Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Favoritensiege beim Sparkasse 3-Länder-Marathon

Helen Bekele hat wie erwartet den Sparkasse 3-Länder-Marathon mit neuem Streckenrekord gewonnen. Mit Krämpfen in den Beinen verlor sie aber eine noch schnellere Zeit aus den Augen.
Weiterlesen

Share your love

Helen Bekele und Mark Kiptoo sind ihren Rollen beim Sparkasse 3-Länder-Marathon gerecht worden. Die aufgrund der Bedingungen etwas höheren Siegerzeiten als erhofft konnten den Gesamterfolg der Veranstaltung nicht schmälern: Die Bodenseeregion, von Lindau bis nach St. Margrethen und Bregenz, hat noch nie ein derartiges Laufspektakel erlebt.

Die Erschöpfung war der prominentesten Teilnehmerin der Geschichte des Sparkasse 3-Länder-Marathon an der Ziellinie im Immo Agentur Stadion in Bregenz anzusehen. Sie wäre am liebsten auf die Laufbahn sitzen geblieben. Mit einer Endzeit von 2:26:09 Stunden verbesserte Helen Bekele zwar wie erwartet Streckenrekord – und zwar deutlich um fast vier Minuten, aber die anvisierte Zeit von 2:25 oder besser realisierte sich nicht.

© SIP / Johannes Langer

Gerade in der finalen Phase musste sich ihre Tempomacher Simon Tesfay, der kurioserweise Dritter im Männerrennen wurde, immer wieder umblicken und seinen Schritt anpassen. Davor wollte Bekele allerdings unter Beweis stellen, dass ihre Ankündigungen eher defensiv gewählt waren. Mit einen Kilometerschnitt deutlich unter 3:20 Minuten absolvierte sie die erste Marathon-Hälfte trotz der diffizilen Bedingungen in unter 1:10 Stunden. Die Quittung dafür musste die erst zweite Schweizer Siegerin beim 3-Länder-Marathon der Frauen im letzten Drittel entgegennehmen.

Sparkasse 3-Länder-Marathon 2024

Anstrengend im Wind

Herausforderung für die Läufer*innen war der zum leichten Regen von den nebelbehangenen Gebirgsketten der Voralpen herunterblasende Wind, der fast zwei Drittel der Distanz lang etwas einbremste und Kräfte kostete. Die 30-Jährige, die seit über neun Jahren in der Schweiz lebt und seit gut einem halben für die Schweiz antritt, war wohl auch zwei Monate nach den Olympischen Spielen nicht in absoluter Topform, schließlich ist sie schon Marathons knapp unter und etwas über 2:20 Stunden gelaufen. Krämpfe in den Beinen machten die letzten Kilometer zusätzlich schwierig.

Aus Bregenz nahm sie die positiven Emotionen des Siegs mit, ihr erster seit dem Doppelschlag in Osaka und Zürich 2023, damals ebenfalls im Abstand von zwei Monaten. Die beiden weiteren eingeladenen Läuferinnen aus Ostafrika konnten nicht in die Region von 2:30 Stunden laufen: Gladys Kimaina aus Kenia belegte in 2:37:10 Stunden Platz zwei, 26 Sekunden später folgte Gode Jijo aus Eritrea. Auch die Schweizerin Alina Federer sowie die beiden Deutschen Konstanze Meergans und Kerstin Haarmann absolvierten die Distanz in etwas weniger als drei Stunden. Als erste Österreicherin im Marathon erreichte Anna Bohle (hellblau.POWERTEAM) das Ziel als Zehnte nach 3:13:47 Stunden.

Helen Bekele

Die in Äthiopien geborene Helen Bekele bestritt bereits kurz nach ihrer Ankunft in der Schweiz im Alter von 20 Jahren ihren ersten Marathon. Der Sparkasse 3-Länder-Marathon 2024 war ihr 19. Marathon, den sie beenden konnte. Ihr erster Auftritt auf österreichischem Boden, 2018 in Wien, endete mit einer frühzeitigen Aufgabe.

Bereits sechsmal lief Bekele unter 2:23 Stunden, am schnellsten 2023 in Berlin in einer Zeit von 2:19:44 Stunden.

