Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Erster WM-Titel für Chebet mit Battocletti als Gegnerin

Kenias Superstar Beatrice Chebet hat nach zwei Olympischen Goldmedaillen nun auch ihren ersten WM-Titel gewonnen – wie in Paris vor Nadia Battocletti.
Weiterlesen

Share your love

Es war ein ruhmreiches Finale eines 10.000m-Laufs im Rahmen von Weltmeisterschaften. Ein Schlussspurt, der mit aller Vehemenz geführt wurde. Beatrice Chebet krönte sich 13 Monate nach dem Olympischen Triumph von Paris erstmals zur Weltmeisterin. Wie in der französischen Hauptstadt war auch dieses Mal nicht eine ihrer Landsfrauen oder eine äthiopische Kontrahentin die Hauptgegnerin. Mit einem unwahrscheinlich starken Auftritt in der Schlussrunde kam die Italienerin Nadia Battocletti dem Superstar bedrohlich nahe.

„Die letzten 800 Meter waren wirklich hart. Ich musste puschen und hab mich selbst motiviert, alles für diese erste WM-Goldmedaille aus mir herauszuholen. Diese Ziel war der einzige Gedanke während des Wettkampfs“, kommentierte Beatrice Chebet. Der realisierte Favoritensieg produzierte durchaus Erleichterung. In einer Zeit von 30:37,61 Minuten Minuten gelang ihr am vergangenen Samstag in der ersten Laufentscheidung dieser Titelkämpfe wie erwartet ihr erster WM-Titel.

Europas Nummer eins mitten in der Weltklasse

Doch nicht Landsfrau Agnes Ngetich, die den 10km-Straßenlauf-Weltrekord hält, war die Hauptgegnerin der 10.000m-Weltrekordhalterin Chebet. Auch nicht Titelverteidigerin Gudaf Tsegay, sondern wie in Paris Nadia Battocletti. Die Italienerin bewies, dass die Erfolge von Paris kein Zufall sind. „Die letzten 200 Meter waren unfassbar. Ich wusste, dass dort die Entscheidung fällt und wollte so stark wie möglich spurten. Es war ein verrücktes Finale und ich freue mich sehr über die Silbermedaille.“

Taktisch machte die 25-Jährige ein hervorragendes Rennen und hielt sich stets in der Spitzengruppe ruhig und entschlossen laufend auf der Innenbahn und überwiegend im Windschatten auf. Die schwierigen Bedingungen mit Temperaturen von 28°C und hoher Luftfeuchtigkeit machten ihr wenig aus. „Auch wenn die Luftfeuchtigkeit dort nicht so hoch ist – auch in Italien ist es heiß.“

Ergebnis 10.000m-Lauf der Frauen, WM 2025 in Tokio
Gold: Beatrice Chebet (Kenia) 30:37,61 Minuten
Silber: Nadia Battocletti (Italien) 30:38,23 Minuten (italienischer Rekord)
Bronze: Gudaf Tsegay (Äthiopien) 30:39,65 Minuten

 
4. Anges Ngetich (Kenia) 30:42,66 Minuten
5. Ejgayehu Taye (Äthiopien) 30:55,52 Minuten
6. Ririka Hironaka (Japan) 31:09,62 Minuten
7. Joy Cheptoyek (Kenia) 31:15,03 Minuten
8. Fotyen Tesfay (Äthiopien) 31:21,67 Minuten
9. Lauren Ryan (Australien) 31:27,78 Minuten
10. Megan Keith (Großbritannien) 31:33,85 Minuten
11. Calli Hauger-Thackery (Großbritannien) 31:37,81 Minuten
12. Elise Cranny (USA) 31:40,07 Minuten
13. Jana van Lent (Belgien) 31:44,05 Minuten
14. Emily Infeld (USA) 31:47,65 Minuten
15. Klara Lukan (Slowenien) 31:49,76 Minuten

23. Eva Dieterich (Deutschland) 33:46,76 Minuten

Der Speed von der Mittelstrecke

Battoclettis Silbermedaille in der längsten Laufdistanz auf der Bahn war das erste Indiz über die neu gewonnene Stärke des europäischen Laufsports bei diesen Titelkämpfen. Europas Stars sind selbst gegen die afrikanischen Weltstars konkurrenzfähig, besonders unter den gegebenen Wetterbedingungen und dank des Meisterschaftscharakters. Die Studentin der Universität in Trento betonte in Interviews nach dem Rennen, dass sie aufgrund ihrer fehlenden Topzeit nicht zu unterschätzen sei – es war ihr fünfter 10.000m-Lauf, alle im Rahmen von Meisterschaftsrennen. Die Verbesserung des italienischen Rekords um fünf Sekunden gegenüber der Zeit von Paris 2024 auf eine Zeit von 30:38,23 Minuten sei eine logische Folge dessen. Sie hätte eine deutlich schnellere Zeit in den Beinen und sieht sich gerüstet für die Entscheidung über 5.000m, die am kommenden Samstag auf dem Programm steht.

© Dan Vernon for World Athletics

Noch bedeutender in diesem Wettkampf war aber nicht die generelle Leistungsstärke, sondern die Qualität des Endspurts. In 27,71 Sekunden legte die 25-jährige Europameisterin die letzten 200 Meter des Wettkampfs zurück. Diese Qualität ist kein Zufall, in den letzten Jahren startete die Italienerin gezielt bei 1.500m-Wettkämpfen, um die Endschnelligkeit unter Wettkampfbedingungen zu üben. Der Durchbruch gelang im letzten Jahr nach den Olympischen Spielen, als sie in Rom erstmals unter vier Minuten gelaufen ist. In diesem Jahr steigerte sie ihre Bestzeit bei ihrem Heimmeeting in Rovereto auf eine Zeit von 3:58,15 Minuten, beinahe italienischer Rekord.

