verbessert. Andererseits habe ich mehr Zeit im Kraftraum verbracht, mit vielen spezifischen, kleinteiligen und komplexen Übungen, die zum Ziel hatten, die Ökonomisierung meines Körpers zu verbessern“, schildert er, welche wesentlichen Bausteine er hin zur letzten Saison verbessert hat. Ein monatlicher Zyklus zwischen Trainingslagern in Südafrika und Aufenthalt zuhause setzte ebenfalls wichtige Reize, die den Leistungssprung begünstigten.

Die (beinahe) vergessene Medaillenhoffnung

Der 1.500m-Lauf ist einer der spannendsten Laufbewerbe im EM-Programm von Rom, nicht nur aufgrund der Präsenz von Raphael Pallitsch oder von Jakob Ingebrigtsen als Europas Laufstar schlechthin. Einer der Medaillenkandidaten, Azzedine Habz wäre beinahe nicht am Start gewesen – und zwar unfreiwillig aufgrund einer unbeschreiblichen Kuriosität. Wie sein Landsmann Simon Bedard im 10.000m-Lauf hat der französische Leichtathletik-Verband (FFA) ihn schlichtweg vergessen zu nominieren. Das berichtete die französische Sporttageszeitung „L’Équipe“ am vergangenen Freitag. Nach diesem „Fehler“, wie der Verband den Fauxpas bezeichnete, versuchte die FFA die beiden Athleten nachzutragen, doch der Europäische Leichtathletik-Verband (European Athletics) blieb vorerst hart, wodurch das Duo zum Zuschauen verdammt schien. „Er sei zutiefst erschüttert“, schrieb Habz in sozialen Netzwerken und sprach von einer „Tortour“, die er durchmachen musste. Wie sein Landsmann kritisierte der 30-Jährige nicht nur den nationalen, sondern auch den europäischen Verband scharf.

Vier Tage später meldeten französische Medien, dass das Duo doch eine Starterlaubnis von European Athletics bekommen hat, wohl als Folge intensiver Lobbyarbeit, wie die „L’Équipe“ festhielt. Für Habz wäre der Ausschluss besonders bitter gewesen: 2023 gewann der 30-Jährige die Bronzemedaille bei den Hallen-Europameisterschaften, zuletzt belegte er beim Diamond-League-Rennen in Oslo als zweitbester Europäer hinter Ingebrigtsen Platz drei.

EM-Premiere für Rattinger

Erstmals bei Europameisterschaften der Allgemeinen Klasse ist Tobias Rattinger (LAC Amateure Steyr) dabei. Der 26-Jährige hat sein klinisch-praktisches Jahr an der Med Uni Innsbruck unterbrochen, um monatelang mit professionellen Vorzeichen jenen Leistungssprung zu schaffen, der für die Qualifikation notwendig war. Zum Teil stemmte er die Herausforderung auf Eigenkosten. Förderungen und kleinere Sponsorenverträge halfen auch. Der Aufwand war mit zwei Trainingslagern in Südafrika mit Raphael Pallitsch, der ihn mit seinem Wissen auch beeinflusste, groß. Der Ertrag auch entsprechend: Rattinger absolvierte die für die Weltrangliste notwendigen, drei hochwertigen Wettkämpfe, unter anderem bei seiner neuen Bestleistung von 8:26,17 Minuten in Karlsruhe.

RunUp-Lesetipp: Kurzinterview mit Tobias Rattinger

„Die EM-Teilnahme war das gesteckte Ziel. Das hab ich erreicht. Das wie hat mich selbst überrascht. Dass ich so schnell laufen kann und doch recht locker ins EM-Feld reingerutscht bin. Letztendlich war ich ja recht nahe am Limit“, erzählt der Oberösterreicher, der sich als begeisterter Fan der Leichtathletik outet. „Ich schau mir fast jeden verfügbaren Livestream von Meetings an und bin voll im Bilde.“ Überhaupt ist Rattinger sportbegeistert. Das liegt auch am familiären Umfeld, sein Vater war Läufer, u.a. Vize-Staatsmeister im Marathon, sein Bruder ist ebenfalls im Laufsport aktiv. Der aus Steyr stammende Läufer studiert seit 2017 in Innsbruck, nun steht er vor seinem bisherigen Karriere-Höhepunkt. „Ich bin mega happy, dass ich dabei bin, und verspüre große Vorfreude.“

