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Nicht Berlin, nicht Valencia – Frankfurt wird der Hotspot der deutschen Marathonszene im kommenden Marathonherbst. Dem Veranstalter gelang der einzigartige Coup, die drei schnellsten deutschen Marathonläufer in einem Rennen zu vereinen. Nachdem der Start von Samuel Fitwi und Richard Ringer bei einem Pressetermin vor gut einer Woche bekanntgegeben wurde, kam bei einem heutigen Pressetermin der deutsche Rekordhalter Amanal Petros dazu.
Am 25. Oktober blickt die deutsche Marathonszene nach Frankfurt. Dass die drei besten deutschen Marathonläufer einerseits zusammen und andererseits gegeneinander in Frankfurt antreten werden, sei „eine absolute Wunschkonstellation und ein historischer Moment in der Veranstaltungsgeschichte“, schwärmt Renndirektor Jo Schindler. Sie wäre ein Beweis der Strahlkraft des Frankfurt Marathon. „Der 25. Oktober könnte Signalwirkung für den deutschen Laufsport haben!“ Das Trio hält 14 der 15 schnellsten Marathonzeiten der deutschen Laufsport-Geschichte.
Es gab bereits einmal einen Marathon, in dem die drei schnellsten deutschen Marathonläufer der Geschichte gemeinsam an der Startlinie gestanden sind. Amanal Petros, Samuel Fitwi und Richard Ringer waren nämlich die drei Athleten aus Deutschland, die sich für den Olympischen Marathon in Paris 2024 qualifiziert hatten. Während der hochgelobte Petros den Marathon früh mit Problemen im Hüftbereich beendete, zeigten Ringer mit Platz zwölf und Fitwi mit Rang 15 starke Leistungen im hochklassigen Olympischen Feld.
Wahrscheinlich werden Petros, Fitwi und Ringer bereits vor dem Frankfurt Marathon im Oktober einen Marathon mit- und gegeneinander laufen. Das Trio führt nämlich die deutsche Liste in der Road to Birmingham deutlich an, Ringer ist dort als Titelverteidiger gesetzt, schließlich hat er 2022 in München den letzten EM-Marathon im Rahmen von Leichtathletik-Europameisterschaften gewonnen. Alle drei haben ihr Interesse, in Birmingham um die Medaillen zu rittern, angekündigt. Das Gegeneinander in der Einzelwertung könnte zum Miteinander in der Teamwertung werden, dort ist Deutschland in dieser Besetzung klar favorisiert.
Um die besten Plätze sollen die Drei auch beim Frankfurt Marathon laufen. „Wir werden die besten Rahmenbedingungen für ein spektakuläres Rennen bieten, in dem alle drei um den Sieg laufen können“, kündigt Schindler an.
Amanal Petros, der in einer Zeit von 2:04:03 Stunden den deutschen Marathonrekord hält (Valencia Marathon 2025), ist noch nie in „Mainhattan“ gelaufen. In den letzten Jahren bevorzugte er im Herbst die Marathonläufe in Berlin oder Valencia, nahm 2025 an den Weltmeisterschaften von Tokio teil, wo er die WM-Silbermedaille gewonnen hat. Im Frühling gewann er bereits zweimal den Hannover Marathon, bestritt zudem zweimal den London Marathon, unter anderem vor wenigen Wochen, als er sein Rekordtempo nicht halten konnte und auf Platz 15 durchgereicht wurde.
Petros, der von Benjamin Franke betreut wird und mit Unterstützung des kenianischen Trainers William Kosgei bei Aufenthalt in Iten nach Trainingsplänen der italienischen Trainerlegende Renato Canova trainiert, hält auch die deutschen Rekorde im Halbmarathon und im 10km-Lauf – einmalig in der Geschichte des deutschen Laufsports.
Vor drei Jahren war er als Zuschauer beim Frankfurt Marathon. „Das Rennen hat mir sehr gut gefallen. Ich freue mich, dass ich nun die Gelegenheit habe, hier an den Start zu gehen“, erklärt der 31-Jährige, zuletzt dreimal in der Umfrage von laufen.de und den German Road Races zum deutschen Läufer des Jahres gewählt, seine Entscheidung.
Der Frankfurt Marathon passe sehr gut in seine Planung. Bei der EM in Birmingham erwarte er ob der schwierigen Strecke keine schnellen Zeiten, eine Chance, die er in Frankfurt nützen wolle. „Ein deutscher Rekord wäre schon großartig. Aber wenn wirklich alles zusammenpasst, würde ich gerne den Europarekord angreifen“, schlägt der 31-Jährige heute hohe Töne an. Der Europarekord liegt bei einer Zeit von 2:03:36 Stunden und wird gehalten vom zweifachen Olympia-Medaillengewinner Bashir Abdi aus Belgien.
Petros hat in vielen Rennen nicht das Risiko gescheut und konnte nicht immer die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen. Andererseits gelangen mehrere geniale Wettkämpfe in den letzten Jahren auf verschiedenen Distanzen.
Der deutsche Marathonrekord von 2:04:03 Stunden ist absolute europäische Spitze und entspricht einem durchschnittlichen Tempo von 2:57 Minuten pro Kilometer. Sein Ausrüster Amazfit hat Petros’ Leistungsdaten vom Valencia Marathon 2025 veröffentlicht. Damals hat der Deutsche sich praktisch nie in der höchsten Herzfrequenzzone bewegt, meist blieb der Puls unter 160 Schlägen pro Minute, im Schnitt bei 146.
