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Faith Kipyegon verpasst sub-4-Meile deutlich

Faith Kiyegon blieb bei ihrem „Breaking4“-Versuch zwar unter ihrer Weltrekordzeit, verpasste das ultimative Ziel der sub-4-Meile in 4:06,42 Minuten aber deutlich.
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71 Jahre nach dem historischen Moment in Oxford, als Sir Roger Bannister als erster Mensch der Welt die Meile unter vier Minuten gelaufen ist, ist der Moment für die erste sub-4-Meile der Frauen noch nicht gekommen. Das bewies die beste Mittelstreckenläuferin aller Zeiten am gestrigen Abend in Paris. Faith Kipyegon erreichte, unterstützt von einer Armada an männlichen Pacemakern, eine Zeit von 4:06,42 Minuten, die selbstredend nicht als offizieller Weltrekord anerkannt wird. Dem Traumziel von 3:59,99 Minuten kam der kenianische Superstar dabei nicht nahe.

Alles war angerichtet. Die Bühne Stade Charléty in Paris in Nike-Purpur, mit vielleicht weniger Zuschauer*innen als erhofft. Ein enormer Aufwand und hoher Input aus der Sportwissenschaft in der Vorbereitung. Millionen hat Nike dafür ausgegeben. Einstudierte Formationen im Pacemaking. Männliche Tempomacher als Unterstützung dafür, dass Faith Kipyegon das möglichst perfekte Rennen haben kann. Innovative Ausstattung. Und die sportliche Kompetenz der besten Mittelstreckenläuferin aller Zeiten: dreifache Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin, Weltrekordhalterin im 1.500m-Lauf und über die Meile.

Das Ziel, so kann nach der gestrigen Inszenierung festgestellt werden, war utopisch. Die Fachwelt bewertet die Leistung von 4:06,42 Minuten als großartig – 1,22 Sekunden unter ihrem offiziellen Weltrekord, den sie 2023 beim Diamond-League-Meeting in Monte Carlo aufgestellt hat – auch wenn der Vergleich aufgrund der männlichen Tempomacher hinkt. Übrigens: Die Zeitnehmung stoppte ursprünglich eine Zeit von 4:06,91 Minuten, Nike hat die Zeit Minuten später korrigiert.

Mit männlichen Tempomachern

Ein Team aus 13 instruierten Tempomachern, überwiegend männlich, umsäumte den Superstar an der Startlinie. In einer einstudierten Formation legte das Team los und fand nach wenigen Schritten jene Aufstellung, die im Vorfeld als die ideale bezeichnet wurde. Die erste Runde absolvierte Kipyegon in 60,2 Sekunden nach Marschplan. Auch die zweite Runde beeindruckte – eine 800m-Durchgangszeit von 2:00,75 Minuten (809 Meter) soll erst einmal auf der Zunge zergehen. Doch damit war erst die Hälfte des 1.609,344 Meter langen Rennens geschafft und Kipyegon hatte bereits leichten Rückstand auf die auf die Wunschzeit eingerichteten grünen Wavelights an der Innenkante der Laufbahn.

Die offizielle Bestenliste im Meilenrennen der Frauen

  • 4:07,64 Minuten – Faith Kipyegon (Kenia), Monaco 2023
  • 4:12,33 Minuten – Sifan Hassan (Niederlande), Monaco 2019
  • 4:12,56 Minuten – Svetlana Masterkova (Russland), Zürich 1996
  • 4:13,31 Minuten – Genzebe Dibaba (Äthiopien), Stockholm 2016 (Halle)
  • 4:14,58 Minuten – Ciara Mageean (Irland), Monaco 2023
  • 4:14,79 Minuten – Freweyni Hailu (Äthiopien), Monaco 2023
  • 4:15,24 Minuten – Laura Muir (Großbritannien), Monaco 2023
  • 4:15,34 Minuten – Jessica Hull (Australien), Monaco 2023
  • 4:15,61 Minuten – Paula Ivan (Rumänien), Nizza 1989
  • 4:15,8 Minuten – Natalya Artyomova (Sowjetunion), Leningrad 1984

Harte zweite Rennhälfte

US-Star Grant Fisher, in diesem Jahr bereits zweifacher Weltrekordläufer in der Halle, war so etwas wie der „Personal Guide“ Kipyegons und lief stets seitlich versetzt vor ihr. Sein Landsmann Cooper Teare und der Australier Stewart McSweyn übernahmen die Position seitlich versetzt hinter ihr mit der Möglichkeit motivierender Botschaften und Gesten an Kipyegon.