Proaktiv die Chance suchen

Auch wenn Rattinger im 34-köpfigen Feld die Nummer 28 laut „Road to Rome“ ist, sieht sich der Österreicher in den Vorläufen am Samstag ab 10:10 Uhr nicht chancenlos. „Wenn die Tagesverfassung gut ist, kann ich auch ein paar Leute schlagen, die eine bessere Bestleistung haben als ich“, beruft sich der Oberösterreicher auf seine Stärke im finalen Drittel und seine saubere Hindernistechnik. Natürlich könne er realistischerweise nicht mit dem Einzug ins Finale rechnen, aber er wolle proaktiv eine Chance suchen. „Wenn der Vorlauf langsam ist, werde ich mich eher nach vorne orientieren, wenn es schnell wird, hinten sitzen und abwarten. Nur eines darf nicht passieren: In der Mitte des Feldes auf der Innenbahn zu laufen.“

Erleichterung bei Millonig

Eine nicht ganz leichte Aufgabe hatte Lena Millonig (ULC Riverside Mödling) zu lösen. Erstens ist die Dichte im 3.000m-Hindernislauf in Europa mittlerweile beträchtlich, zweitens startete die 26-Jährige zu Saisonbeginn bei Null, weil sie durch ihre schwere Verletzung im vergangenen Sommer (Bänderrisse im Sprunggelenk) keine Ergebnisse hatte. Trotz ihres neuen ÖLV-Rekord von 9:46,17 Minuten wurde die Qualifikation über die „Road to Rome“ zur Zitterpartie, das Limit von 9:37,00 Minuten war schließlich außer Reichweite. „Ich bin doppelt erleichtert. Erstens, weil ich nach der Verletzung nicht gewusst hab, ob ich wieder so über den Wassergraben laufen kann wie früher, das war eine mentale Frage. Gott sei Dank klappt das gut und ich hatte ja einen langen Aufbau ohne Unterbrechung, mit dem Wissen, was ich drauf habe. Die entscheidende Frage war nur: Passt bei den Wettkämfen alles zusammen: Feld, Bedingungen, Tagesverfassung.“ Was beim Rekordlauf in Karlsruhe gelang, misslang etwa bei den Balkan-Meisterschaften: „Absolut gar nicht mein Tag!“ So wurde die EM-Quali zur Zitterpartie mit der Spekulation, dass einige Athletinnen auf die EM verzichten würden. Als Millonig auf Position 32 der bereinigten und auf 34 Startplätze ausgelegten „Road to Rome“ vorrückte, war der zweite Teil der Erleichterung präsent.

Schwitzen für die Sensation

Es ist ihre zweite EM-Teilnahme. Während sie in München noch kaum Druck verspürte und auch die Aufregung und das Neue absorbierte, das erste Mal bei den „Großen“ dabei zu sein, ist dieses Mal eine höhere Erwartungshaltung mit an Board. „Klar, die Chancen auf eine Finalteilnahme ist relativ gering. Dafür kommen auch viel zu viele Weltklasseläuferinnen mittlerweile aus Europa. Aber ich will schon so laufen, dass ich persönlich zufrieden von der Bahn gehe.“ Das wäre zum Beispiel mit einem neuen ÖLV-Rekord der Fall. Für den Vorlauf am morgigen Freitag ab 12:20 Uhr sind allerdings rund 30°C und uneingeschränkte Sonneneinstrahlung vorhergesagt.

Frey und Bredlinger verpassten die Quali knapp

Nicht allen österreichischen Läufer*innen mit den entsprechenden Hoffnungen ist der Schritt zur EM gelungen. Knapp dran war Sebastian Frey (DSG Wien), der sowohl im Winter als auch in der kurzen Freiluftsaison seine Leistungssteigerung gegenüber dem Jahr 2023 eindrucksvoll nachweisen konnte. Mit seiner neuen Bestleistung von 13:24,58 Minuten kam Frey bis auf viereinhalb Sekunden an das EM-Limit heran. Der 22-Jährige hatte aber das Pech, dass sämtliche der 25 verfügbaren Startplätze über das Direktlimit weggingen und er als damit Bester der restlichen Weltranglistenposition übrigblieb.

Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt), die sich im Winter um ein Haar für die Hallen-Weltmeisterschaften qualifiziert hätte, verpasste die EM-Qualifikation um fünf Positionen, letztendlich aber recht klar. Sie hatte sich dazu entschieden, innerhalb der Austrian Top Meetings genügend gute Leistungen abzuliefern, um ausreichend Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Die Rennen in Graz und St. Pölten bezeichnet die 24-Jährige als frustrierend, beim Heimspiel in Eisenstadt kam der große Druck dazu, eine besondere Leistung abliefern zu müssen. „Der Rennverlauf war nie ideal und so sind die Ergebnisse nicht gekommen. Bezeichnenderweise war ich in jenem Rennen am schnellsten, wo die Einstellung schon nicht mehr ganz ideal war, weil ich gewusst habe, dass sich die EM-Quali nicht mehr ausgehen würde“, erzählt sie. Gemeint sind die Balkanmeisterschaften, wo sie eine Freiluftbestzeit von 2:02,79 Minuten aufstellte. „Ich hab in dieser Saison einfach mein Potenzial noch nicht in den Wettkampf legen können. Die Trainingsleistungen stimmen und daher bin ich optimistisch, bei den nächsten Meetings Richtung 2:01er Zeiten angreifen zu können“, wirft die Burgenländerin einen Blick in die nähere Zukunft.

Zu große Aufgabe für Kamenschak

Das große Ziel EM hat sich auf der 20-jährige Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) vorgenommen. Früh zeichnete sich ab, dass dafür ein großer Leistungssprung notwendig war, denn alle Startplätze gingen über das Direktlimit von 3:36,00 Minuten weg. „Wir müssen ehrlich sagen, dass wir eher unzufrieden sind, weil wir in der Entwicklung leicht hinterher hinken. Natürlich bekommt man nichts geschenkt, die EM-Quali war schon ein sehr schwieriges Unterfangen“, zieht Andreas Prem, Trainer von Kamenschak, eine Zwischenbilanz. Angesichts des kleiner Starterfeldes sei die EM-Qualifikation beinahe genauso schwierig wie die Qualifikation für die Olympischen Spiele, so groß ist die Dichte in Europa in dieser Disziplin.

Für Prem steht allerdings im Vordergrund, dass eine Entwicklung in die richtige Richtung spürbar ist und Verbesserungen sich auch in den Wettkampfleistungen zeigen. „Die Saison ist noch jung, vielleicht schaut die Welt nach den nächsten Wettkämpfen bei der On Track Night in Wien und bei den Staatsmeisterschaften schon wieder ganz anders aus.“ Wichtig sei, dass sein Schützling seit Monaten verletzungs- und krankheitsfrei trainiert, zu einem Teil mit einer holländischen Trainingsgruppe, somit können die nächsten Schritte gelingen.

Konstanz ist die Unkonstanz bei Klosterhalfen

Zu den großen Abwesenden in den Laufdisziplinen gehören neben vielen britischen Laufstars – tendenziell verzichtet der britische Verband in Olympischen Jahren eher auf EM-Teilnahmen seiner Stars und schickt eine Art „Zweitgarnitur“ in die italienische Hauptstadt – Konstanze Klosterhalfen. Die Deutsche kann damit ihren EM-Titel im 5.000m-Lauf nicht verteidigen. Ihre Situation sei „dramatisch“, erinnerte Bundestrainerin Isabelle Baumann gegenüber „Sport 1“ an die vergangenen Jahre, die von vielen Infekten, Verletzungen und Trainerwechseln geprägt war, so dass keine Kostanz aufkommen konnte. Nach dem Abschied aus dem Nike Oregon Project trainierte Klosterhalfen unter Gary Lough, Ehemann von Paula Radcliffe und ehemaliger Coach von Mo Farah. Seit Saisonbeginn arbeitet sie mit Alistair Cragg zusammen, die Ergebnisse fehlen aber, so dass Klosterhalfen sich weder für den 10.000m- noch für den 5.000m-Lauf qualifizieren konnte.