Samuel Fitwi ist wie Petros in Eritrea aufgewachsen und als Teenager nach Deutschland geflüchtet. Der 30-Jährige ist in der Vulkaneifel großgeworden, den Marathon in Frankfurt ist er noch nie gelaufen. Marathon-Erfahrung auf heimischem Boden hat er bereits in Berlin, Hannover und Hamburg gesammelt, nun kommt ein vierter großer deutscher Marathon hinzu. „Frankfurt hat eine superschnelle Strecke. Daher möchte ich versuchen, meine im Frühjahr erreichte neue persönliche Bestzeit noch einmal zu steigern“, so Fitwi.
Fitwi war Ende April Teil des deutschen Frühlingshöhepunkts im Marathon. Über 20.000 Marathonläufer:innen – und damit so viele wie noch nie bei der insgesamt 46.000 Anmeldung zählenden Veranstaltung – bestritten die 40. Auflage des Haspa Hamburg Marathon. Beinahe hätte der Deutsche in einem spannenden Eliterennen sogar einen Heimsieg gefeiert. In einer persönlichen Bestleistung von 2:04:45 Stunden musste er sich nur Othmane El Goumri um 21 Sekunden geschlagen geben, der seinen eigenen marokkanischen Landesrekord deutlich verbesserte. 27 (!) Jahre lang war kein deutscher Läufer in Hamburg in die Top-Drei gelaufen.


Minimale Frankfurt-Erfahrung hat Richard Ringer, der vor acht Jahren als Pacemaker für den ehemaligen deutschen Rekordhalter Arne Gabius rund 30 Kilometer im Einsatz gewesen ist. Diese Erfahrung habe seinen Prozess, von der Bahn in den Straßenlauf zu wechseln, beschleunigt, erzählt der Europameister heute.
Im Marathon ist der 37-Jährige längst eine Größe: Als Europameister 2022 und Olympia-Zwölfter 2024 feierte er große Erfolge in Meisterschaftsrennen, zuletzt steigerte sich Ringer in den letzten Jahren sukzessive in Marathons, in denen die Zeit – und nicht die Platzierung – im Vordergrund stand. In Boston gelang in einem legendären Rennen eine Zeit von 2:04:47 Stunden und damit die erste Top-Ten-Platzierung eines deutschen Läufers beim Klassiker in den USA seit 94 Jahren.
Amanal Petros vs. Samuel Fitwi 2:1 (Halbmarathon 3:0)
Amanal Petros vs. Richard Ringer 2:3 (Halbmarathon 2:2)
Samuel Fitwi vs. Richard Ringer 1:1 (Halbmarathon 1:1)
Im Head-to-Head hat spannenderweise Richard Ringer, der Läufer mit der drittbesten Marathon-Bestleistung des Trios, die beste Bilanz. Er ließ Amanal Petros im Marathon bereits dreimal hinter sich, darunter beim legendären Zieleinlauf des EM-Marathon 2022 in München. Samuel Fitwi ist für Amanal Petros dafür eine Art Glücksbringer. Bei seinen letzten beiden deutschen Marathonrekorden war Fitwi im Rennen und lief deutlich später über die Ziellinie.
Amanal Petros ist der deutsche Rekordhalter mit einer Bestleistung von 2:04:03 Stunden. Samuel Fitwi war sein Vorgänger und hat sich im Frühling beim Hamburg Marathon auf eine Zeit von 2:04:45 Stunden gesteigert. Richard Ringer lief beim historisch schnellen Boston Marathon eine Zeit von 2:04:47 Stunden, seine persönliche Bestleistung auf einer bestenlistentauglichen Strecke liegt bei einer Zeit von 2:05:46 Stunden. So ist die Ausgangslage vor dem mit Spannung zu erwartenden Marathon in der Finanzmetropole am letzten Oktober-Sonntag.
Dort soll es kein Gegeneinander innerhalb der deutschen Marathon-Elite geben, sondern ein Miteinander: „Es geht nicht in erster Linie darum, den anderen zu schlagen – dazu verstehen wir uns viel zu gut. Wir wollen gemeinsam eine besondere Leistung bieten“, beteuert Petros. Zumindest diese Aussage mag – bei aller Kollegialität außerhalb der spitzensportlichen Wettkampfsituation – unglaubwürdig klingen. Denn bei all dem Miteinander: Es steht viel auf dem Spiel!
Der Mainova Frankfurt Marathon hat im Jahr 2026 einen einschneidenden Schritt gewagt. Die veranstaltende Agentur Motion Events wurde Teil der London Marathon Events. Man könne zukünftig vom wohl besten Marathon-Netzwerk der Welt profitieren, argumentierte man nach der Bekanntgabe Anfang April. Hugh Brasher, CEO der London Marathon Events, bekräftigte das Wachstumspotenzial dieser traditionsreichen Marathon-Veranstaltung und sieht im langjährigen Frankfurter Renndirektor Jo Schindler, mittlerweile 66 Jahre alt, einen idealen Partner für die gemeinsame Vision nach der Übernahme. Schindler erwartet im Gegenzug den Erhalt „unserer Identität, unserer Werte und unseres starken Mitarbeiterteams“.
Auch für die London Marathon Events ist es ein bemerkenswerter Schritt, die erste internationale Expansion. Beide Events sind Teil der neuen European Marathon Classic. Ein Aufschwung ist nicht nur aufgrund der neuen Verhältnisse absehbar. Die Anmeldungen für den 25. Oktober laufen nämlich hervorragend, im Moment liegt der Veranstalter auf der Marathon-Distanz bei einem Anmeldeplus von 43% im Direktvergleich zum Vorjahr. Der Mainova Frankfurt Marathon möchte daher seine Kapazität auf 20.000 Marathonläufer:innen erhöhen.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Mainova Frankfurt Marathon