In der dritten Runde, in Meilenrennen bekannt die schwierigste auch unter mentalen Gesichtspunkten, verlor Kipyegon die sub-4-Meile aus den Augen. Mit einer Durchgangszeit von 3:01,84 Minuten wäre eine Fabelschlussrunde von Nöten gewesen. Der fortgeschrittene Erschöpfungsgrad machte diese aber unrealisierbar, am Ende blieb die Kenianerin mit einigen schweren Schritten auf den letzten 200 Metern unter ihrem Weltrekord, aber sechseinhalb Sekunden über der anvisierten Traumzeit. Für eine sub-4-Meile hätte Faith Kipyegon die Distanz mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 2:28 Minuten pro Kilometer oder 24 km/h zurücklegen müssen.

„Mut, es zu versuchen“

Nachdem Kipyegon unmittelbar nach dem Rennen völlig erschöpft auf der Laufbahn lag, war bei der Pressekonferenz nach dem „Breaking4“-Event für Enttäuschung keinen Platz. Ein gutes, weil menschlich starkes Signal. Die 31-Jährige erhielt viel Applaus, nachdem sie 20 Minuten lang entspannt und in guter Laune die Fragen der Medienvertreter*innen beantwortet hat. „Ich bin sehr dankbar für den heutigen Abend und allen dankbar, die ihn möglich gemacht und mich unterstützt haben“, eröffnete sie und bewertete ihre Leistung wie folgt: „Es war kein einfaches Ziel. Ich wollte zeigen, dass alles möglich ist. Um das zu tun, muss man den Mut haben, es zu versuchen.“ Sie wolle aus den Erfahrungen der Vorbereitung und des Wettkampfs lernen und diese beim nächsten Mal fruchtbar einsetzen. Auch Eliud Kipchoge habe den sub-2-Marathon beim ersten Versuch nicht realisieren können und den Meilenstein beim zweiten, 2019 in Wien, gesetzt.

sub-4-Meile: Jagd eröffnet

Kipyegons Trainer, Patrick Sang, war ebenfalls nicht enttäuscht. Alles sei perfekt verlaufen: in der Vorbereitung, bei der Durchführung und auch seine Starathletin hätte alles gegeben. „Ich habe die Hoffnung noch nicht verloren. Ich weiß, irgendwann wird eine Frau die Meile unter vier Minuten laufen“, fügte Kipyegon an.

Vielleicht hat ihr Versuch am gestrigen Abend die Jagd auf den Meilenstein nach der ersten weiblichen sub-4-Meile erst eröffnet. Im Gedanken, nach dem Vorbild ihres Trainingspartners Eliud Kipchoge bei einem zweiten Versuch erfolgreich zu sein, sei fairerweise daran erinnert, dass Kipchoge bei seinem nicht erfolgreichen, ersten sub-2-Marathon-Versuch 2017 deutlich näher an der Sehnsuchtsmarke dran war als Faith Kipyegon beim „Breaking4“-Projekt in Paris.

Saison-Höhepunkt

Die Athletin, die Paris als ihre zweite Heimat bezeichnete, bedankte sich bei ihrem Sponsor Nike für den Rahmen. „Das Team hat alles hineingelegt, um diesen Tag so perfekt wie möglich zu machen. Das Outfit macht mich wirklich schnell, das war ein großartiges Gefühl, so eine spezielle und moderne Ausstattung zur Verfügung zu haben“, meinte sie.

Zudem bezeichnete sie das „Breaking4“-Projekt als ihr Hauptziel für die Wettkampfsaison 2025: „Das war die größte Challenge für mich, darauf habe ich mein Hauptaugenmerk gelegt.“ Nun wolle sie nach vorne schauen und bei den Weltmeisterschaften in Tokio so gut wie möglich abschneiden. Sowohl im 1.500m-Lauf als auch über 5.000m ist sie Titelverteidigerin. Endgültig habe sie noch nicht entschieden, beide Bewerbe anzuvisieren – aber ihre Wortwahl lässt in Richtung Doppelstart tendieren.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Pexels / Pixabay – Symbolbild

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