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Fantastischer Saisoneinstieg – WM-Ticket für Pallitsch

Mit einer Verbesserung seines eigenen ÖLV-Rekords auf eine Zeit von 3:32,96 Minuten hat Raphael Pallitsch bereits nach dem ersten Wettkampf den Startplatz für Tokio sicher.
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Bei seinem Saisoneinstieg im Rahmen des Golden Spike Meetings in Ostrava, einem der Highlights der World Athletics Continental Tour Gold, gelang Raphael Pallitsch auf Anhieb eine Leistung mit Ausrufezeichen! Der 35-Jährige verbesserte seinen exakt ein Jahr alten ÖLV-Rekord im 1.500m-Lauf um 0,63 Sekunden und unterbot das WM-Limit für Tokio von 3:33,00 mit dem Maßband: 3:32,96 Minuten.

Da die Zeitnehmung im Stadion etwas zeitverzögert wirkte, brauchte Raphael Pallitsch (Union St. Pölten) keine Zweifel haben. Ihm war sofort bewusst, dass er seinen eigenen österreichischen 1.500m-Rekord auf eine Zeit unter 3:33 Minuten geschraubt hat. „Fantastisch, es war eine überwältigende Freude“, erzählt er im RunUp.eu-Gespräch von den Emotionen im Ziel. Eine Zeit von 3:32,96 Minuten fiel als Wettkampf-Achter in die Wertung. „Endlich waren die Hundertstel im Hundertstelkrimi auf meiner Seite“, fügte er erleichtert hinzu.

Damit erinnerte er daran, dass er im vergangenen Jahr bei zwei Gelegenheiten wegen nur weniger Hundertstelsekunden am Olympia-Limit für Paris gescheitert war – was letztlich keine negativen Auswirkungen hatte, weil Pallitsch sich über die Weltrangliste souverän qualifizierte. Nun hat er zweieinhalb Monate vor Beginn der Weltmeisterschaften die Gewissheit, in Tokio sicher am Start zu sein.

Die schnellsten 1.500m-Zeiten der ÖLV-Geschichte

  • 3:32,96 Minuten – Raphael Pallitsch, Ostrava 2025 (ÖLV-Rekord)
  • 3:33,59 Minuten – Raphael Pallitsch, Ostrava 2024
  • 3:33,60 Minuten – Raphael Pallitsch, EM-Finale 2024
  • 3:33,78 Minuten – Raphael Pallitsch, Rehlingen 2024
  • 3:34,69 Minuten – Günther Weidlinger, Kassel 2000
  • 3:35,80 Minuten – Robert Nemeth, Koblenz 1984
  • 3:35,8 Minuten – Robert Nemeth, Rieti 1981
  • 3:35,91 Minuten – Robert Nemeth, Zürich 1984
  • 3:36,11 Minuten – Andreas Vojta, Glasgow 2014
  • 3:36,34 Minuten – Raphael Pallitsch, Metz 2025 (ÖLV-Hallenrekord)

Kein Rhythmus in der Vorbereitung

Dabei standen die Vorzeichen vor dem ersten Wettkampf seit dem Hallen-WM-Finale von Nanjing vor drei Monaten gar nicht so gut. Denn der Saisonaufbau brachte Lücken und erlaubte keinen Trainingsrhythmus wie gewünscht. Gleich nach dem regenerativen China-Urlaub im Anschluss an die Hallen-WM bremste Pallitsch eine Erkrankung aus: Nur die halbe Zeit des dreiwöchigen Trainingsaufenthalts in Südafrika konnte er nutzen. Zurück in Österreich verspürte er Energielosigkeit und musste sein Training drosseln.

Im dreiwöchigen Trainingslager in St. Moritz machte ein Zahn Probleme, was sich ebenfalls in Leistungseinbußen auswirkte. Zwischendurch verhinderte ein verletzter Daumen in Folge eines Sturzes, dass er sein Krafttraining 100%ig durchziehen konnte. „Die Anzahl der Tage mit Ausfälle hielt sich zwar halbwegs im Rahmen. Schlimmer war, dass ich nie in einen Rhythmus gekommen bin. Denn immer wieder musste ich ruhig ins Training starten und konnte nicht die Intensität trainieren, wie ich mir gewünscht hätte“, fasste der Burgenländer zusammen. Erst die letzten fünf bis sechs Wochen liefen im Training runder. „Auch wenn da nicht alles gelang, habe ich gemerkt, dass eine grundsätzliche Form da ist.“