Chebet mit bestem finalen 100er

Ebenfalls kein Zufall, dass auch Beatrice Chebet diesen Schritt wagte. Beim Diamond-League-Meeting in Chorzow lief die 25-Jährige erstmals überhaupt außerhalb Kenias einen 1.500m-Wettkampf und erzielte gleich eine Weltklassezeit von 3:54,73 Minuten. Für beide Athletinnen hat sich dieser Teilfokus ausgezahlt. Chebet legte die finalen 200 Meter in 21,21 Sekunden zurück. Dabei waren die letzten 100 Meter entscheidend, als sie auf Battoclettis Initiative noch zulegen konnte – denn eingangs der Zielgerade war die Europäerin bedrohlich nahe an der Kenianerin dran.

Titelverteidigerin Gudaf Tsegay, eine der Besten überhaupt in der Geschichte des 1.500m-Laufs, was die Topzeiten angeht, hatte in Tokio das Nachsehen: „nur“ Bronze in einer Zeit von 30:39,65 Minuten. Dass die bis 200 Meter vor dem Schluss noch führende Äthiopierin dabei in einer halben Runde eineinhalb Sekunden auf die Italienerin und zwei Sekunden auf die Kenianerin einbüßte, erstaunte. Obwohl sie gegen ihre Dauerrivalin Beatrice Chebet neuerlich den Kürzeren zog, zog sie nach ihrer bereits fünften WM-Medaille ein positives Fazit: „Neun Kilometer lang hatte ich das Rennen unter Kontrolle. Bei diesem Wetter war mein Tank im Finale leer, die anderen beiden waren einfach besser. Die Medaille bedeutet mir viel.“

Die Schlussrunden der Top-Athletinnen

  • 60,09 Sekunden – Beatrice Chebet (Siegerin)
  • 60,44 Sekunden – Nadia Battocletti (Zweitplatzierte)
  • 62,29 Sekunden – Gudaf Tsegay (Drittplatzierte)
  • 65,01 Sekunden – Agnes Ngetich (Viertplatzierte)
  • 66,69 Sekunden – Ririka Hironaka (Sechstplatzierte)
  • 69,00 Sekunden – Lauren Ryan (Neuntplatzierte)
  • 70,17 Sekunden – Ejgayehu Taye (Fünftplatzierte)
  • 72,30 Sekunden – Joy Cheptoyek (Siebtplatzierte)
  • 72,84 Sekunden – Megan Keith (Zehntplatzierte)
  • 77,85 Sekunden – Fotyen Tesfay (Achtplatzierte)

Jubel für Hironaka

Erstaunlich auch, dass Agnes Ngetich, die von Beginn an viel für die Tempogestaltung unternommen hatte, als Vierte am Ende keine Medaille gewann. Im Vorfeld hatte sie beim anvisierten Doppelstart auf den beiden Langdistanzen in kenianischen Medien mindestens ein Edelmetall als Ziel ausgegeben. Beim ersten Versuch über die 25 Stadionrunden fehlten letztlich drei Sekunden auf Platz drei, die Kraft fehlte in der Schlussphase. Im 5.000m-Lauf mit vergleichbarer Konkurrenz plus Faith Kipyegon wird dieses Unternehmen ganz sicher nicht einfacher.

Noch deutlich weiter zurück lag Ejgayehu Taye, die zweite Äthiopierin. Viel höher zu bewerten ist Platz sechs der beherzt laufenden Japanerin Ririka Hironaka, die sich den verdienten und lauten Applaus des Publikums abholte und sich für diese prächtige Unterstützung gestenreich bedankte. Die deutsche Teilnehmerin Eva Dieterich wirkte in diesem Klassefeld überfordert und landete recht abgeschlagen auf dem 23. Platz. Sie wurde von der Spitze gleich doppelt überrundet.

Beatrice Chebet vs. Gudaf Tsegay

Head-to-Head:
10.000m-Lauf: 3:0 für Chebet
5.000m-Lauf: 7:4 für Chebet
3.000m-Lauf: 0:3 für Tsegay
1.500m-Lauf: 0:1 für Tsegay

Historische Medaillengewinne

Beatrice Chebet ist die erste kenianische Weltmeisterin im 10.000m-Lauf der Frauen seit sage und schreibe zehn Jahren. Damals setzte sich Vivian Cheruiyot in einem nicht mit absoluter Weltklasse versehenen Starterfeld in Peking durch. Die italienische Medaille von Nadia Battocletti ist sogar die allererste in dieser Disziplin für ihr Heimatland, in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts holten Alberto Cova (Gold) und Francesco Panetta (Silber) bei den Männern WM-Medaillen für Italien auf den 25 Stadionrunden.

Battoclettis Silberne ist die erste Medaille für Europa in dieser Disziplin bei Weltmeisterschaften seit dem WM-Titel von Sifan Hassan 2019 in Doha und die erste Medaille einer in Europa geborenen Europäerin seit Jo Pavey 2007 in Osaka. Die Italienerin ist übrigens amtierende Europameisterin im 5.000m-Lauf, im 10.000m-Lauf, im 10km-Lauf und im Crosslauf.

Die äthiopische Medaille von Tsegay wahrt eine beeindruckende Serie: Seit inklusive 2013, als es einen kenianischen Dreifachsieg gab, hat Äthiopien im 10.000m-Lauf der Frauen immer mindestens eine Medaille gewonnen, in 13 der 14 letzten WM-Rennen über die längste Laufdistanz im Stadion. Schadensbegrenzung für ein das erfolgsverwöhnte Läuferland.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Mattia Ozbot & Dan Vernon for World Athletics

Share your love