Kiptoo erster Zweifachsieger

Im Männerrennen absolvierte der kenianische Vorjahressieger Mark Kiptoo das Rennen erwartungsgemäß als Solist und absolvierte die 42,195 Kilometer in einer Zeit von 2:10:54 Stunden. Damit war der 48-Jährige, der im Frühling den Zürich Marathon gewinnen konnte, zufrieden. Zwei potenzielle Kontrahenten erhielten keine rechtzeitige Einreisegenehmigung, wie „Die Schwäbische“ berichtete. Kiptoo ist der erste Läufer in der seit 2001 andauerten Geschichte des 3-Länder-Marathons, der den Marathon der Männer mehr als einmal gewinnen konnte. Der Franzose Benjamin Polin verpasste eine Zeit unter 2:20 Stunden haarscharf, belegte aber den tollen zweiten Platz. Jannik Stoll war als Vierter bester Deutscher, Patrick Spettel (ZSV Laufteam Wolfurt) als Sechster bester Österreicher.

© SIP / Johannes Langer

Heimsieg für Redlinger

Einen österreichischen Erfolg feierte Lisa Redlinger (TS Lustenau) im Viertelmarathon. Die 21-jährige Lokalmatadorin erreichte das Ziel in einer Zeit von 39:16 Minuten und konnte sich einen Abstand von zweieinhalb Minuten auf die Nächstbeste herauslaufen. Bei den Männern wurde Moritz Meier (Skinfit Racing Tri Team) vor seinem Bruder Jakob beim Sieg des Deutschen Luca Hilbert (34:59) Dritter.

Im Halbmarathon gab es deutsche Siege durch Robin Habermann (1:09:33) und Valerie Moser (1:20:02), die Siegerehrung kam jeweils mit deutscher und Schweizer, aber ohne österreichischer Flagge aus.

Ein Marathon, drei Länder

Der Start des 2001 ins Leben gerufenen 3-Länder-Marathon erfolgt auf der Insel Lindau. Heuer wurden der Marathon- und Staffelstart aufgrund des Teilnehmer*innenwachstums erstmals vom Halbmarathon- und Viertelmarathonstart entkoppelt. Die Marathonstrecke führt am Bodensee entlang nach Bregenz und weiter über die Schweizer Grenze bis zum westlichen Wendepunkt in St. Margrethen. Das Ziel befindet sich im Fußballstadion der Vorarlberger Landeshauptstadt.

Euphorische Entwicklung

Mit rund 12.000 Anmeldungen mit 70 verschiedenen, vertretenen Nationalitäten für alle Bewerbe, davon 2.900 für die Kinder- und Jugendbewerbe am Samstag, feierte der 3-Länder-Marathon einen neuen Teilnahmerekord. Dabei war der Halbmarathon mit rund 4.400 Gemeldeten sowie über 3.600 Finisher*innen der größte Bewerb, beachtlich sind aber auch die 1.500 Marathon-Finisher*innen, die den 3-Länder-Marathon zum zweitgrößten auf österreichischem Boden finishenden Marathon hinter dem Vienna City Marathon machen. Damit erreichte die längste Distanz im Programm ähnliche Dimensionen wie der Viertelmarathon.

OK-Chef Robert Küng fand im Interview mit dem ORF Vorarlberg, dass man den großen Teilnehmer*innenzuwachs im Vergleich zu den letzten Jahren gut gemanagt habe: „Obwohl es zeitweise ein bisschen eng war, haben die Läufer*innen auf der Strecke eine gute Qualität genossen. Ich sehe noch Potenzial nach oben!“ Der 3-Länder-Marathon war am gestrigen Sonntag eingebettet in einen für das westlichste Bundesland auch abseits des Sports wichtigen Tag: In Vorarlberg fand die Landtagswahl statt.

Anmerkung: Die in diesem Bericht verwendeten Zeiten orientieren sich an den Bruttozeiten, die für eine Zeitmessung im Wettkampf laut internationalen Regeln relevant sind. Der Zeitmesser führt in der Übersicht die Nettozeiten in den Ergebnislisten, die auch von vielen Medien übernommen wurden.

Autor: Thomas Kofler
Titelbild: © Heidegger
Bilder: © SIP / Johannes Langer

Share your love