Und die ist sehr gut, wie der gestrige Wettkampf im gut gefüllten Ostrava-Vítkovice City Stadion von Ostrava unter Beweis stellte. Pallitsch wurde in einem international stark besetzten Feld Achter und lief schneller denn je. „Ich profitiere sicherlich noch von der perfekten Herbstvorbereitung auf die Wintersaison und von der Tempohärte aus den Hallenrennen“, mutmaßt er und nimmt den überraschend erfolgreichen Saisonstart als Motivation. Wenn er in den kommenden Monaten in einen guten Trainingsrhythmus komme, habe er genügend Zeit, „nachzuarbeiten“. Ohne sportlichen Druck, da das WM-Limit bereits in seiner Tasche ist.

„Das verändert auch alles in meinen Gedanken und Planungen der Saison“, bestätigt Pallitsch. Es sei vieles offen, gemeinsam mit seinem Manager Alfonz Juck, in Ostrava Meetingmanager, lotet er nun Möglichkeiten aus. Aufgrund des mittelprächtigen Saisonaufbaus werde der Fokus aber eher auf gutes Training liegen als auch 1.500m-Wettkämpfe. „Außerdem habe ich auch noch kleine Ziele auf anderen Distanzen, aber zur Zeit ist alles komplett offen.“

Ergebnis 1.500m-Lauf, Golden Spike Meeting 2025
1. Phanuel Koech (Kenia) 3:29,05 Minuten (neuer Meetingrekord)
2. Isaac Nader (Portugal) 3:29,37 Minuten (Landesrekord)
3. Josh Hoey (USA) 3:29,75 Minuten (PB)
4. Cameron Myers (Australien) 3:29,80 Minuten (PB)
5. Narve Gilje Nordas (Norwegen) 3:30,73 Minuten
6. Samuel Pihlström (Schweden) 3:31,18 Minuten
7. Jude Thomas (Australien) 3:32,07 Minuten (PB)
8. Raphael Pallitsch (Österreich) 3:32,96 Minuten (ÖLV-Rekord)
9. Tshepo Tshite (Südafrika) 3:34,14 Minuten
10. Filip Sasinek (Tschechien) 3:34,30 Minuten (PB)

Schnelles Rennen, gutes Finale

Der Wettkampf in Ostrava verlief gänzlich anders als viele seiner Hallenrennen im vergangenen Winter, in denen Pallitsch oft die Initiative übernahm. „Mir kommen dieser Rennverlauf und diese taktische Gestaltung entgegen. In der Halle sind die Radien eng, es ist wenig Platz, dafür viel Körperkontakt. Mir ist es im Winter gut gelungen, mich da herauszuhalten, indem ich vorne gelaufen bin. Im Stadion ist mehr Raum, man kann fast jederzeit überholen und hat im Finale aus der Kurve heraus 120 Meter Platz für den Endspurt und Positionsverbesserungen“, erklärt der Athlet.

Angesichts der namhaften Besetzung rund um den neuen Junioren-Weltrekordhalter Phanuel Koech aus Kenia und motivierter Tempomacher entwickelte sich vom Startschuss weg ein schnelles Rennen mit Durchgangszeiten von unter 56 Sekunden für die erste Runde und 1:52,32 Minuten bei 800m für die Rennspitze. Der Österreicher sortierte sich hinten im Feld ein und hielt vor der entscheidenden Phase Kontakt zum Mittelfeld. „Ich habe gemerkt, dass noch Energie für die Schlussrunde im Tank ist“, schildert er. Auf der Gegengerade gelangen einige Positionsverbesserungen, aus der letzten Kurve kam Pallitsch mit einem kleinen Abstand zu den Vorderleuten auf Position acht auf die Zielgerade. Diese hielt er – mit dem süßen Beigeschmack des WM-Limits in Verbindung mit dem nationalen Rekord.

Golden Spike Meeting 2025

Neuer portugiesischer Rekord

Bei guten Bedingungen an einem sommerlichen Abend in der osttschechischen Stadt übernahm Isaac Nader die Initiative. Der Portugiese, der zuletzt das Meilenrennen im Rahmen des Diamond-League-Meetings von Oslo gewonnen hat (siehe RunUp.eu-Bericht), hielt nach dem Ausstieg der Tempomacher die Pace hoch und duellierte sich mit Phanuel Koech um den Sieg. Der kenianische Youngster, der am Wochenende beim Diamond-League-Meeting in Paris sensationell einen neuen Junioren-Weltrekord aufgestellt hat (siehe RunUp.eu-Bericht), setzte sich noch vor der letzten Kurve an die Spitze und konnte der Gegenattacke des Iberers auf der Zielgerade standhalten.

