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Wie die Zeit verfliegt! Heute sind es schon genau 40 Jahre her, dass Dietmar Millonig in Madrid Hallen-Europameister über 3000 m wurde. Eine Sternstunde für Österreichs Leichtathletik! An jenem denkwürdigen 23. Februar 1986 krönte sich der Kärntner als erster Österreicher überhaupt zu einem Leichtathletik-Europameister (Männer). In einem unvergesslichen Rennen setzte er sich in einem dramatischen Endspurt, schon fast auf der Außenbahn laufend, in 7:59,08 gegen den Italiener Stefano Mei (7:59,12) und den Portugiesen Joao Campos (7:59,15) durch.
„Natürlich war dies das i-Tüpfelchen in meiner Karriere“, sagt Dietmar Millonig, dessen Laufbahn man aber nie, wie es leider manchmal geschieht, nur auf diesen Titel reduzieren. Dafür hat der Kärntner in seiner einmaligen Laufbahn viel zu viel erreicht, noch dazu in einer Hochzeit der Leichtathletik, als in den 80er-Jahren Läufer wie Sebastian Coe, Steve Ovett, Thomas Wessinghage, Markus Ryffel, Eamonn Coghlan oder Miruts Yifter die Stadien füllten. Und Dietmar Millonig war mittendrin. „Es war ein Privileg, damals dabei zu sein. Eine unvergessliche Zeit!“
Sechs Jahre vor seinem EM-Titel war ihm bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau als Sechster über 5000 m der große Durchbruch gelungen, 1982 war er dann EM-Fünfter, 1983 WM-Achter. Die Türen zu allen großen Meetings wie in Zürich, Lausanne, Berlin oder Brüssel standen ihm offen. Er nutzte seine Chance, feierte große Siege, lief sensationelle ÖLV-Rekorde wie beispielsweise auch jenen über 3000m von Lausanne 1980, der heute noch steht. Millonig war Weltklasse, eilte seiner Zeit voraus, so kam auch sein EM-Gold nicht ganz wie ein Blitz aus heiterem Himmel…
„Im Vorlauf habe ich mich in Madrid allerdings nicht gut gefühlt, da war es zäh“, erinnert sich der heute 70-Jährige, der im ersten Heat hinter Thomas Wessinghage und António Leitao Dritter wurde und als Gesamtvierter der beiden Vorläufe ins Finale aufstieg. Zur Ablenkung machte er, der Kunstliebhaber, vor dem Finale noch einen Abstecher in den „Prado“, wo er auf andere Gedanken kam. Der Kopf war frei fürs Finale.
Da die Bahn im „Palacio de los Deportes“ nur 164 m statt der gewohnten 200 m lang war, mussten statt der sonst üblichen 15 Runden in Madrid übrigens 18 Runden und 48 Meter gelaufen werden. Über das Finale, das (wie häufig in Endläufen) kein hohes Anfangstempo hatte, erzählt Millonig: „Lange war eine große Gruppe zusammen. Drei Runden vor Schluss sagte ich mir, ich muss was tun, muss weiter nach vorne kommen.“ Er kämpfte sich Schritt für Schritt näher an die Spitze, die dann von Joao Campos angeführt wurde.
Millonig: „Ich bin die letzte Kurve etwas höher angelaufen und kam fast von außen auf die Zielgerade und habe den Schwung gut ausgenutzt.“ Und das „mit meinen kurzen Beinen“, schmunzelt Millonig, der nach dem Rennen niederkniete und die Laufbahn küsste, ein Bild, das sich fest in der Erinnerung eingeprägt hat. In 7:59,08 Minuten war er am goldenen Ziel angelangt. In dem zwölfköpfigen Finalfeld hatte er Stefano Mei, Joao Campos, Gábor Szabó und Thomas Wessinghage auf die Plätze zwei bis fünf verwiesen. Ein Abel Antón wurde nur Neunter. Einst große Namen, die heute meist nur noch Insidern ein Begriff sind, wenn überhaupt…

Eine große Gold-Feier lag Dietmar Millonig fern. Aber er lud Jürgen Preusser (damals bei der „Presse“) und mich, der für die „Kronen Zeitung“ berichtete, in ein nettes, einfaches Fischrestaurant zum Nachtmahl ein. So entwickelte sich eine kleine, aber feine Medaillenfeier mit ein paar Bier. Millonig blieb, wie kann es anders ein, auch bei seinem EM-Erfolg bescheiden. Der Europameister gab uns ein launiges Interview, dabei produzierte er auch unsere Schlagzeile für die Dienstag-Ausgaben. Er erzählte, dass er seine Gold-Medaille seinem Bruder und Trainer Hubert schenken wolle. Und wo ist die Goldene heute? „Irgendwo bei mir zu Hause“, sagt Dietmar, sein Bruder hatte damals die Goldmedaille als Geschenk nicht angenommen.
Insgesamt hat Österreich bisher nur sieben Hallen-Europameister hervorgebracht. Vor ihm waren dies Maria Sykora (1970/800 m) und Ilona Gusenbauer (1970/Hoch), nach ihm folgten Andreas Berger (1989/60 m), Klaus Bodenmüller (1990/Kugelstoßen), Theresia Kiesl (1998/1500 m) und Stephanie Graf (2000/800 m). Alle sieben Europameister waren übrigens nur bei meiner Pressekonferenz vor der Hallen-EM 2002 in Wien vereint, die ich als EM-Pressechef im „Le Ciel“ organisiert hatte.
Autor: Olaf Brockmann
Bilder: © Kronenzeitung, Olaf Brockmann