Über die kürzere Distanz wäre sie als Titelverteidigerin gesetzt gewesen, im 10.000m-Lauf hätte sie von der Nominierungsmöglichkeit eines größeren Teams profitiert. Nun verzichtet die 27-Jährige auf ein Antreten, da sie im Frühjahr länger von einem Infekt ausgebremst wurde und die Zeit für eine gute Vorbereitung Richtung EM zu knapp wurde. Auch Alina Reh und Miriam Dattke konnten sich nicht in Topform bringen und sind daher nicht am Start.

Die Heim-EM 2022 war eine überraschend erfolgreiche für die deutsche Leichtathletik. In Rom wollen nun die Hindernisläuferinnen Gesa Krause und Lea Meyer, EM-Silbermedaillengewinnerin von 2022, sowie Robert Farken bei ihren Comebacks aufzeigen. Meyer und Farken kommen aus einer längeren Zeit der Verletzungen und tasten sich Schritt für Schritt wieder heran, Gesa Krause, 2016 und 2018 Europameisterin, legte im letzten Jahr eine Babypause ein und ist mit guten Signalen wieder in diese Wettkampfsaison eingestiegen.

Ein Neo-Schweizer mit Medaillenchancen

Seit Anfang Mai ist Dominic Lobalu international für die Schweiz startberechtigt, womit das Schweizer Team auf Anhieb einen Medaillenkandidaten für die Laufdistanzen auf der Bahn hat. Das Bemühen des Schweizer Leichtathletik-Verbandes (Swiss Athletics) war ein intensives und langwieriges, die Geduld hat sich aber rechtzeitig vor den Höhepunkten der diesjährigen Saison ausgezahlt. Der 25-Jährige hat das Limit für gleich vier Disziplinen in der Tasche, seine größte Stärke ist der 5.000m-Lauf, wo er als Medaillenkandidat gilt. Außerdem startet Lobalu über 10.000m, beide Langstrecken sind an der Spitze gut besetzt.

Prominentester internationaler Teilnehmer auf den Laufdistanzen ist mit Abstand Jakob Ingebrigtsen. Der Norweger ist nach Problemen mit der Achillessehne im Winter gut in die Saison gestartet und strebt in Rom wie schon in Berlin 2018 und München 2022 den doppelten EM-Titel im 5.000m- und 1.500m-Lauf an. Da seine stärksten Kontrahenten Josh Kerr (verzichtet hinblicklich Olympia) und Mohamed Katir (Sperre wegen Dopings) nicht nach Italien reisen, stehen die Chancen dafür exzellent. Dennoch sind beide Disziplinen sehr stark und dicht besetzt, womit der 23-Jährige auch abliefern muss. Das zeigt auch die Tatsache, dass in beiden Disziplinen nur Läufer mit erbrachtem Limit von 3:36,00 bzw. 13:20,00 Minuten ins Starterfeld gerückt sind.

Stars bei den Läuferinnen sind Keely Hodgkinson und Eilish McColgan, zwei Britinnen, die in Rom dabei sind. Hodgkinson ist die glaskare Favoritin auf die Titelverteidigung über 800m, McColgan kommt aus einer längeren Verletzungspause zurück und hat Ende Mai bei ihrem Comeback den Elitelauf beim Österreichischen Frauenlauf gewonnen. Eine weitere prominente Teilnehmerin ist Karoline Bjerkeli Grövdal, die Norwegerin hat bereits dreimal den Crosslauf-WM-Titel gewonnen. Die italienischen Lauffans hoffen vor allen Dingen auf Yemaneberhan Crippa, der den Titel im 10.000m-Lauf verteidigt, sowie auf Nadia Battocletti im 5.000m- und 10.000m-Lauf.

