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Eva Wutti war Staatsmeisterin, gemeinsam ÖLV-Rekordhalterin im Marathonlauf mit Andrea Mayr und Olympia-Hoffnung für Tokio 2021. Das Kapitel Profisport liegt in ihrer Karriere längst hinter ihr, in ihrem herausfordernden Alltagsleben ist der Kärntnerin mit konstanten Marathonleistungen in den letzten Jahren noch ein Höhepunkt gelungen: die EM-Teilnahme in Birmingham. Es ist ihre Premiere im Dress des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes.
Dass ihr dieser Erfolg geglückt sei, obwohl sie schon seit Jahren nicht mehr als Profisportlerin arbeitet, freue sie ganz besonders, betont Eva im Gespräch mit RunUp.eu. Daraus leitet die 37-Jährige große Vorfreude auf die Reise nach England ab: „Ich weiß nicht, was auf mich zukommt. Die gesamte Atmosphäre einer Leichtathletik-EM ist gänzlich neu für mich. Es wird ganz bestimmt ein sehr spezielles Erlebnis vor Ort und eine neue, wertvolle Erfahrung für mich.“ Noch neun Tage trennen sie von der Marathonstartlinie in Birmingham, am kommenden Donnerstag hebt ihr Flieger aus Österreich ab. Je näher der große Tag rückt, desto mehr spitzen sich die Vorfreude und das Hinfiebern zu. Auch die Nervosität.
Der EM-Marathon in Birmingham wird erst der zweite Auslandsmarathon für die erfahrene Ausdauerathletin, die früher als Triathletin viel von der Welt gesehen hat. Begleitet wird Wutti wie bei jeder ihrer Marathonreisen von Tochter und Edelfan Kiana, auch Trainer Johannes Langer teilt das Erlebnis EM-Premiere mit seiner Athletin vor Ort.
Darüber freut sich die Läuferin sehr: „Mir ist es sehr wichtig, dass die Menschen, die mich auf dem Weg begleitet und mich immer unterstützt haben, in Birmingham dabei sind. Auch wenn wir Marathonläuferinnen letztendlich Einzelsportlerinnen sind, ist es doch eine Teamleistung – und da ist es schön, die Erfahrung im Team teilen zu können.“

Eine Marathon-Vorbereitung ist für Wutti und ihr Team immer ein spezielles Projekt. Der Alltag ist streng getaktet zwischen Familie, Vollzeitberuf und Training. Auch wenn die Sommerferien etwas helfen, die klimatischen Voraussetzungen tun es nicht. Die Kärntnerin gehört nicht zu jenen Athletinnen, die mit der Hitze besser umgehen können. „Langsame Läufe lege ich schon oft auf den Nachmittag, aber aufgrund des Wetters sind für mich die wichtigen und qualitätsvollen Einheiten nur in der Früh umsetzbar“, erzählt sie. Da gibt es oft die Entscheidung zu treffen: früh aufstehen für das Training oder länger schlafen. Sie fällt natürlich zugunsten des Laufens aus.
„Gerade in den Trainingsphasen mit vielen qualitätsvollen Einheiten merke ich die Anstrengung im Laufe einer Woche schon.“ Der Schlafmangel mache sich dann bemerkbar, suboptimal für Spitzensportlerinnen. Es ist ein gutes Beispiel für viele Kompromisse, die Wutti in ihrem Leben für die großen Ziele im Sport und die Liebe zum Laufen machen muss.
Verein: Club RunAustria
Trainer: Johannes Langer
EM-Debüt
„Road to Birmingham“: Position 41/56
PB: 2:30:43 Stunden (Wien 2020)
SB: 2:36:22 Stunden (Salzburg)
Staatsmeistertitel: 1

Ihre Wettkämpfe 2026:
Platz 10 – Vienna City Marathon, 2:42:37 Stunden
Sieg – PUMA Salzburg Marathon, 2:36:22 Stunden
Dieser Spagat sei ihr gut gelungen: „Ich fühle mich gut vorbereitet, bin noch nie so viel gelaufen wie in diesem Marathon-Aufbau, vor allem, was die Qualitätsläufe betrifft.“ Gemeinsam mit Trainer Johannes Langer konnte sie den Plan gut umsetzen. Hinblicklich des Wettkampfs hält sie sich mit Prognosen ob der selektiven Strecke aber zurück. „Ich kann mich ganz schwer einschätzen, mir fehlt die Erfahrung auf so einer Strecke komplett“, gibt sie zu bedenken.
Natürlich hat sie in der Vorbereitung gezielt im hügeligen Gelände rund um ihrer Heimatstadt Wolfsberg trainiert. „Die Pace wird beim EM-Marathon keine Orientierung bieten können. Der klassische Marathon-Rhythmus ist auch nicht möglich. Ich habe im Training gezielt versucht, hügelige Passagen einzubauen, um ein Gefühl für eine Art Rhythmus im ständigen Bergauf und Bergab zu finden und zu lernen, die Kräfte richtig einzuteilen“, erklärt sie. Also einen Rhythmus für ständige Rhythmusänderungen.
„Entscheidend wird sein, in der Dynamik des Wettkampfs situationsabhängig richtig zu reagieren.“ Positiv hebt sie hervor, dass der Frauenmarathon durch die frühere Startzeit als der Männermarathon voraussichtlich höhere Aufmerksamkeit erhält als üblich: „Oft siehst du im Fernsehen fast nur das Männerrennen. Dabei sind die Marathonläufe der Frauen mindestens genauso spannend!“, kritisiert sie.

Qualifiziert hat sich Wutti in der „Road to Birmingham“ über die Europaranglistenpunkte. Der siebte Platz beim Vienna City Marathon 2025 und der Sieg beim PUMA Salzburg Marathon 2026 in einer Zeit von 2:36:22 Stunden bildeten die Basis dafür. Etliche Absagen führten dazu, dass die zweite Österreicherin im Marathonlauf der Frauen neben Julia Mayer auf Position 41 „Road to Birmingham“ ins Rennen geht.
Konkrete Zielsetzungen will sie daraus keine ableiten, ihr ist bewusst, dass die professionell arbeitende und jüngere Spitze Europas in einer anderen Liga agiert. Wutti hat den Blick klar auf sich und ihre Leistung gerichtet – und mag mit einer Aussage überraschen: „Es gibt viele, viele Fragezeichen. Man kann sich auf nichts speziell einstellen, sich auf keine Punkte fixieren. Mich persönlich entspannt das!“
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Johannes Langer