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Frankfurt: Teilnehmerrekord und Fokus auf Spitzensport

Die 42. Auflage des Mainova Frankfurt Marathon umfasst das größte Starterfeld der Veranstaltungsgeschichte. An der Spitze sollen Rekorde fallen.
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Der letzte große Marathonlauf im laufenden Kalenderjahr in Deutschland steht am kommenden Sonntag auf dem Programm. Beim Frankfurt Marathon, der stets betont, der älteste deutsche Stadtmarathon zu sein, freut sich dabei über eine nie da gewesene Marathonbegeisterung und hofft auf starke Siegerzeiten.

Das Wording des Mainova Frankfurt Marathon (der Hauptsponsor hat um drei weitere Jahre verlängert) hat in den letzten Wochen erstaunlich oft Superlativen verwendet. Das fällt bei einer Traditionsveranstaltung auf, die seit vielen Jahren aktiv mit starken Themen versucht, seine Veranstaltung auf vielerlei Weise der Öffentlichkeit darzustellen und damit gleichzeitig vielleicht einen etwas schwächeren Fokus auf Elitefelder und Rekorde zu setzen als manch anderer Laufevent.

RunUp.eu-TV-Tipp:
Der Mainova Frankfurt Marathon wird am Sonntag im Livestream auf der Veranstaltungswebsite und im Hessischen Rundfunk live übertragen. Der Startschuss fällt um 10 Uhr. (Achtung Zeitumstellung)

„Große Strahlkraft“

Doch es ist auch in der Mainmetropole der Zeitpunkt gekommen, die steigende Laufbegeisterung zu thematisieren und mit Zahlen zu füttern. Vier bzw. fünf Jahre nach der Pandemie bedingten Doppel-Absage haben sich fast 17.000 Läufer:innen für den 42,195 Kilometer langen Klassiker durch Frankfurt angemeldet, so viele wie nie zuvor in der 1981 begonnenen Veranstaltungshistorie. Der bisherige Anmelderekord für den Marathon stammte aus dem Jahr 2012. „Die Nachfrage war überwältigend. Der Fakt, dass wir praktisch ausverkauft sind, ist ein Beweis der Strahlkraft unseres Marathons. Wir freuen uns sehr auf ein Lauffest mit vielen Emotionen und sportlich wertvollen Leistungen in den Eliterennen“, so Renndirektor Jo Schindler.

Aus der Kaderschmiede Dedefos

Spitzensportlich spricht der Veranstalter vom stärksten Elitefeld, das je bei den Frauen an den Start gegangen ist. Die Trauben hängen hoch, denn der Streckenrekord von Hawi Feysa, zuletzt strahlende Siegerin des Chicago Marathon 2025 (siehe RunUp.eu-Bericht), ist mit einer Zeit von 2:17:25 Stunden schon ein recht starker. Unterbieten will ihn Buze Diriba, wenn die Bedingungen es zulassen. Bei kühlen Temperaturen und bedecktem Himmel könnten am Sonntag Niederschlag und Wind eine Rolle spielen.

Diriba ist noch nie unter 2:20 Stunden gelaufen, dennoch traut sie sich den Rekord zu. 2024 erreichte sie bei den World Marathon Majors in Boston und Chicago mit Rang vier jeweils beachtliche Spitzenresultate, 2023 gewann sie den Toronto Waterfront Marathon. Die 31-Jährige ist Trainingspartnerin von Hawi Feysa und gehört damit zu einer schon legendären Trainingsgruppe unter der Leitung von Trainer Gemedu Dedefo. Dessen Team hat in jüngster Vergangenheit eine Reihe fantastischer Erfolge erzielt, unter anderem durch die ehemalige Weltrekordhalterin und zweifache Berlin-Siegerin Tigst Assefa, Ex-Weltmeisterin Amane Beriso und eben Feysa.

Alle guten Dinge sollen drei sein

Diribas Herausforderinnen sind die Kenianerinnen Magdalyne Masai und Sharon Chelimo. Masai, die 2023 den Vienna City Marathon gewonnen hat, hat ihren Start in „Mainhattan“ erst kurzfristig bekannt gegeben. Sie kennt die Veranstaltung bestens, da sie bereits zweimal den Frankfurt Marathon bestritten hat, im Vorjahr als Zweite. Die 31-Jährige erlebte bei den Weltmeisterschaften in Tokio eine Enttäuschung, da sie in der Hitze das Rennen aufgeben musste. Sie lag gut im Rennen um die Medaillen, als sie unter den fordernden Bedingungen kollabierte.