Der 18-jährige Koech gewann das Rennen in einer Zeit von 3:29,05 Minuten, über zwei Sekunden schneller als der 22 Jahre alte Meetingrekord von Cornelius Chichirchir. Das ist eine der schnellsten Zeiten der Geschichte in dieser Disziplin, die außerhalb von Diamond-League-Arenen erzielt worden ist. Nader schaffte als Zweiter in einer Zeit von 3:29,37 Minuten nicht nur eine Steigerung seiner persönlichen Bestleistung um eineinhalb Sekunden, sondern auch eine historische Leistung für die portugiesische Laufgeschichte. Er verbesserte nämlich den portugiesischen Rekord Olympia-Medaillengewinners von Athen 2004, Rui Silva, aus dem Jahr 2002 um sieben Zehntelsekunden. Auch der US-amerikanische Hallen-Weltmeister im 800m-Lauf, Josh Hoey, und Australiens 19-jähriges Supertalent Cameron Myers blieben noch unter 3:30 Minuten. In der australischen Laufgeschichte war dies davor nur Oliver Hoare und Stewart McSweyn jemals gelungen.

Hohes internationales Niveau

Elf Läufer haben im laufenden Kalenderjahr im 1.500m-Lauf bereits die Marke von 3:30 Minuten unterboten, die Besten bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 gehören noch nicht dazu. Pallitsch liegt mit seinem neuen ÖLV-Rekord gerade einmal auf Platz 44 der Weltjahresbestenliste – wohlgemerkt ist die Saison aufgrund der spät angesetzten WM in Tokio noch nicht weit fortgeschritten.

Pallitsch sieht in den kollektiven Leistungssteigerungen, die auch in anderen Disziplinen beobachtbar sind, viele Gründe in verschiedenen Details. Er ist überzeugt, auch Verzögerungseffekte von der Olympia-Saison, in der viele in der Hoffnung einer Teilnahme im Training alles riskiert haben, zu beobachten. „Prinzipiell wird mit viel Selbstvertrauen und Mut gelaufen, das Tempo bleibt auch nach Ausstieg der Tempomacher immer hoch“, so der Österreicher. Dementsprechend wird im Training auch so gearbeitet. Eine entscheidende Rolle spielen die scharfen Limits zur Qualifikation für globale Großereignisse: „Ein Pferd springt immer, so hoch es muss!“

Die weiteren Laufentscheidungen

Weiterhin in Topform agiert Marino Bloudek im 800m-Lauf der Männer, der seinen kroatischen Rekord neuerlich verbessern konnte und ihn nun auf die Zeit von 1:44,02 Minuten gestellt hat. Der 25-Jährige übernahm im Wettkampf eine initiative Rolle, ließ aber anfangs der zweiten Runde eine Lücke zum Führenden Abdelati El Guesse aus Marokko. So zwang er Peter Bol nach vorne. Der Australier, der aus einer Top-Saison im australischen Sommer kommt, lief gleich an die Spitze und ließ sich den Sieg in einer Zeit von 1:43,80 Minuten nicht mehr nehmen. Bloudek schnappte sich mit einem tollen Finish noch El Guesse und den Kenianer Kebenei für Platz zwei. Jubeln konnte auch Jakub Dudycha: Der 21-jährige Tscheche lief in 1:44,48 Minuten vor heimischem Publikum einen neuen Landesrekord.

Im 800m-Lauf der Frauen ist der 21 Jahre alte Meetingrekord von Maria Mutola gebrochen worden. Hallen-Weltmeisterin Prudence Sekgodiso aus Südafrika setzte sich in einem hochklassigen Wettkampf mit einer Zeit von 1:57,16 Minuten vor ihrer Trainingspartnerin Oratile Nowe aus Botswana durch, die einen neuen Landesrekord von 1:57,49 Minuten verzeichnete. Beste Europäerin war die fünftplatzierte Anna Wielgosz aus Polen mit einer persönlichen Bestleistung von 1:58,69 Minuten. Die Deutsche Majtie Kolberg blieb knapp nicht unter zwei Minuten und belegte Platz acht. Die junge Österreicherin Helene Vogel zeigte einen hervorragenden Pacemakereinsatz und führte das Feld in der ersten Runde zu einer Durchgangszeit von 57,47 Sekunden.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © James Rhodes

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