RunUp-Lesetipp: Der Bericht zum Österreichischen Frauenlauf

Rom zum zweiten Mal EM-Gastgeber

Man mag es kaum glauben, aber in der langen Geschichte von Leichtathletik-Europameisterschaften richtet Italien, einer der größten nationalen Verbände auf dem Kontinent, erst zum zweiten Mal seit der EM-Premiere 1934 in Turin die Kontinentalmeisterschaften aus. Vor exakt 50 Jahren war ebenfalls Rom Gastgeber. Das Stadio Olimpico ist seit Jahrzehnten fixer Bestandteil der globalen Leichtathletik als jährlicher Austragungsort der „Golden Gala“ in der Diamond League und früher Golden League. Die Arena war auch Austragungsort der Olympischen Spiele 1960 und der Weltmeisterschaften 1987, eine aussichtsreiche WM-Bewerbung für 2027 wurde kurzfristig zurückgezogen.

Das Stadio Olimpico bietet 72.698 Zuschauer*innen Platz und ist damit eines der größten Leichtathletik-Stadion Europas. Seit der Eröffnung im Jahr 1932 als Stadio dei Cipressi, was an die Lage im Grünen erinnert, wurde es mehrfach renoviert, das letzte umfassende architektonische Update gab es zur Fußball-WM 1990. Angesichts des seit Jahren andauernden Aufstiegs der italienischen Leichtathletik und die vielen Medaillenchancen, die das 113 Athlet*innen umfassende Team hat, ist ein hohes Zuschaueraufkommen durchaus erwartbar. Das begünstigt eine gewisse Leichtathletik-Euphorie, die aus Medienberichten herauszufühlen ist, wie auch relativ günstige Ticketpreise. Verbandspräsident Stefano Mei spricht trotz der historischen Ausbeute von fünf Olympischen Goldmedaillen bei den Spielen von Tokio vom stärksten italienischen Leichtathletik-Nationalteam aller Zeiten.

Ein visuelles Highlight ist das im Schatten des Olimpico legende Stadio dei Marmi, welches als Aufwärmplatz zum Einsatz kommt und deshalb mit einem neuen, in grau gehaltenen Belag versehen wurde. 59 an die Antike erinnernden Monumentalstatuen säumen das Oval, die Stufen darunter sind aus Marmor.

Ein Gewinn lockt

Erstmals wird bei Europameisterschaften ein Preisgeld ausgeschüttet und zwar insgesamt über die gesamte Woche in einer Höhe von 500.000 Euro. Das sind freilich nicht die Dimensionen von globalen Titelkämpfen, aber mit dieser Maßnahme wollte der Europäische Leichtathletik-Verband die EM zwei Monate vor den Olympischen Spielen attraktiver für die Besten Europas machen, die sich auf den großen Saisonhöhepunkt in Paris vorbereiten. Dass die EM recht kurzfristig vom angedachten Termin Ende August in den Juni vorverlegt wurde, bringt den Vorteil mit sich, dass in den meisten Disziplinen der Qualifikationszeitraum für die Olympischen Spiele noch läuft, die EM eine attraktive Bühne mit starker Konkurrenz und vielen Bonuspunkten für die Weltrangliste ist.

Das Preisgeld gibt es nicht per se für Platzierungen, sondern für den Wert der Leistungen laut Performance Score von World Athletics. Zwar wird die Summe gesplittet auf 2×5 Bereiche (Sprint, Lauf, Wurf, Sprung, Straße und Mehrkampf, jeweils männlich und weiblich), doch erscheint damit nicht vollständige Gerechtigkeit gegeben. Denn besonders längere Laufdisziplinen sind oft taktisch geprägt. European Athletics wollte wohl einen Ansporn für Top-Leistungen geben.

Europameisterschaften 2024

Die Leichtathletik-EM geht vom 7. bis 12. Juni in Rom über die Bühne. 21 Leichtathlet*innen aus Österreich haben sich für die Titelkämpfe qualifiziert, wodurch der ÖLV sein größtes EM-Team seit 70 Jahren entsendet. Medaillenkandidatinnen sind Victoria Hudson im Speerfwurf der Frauen und Lukas Weißhaidinger im Diskuswurf der Männer. Insgesamt sind 1.548 Athlet*innen aus 48 Mitgliedsverbänden gemeldet.

Share your love