Der Frankfurt Marathon ist ihre zweite Chance: „Ich hoffe, dass ich hier erstmals gewinnen kann. Dafür ziele ich auf eine persönliche Bestzeit ab.“ Sie fühlt sich bestens erholt von Tokio 2025: „Meine ersten Trainingseinheiten nach einer kurzen Erholung liefen gleich wieder so gut. Ich bin in der Form meines Lebens und will diese nicht verschenken. Frankfurt ist das perfekte Rennen für mich.“ Chelimo war 2023 in Frankfurt Dritte, im Frühling überzeugte sie als Siegerin des Barcelona Marathon mit einer persönlichen Bestzeit von 2:19:33 Stunden. „Ich will am Sonntag einen weiteren guten Marathon laufen, ich bin bereit.“ Auch die 31-Jährige will ihre zweite Chance nutzen: Sie gab den Berlin Marathon 2025 auf, aus dem selben Grund wie Masai: hohe Temperaturen.

Ein weiterer großer Name im Rennen ist Linet Masai, vor mittlerweile 16 Jahren Weltmeisterin im 10.000m-Lauf und Magdalynes ältere Schwester. Im Marathon ist der 35-Jährigen der große Wurf noch nicht gelungen, ihr bisher letzter war aber der Beste: Rang drei in Barcelona in 2:21:01 Stunden. Spannende Debütantinnen sind Yalemget Yaregal und Ayal Dagnachew, beide aus Äthiopien und beide mit guten Halbmarathon-Leistungen auf der Habenseite. Letztere war vor vier Jahren noch Junioren-Weltmeisterin im 800m-Lauf und geht nun im Alter von 23 Jahren das Projekt Marathon an.

Dritter Heimmarathon in diesem Jahr

Die europäische Spitze in Frankfurt bilden die Deutsche Laura Hottenrott und die Britin Abbie Donnelly. Die 33-jährige Deutsche hat sich recht kurzfristig für einen Start in Frankfurt entschieden. Zuletzt trat sie bei den Berglauf- und Trailrunning-Weltmeisterschaften in Spanien an (Neunte im Vertical) und gewann den Halbmarathon im Rahmen des München Marathon. Im Frühjahr lief die Olympia-Teilnehmerin von Paris 2024 in Hannover und Düsseldorf jeweils als Zweite über die Ziellinie. Die 29-jährige ehemalige Crosslauf-EM-Medaillengewinnerin aus Großbritannien beendete ihr Marathon-Debüt im Frühjahr in Rotterdam in 2:26:21 Stunden auf dem zehnten Platz und hat bereits dreimal einen Halbmarathon unter 1:10 Stunden absolviert, darunter als EM-Fünfte von Rom 2024.

© Mainova Frankfurt Marathon

Kitata am Ort seines Durchbruchs

Auch im Männerrennen gilt der 14 Jahre alte Streckenrekord von Wilson Kipsang (2:03:42) als Orientierung für das Feld, das von Shura Kitata angeführt wird. Der 29-jährige Äthiopier hat vor acht Jahren in Frankfurt einen seiner größten Erfolge gefeiert. Noch besser lief es 2020 im Regen von London, als Kitata seinen größten Erfolge feierte. Seine persönliche Bestzeit von 2:04:49 Stunden beim London Marathon 2018 und insgesamt fünf Stockerlplätze bei World Marathon Majors zeugen von seiner Klasse in den damaligen Jahren.

Er glaubt, in einer ähnlichen Verfassung zu sein, wie beim London Marathon 2020. Das konnte er in den letzten Jahren nicht nachweisen, sein letzter Top-Marathon mit Platz drei in New York liegt zwei Jahre zurück. Sein 20-jähriger Landsmann Dejena Megersa, ebenfalls trainiert von Gemedu Dedefo, und Yasin Haji gelten als Herausforderer des Favoriten in einem Feld, das abgesehen von Kitata nicht die prominenten Namen aufweist.

Deutscher Topläufer im Rennen ist Filimon Abraham, der seine Bestzeit von 2:08:11 Stunden verbessern möchte. Der 32-Jährige meinte bei der heutigen Pressekonferenz in Frankfurt: „Ich habe vier Monate lang sehr gut trainiert, die letzten sechs Wochen davon in der Höhenlage Eritreas. Ich denke, ich bin in der besten Marathonform meiner Karriere.“

Internationales Lauffest

112 unterschiedliche Nationalitäten befinden sich im Starterfeld des Mainova Frankfurt Marathon 2025. Hinter Deutschland sind Marathon-Begeisterte aus Frankreich, Großbritannien und – durchaus überraschend – Norwegen am stärksten vertreten. „Jede Startnummer steht für eine persönliche Geschichte. Für monatelanges Training, große Träume und den Moment, in dem alles zusammenkommt“, unterstreicht Renndirektor Jo Schindler.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Mainova Frankfurt Marathon

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