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Frauen profitieren leichter von Bewegung als Männer

Körperliche Fitness ist ein wichtiger Baustein für ein gesünderes Herz-Kreislauf-System. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen ist dieses Ziel Frauen näher als Männer.
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Männer müssen für den gesundheitlichen Benefit durch Ausdauersport ungefähr doppelt so viel leisten wie Frauen. Oder anders formuliert: Frauen kommen beim Sport doppelt so schnell in den Genuss der gesundheitlichen Vorteile. Das zeigen neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Beobachtungsstudien.

Frauen, die sich 250 Minuten pro Woche moderat oder intensiv sportlich bewegen, können das Risiko an koronaren Herzkrankheiten, oft Vorboten eines Herzinfarkts, zu erkranken um statistische 30% senken – ein durchaus relevantes Versprechen, das die Macht sportlicher Bewegung für bessere Gesundheit untermalt. Diesen Wert definierte ein Forscher:innenteam der Universität in Xiamen und weiteren chinesischen Universitäten in einer Studie, die Ende Oktober 2025 im Magazin „Nature Cardiocascular Research“ veröffentlicht wurde.

Koronoare Herzkrankheiten

Koronare Herzkrankheiten gelten als weltweit häufigste Todesursache. Eine der vorbeugenden Strategien der Weltgesundheitsorganisation lautet sportliche Bewegung, weswegen die WHO eine Bewegungsempfehlung von 150 Minuten moderater bis intensiver Bewegung und zwei Einheiten Kräftigungstraining pro Woche als Baustein für ein gesünderes Leben offiziell propagiert. Die WHO befürwortet auch die individuelle Überwachung gesundheitlicher Daten mit Wearables wie Sportuhren und Aktivitätsträcker.

Doppelter Aufwand, selber Ertrag

Doch die Kernaussage, die die Wissenschaftler:innen tätigen wollten, war eine andere. Männer müssen, für den selben statistischen Gesundheitsbenefit, mehr als doppelt so viel Sport machen: nämlich 530 Minuten pro Woche. Das ist drei- bis viermal mehr, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ein gesundes Leben empfiehlt. Diesen allgemeinen WHO-Richtwert von 150 Minuten moderater bis intensiver sportlicher Bewegung pro Woche stellen die Wissenschaftler:innen nun aufgrund seiner Universalität in Frage und appellieren für eine Differenzierung nach Geschlechtern. Und sie fordern gesellschaftliche Strategien, um die Kluft zwischen den Geschlechtern, wie sie es nennen, bei der Ausübung von Freizeitsport weiter zu schließen.

Ähnliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern errechneten die Forscher:innen übrigens auch in der Kontrollgruppe, die aus über 5.000 Patient:innen mit koronaren Herzkrankheiten bestand. Die Verringerung des Mortalitätsrisikos war hier bei Vorhandensein regelmäßiger körperlicher Aktivität bei Frauen deutlicher als bei Männern. Die Hauptproband:innengruppe bestand aus Daten von gut 80.000 Menschen aus einer britischen Bio-Datenbank, wovon knapp die Hälfte die WHO-Bewegungsempfehlungen erfüllte. Die mediane Beobachtungszeit lief über knapp acht Jahre. Das Forscher:innenteam bezeichnet die Erkenntnisse als „in verschiedenen Sensivitätsanalysen konsistent und robust“.

Weniger Schritte als gedacht

Zu vergleichbaren Erkenntnissen kommt eine Untersuchung eines Forscherteams der Mass General Bingham, ein akademisches Gesundheitssystem in Boston. Diese ebenfalls im Oktober 2025 veröffentlichte Studie warf das Licht auf die Anzahl der täglichen Schritte und kam zur Ergebnis, dass ältere Frauen (13.547 Frauen, Durchschnittsalter 71,8 Jahre, guter Gesundheitszustand, Beobachtungszeitraum zehn Jahre) bereits mit 4.000 Schritten pro Tag ein Pensum erreichen, in der sich ihr Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen um mehr als ein Viertel senkte. Die Studie wurde im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht.

4.000 Schritte sind wesentlich weniger als die oft propagierten 10.000 Schritte pro Tag als Basis für ein gesundes Bewegungsverhalten. Erkenntnisse in den letzten Jahren definierten 7.000 als realistischeren gesamtgesellschaftlichen Richtwert.

Effiziente Prozesse

Für die Ergebnisse gibt es diverse Erklärungsansätze. Das weibliche Sexualhormon Östrogen sorgt dafür, dass der Körper von Sportlerinnen bei sportlicher Bewegung effizienter Fett abbauen kann. Außerdem könnten die Komposition der Muskelfasern und die bessere oxidative Kapazität in den Muskeln dafür sorgen, dass Frauen mit weniger Bewegungszeit dieselben gesundheitlichen Vorteile konsumieren wie Männer.

RunUp.eu-Lesetipp:
Die Erkenntnisse des chinesischen Expertinnenteams decken sich mit jenen einer Studie eines Forscherinnenteams des Cedars-Sinai Medical Centers in Los Angeles aus dem Jahr 2024.

Dass der weibliche Körper sich im Ausdauersport anders verhält als der männliche, kennen wir aus dem Marathon und dem Ultralauf. Wissenschaftliche Erkenntnisse bescheinigen Frauen auf den langen Distanzen eine körperliche Überlegenheit, die freilich nicht die biologisch bedingte, höhere Leistungsfähigkeit des männlichen Körpers umdreht.

Aber die für lange Ausdauereinheiten bessere Verteilung von Körperfett und Muskelmasse lässt den weiblichen Körper bei ganz langen Läufen effizienter arbeiten als den männlichen. Die Folge sind eine oft eine gleichmäßigere Leistungsverteilung aufgrund der generell langsameren Ermüdung (vgl. Sportmedizin Graz).

Fokus auf die Muskeln

Rund 1,3 Millionen in Österreich lebende Menschen haben eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio, das zeigt eine Studie der Wirtschaftskammer Österreich in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement aus dem Jahr 2024. Wie im europäischen Vergleich besuchen hierzulande immer mehr Menschen Fitnessstudios. Die Wichtigkeit regelmäßiger Kräftigungsübungen und Muskeltrainingseinheiten gewinnt an Bewusstsein in der Bedeutung für gute Gesundheit.

Auch an den Fitnessgeräten profitieren Frauen stärker als Männer, wie eine amerikanisch-chinesische Studie aus dem Jahr 2024, veröffentlicht im American College of Cardiology, zeigt. Die Effekte sind in rund der halben Trainingszeit bzw. -intensität erreichbar als bei Männern, der Profit für die Herz-Kreislauf-Gesundheit bei vergleichbarem Krafttraining doppelt so hoch.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Salzburger Frauenlauf / Alexander Schwarz

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